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Ferdinand Seibt - Karl IV.

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  • Karl,König von Böhmen,Kaiser des Römischen Reiches Deutscher Nation,geboren in Prag 1318,gestorben 1378 ebenda, war ohne jeden Zweifel keine königliche Lichtgestalt.Kein Kaiser von der schon damals sagenhaften Aura eines Friedrich Barbarossa,schon gar kein Karl der Grosse.

    Er war ein Pragmatiker von unscheinbarer Gestalt und beinahe kaufmännischer,berechnender Weitsicht im Hinblick auf die Kunst des Möglichen und auf die Unsinnigkeit,das Unmögliche zu versuchen.

    Er machte Prag zu seiner Hauptstadt,ein Novum im Reich,hatte es bisher doch vor allem Reisekönigtum gegeben.Dennoch verbrachte auch KarlIV.sein halbes Leben unterwegs,von Rom bis Lübeck,von Montpellier bis Wilna an der Ostsee.

    Vor allem eine Kunst beherrschte er dabei,nämlich Geschäfte zu machen.

    Wer auch immer etwas wollte vom Kaiser,eine Gunst,Pfründe,Münz- oder Wegerechte,seinen Nachbarn verklagen oder Burgen bauen,alles war eine Frage des Preises,genaue Listen geben den Historikern

    exakte Auskunft darüber.(S.dazu "Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter", von Ottokar Lorenz,Berlin 1886,das vierzehnte Jhdt.ff.)

    Früh erkannte Karl die Grenzen seiner Möglichkeiten.Er war der Kaiser aber die Macht im Reich war verteilt auf eine Vielzahl von Fürsten,grosse und kleinste Herrschaften und die weltliche Gewalt der geistlichen Bischöfe und Prälaten.

    Vor allem die Juden hatten zur Zeit der ersten furchtbaren Progrome im Reich in Karl einen Fürsprecher und Schutzherrn,soweit seine Macht reichte,was oft genug zu wenig war.Natürlich gegen entsprechend klingende Münze,wie bei diesem Kaiser selbstverständlich.

    Vor allem verabscheute der Kaiser eines:Krieg.Kein anderer deutscher Herrscher hat so wenig Kriege geführt wie Karl IV.

    Er setzte auf Diplomatie und aufs Erheiraten von Ländern und zwar erfolgreich.

    Das brachte ihm die eiserne Krone der Lombardei und den weitgehenden Frieden mit Mailand ein ohne Blutvergiessen,aber auch eine Menge "schlechte Presse" bei den deutschen Chronisten und vielen nachfolgenden Biografen.Man schätzte lange Zeit eben mehr die militärischen,kämpferischen Tugenden der Herrscher.Kein geringerer als der wortgewaltige Petrarca warf KarlIV. vor, in seiner Regentschaft "keinen Blutstropfen" vergossen zu haben.Der Kaiser antwortete persönlich(Auch das war unerhört!):

    "Vor dem Griff zum Stahl ist jeder andere Weg zu suchen,so wollen es die Ärzte und sollen es die Kaiser tun".(sic!)


    Fazit

    Ferdinand Seibt (1927-2003)war ein in Tschechien geborener Mediävist,der bei dem grossen Karl Bosl in München habilitierte über mittelalterliches Wirtschaftleben und Alltagsleben anhand der Arbeiten von Le Goff.

    Er führt den Leser mit Behutsamkeit in die komplexe Welt des späten Mittelalters,eine Zeit der Umbrüche,der Pest,der aufkommenden Geldwirtschaft,der Erstarkung der Städte und damit verbundener bürgerlicher Emanzipation,der Glaubenskrisen ,des Schismas und der aufkommenden Monopolwirtschaft,angetrieben von immer neuen Erfindungen und Entdeckungen.

    Seibt zeigt uns einen Herrscher,der auf diese Herausforderungen reagierte und einen neuen Typ Kaiser verkörperte,ohne auf alle Fragen Rezepte zu finden.

    Ein eigenwilliger,ein auf seine Weise mutiger und avantgardistischer Monarch,der die Grösse zeigte,den Frieden als höchstes Gut zu sehen in einer Welt,die die Krieger verehrte.

    Seibts Sprache ist transparent und gut verständlich,die thematischen Schwerpunkte sind nachvollziehbar und die Gesamteinschätzung ist ohne erkennbare Auslassungen gelungen.Ein reifes und abgerundetes Werk.

    1. (Ø)

      Verlag: München. Süddeutscher Verlag. 1978.


  • Squirrel

    Hat den Titel des Themas von „Ferdinand Seibt-KarlIV.“ zu „Ferdinand Seibt - Karl IV.“ geändert.

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