Christian Klinger - Tote Vögel singen nicht

  • Kurzmeinung

    hennie
    Insgesamt konnte mich dieser Thriller nicht überzeugen!

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  • Anwalt auf Abwegen


    Der eher dürftige Anwalt Cosinus Gauß hat ein schlechtes Verhältnis zu seiner Familie. Sein Vater hat ihn als Kind gequält – ebenso seinen Bruder – und seine Mutter ist sehr eigenwillig. Die Beziehung zu seinem Bruder ist ebenfalls nur in Form von Streit vorhanden. Da er beruflich auch nicht besonders erfolgreich ist, hat einen nicht immer ganz legalen Weg gefunden, am gesellschaftlichen Leben Wiens teilzuhaben. Nachdem er sich eine Einladung für eine Society-Party erschlichen hat, verlässt er diese mit einer attraktiven Frau, neben der er am nächsten Morgen im Hotel aufwacht. Allerdings ist sie über Nacht ermordet worden. Gauß macht sich auf den Weg, den Mord aufzuklären.


    Neben seiner Familiengeschichte nimmt uns Gauß mit bei der Aufklärung des mysteriösen Mordfalls. Auch hier überschreitet er nicht selten die Grenzen der Legalität, auch wenn ihm der ermittelnde Kommissar immer auf den Versen ist. Die Beschreibung der Schauplätze Wien und Berlin ist detailliert, man kann sich als Leser gut dort eindenken.


    In diesem Thriller zeigt Klinger, welchen Einfluss Neid auf unser Leben nehmen kann, und zu welchen Dingen man in dieser Gefühlslage fähig ist.


    Der Schreibstil ist lässig, oft formuliert Klinger die Gedanken der Personen frei heraus, was das Nachfühlen erleichtert.


    Das Buch ist auf jeden Fall lesenswert, kurz vor der Aufklärung des Falls ist ein kleiner Bruch, dieser hat mich beim Lesen verwirrt. Das letzte Kapitel schließt alle Lücken, sodass der Fall ordentlich gelöst ist.


    Insgesamt taugt es für ein paar unterhaltsame Lesestunden und bleibt bis zum Ende spannend.



    Titel: Tote Vögel singen nicht


    Autor: Christian Klinger


    Verlag: ueberreuter


    Seitenanzahl: 192


    Genre: Thriller


    Preis: 14,00€

    1. (Ø)

      Verlag: Carl Ueberreuter Verlag, Sachbuch


  • Wer tötete Schneewittchen?


    Bereits der allererste Satz kann eine feinsinnige Seele schon zusammenzucken lassen. Aber das sollte man bei einem Thriller aushalten können. Da geht es schon mal ruppig zu. Allerdings gehörte diese Story für mich nicht zu diesem Genre.


    Der Klappentext und das Cover in seiner morbiden Zartheit (die tote Blaumeise auf ihrem weißen Blütentotenbett) ließen mich einen spannenden Thriller erwarten. Die Hauptfigur heißt Cosinus Gauß (für diesen Namen gibt es von mir ein Daumenhoch). Er ist ein erfolglos agierender Anwalt und gerät für ein einvernehmliches Treffen zum Sex mächtig in die Bredouille. Eine seltene Krankheit (POTS - Posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom) läßt ihn urplötzlich und zu ungünstigsten Zeiten in Ohnmacht fallen. Sein Erwachen in dem Hotelzimmer neben der blutigen weiblichen Leiche ist schrecklich und die Situation für ihn stellt sich aussichtslos dar! Alle Indizien weisen auf ihn als Täter! Cosinus beginnt sofort mit den Ermittlungen, weil jede Minute zählt.


    Soweit ist das ein guter Ansatz für eine spannende Geschichte. Doch aus der Sicht von Cosinus zerfasert das Geschehen hauptsächlich mehr und mehr zu einer Charakterisierung seiner unsympathischen Person. Da nur aus der Ich-Perspektive über die ca. 190 Seiten berichtet wird, die Stimmungen und Gefühle der Hauptfigur im Zentrum sind, erhalten die anderen Charaktere keinen Tiefgang. Den Figuren, einschließlich Gauß, bleibt keine Zeit zur Entwicklung. Probleme werden nur angerissen und kommen eruptiv zumeist in verbalen Ausdrücken zum Vorschein.

    Die Sprache ist schon ziemlich derb, vulgär, ätzend und vor allem sexistisch. Das wirkte abstoßend und nervte mich mit der Zeit sehr. Es kam mir bald nur noch gewollt und aufgesetzt vor, irgendwie künstlich. Das Arschloch habe ich so der Figur des Cosinus Gauß nicht abgenommen, lieber Autor Christian Klinger.

    Trotz der guten Einfälle (Treuetest-Agentur, die seltene Krankheit, die Verstrickungen mit der Politik u.a.m.) überwiegt in der Handlung das Negative. Cosinus gerät von einer heiklen Lage in die nächste, wobei seine Gesamtsituation vor dem Mord eh schon prekär war. Deprimierend!

    Der explosive Schluß paßt damit ins Gesamtbild, ein irres, überzogenes Ende. Leider insgesamt eine Geschichte, die mich nicht überzeugen konnte. Ein wie versprochen rasant geschriebener Thriller war es nicht!


    Wem ich dieses Buch empfehlen soll? Vielleicht am ehesten noch Männern, die sich an der Sprache und am Frauenbild des Cosinus Gauß nicht stören?


    Mehr als zwei Sterne möchte ich für diese Story nicht vergeben. :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Es kommt selten vor, das ich mich bei einem Buch entscheide es mit nur einen Stern zu bewerten. Wobei ich ehrlich sagen muss, dass ich auf einer Skala von +10 bis -10 am liebsten sogar die -10 gewählt hätte.

    Zu den Gründen: Generell finde ich es wichtig und notwendig, das in Büchern auch Themen behandelt werden, die sonst nicht so in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten. In diesem Fall die Erkrankung Posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom. Auch der Umgang mit Gedächntnisverlusten kann ganz spannend sein und zu einer interessanten Geschichte führen.

    Wenn dann aber sexbessene Charaktere präsentiert werden, die wie der Hauptprotagonist Cosinus Gauß scheinbar nur ihren "Schwanz" und dessen Befriedigung in Kopf haben und eine permante eckelerregende sexistische Sprachweise verwendet wird, dann ist bei mir jegliche Toleranzgrenze überschritten.

    Hinzu kommt ein Cover, wo ungeniert tote Tiere präsentiert werden und es entsteht das Gefühl, als ob der Autor sich regelrecht daran ergötzen würde.

    Das Buch lohnt sich leider in keinster Weise und ich kann nur hoffen, das es ein Ladenhüter bleiben wird.

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