Neda Alaei – Zwischen uns tausend Bilder / Dette er ikke oss

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  • Klappentext/Verlagstext

    Dicht und ergreifend: Ein Jugendbuch über Einsamkeit und den Mut auszubrechen
    Seit ihre Mutter gestorben ist, muss die 14-jährige Sanna dabei zusehen, wie ihr Vater immer mehr in sich selbst verschwindet. Sanna sucht Trost in der Fotografie. Die Bilder helfen dir, die Welt zu sehen, hat ihre Mutter gesagt. Auch wenn die Welt manchmal hässlich ist und die frühere beste Freundin dem Jungen näher kommt, mit dem Sanna ihre Leidenschaft teilt. Doch genau dadurch findet sie schließlich den Mut, sich der Realität zu stellen und eine eigene Perspektive zu entwickeln.
    Ein starkes Debüt. Stark und authentisch erzählt.


    Die Autorin
    Neda Alaei, geboren 1991, wuchs in Moss auf und lebt heute in Oslo. Sie ist Absolventin des Norwegischen Kinderbuchinstituts und arbeitet als Sozialarbeiterin. Zwischen uns tausend Bilder ist ihr erster Roman.


    Inhalt
    Seit Sannas Mutter kürzlich gestorben ist, muss sie zuhause die Rolle der Erwachsenen übernehmen. Ihr Vater leidet offenbar an einer Trauerdepression und wird zum Kind, das von Sanna völlig abhängig ist. Sanna weiß, dass Eltern sich nicht wie Mikkel verhalten sollten, wahrt jedoch nach außen die Fassade. Als Yousef, der Junge mit "den braunsten Augen aller Zeiten", neu in ihre Klasse kommt und Sanna kurz darauf zuhause die Kamera findet, die ihre Mutter vor ihrem Tod als Geburtstagsgeschenk gekauft hatte, öffnet sich der 14-Jährigen eine neue Welt. Ihre Mutter fotografierte selbst und wollte, dass auch Sanna die Schönheit der Welt sehen lernte. Sanna erkannte schon zu Lebzeiten ihrer Mutter den Unterschied zwischen Knipsen und Fotografieren; denn ihre Mutter sah das Erlebte anders als andere und konnte mitreißend davon erzählen.


    Ein Besuch in der Bücherei zeigt Sanna, dass in der Fachliteratur die Fotografie gleichberechtigt neben Kunst und Architektur steht - Fotografieren musste eine Kunst sein. Der neue Mitschüler Yousef übernimmt Sannas Ausbildung zur ernsthaften Fotografin. Auch er sieht die Welt mit anderen Augen; er nutzt keine Tricks, keine Filter, fotografiert nicht, um in den Sozialen Medien geliked zu werden. Sanna deprimiert sein Können noch, doch Yousef ist ein geduldiger Lehrer. Dass Mitra in Yousef verliebt ist und ihn selbstverständlich für sich beansprucht, zerstört schließlich Sannas Rückhalt bei ihren Freundinnen.


    Obwohl Sannas Lehrerin Trine sehr besorgt um ihre Schülerin ist und das Jugendamt schließlich darauf aufmerksam wird, dass Sanna ihren Vater und den Haushalt allein versorgt hat, fällt es ihr noch immer schwer, endlich Hilfe von Erwachsenen anzunehmen. Das Hilfsangebot vom Jugendamt fasst Sanna als Kritik an sich auf – sie war offenbar nicht gut genug und konnte ihre Fassade nicht wahren.


    Fazit

    Ihren Vater zu überzeugen, dass er Hilfe braucht, selbst Hilfe annehmen zu können und dennoch ein normales Leben unter Gleichaltrigen zu führen, das scheint zu Anfang der Geschichte für Sanna undenkbar. Wie es dazu kommt, dass Kinder oder Jugendliche bis zum eigenen Zusammenbruch die Fassade wahren und Hilfsangebote offenbar nicht deutlich genug ankommen, zeigt Neda Alaei hier überzeugend und mit der Berufserfahrung der Sozialpädagogin. Die erste Liebe, ein veränderter Blick auf die Welt, das Cover-Bild eines Mädchens im roten Anorak und das Thema Fotografie fügen sich zu einem bewegenden Jugendroman mit glaubwürdigen Figuren.


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    "The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card.!" E. L. Doctorow

  • Squirrel

    Hat den Titel des Themas von „Neda Alaei – Zwischen uns Tausend Bilder / Dette er ikke oss“ zu „Neda Alaei – Zwischen uns tausend Bilder / Dette er ikke oss“ geändert.
  • Neda Alaei hat hier einen einfühlsamen und weitgehend überzeugenden Jugendroman vorgelegt, in dem die Trauer über den Tod der Mutter, das Funktionierenmüssen um des depressiven Vaters willen, ein zerbrechendes soziales Umfeld und (erfreulich kitschfrei!) eine erste Liebe miteinander verwoben werden.


    Das Ganze las sich flüssig und spannend, aber oft musste ich auch den Atem anhalten und Sannas Gedanken und Motive auf mich wirken lassen – dieses Verantwortungsgefühl, das sie für den Vater empfand und das sie unter Verdrehung der Verhältnisse die fürsorgende Rolle in der Beziehung einnehmen ließ; die Selbstbeschuldigungen, nicht gut genug gewesen zu sein, als dann doch das Jugendamt vor der Tür stand – diese Szenen waren schmerzhaft. Und etwas zu idyllisch dann die Rolle von Sannas Lehrerin.


    Zusammengehalten werden die Stränge von Sannas Entdecken und Erkunden der Fotografie – hier wirkt ihre tote Mutter noch in Sannas Leben hinein, in dem sich neue Horizonte (weit über Klicks und Likes auf Snapchat und Instagram hinaus) öffnen, das Leben wieder eingelassen und gestaltet werden kann. Dieses verbindende Element der Kamera und der Fotos fand ich sehr schön.


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