Boris Koch – Das Camp der Unbegabten

  • Kurzmeinung

    Pasghetti
    Nicht ganz runde Geschichte mit einigen "Aufregern", aber dennoch locker und spannend zu lesen

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  • ... Eine humorvolle Anti-Superhelden-Geschichte


    Klappentext/Verlagstext
    17 Meter 42 – so hoch ist die Brücke über dem Fluss, von der Bjarne und sein bester Freund Luca springen, Bjarne hat schließlich extra mit dem Senkblei seines Vaters nachgemessen. Lebensmüde sind die beiden nicht, der Sprung war trotzdem eine Scheißidee, denn Bjarne bricht sich den Fuß. Dabei wollte er doch nur fliegen, schließlich würde er einfach alles dafür tun, dass sich bei ihm endlich eine übernatürliche Begabung zeigt. Stattdessen wird sie plötzlich bei Luca festgestellt. Während der nun in der Welt der „Superhelden“ lebt, landet Bjarne im Sommercamp für Unbegabte. Und da geht der Ärger erst richtig los!


    Der Autor
    Boris Koch, geboren in einer Winternacht 1973, wuchs auf dem Land im bayrischen Schwaben auf. Nach dem Zivildienst in einer Kinderpsychiatrie studierte er Alte Geschichte und Neuere Deutsche Literatur mit wechselnden Nebenfächern in München und brach beide Studiengänge zugunsten des Schreibens ab.

    Im Jahr 2000 zog er nach Berlin, wo er u.a. mehrere Jahre in der Otherland Buchhandlung jobbte und mit Christian von Aster und Markolf Hoffmann die phantastische Lesebühne "Das StirnhirnhinterZimmer" gründete, die zehn Jahre Bestand hatte. Seit dem Frühjahr 2015 lebt er mit der Autorin Kathleen Weise ihrer gemeinsamen Tochter als freier Autor in Leipzig und schreibt für Jugendliche und Erwachsene, Phantastisches und Realistisches.


    Inhalt
    Bjarne sucht dringend seine übernatürliche Begabung und das möglichst noch vor seinem Geburtstag. Es eilt, weil empirisch belegt ist, dass Begabungen ihre Träger mit einer geringfügig höheren Wahrscheinlichkeit vor dem 14. Geburtstag finden. Ohne herausragende Begabung haben Jugendliche kaum eine Chance Influencer zu werden oder einen Ausbildungsplatz zu finden. Das Land sucht wie im Fieber nach dem Ungewöhnlichen und für so manchen ist der Begabungs-Hype ein willkommenes Geschäft. Ähnlichkeiten mit Fußball-Vätern und Eislauf-Müttern sind vermutlich beabsichtigt.


    Bjarne und sein bester Freund Luca treffen sich auf einer Brücke über die Wertach, um endlich Bjarnes Talent zum Fliegen ohne technische Hilfsmittel hervor zu kitzeln. Als Fan von SkyBlueSky, die eine von weltweit nur drei Flugbegabten ist, kommt keine andere Begabung für Bjarne in Frage. Selbst als er sich beim Sprung in den Fluss den Fuß bricht, gibt er seinen Traum vom Fliegen nicht auf. Ein weiteres Abenteuer führt Bjarne in die Sprechstunde eines Psychologen. Vor die Entscheidung gestellt zwischen Einweisung in die Psychiatrie und einem Camp für Unbegabte, entscheidet sich Bjarne für „Action für Unbegabte“. Schlimmer kann es für ihn kaum kommen; denn Lucas plötzlicher Aufstieg als “Nighteyes“ zum Star der Sozialen Medien scheint das Ende ihrer Freundschaft einzuläuten. Bjarnes Freund wurde überraschend als Nachtsichtiger geoutet und wechselt mitten im Schuljahr in ein Nobel-Internat für Begabte. Im Camp trifft Bjarne zum ersten Mal auf kritische Stimmen des Förderwahns und man könnte sich fragen, ob nicht eher die materiellen Interessen der Eltern therapiert werden müssten. Die Ankündigung, dass die fünf Häuser des Lagers einen komplizierten Wettkampf gegeneinander austragen werden und die Siegermannschaft gegen Lucas Schule antritt, weckt Bjarnes altes kämpferisches Ich. Schon während der ersten Runde „der Spiele“ erkennt Bjarne, dass Beobachtung, Konzentration oder ein gutes Gedächtnis seiner Mannschaft Punkte einbringen können. Und dann trifft die Nachricht ein, dass eine Mitschülerin von Luca entführt wurde …


    Fazit

    Bjarnes von außen aufgezwungene Suche nach einer besonderen Begabung karikiert höchst amüsant jeglichen Ehrgeiz, bewundert oder geliked zu werden. Wenn doch jede Person einfach nur normal sein dürfte, fragte ich mich beim Lesen. Sehr frühzeitig legt der Autor Spuren aus, die Zweifel an den Vorgängen säen, und sein Anti-Held wirkt klug und konzentriert genug, diese Spuren wahrzunehmen. Dass Konzentration eine Begabung sein kann, die vielleicht doch beeinflussbar ist, kommt bei mir als Botschaft des Buches an. Boris Kochs humorvolles Anti-Superhelden-Abenteuer konnte mich nicht komplett begeistern, mit Beginn der Entführungsgeschichte sackte der Spannungsbogen m. A. nach ab..


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    :musik: -- Bardugo - Rule of Wolves (2.)


    "The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card.!" E. L. Doctorow

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