Takis Würger - Noah

  • Kurzmeinung

    claudi-1963
    Viel zu emotionslos und pragmatisch, dass dem Leben Noah Kliegers meiner Ansicht nach in keiner Weise gerecht wird.

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  • Klappentext:
    Noah Klieger war 13, als er sich während der deutschen Besatzung Belgiens einer jüdischen Untergrundorganisation anschloss und half, jüdische Kinder in die Schweiz zu schmuggeln. Noah Klieger war 17, als er im Morgengrauen als Häftling in Auschwitz ankam, bei Minusgraden. Noah Klieger hatte noch nie geboxt, als am Tag seiner Ankunft im Konzentrationslager gefragt wurde, ob sich Boxer unter den Häftlingen befänden und seine Hand nach oben ging. Die tägliche Sonderration Suppe für die Mitglieder der Boxstaffel von Auschwitz ließ ihn lange genug überleben. Noah Klieger war 20, als die Konzentrationslager befreit wurden. Er hat drei Todesmärsche und vier Konzentrationslager überlebt in einer Zeit, in der ein Wort, eine gehobene Hand oder ein Schritt den Tod bedeuten konnten oder das Leben. Auch in den dunklen, eiskalten Stunden fand er Hoffnung, fand er Kämpfer für den Widerstand gegen die Deutschen, fand er Verbündete, die mit ihm Kartoffeln stahlen, fand er einen Arzt, der ihm das Leben rettete, fand er List und Glück und einen letzten Laib Brot.

    Takis Würger erzählt die Lebensgeschichte des Noah Klieger – von seiner Kindheit im Frankreich der 1920er Jahre, seinem Überleben in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten bis zu seinem Engagement für die Staatsgründung Israels. Der Bericht eines großen Lebens – atemberaubend gut erzählt. Eine Geschichte, die nicht vergessen werden darf. (von der Penguin-Verlagsseite kopiert)


    Zum Autor:
    Takis Würger, geboren 1985, berichtet als Journalist für das Nachrichtenmagazin Der Spiegel u. a. aus Afghanistan, Libyen und dem Irak. Mit seinen Reportagen gewann er zahlreiche Preise, darunter den Deutschen Reporterpreis und den CNN Journalist Award. Mit 28 Jahren ging er nach England, um an der Universität von Cambridge Ideengeschichte zu studieren. 2017 erschien sein Debütroman Der Club, der für den aspekte-Literaturpreis nominiert war und mit dem Debütpreis der lit.Cologne ausgezeichnet wurde. (von der Penguin-Verlagsseite kopiert)


    Allgemeine Informationen:
    Das Buch entstand aus Gesprächen zwischen Noah Klieger und dem Autor
    Vier Teile
    weiterführendes Literaturverzeichnis
    Nachwort des Autors
    Nachwort von Alice Klieger, Noahs Nichte
    Essay von Sharon Kangisser Cohen (u.a. Chefredakteurin der Yad Vashem Studies) „Noah Kliegers Erinnerungen“
    185 Seiten


    Meine Gedanken zum Buch:
    Auf „Stella“ folgt „Noah“. Nach dem Buch über die jüdische Denunziantin Stella Goldberg stellt der Autor ein Gleichgewicht her, indem er auf die Seite der Opfer wechselt - so könnte man Würgers Veröffentlichungen beurteilen, wäre man ihm übel gesinnt. Auf diesem Hintergrund wirken die Nachworte wie vorauseilende Argumente gegen Unterstellungen, die man dem Autor machen könnte.


    Ein Sprachkünstler ist Würger nicht; er kommt vom Journalismus, wo berichten gefragter ist als erzählen. Auf der anderen Seite hält man als Leser die Inhalte des Buches und das, was Noah widerfährt, durch die sachlich-distanzierte Schreibweise besser aus.


    Natürlich, jeder weiß, was in Auschwitz passiert ist, jeder kennt den Namen Josef Mengele, jeder weiß um Selektionen, Menschenschinderei und Vergasungen. Trotzdem kann das Entsetzen immer wieder neu auferweckt werden.
    Noah Klieger war einer der letzten Zeitzeugen, die den Holocaust überlebt haben. Das macht sein Zeugnis wichtig. Um das KZ zu überstehen brauchte Klieger Glück, das sich aus Mut, Zufällen und Wundern kombiniert.


    Nach der Nazizeit ging Kliegers Kampf ums Überleben weiter: Er war Passagier auf der „Exodus“ und konnte auch hier nur durch ein Wunder gerettet werden.


    Nach einer persönlichen Begegnung und vielen Gesprächen schrieb Würger das Buch, das vor dem Druck von Klieger redigiert wurde. Ein paar Jahre zuvor hatte dieser selbst unter dem Titel „Zwölf Brötchen zum Frühstück“ eine Autobiographie verfasst, in der anscheinend bereits vieles von dem niedergeschrieben wurde, was auch in Würgers Buch zur Sprache kommt.


    Eine abschließende Beurteilung fällt schwer. Das Buch ist authentischer und wahrhaftiger als „Stella“, doch die Faszination, die Noah Klieger ausstrahlt, kann Würger nicht übermitteln.

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • "So lange noch im Herzen eine jüdische Seele wohnt, so lange ist unsere Hoffnung nicht verloren, die uralte Hoffnung, ins Land unserer Väter zurückzukehren." (Buchauszug)

    Noah Klieger ist 16 Jahre alt, als er vom Sammellager Mechelen ins KZ Auschwitz III Monowitz kommt. Hier versucht sich der intelligente, schmächtige Junge so gut es geht durchzuschlagen. Schnell spricht sich herum, dass man auf sich achtgeben muss, um hier zu überleben. Deshalb versucht Noah bei den Boxern unterzukommen, um eine zusätzliche Essensration zu bekommen. Mit 20 wird er dann von den Alliierten befreit, nachdem er drei Todesmärsche überlebt hat. Nur gut, dass er einige Helfer hatte, die ihm immer wieder geholfen haben zu überleben. Als 23-Jähriger führt ihn sein weiterer Weg mit der Exodus nach Palästina, doch selbst dieser wird für Noah kein einfacher sein.


    Meine Meinung:

    Ein unscheinbares blaues Cover, bei dem ich auf eine bemerkenswerte Lebensgeschichte eines Zeitzeugen des Holocaust gehofft hatte. Anhand des Klappentextes war mir sofort klar, dass ich dieses Buch unbedingt lesen möchte, da ich schon mehrere Zeitzeugenberichte gelesen habe. Der Schreibstil ist recht emotionslos, oberflächlich und meiner Ansicht nach viel zu nüchtern verfasst. Dadurch wurde ich regelrecht enttäuscht, da dieser Lebensbericht für mich eher unvollständig war. Was hier auf nicht ganz 190 Seiten wiedergegeben wird, wird meiner Ansicht nach in keinem Verhältnis dem Leben des verstorbenen Journalisten und Holocaustüberlebenden Noah Klieger gerecht. Das in vier Teilen unterteilte Buch erfasst zu Beginn seine Zeit im KZ Auschwitz III Monowitz. Während mich sonst andere Zeitzeugenberichte regelrecht berühren, empfinde ich hier hingegen nur Nüchternheit. Zwar erschüttert mich, was Noah mitgemacht hat, doch richtig aufwühlen konnte es mich nicht so wie ich es sonst von anderen Zeitzeugenberichten gewohnt bin. Was sicherlich an der recht emotionslosen und viel zu kurzen Abhandlung liegt. Dachte ich dann, dass er die Geschichte noch weiter fortsetzt, wurde ich im zweiten Teil eines Besseren belehrt. Den diese Zeit wird einfach mal eben recht nüchtern abhackt. Lediglich die Begegnung mit dem Arzt Josef Mengele hat mich schwer beeindruckt. Währenddessen geht es weiter zur Befreiung, um dann einen erneuten Zeitsprung von zwei Jahren zu machen. Schon alleine die Zeit im Konzentrationslager, in dem Noah so viel erleben musste, erschien mir viel zu pragmatisch und unangemessen. Außerdem die Begegnung seiner Familie mal ebenso so kühl abzuhacken, die sicherlich für Noah wichtig gewesen ist, fand ich einfach unpassend. Hingegen war die Überfahrt nach Israel mit einigen Details ausgemalt, die ich nicht unbedingt gebraucht hätte. Ein so bemerkenswertes Leben, wie das von Noah auf nur 150 Seiten zu reduzieren ist meiner Ansicht nach nicht möglich und wird ihm definitiv nicht gerecht. Zwar wird im Nachwort erwähnt, das Noah dieses Buch so wollte um es seinen vielen Freunden zu widmen, die ihm geholfen haben. Jedoch ob er es wirklich so noch abgesegnet hat vor seinem Tod weiß ich nicht und ich frage mich auch was für einen Sinn macht dann dieses Buch? Zudem finde ich, sollte das nicht der Grund sein, warum man sein eigenes Leben so kurz abhandelt. Gestört und wütend gemacht hat mich auch Noahs Bild über uns Deutsche am Ende des Buchs. Seine Aussagen hier klangen für mich total unversöhnt und vorwurfsvoll. Ebenso kommt u. a. seine Nichte Alice und Sharon Kangisser Cohen zu Wort, die meiner Ansicht nach zu viel Lob für dieses Buch austeilt. Ich bin enttäuscht, dass man einem so bedeutenden Menschen wie Noah nicht mehr Ehre zukommen lässt als dieser gekürzte, viel zu unpersönliche Lebensbericht. In keinem Fall wird dieses Buch ihm gerecht, wo er so viel erlebt und dazu noch das Land Israel mit aufgebaut hat. Da habe ich weitaus mehr über Noah Klieger in einem Video erfahren. Es tut mir leid, dass ich für diese Leistung keine Lobeshymnen abgeben kann. Denn wen man wie erwähnt wochenlang mit jemanden zusammen ist, über den man schreiben darf, dann sollte doch mehr herauskommen, als man hier in dieser Kürze zusammengetragen hat. Darum kann ich diesem Buch auch nur 2 von 5 Sterne geben. :bewertung1von5: :bewertung1von5: :thumbdown: [-(

  • Ein so bemerkenswertes Leben, wie das von Noah auf nur 150 Seiten zu reduzieren ist meiner Ansicht nach nicht möglich und wird ihm definitiv nicht gerecht.

    Allerdings ist Noah Kliegers Autobiographie auch nur 130 Seiten kurz.

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • Ein so bemerkenswertes Leben, wie das von Noah auf nur 150 Seiten zu reduzieren ist meiner Ansicht nach nicht möglich und wird ihm definitiv nicht gerecht.

    Allerdings ist Noah Kliegers Autobiographie auch nur 130 Seiten kurz.

    Ich weiß nicht wirklich ob es eine Biografie ist oder einfach nur erlebte Geschichten? Aber wer weiß, vielleicht wäre das sogar eher mein Buch gewesen.

  • vielleicht wäre das sogar eher mein Buch gewesen

    Ja, meins auch. Aber der Preis ist ziemlich abschreckend. :shock:

    Das kann man wohl sagen, so viel würde ich nicht dafür ausgeben, selbst wenn ich solche Bücher ja sammle. Aber sieh mal es gibt wohl doch eine Biografie, aber eben leider nur auf hebräisch.


    https://www.booklooker.de/B%C3…+My-Life/id/A02uNs3D01ZZ8

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