Jean-Baptiste Del Amo - Das Salz / Le Sel

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  • Inhalt (Quelle: Amazon)


    Louise, die Witwe eines südfranzösischen Fischers, lädt ihre drei erwachsenen Kinder und ihre übrige Familie zu einem Abendessen. Je näher das geplante Familientreffen rückt, desto mehr Erinnerungen an Vergangenes werden wach. Eifersucht, Verbitterung, zärtliche Melancholie, aber auch verzweifeltes Bedauern über Geschehenes beginnen die Geladenen einzuholen. Die Vergangenheit entwickelt ein Eigenleben, Erinnerungen bringen immer neue, andere Erinnerungen hervor, und aus diesen inzestuösen Vereinigungen entstehen Fabeln, bis sich am Ende auch der verstorbene Armand, Tyrann und gewalttätiger Vater, zu Wort zu melden scheint: »So ist es nun mal, die Lebenden verformen das Gedächtnis der Toten, nie sind sie weiter von ihrer Wahrheit entfernt.«


    Meine Meinung


    Wie ich zugeben muss, fällt es mir schwer, diesen Roman zu rezensieren.


    Der Autor hat einen Schreibstil, der mir nicht durchgängig zugesagt hat. Über weite Strecken im Buch war er packend und interessant, dann jedoch auch stellenweise wieder zu beschreibend bzw. abschweifend, teilweise schon philosophisch anmutend. Es gab daher einzelne Seiten, die ich überblättert habe.

    Im gesamten Buch gibt es nur wenige Dialoge und diese sind nur mit einem Bindestrich gekennzeichnet (ich erwähne das, weil ich weiß, dass es hier einige Leser gibt, die das nicht gern mögen).

    Die Perspektive wechselt regelmäßig, sodass wir das Innenleben und die Gedanken der einzelnen Familienmitglieder kennenlernen.

    Das Buch ist sowohl aufgrund des Schreibstils, als auch aufgrund der Story keines, welches man zwischendurch lesen kann. Ein wenig Konzentration braucht man besonders zum Ende hin, um zu erkennen, um wessen Erinnerungen und Gedanken es gerade geht. Vieles beschreibt der Autor sehr explizit, anderes wiederum deutet er nur an, sodass ich persönlich nicht immer sicher war, den Sinn dessen erfasst zu haben, was der Autor mir sagen wollte. Stellenweise ist die Sprache auch mal vulgär.


    Es geht um eine zerrüttet wirkende Familie aus Südfrankreich, bestehend aus der Mutter Louise, dem verstorbenen Vater Armand, zwei erwachsenen Söhnen und einer erwachsenen Tochter.

    Louise hat ihre gesamte Familie inklusive der Enkel und Lebenspartner zum Abendessen eingeladen und diese Einladung scheint sie alle aus unterschiedlichen Gründen aus der Fassung zu bringen, selbst Louise behagt die Vorstellung vom gemeinsamen Abendessen nicht sonderlich. Beschrieben wird der Tag vor dem Abendessen, nicht das Abendessen selbst.


    Zwischen allen Familienmitgliedern herrscht eine enorme Anspannung. Insbesondere zwischen den Geschwistern untereinander. Schon von Beginn an merkt man, dass in der Vergangenheit einiges vorgefallen sein muss, was nie aufgearbeitet, geschweige denn auch nur angesprochen wurde. Vieles davon scheint auf Armand, den Vater, zurückzuführen zu sein. Aber wer oder wie Armand zu Lebzeiten war muss sich der Leser aus den Gedanken und Erinnerungen seiner Familie selbst erarbeiten.


    Interessant zu lesen war für mich, wie sich die Kindheitserfahrungen der Eltern später auf ihre Kinder ausgewirkt haben und wie diese wiederum ihre Kinder unbewusst damit belasten und prägen. Jedes der Geschwister hat sein Päckchen aus der Kindheit zu tragen, es gibt viel Groll und Unverständnis, auch untereinander. Jonas eckt mit seiner Homosexualität an, während seine Schwester Fanny sich selbst nach dem Tod ihrer Tochter aufgegeben zu haben scheint. Der dritte Bruder Albin ist nahe an das Vorbild seines Vater herangekommen, doch bringt das auch Probleme mit sich. Und wie schafft es die Mutter, Fehler aus der Vergangenheit wieder gut zu machen oder sie sich auch nur einzugestehen?

    Besondere Sympathieträger sind sie alle nicht und so erwecken die teilweise doch sehr dramatischen Geschehnisse zwar kein Mitleid, aber oftmals Entsetzen beim Lesen.


    Der Roman lässt mich etwas ratlos zurück. Das ist sicherlich kein Buch für einen entspannten Leseabend zum Abschalten, sondern eher eines zum Nachdenken und konzentrierten Lesen. Ich glaube einiges muss man nachwirken lassen. Die melancholische Grundstimmung bleibt von der ersten bis zur letzten Seite erhalten.

    Ich vergebe :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb: mit Tendenz nach oben. Abzug gibt es, weil ich es nicht so gerne mag, wenn der Interpretationsspielraum so groß ist, dass ich überhaupt nicht mehr einschätzen kann, was der Autor mir sagen wollte. Davon gab es in diesem Buch ein paar Stellen. Im Großen und Ganzen war es jedoch eine interessante und spannende Lektüre, wenn auch insgesamt etwas deprimierend.

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