Orkun Ertener – Was bisher geschah

  • ... Und was niemals geschehen darf


    Klappentext/Verlagstext

    Finn und Paul sind seit Kindertagen unzertrennlich. Jetzt, kurz vor dem Abitur, ist nichts mehr wie früher. Was die Zukunft für sie bereithält, ist ungewiss und macht Angst, und dann ist da noch Khalil, der plötzlich zwischen ihnen steht. Khalil, der Unberechenbare, den Paul vergöttert, obwohl Finn ihm nicht über den Weg traut. Nachdem Paul einen schweren Unfall hat, muss er damit klarkommen, dass sein Gedächtnis nicht über einen Tag hinausreicht. In der Reha erhält Paul einen Brief von Khalil, der Entsetzliches befürchten lässt. Paul überzeugt Finn, dass sie Khalil aufhalten müssen. So beginnt ein Roadtrip, der sie von Köln über Berlin, London bis nach Hamburg zum G20-Gipfel führt. Und der alles für immer verändert.


    Der Autor
    Orkun Ertener, geboren 1966, arbeitet als Autor vorwiegend fürs Fernsehen und wurde für seine Arbeit vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Adolf-Grimme-Preis für die von ihm entwickelte Serie »KDD-Kriminaldauerdienst«. Sein erster Roman »Lebt« stand auf Platz 1 der KrimiBestenliste und fand bei Kritik und Lesepublikum gleichermaßen Beachtung. Orkun Ertener lebt mit seiner Familie in Köln.


    Inhalt

    Finn, Paul und Khalil sind allerbeste Freunde und bereiten an ihrer Schule einen 5-Sterne-Abistreich vor. Schon als Zehnjährige planten Finn und Paul eine gemeinsame Reise nach Kanada. Doch mit Khalil und Finns Freundin Darja hat sich die Dynamik ihrer Beziehung verändert. Darja, die meinungsstarke Tochter von Migranten, braucht Abstand von ihrem Schülerleben und hat sich längst für einen Einsatz in Tansania beworben. Im Windschatten des Abistreichs wird Paul von einem Auto angefahren, erleidet eine schwere Hirnverletzung und wird seit mittlerweile einem Jahr in einer Reha-Klinik behandelt. Er hat das Gedächtnis verloren und muss jeden Morgen von Neuem aus seinem gelben Notizbuch zusammensuchen, wer er ist und wer die anderen Leute sind. In eigener Schrifttype erzählt Paul seine Erlebnisse in Tagebuchform. Khalils Vater, ein einflussreicher syrisch-stämmiger Geschäftsmann, sorgt dafür, dass der Abistreich und seine Nachwirkungen für die Clique keine juristischen Folgen haben.


    Noch während Pauls Reha verschiebt sich die Beziehung der jungen Leute. Darja bereitet ihr Tansania-Projekt vor, für Paul hofft man als Leser gemeinsam mit seinen Eltern jeden Tag auf Besserung, nur Finn wirkt unvorbereitet auf das Leben nach dem Abi. Da Paul sich nicht erinnern kann, was am Vortag passierte, fällt es lange nicht auf, dass Finn seinen Freund in der Reha nicht besucht. Wenn Finn sich um Paul kümmern würde, müssten seine Besuche doch in Pauls Tagebuch eingetragen sein. Kann man Finn trauen?


    Im Jahr nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt schlägt ein Brief von Khalil in der Clique ein wie eine Bombe. Khalil Bukhari hatte theoretisch ein Stipendium für eine amerikanische Universität, doch das Studium konnte er nicht antreten, weil sein Vater aus Syrien stammt. Nun ist der junge Mann untergetaucht und hat sich in die analoge Welt verabschiedet. Über seine Motive und sein nächstes Ziel lässt sich nur das Schlimmste befürchten. Weil Khalil offenbar nur Paul vertraut, entwickelt Finn die Schnapsidee, Paul aus der Klinik abzuholen und mit ihm gemeinsam Khalil nachzureisen.


    Aus Tagebucheintragungen, Briefen und Nachrichten entsteht ein krimireifes Roadmovie, das bei mir ein Netz aus Zweifeln schuf. Was traue ich Khalil zu und warum, welche Probleme türmen sich in den Elternhäusern der Jungen auf – und: muss ein Reiseprojekt des unfertig wirkenden Finn nicht zwangsläufig schiefgehen? Orkun Ertener sät von Beginn an Zweifel. Ich musste an so vielen Stellen zweifeln, dass die Lösung mich am Ende nur aus den Schuhen werfen konnte.


    Fazit

    Ortun Erteners zweiter Roman fesselt und überrascht, er überzeugt mit liebevoll gezeichneten Figuren – sehr vielen Figuren! – und berührt mit der Innensicht eines Schwerverletzten, der aufgrund seiner Gedächtnisstörung nur schwer vertrauen kann.


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb:

    :study: -- Bergkraut - Hundert Tage im Frühling

    :study: --

    :musik:-- Whitaker - In den Farben des Dunkels


    "The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card!" E. L. Doctorow