Andreï Makine – L’ami arménien

  • Kurzmeinung

    tom leo
    Toll geschriebene, oft poetische Erzhlg über eine Freundschaft, die dem Ich-Erzähler eine andere Welt eröffnet...

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  • Original: Französisch, 2021 (Behelfsübersetzung : Der armenische Freund)


    INHALT :

    In dieser Geschichte einer Jugendfreundschaft erzählt Makine wohl eine Episode aus seiner Zeit als Heranwachsender, Anfang der 70iger Jahre. Der Erzähler, dreizehn Jahre alt, lebt in einem Waisenhaus in einer Stadt am Ufer des Jenissei in Sibirien. Auf dem Schulhof verteidigt er den zwar ein Jahr älteren, doch viel grazileren und schmächtigeren Vardan. Dieser ist in seiner Reinheit, aber auch Reife und Zerbrechlichkeit das ideale Ziel für die Anfeindungen der Mitschüler. Der Erzähler begleitet Vardan in sein heimisches, kleines Viertel, das « Teufelsende », in dem alte Gefangene, zerbrochene Abenteurer leben. Aber auch seine armenische Gemeinschaft, die ihren Angehörigen 5000 km von ihrer kaukasischen Heimat entfernt hierhin gefolgt sind, um Zeugen derer Gerichtsverhandlung(en) zu sein oder ihr Los zu erleichtern.


    BEMERKUNGEN :

    Diese Episode spielt in gerade mal ein paar Wochen des Herbstes eines Jahres am Anfang der 70iger Jahre. Der Ich-Erzähler erlebt im Waisenhaus harte Lebensumstände : der Kampf ums Überleben hat schon begonnen, und damit das Tricksen, Sich Verteidigen, die Gewalt. In der Schule wird er ein Verteidiger des eigentlich älteren Vardan. Von diesem strahlt etwas aus, was ihn langanhaltend prägen wird : durch ihn wird er das, was er nicht war. Und in der Eingangsszene öffnet dieser scheinbar schwächere, aber soviel weisere, Junge ihm ein Verständnis für « eine andere Welt », eine andere Dimension der Existenz. Durch seine Sichtweise, Worte und Taten zeigt er eine Form der Überlegenheit, die vielleicht gerade von seinem Angeschlagensein herrührt, ist er doch auch kränkelnd. Vardan führt den namenlos bleibenden Ich-Erzähler (Makine?!) in seine Gemeinschaft hinein, die am Rande lebt. Da ist seine Adoptivmutter (aber weiss er das überhaupt?) Chaviram, mitfühlend, warmherzig. Die schöne Gulizar, die ihrem Mann im Gefängnis bis hierhin gefolgt ist. Der beeindruckende Sarven, Patriarch der Gemeinschaft. Und da sind noch einige andere Figuren, wie der einarmige Mathematiklehrer oder ein verbildeter Exhäftling, eine Prostituierte ua, die durch ihr Handeln und Sein für etwas anderes stehen, eine andere Wirklichkeit. Ja, das ist also das zufluchtbringende, heimisch-heimilige « Königreich Armenien », das gleichzeitig weit entfernt liegt, lag, und eine in weite Vergangenheit zurückliegende Geschichte hat, eine Geschichte auch der Verfolgung, die im Laufe des Buches nach und nach auftaucht.


    Was für eine unbekannte Welt für unseren Helden und Waisenjungen ! Hier werden die Opfer der Geschichte, der Verfolgungen voller Würde eigener Art dargestellt. Sie vermitteln etwas von jener unersetzbaren Nostalgie, die uns prägen sollte. Welch Erkenntnis für den Erzähler ! Makine ? Der doch uns Lesern so seltsam verborgen und unerkannt, unbekannt scheint.


    Eine wunderbare, sehr geschmeidige Sprache auf Französisch ( freddoho !), einerseits nicht kompliziert, aber dennoch aufs Feinste ausgefeilt und bearbeitet. Ein Glücksgriff ! Und dies sage ich auch angesichts seines letzten Buches, das ich verstutzter aufnahm.


    AUTOR :

    Andreï Makine (* 10. September 1957 in Krasnojarsk, Sibirien) ist ein französischer Schriftsteller russischer Abstammung. Makine wächst in der Provinzstadt Penza auf, ca. 700 km südöstlich von Moskau. Seit seiner Kindheit ist er durch seine französische Großmutter mit der Kultur und Sprache Frankreichs vertraut. Schon als Junge schreibt er Gedichte in Französisch und in seiner Muttersprache Russisch. Er studiert in Twer und Moskau Philologie und lehrt kurze Zeit Philosophie in Novgorod. 1987 kommt er im Rahmen eines Lehreraustauschprogramms nach Frankreich. Dort entscheidet er sich zu bleiben, erhält politisches Asyl und entschließt sich, ein Leben als Schriftsteller in Frankreich zu führen; seitdem lebt er in Paris, anfangs in sehr ärmlichen Verhältnissen. Seine ersten in französischer Sprache verfassten Manuskripte - wie den Debütroman Tochter eines Helden (1990) - gibt er als französische Übersetzungen aus dem Russischen aus, um die Skepsis des Verlags zu zerstreuen, dass ein erst seit kurzem in Frankreich lebender russischer Emigrant in einer zweiten Sprache schreiben kann. Nach enttäuschenden Reaktionen auf seine beiden ersten Romane dauert es acht Monate, einen Verlag für seinen Roman Das französische Testament zu finden, mit dem er 1995 auf einen Schlag berühmt wird. Im selben Jahr erhält er als erster Schriftsteller gleichzeitig die beiden renommiertesten Literaturpreise Frankreichs, den Prix Goncourt und den Prix Médicis. 1998 erhält er den finnischen Eeva-Joenpelto-Preis und 2005 für sein Gesamtwerk den mit 15.000 Euro dotierten Literaturpreis der Stiftung Prinz Pierre von Monaco. 2016 wurde er in die Académie française aufgenommen.

    (Quelle: Wikipedia)


    Éditeur : Grasset (6 janvier 2021)

    Langue : : Français

    Broché : 216 pages

    ISBN-10 : 2246826578

    ISBN-13 : 978-2246826576

    Poids de l'article : 250 g

    Dimensions : 13 x 1.8 x 20.5 cm

  • tom leo , danke für den Tipp ! Wir werden demnächst umziehen und ich hoffe, die dort vorhandene und wirklich gut sortierte Bibliothek/Mediathek regelmässig aufsuchen zu können. Hier in der Nähe haben wir so etwas ja nicht, ausser dem BiblioBus :wink:Somit habe ich dann auch viel mehr Gelegenheit, die nicht wenigen Bücher meiner WuLi in Französisch "abzuarbeiten". Man wird sehen, wie sich das entwickelt.

    ☆¸.•*¨*•☆ ☆¸.•*¨*•☆ La vie est belle ☆¸.•*¨*•☆☆¸.•*¨*•☆

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