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Romalyn Tilghman – Die Bücherfrauen / To the Stars Through Difficulties

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  • Klappentext/Verlagstext
    Mit ihrer Liebe zu Büchern schenken drei mutige Frauen einer zerstörten Kleinstadt neue Hoffnung
    In Prairie Hill, einer Kleinstadt irgendwo in Kansas, steht nach einem Tornado nur noch die Fassade der Bibliothek. Angelina kehrt für ihre Doktorarbeit zurück an den magischen Ort ihrer Kindheit. Ihre Liebe zum Lesen erbte sie von ihrer Großmutter Amanda. Frauen wie Amanda, die zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts Kultur in die entlegensten Winkel des Landes brachten, widmet Angelina ihre Studien. In Kansas begegnet sie zwei Frauen, die wie sie an einem Wendepunkt stehen. Gemeinsam entwickeln sie eine Schaffenskraft, die der Kleinstadt neue Hoffnung gibt. Am Ende der Welt finden die drei Frauen einen neuen Lebenssinn und ihr ganz persönliches Glück.


    Die Autorin
    Romalyn Tilghman hat ihr ganzes Leben in der Kulturförderung gearbeitet. Nach ihrem Universitätsabschluss in Journalismus leitete sie eine Vereinigung für Kulturförderung in Kansas. Im Lauf ihrer Karriere arbeitete sie in ländlichen Kulturvereinen überall in den Vereinigten Staaten. In ihrer täglichen Arbeit ist sie Zeugin, wie Gruppen von vorwiegend Frauen in den entlegensten Winkeln des Landes für Kultur kämpfen. »Die Bücherfrauen« ist ihr erster Roman. Er wurde zum Überraschungserfolg des Independent-Verlages ›She Writes Press‹ und gewann zahlreiche Preise. Heute lebt Romalyn Tilghman in Los Angeles, USA.


    Inhalt
    Angelina Sprint muss sich entscheiden, entweder ihre Promotion abzuschließen und sich um eine Stelle als Bibliotheksdirektorin bewerben oder mit fast 40 Jahren endgültig ihr Studium zu beenden. Angelinas Promotionsthema sind die Bürgerinitiativen, in denen Frauen wie ihre Großmutter Amanda vor 100 Jahren in abgelegenen Orten des ländlichen Kansas Bibliotheken organisierten. Selbst wenn z. B. die Carnegie-Stiftung Bibliotheksbauten finanzierte, mussten die Mittel für Unterhalt und Buchbestand meist von den Gemeinden finanziert werden. Angelina war als Kind von einem vorlesenden Vater und den Geschichten geprägt worden, die sie über ihre Großmutter väterlicherseits hörte. Zitate aus Amandas Tagebuch wären ein würdiger Abschluss von Angelinas Arbeit, die an ihrer Uni längst nicht unumstritten ist. Eine Ablehnung ihrer Arbeit würde für Angelina der Diskriminierung des ganzen Landstrichs gleichkommen, den die akademische Welt als zu unbedeutend für die Kulturwissenschaften etikettieren würde. Am Ende ihrer Recherchen sieht sie Carnegie, den Schutzheiligen der Bibliotheken, inzwischen weniger idealistisch, als man ihr als Kind vermittelte. Carnegies Mäzenatentum war nur eine Seite seiner Persönlichkeit, die andere zeigte ihn als knallharten Geschäftsmann, der Gewalt nicht scheute, um den Kampf um Arbeiterrechte im Keim zu ersticken.


    Nach einem Wirbelsturm, der eine Kleinstadt samt ihrer Bibliothek in Schutt und Asche legte, treffen drei Frauen aufeinander, Angelina, die Nachfahrin einer couragierten Aktivistin, Traci aus New York, die sich in New Hope etwas zu blauäugig als Kunstpädagogin für ein Projekt beworben hat, und Gayle, die durch den kürzlichen Tornado im Nachbarort Haus und Existenz verloren hat. Die Tornado-Opfer mussten untergebracht werden, so dass Angelina kein Motelzimmer findet. Elena Morton nimmt die Besucherin auf. Sie ist selbst Bibliothekarin; in einer charakteristischen Szene stehen sich zwei Frauen gegenüber, die in einem winzigen Moment gegenseitig ihre Stärken und Schwächen erkennen. Unter Tracis Leitung arbeiten nun die unterschiedlichsten Frauen zusammen, um zunächst durch Fundraising Tracis Gehalt zu verdienen und im nächsten Schritt ihren Ort im Wettkampf um einen Bibliotheksbau voranzubringen.


    Bücher, Bibliotheken und Buchmenschen als Romanthema garantieren normalerweise ein Wohlfühlbuch. Romalyn Tilghmans Ehrung der tatkräftigen Frauen von Kansas gelingt leider nur im Ansatz. Mit mehreren Icherzählerinnen samt ihren individuellen Lebensläufen und Sichtweisen auf die Provinz, drei Frauengenerationen und verschiedenen Zeitebenen finde ich den Plot für ein Wohlfühlbuch zu kompliziert. Auf welcher Zeitebene gerade erzählt wird, war mir nicht immer sofort klar. Den historischen Teil fand ich dagegen hochinteressant, der u. a. beleuchtet, ob engagierte Kulturpolitik die Landflucht aus der Provinz eindämmen könnte.


    Fazit

    Ärgerlich finde ich hier den rückständigen Blick auf Frauen im Ehrenamt, ihre Reduzierung auf das Fundraising durch Häkeln, Quilten oder Kuchenbacken, das der couragierten Vorfahrin Amanda Sprint nicht gerecht wird. Eine Portion Selbstkritik am Ende ihre Projekts hätte Romalyn Tilghmans Aktivistinnen nicht geschadet. Zu gern hätte ich ihre Ansicht darüber erfahren, dass Kultur und Bibliotheken in der Gegenwart noch immer zu einem Nice-to-Have degradiert werden, anstatt beides als Menschenrecht auf Bildung zu begreifen, und dass sie selbst diese rückständige Einstellung idealisieren und stützen.


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb:

    :study: -- Ma - New York Ghost

    :study: -- Michael Maar - Die Schlange im Wolfspelz

    :musik: -- Castiullo - Die Zahlen der Toten

    "The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card.!" E. L. Doctorow

  • Buchdoktor

    Hat den Titel des Themas von „Romalyn Tilghman – Die Bücherfrauen / To the stars through difficulties“ zu „Romalyn Tilghman – Die Bücherfrauen / To the Stars Through Difficulties“ geändert.

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