Manuela Golz - Sturmvögel

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  • "Kein Vogel fliegt zu hoch, wenn er sich mit seinen eigenen Flügeln in die Höhe schwingt." (William Blake)

    Die agile 86-jährige Emmy lebt in ihrem Alter allein in ihrer Wohnung, ihre älteste Tochter Hilde kommt öfter vorbei, um nach dem Rechten zu sehen und sich so überfürsorglich um sie zu kümmern, dass es Emmy manchmal schon zu viel wird. Als Hilde sich im Keller umsieht, was dort alles entsorgt werden kann, findet sie alte Akten, die sie kurzerhand einsteckt, um diese mal zu sichten. Was sie da zutage fördert, lässt sie schnell ihren Bruder Otto ins Boot holen, der notorisch pleite ist. Beide reiben sich in Gedanken schon die Hände, denn sollte es sich der Fund als wahr herausstellen, dann würde ihnen ein Millionenerbe ins Haus flattern, sobald Emmy das Zeitliche segnet. Doch beide haben dabei ganz vergessen, dass da noch Schwester Tess und Ziehkind Anni sind, die einen besonderen Platz in Emmys Herzen haben. Während Emmy von dem geheimen Treiben ihrer beiden ältesten Kinder weiß, lässt sie ihre Erinnerungen Revue passieren, wobei so manches Geheimnis an die Oberfläche dringt…


    Manuela Golz hat mit „Sturmvögel“ einen sehr unterhaltsamen Roman vorgelegt, der im Rahmen einer Familiengeschichte den Lebenslauf einer außergewöhnlichen Frau an den Leser bringt. Der flüssig-leichte, bildhafte und gefühlvolle Erzählstil lässt den Leser schnell auf Emmys Couch Platz nehmen und den Erinnerungen der alten Dame lauschen, die ein in jeder Hinsicht interessantes, aufreibendes, oftmals hartes Leben geführt hat. Die Lebensgeschichte von Emmy wird im Wechsel mit der Gegenwart erzählt, in der sich Hilde und Otto verschwörerisch die alten Akten vornehmen und Nachforschungen anstellen, während Tessa und Anni damit nichts zu tun haben wollen, sondern sich vielmehr um Emmy kümmern. Als Nordseeinselkind hat Emmy unter harten Bedingungen gelebt und ist von dort völlig unvorbereitet in die Großstadt gekommen. Doch mit ihrem Optimismus und ihrer direkten Art hat sie sich nicht nur immer wieder durchgeschlagen, sondern auch Freunde fürs Leben gefunden, die ihr in ihren dunkelsten Stunden zur Seite standen. Die Autorin gibt ihre Geschichte wohldosiert an den Leser, versieht diese mit leisen Untertönen, auf die man unbedingt achten sollte, um so nach und nach manchem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Auch die zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb der Familie sind sehr nuanciert und begeistern mit ihrer Authentizität. Die Schilderungen sind so plastisch, dass man als Leser alles direkt vor Augen hat, ob es nun die Nordseeinsel mit seiner Dorfgemeinschaft, die Kriegsjahre oder auch die Treffen beim Notar sind, wobei die Spannung durchgängig auf einem höheren mittleren Niveau liegt.


    Die Charaktere sind liebevoll inszeniert und versprühen Lebendigkeit. Ihre individuellen Eigenschaften sind durchweg glaubwürdig und realistisch, so dass der Leser gar nicht anders kann, als an Emmys Lippen zu hängen, während man ihrem Nachwuchs bei seinem Treiben zusieht. Emmy ist eine tolle Persönlichkeit, die sich nie unterkriegen ließ. Sie besitzt Herz, Humor und Verstand, aber vor allem Mut und Stärke, mit denen sie ihre Familie durchbringt. Ziehkind Anni ist eine warmherzige Frohnatur, die Emmy noch einmal etwas Jugend zurückbringt auf ihre alten Tage. Tessa ist eine bodenständige Frau, die sowohl pragmatisch als auch mit viel Herz gesegnet ist. Hilde ist als Älteste überfürsorglich, aber auch nie zufrieden. Sie bettelt regelrecht um die Aufmerksamkeit der Mutter. Otto ist ein Träumer, der kaum über die Runden kommt. Er will hoch fliegen, fällt jedoch immer wieder auf die Nase. Hauke ist ein Möchtegern, kommt aus der besseren Gesellschaft und hat so einige fiese Seiten. Paul ist ein warmherziger und ehrlicher Mann, der nicht nur durch seine Hilfsbereitschaft auf sich aufmerksam macht.


    „Sturmvögel“ bietet nicht nur eine interessante und unterhaltsame Geschichte, sondern wirkt besonders durch die lebhafte und bildhafte Sprache der Autorin. Ein echter Lesegenuss mit verdienter Empfehlung!


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    1. (Ø)

      Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG


    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
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    gelesene Bücher 2020: 432 / 169960 Seiten

  • Emmy ist heute 87 Jahre alt und hat ein erfülltes Leben hinter sich. Zwei Weltkriege und drei Kinder sind Aufgaben genug gewesen für ein einfaches Mädchen von einer kleinen Insel. Ihr Leitsatz: Glück ist wenn wir lieben und geliebt werden, hilft ihr über alles hinweg und macht sie zufrieden. Emmy hat ein hartes Leben, die meisten bevormunden sie oder nutzen sie aus. Trotzdem geht sie daraus hervor wie der Phönix aus der Asche. Die Beschreibung ihres Lebens erst auf der kleinen Nordsee Insel, dann im Berlin der 20er,30er, und den Kriegsjahren erzählt von den Mühsal einer jungen Frau die wenig schulische Bildung und Geld hat. Mit ihrer Art und Weise findet sie immer wieder Menschen die sie so nehmen wie sie ist. Als Frau im hohen Alter ist sie sehr rege und weiß was sie will. Sie ist immer noch für ihre Kinder da, obwohl auch hier wieder das alte Muster auftaucht, ihre älteste Tochter weiß was gut für sie ist. Dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch, vielleicht weiß ich es besser bei meinen Kindern oder wenn meine Eltern an Demenz erkrankt sind, aber sonst kann jeder für sich selbst entscheiden was gut für einen selber ist. Die Autorin erzählt in verschiedenen Zeiten, mal aus der Kindheit und Jugend von Emmy, dann ihre junge Erwachsenenzeit und die Gegenwart im Jahr 1994. Die Rückblenden sind nicht nur Erinnerungen, sondern liefern Erklärungen für die Handlungen und Gegebenheiten der Gegenwart. Die Geschichte ist spannend und leicht erzählt, Emmy hat mich gefesselt weil sie eine sehr sympathische Person ist. die Richtig und Falsch beim Namen nennt und danach auch handelt. Alle Personen die neben ihr eine Rolle spielen, müssen sich daran messen lassen.

  • Emmy hat sechsundachtzig Sommer erlebt und blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Sie wurde auf einer kleinen Nordseeinsel geboren. Als Emmy in die Schule soll, findet ihre verbitterten Großmutter Alma das überflüssig, denn oft wird jede helfende Hand gebraucht. Als der 1. Weltkrieg ausbricht, ist es mit der Schule vorbei. Nachdem die Eltern und die Großmutter versterben, werden Emmy und ihre Geschwister auseinandergerissen. Mit vierzehn Jahren ist Emmy arbeitsfähig und kommt nach Berlin, wo sie als Dienstmädchen arbeitet. Hauke, der Sohn aus gutem Haus, zeigt Emmy das Leben und einiges mehr. Für sie wird es ein hartes Leben, doch sie nimmt es, wie es kommt und verliert auch ihren Humor nicht.


    Die Geschichte ist einfach wundervoll erzählt. In Rückblicken erfahren wir aus Emmys Vergangenheit, so dass man sie gut verstehen kann und ihr nahe ist.


    Als Emmy sich von ihren Geschwistern verabschieden muss, erwartet sie in Berlin zwar ein hartes Leben mit viel Arbeit. Aber sie trifft es im Haus ihrer Arbeitgeber eigentlich noch gut an. Die Köchin Luise kümmert sich um sie und gibt ihr Ratschläge. Aber was nutzt das alles, wenn man sich verliebt. Hauke zeigt Emmy eine andere Welt. Aber eine Ehe zwischen einem Dienstmädchen und einem Sohn aus gutem Haus ist unmöglich. Auch wenn es Emmy nicht leicht gemacht wird im Leben, sie ist eine Kämpferin und schafft es, ihre drei Kinder großzuziehen. Ihre Kinder sind sehr unterschiedlich, wie das so oft ist. Aber Emmy hat auch ein Herz für andere, die Hilfe brauchen, und so kümmert sie sich später auch noch um die kleine Anni. Emmy ist aber auch eine Frau, die ihre Geheimnisse hat, wie die Kinder unverhofft feststellen müssen. Das weckt Begehrlichkeiten, aber Emmy hat immer gewusst, was sie wollte und sie hat auch ihren Nachlass geregelt.


    Mir hat dieser wundervolle Roman sehr gefallen, so dass ich ihn nur empfehlen kann.

    1. (Ø)

      Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG


  • Das Leben einer großartigen kleinen Frau


    Emmy wird 1907 auf einer kleinen Nordseeinsel geboren, ist mit 14 Jahren unversorgte Waise und wird als Dienstmädchen nach Berlin geschickt, wo sie den Rest ihres Lebens auch wohnen bleibt.

    Sie erlebt zwei Weltkriege mit, verliert einige geliebte Menschen im Laufe ihres Lebens und bleibt doch immer lebensfroh, sich selbst treu und gibt niemals auf. Wie ein Sturmvogel passt sie sich den Umständen an und findet in jedem schweren Sturm eine Zuflucht, einen Heimathafen.


    Das Buch beginnt in Emmys 87. Sommer und blickt auf verschiedene Zeiten ihres Lebens zurück, angefangen von dem harten arbeitsreichen Leben als Kind auf der Insel, über ihre Ankunft in Berlin, wo alles neu und aufregend für sie ist, ihr schwieriges Leben als junge Ehefrau und Mutter, Tod, Zerstörung, Leid und Not des Zweiten Weltkriegs, bis zum bescheidenen, zufriedenen Leben als Rentnerin mit liebevollem Kontakt zu ihren Kindern.

    Der Leser erfährt, wie der langwierige Schuldenabbau in der kleinen Inselgemeinde funktioniert und was für eine revolutionäre Neuerung die Eröffnung des Wannsee-Badebetriebs war. Ich fand auch das sehr interessant.


    Emmy kennt keine Probleme, nur Herausforderungen, sie kann sich auch an kleinen Dingen freuen, macht einen Schritt nach dem anderen, ist klug, pragmatisch und geradeheraus. Vor allem hat sie Herzensbildung: sie weiß schon früh, dass am Ende des Lebens nur die gelebte Liebe zählt, „die Stunden, in denen wir geliebt wurden und in denen wir geliebt haben“ (S. 243).

    Ihre Großmutter hat die Autorin zu „Sturmvögel“ inspiriert und Manuela Golz ist es gelungen, ihr (und damit auch vielen anderen Frauen, die ähnliches erlebt haben) ein großartiges und lesenswertes Buch zu widmen. Warmherzig, liebevoll, authentisch und humorvoll beschreibt sie die Protagonistin und auch alle anderen Charaktere werden ausnahmslos lebendig und glaubwürdig geschildert.

    Das Cover ist einfach gestaltet, aber zum Thema passend. Der Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig, ich habe mit gelacht und mit getrauert, und die Spannung um das „Kellergeheimnis“ bleibt bis zum Schluss erhalten und erfährt eine überraschende und unerwartete Auflösung.


    Ich habe das Buch sehr gern gelesen und kann es uneingeschränkt jedem empfehlen, der sich für die deutsche Geschichte des letzten Jahrhunderts und für Biographien interessiert.


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    1. (Ø)

      Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG


  • Klappentext/Verlagstext
    Emmys Leben umspannt fast ein ganzes Jahrhundert. Ihre Kindheit auf einer kleinen Nordseeinsel ist geprägt von Ebbe und Flut und von ihrer verbitterten Großmutter Alma, die Schulpflicht für Unsinn hält. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, ist Emmys Schullaufbahn ohnehin beendet, noch bevor sie richtig begonnen hat. Alles, was ihr bleibt, ist ein Leben als Dienstmädchen im Tollhaus der Zwanzigerjahre: Berlin. Schnell lernt sie Hauke, einen Sohn aus reichem Hause, kennen. Der »eingebildete Fatzke« zeigt ihr das Leben und so einiges mehr. Es folgen drei Kinder und die harten Jahre des Zweiten Weltkriegs. Doch Emmy bietet dem Schicksal die Stirn und verliert nie den Humor – und jetzt, im reifen Alter von sechsundachtzig, schon gar nicht. Bis ihre erwachsenen Kinder auf mysteriöse Aktenordner im Keller stoßen, und zu ahnen beginnen, dass Emmy womöglich nie das naive Mädchen von der Insel gewesen ist, für das sie immer gehalten wurde. Könnte es tatsächlich sein, dass ihre Mutter auf einem Vermögen sitzt? Die beiden Ältesten lassen bereits die Sektkorken knallen. Aber noch hat Emmy ein Wörtchen mitzureden …


    Die Autorin
    Manuela Golz, geboren 1965, studierte Germanistik, Erziehungswissenschaften und Psychologie. Sie lebt in Berlin und arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Psychotherapeutin. 2006 debütierte sie mit ›Ferien bei den Hottentotten‹ als Autorin. Ihr neuer Roman ›Sturmvögel‹ ist vom Leben ihrer Großmutter Emmy inspiriert.


    Inhalt
    Emmy Seidlitz hat sich nach einem erfüllten Leben damit abgefunden, dass dieses Leben bald enden wird. Mit Mitte 80 ist ihr Körper ihr inzwischen zur Last geworden, kaum jemand ihrer Generation hat ein so hohes Alter erreicht. Als Emmys überfürsorgliche Tochter Hilde darauf dringt, dass ihre Mutter sich von einem Facharzt untersuchen lässt, reicht es Emmy endgültig. Sie wird sich von einem Grünschnabel um die 40 doch keinen Herzschrittmacher aufschwatzen lassen. Die alte Dame reagiert schlagfertig und respektlos wie eine Berliner Göre. Wer hätte gedacht, dass Emmy von einer kleinen Nordseeinsel stammt und mit mehreren Schwestern zu einer Zeit aufwuchs, als Mädchen als reine Arbeitskräfte galten. Emmys Mutter Janne predigte ihrer wissbegierigen Tochter, dass die Schafe der Familie stets zuerst kommen und Schule allein deshalb unwichtig wäre, weil Männer keine Frau wollen, die Lesen und Schreiben kann. Fünf Jahre Schule sind genug, beharrte nach dem Tod der Eltern auch Emmys Großmutter. 1921 wird die verwaiste Emmy als Dienstmädchen in einen bürgerlichen Haushalt nach Berlin geschickt.


    In der Gegenwart der 90er hat Tochter Hilde in Emmys Keller Unterlagen entdeckt, die ihren Blutdruck in die Höhe treiben. Emmy jedoch gibt sich uninteressiert, bei nächster Gelegenheit wird sie sich darum kümmern. Dass ihre Kinder sie mit Fragen löchern, passt ihr im Moment gerade schlecht. Bei Kriegsende 1945 war Emmys Mann in Potsdam stationiert. Wer sich mit der Geschichte Berlins befasst hat, wird ahnen, was Emmy jahrzehntelang in ihrem Keller verstauben ließ und warum Hilde und Bruder Otto so scharf darauf ist. Wie Emmy am Ende ihren Nachlass ordnet, überrascht ihre Kinder mit einiger Wucht …


    In zahlreichen Rückblenden entfaltet Emmy Golz das harte Leben von Emmys Vorfahren seit 1870, ihr Aufwachsen auf der Insel in bitterer Armut und den Kulturschock, der in der Großstadt auf sie wartete. Im Wechsel zwischen der Gegenwart der 90er, den 70ern und dem Zweiten Weltkrieg lernen Golz‘ Leser Emmys Kinder kennen und begreifen deren kompliziertes Verhältnis zueinander. Während Emmy allmählich die Zeit davonzulaufen scheint, sich endlich um das wertvolle Gerümpel im Keller zu kümmern, fieberte ich der Erklärung entgegen, wer eigentlich Annie ist und warum Hilde schon immer eifersüchtig auf die junge Frau war.


    Fazit

    Inspiriert vom Leben ihrer Großmutter, legt Manuela Golz einen komplexen Familienroman vor, der sich über ein ganzes Jahrhundert erstreckt. Einige überdramatische Abschnitte und Emmys Charakterisierung als kesse Göre hätte das bescheidene Mädchen selbst vermutlich zu dick aufgetragen gefunden, insgesamt ragt „Sturmvögel“ mit seiner empathischen, glaubwürdigen Darstellung der 20er bis 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts heraus. Meine zahlreichen Großtanten, die in Berliner Haushalten „in Dienst“ waren, würden dazu beifällig nicken.


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    :study:-- Martin Michaud – In die Fluten der Dunkelheit (Band 5)

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    "The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card.!" E. L. Doctorow

  • Kleine Frau ganz groß

    Sturmvögel, Roman von Manuela Golz, 333 Seiten, erschienen im Dumont-Verlag


    Die Geschichte ihrer Großmutter diente der Autorin als Inspiration zu diesem Roman.


    Emmy wurde 1907 auf einer kleinen Insel in der Nordsee geboren, geliebt von ihren Eltern mit einer sehr strengen Großmutter. Als ihre Mutter stirbt und ihr Vater im ersten großen Krieg fällt, muss sie als Dienstmädchen in Berlin ihr Leben bestreiten, Schulbildung hat sie wenig genossen. In Berlin in den wilden 20er Jahren, lernt sie Hauke Seidlitz kennen, einen Sohn aus reichem Hause. Als sie schwanger wird, heiratet er sie. Das haben ihm seine Eltern mit ihrem Standesdünkel nie verziehen. Als Hauke in den 2. Weltkrieg ziehen muss, flüchtet sie vor der grässlichen Schwiegermutter und schafft es sich und ihre Kinder durchzubringen. Emmy nun im reifen Alter, bestimmt ihr Leben noch immer selbst. Da stoßen ihre Kinder auf ein Familiengeheimnis, die alte Dame scheint sehr vermögend zu sein. Doch die Kinder haben ihre Rechnung ohne die Mutter gemacht, noch immer weiß Emmy was sie will.


    Diese Geschichte hat mich zutiefst beeindruckt. Spannend und unterhaltsam wird in Rückblicken die Lebensgeschichte von Emmy erzählt. Flüssig, bildhaft und aus der Sicht der Protagonistin. 27 Kapitel in angenehmer Leselänge, einzeln mit Datum überschrieben, ist es für den Leser leicht die chronologischen Abläufe zu überblicken. Alle Figuren sind so voller Leben und hervorragend charakterisiert, mir war es so als ob ich die Handelnden schon lange kennen würde. Meine Lieblingsfigur war natürlich die Protagonistin selbst, das große Mädchen von der kleinen Insel. Laut lustig, anpackend und voller Mut, manchmal auch ein wenig bockig, aber stets sympathisch. Und voll mit Lebensklugheit. Obwohl sie wenig Schulbildung genießen durfte, hat sie stets an sich gearbeitet, wissensdurstig und aufgeschlossen hat sie sich unter der Führung von Hauke zu einer taffen Berlinerin entwickelt. In größter Not, besonders in Kriegszeiten hat sie nicht aufgegeben und für sich und die Kinder gesorgt. Und mit ihrem letzten Willen hat sie einen regelrechten Coup gelandet. Gerade diese Entwicklung und das unerwartete Ende fand ich besonders spannend. Immer wieder musste ich schmunzeln, aber die eine oder andere Träne verdrücken – ein Buch voller Emotionen und Gefühle. Die Stellen im Buch, die die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen beschrieben und auch die Kriegsjahre in Berlin, haben mich ganz besonders gefesselt. Die gesellschaftlichen Abgründe zwischen den „Herrschaften“ und dem Dienstpersonal waren toll geschildert.


    Witzige und schlagfertige Dialoge beleben das Buch. Einige Sätze fand ich besonders gelungen, z.B. auf S. 9: „Wenn ich noch lange lebe, bin ich auf meiner eigenen Beerdigung alleine“ oder auf S.243 „Der schönste Gedanke ist der an eine gelebte Liebe“. Am Ende des Buches gibt es ein kleines Glossar welches sehr hilfreich war, die Sprache zu verstehen, die Emmy als Kind auf der Insel gelernt hat. Ein Interview mit der Autorin schließt das Buch sehr passend und informativ ab.


    Mir hat das Buch und die Lebensgeschichte von Emmy sehr viel Freude gemacht, deshalb will ich das Buch gerne empfehlen, ganz besonders den Lesern, die aufregende Familienromane mögen. Von mir dafür 5 Sterne. :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

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    Und wenn mir alle Königskronen für meine Bücher und meine Freude am Lesen angeboten wären: Ich würde sie ausschlagen.
    François Fénelon

  • 1994 blickt die 86jährige rüstige Emmy Seidlitz auf ihr Leben zurück. Sie lebt alleine und selbständig in ihrer Wohnung und wird von Tochter Hilde liebevoll betüddelt und umsorgt, was Emmy manchmal zuviel wird. Tochter Hilde räumt und stöbert bei einer solchen Gelegenheit im Keller und findet einen alten Ordner ihrer Mutter mit einem Hinweis auf ein vermeintlich größeres Erbe. Zusammen mit Bruder Otto stellt Hilde Berechnungen über das erhoffte Erbe an, sie verteilen gedanklich schon das viele Geld und schmieden Zukunftspläne. Doch so ganz glatt geht die Rechnung natürlich nicht auf, denn außer ihnen gibt es noch Schwester Tessa und Ziehtochter Anna. Und Emmy hat auch hinsichtlich ihres Nachlasses Cleverness bewiesen.


    In Rückblicken mit vielen Zeitsprüngen berichtet Emma über ihr Leben und sie beginnt im Jahr 1911. Geboren wurde sie auf einer Nordseeinsel, ist dort aufgewachsen und mußte dann nach dem Tod der Großmutter und des Vaters von der Insel nach Charlottenburg als Dienstmädchen. In der Stadt verbringt sie aufregende Jahre und beweist Mut, Kraft und Stärke. Sie bekommt drei Kinder Hilde, Tessa und Otto.



    Die Autorin hat einen sehr emotionalen und liebevollen Familienroman geschrieben. Sie erzählt die Geschichte um eine starke Emmy mit viel Wärme, lebendig und bildhaft. Als Leser fühlt man sich mitgenommen in das Auf und Ab des Lebens von Emmy, lacht und weint mit ihr. Ihre Kinder sind hingegen sehr unterschiedlich – Hilde fürsorglich und übervorsichtig, Otto eher ein Loser und Tessa eine pragmatische Steuerberaterin und von der Autorin wurden sie sehr gut beschrieben.


    Von mir bekommt das Buch auf jeden Fall eine Leseempfehlung!

  • Frauenschicksal im 20. Jahrhundert

    „Sturmvögel“ ist ein ganz wunderbares, unterhaltsam geschriebenes Buch. Es handelt von Emmy, die 1907 auf einer kleinen Nordseeinsel als älteste Tochter des Walfängers Andries Peterson geboren wird. Hier führt sie mit ihrer Familie ein recht karges, aber zufriedenes Leben. Die Eltern lieben sie.


    „Vergiss nie, dass du von uns sehnsüchtig erwartet und immer geliebt worden bist. Diese Liebe, das tiefe Gefühl, erwünscht gewesen zu sein, trug sie durch schwere Zeiten.“ (S. 242)


    Früh in ihrem Leben verliert sie erst die Mutter und danach den Vater. Mit 14 Jahren erfolgt die schmerzhafte Trennung von den Schwestern und von der Insel. Emmy wird nach Berlin als Dienstmädchen verpflichtet und muss sich allein durchs Leben schlagen.


    Auf 336 Seiten und in 27 überschaubaren, kurzen Kapiteln wird die Lebensgeschichte von Emmy erzählt. Mit ihrer munteren, erfrischenden Art erobert sie recht bald als unerfahrene Inselbewohnerin das turbulente Berlin und Hauke Seidlitz, den Sohn aus reichem Hause. Sie saugt das Neue, das Ungewohnte in sich auf und nutzt ihre Möglichkeiten trotz geringer Schulbildung. Doch sie hat was ganz Wesentliches; sie hat Herzensbildung und einen unschlagbaren Humor. Schließlich heiraten die jungen Leute trotz der Standesschranken, weil sich neues Leben ankündigt. Als die dünkelhafte, äußerst hysterische Schwiegermutter Emmys Erstgeborene brutal schlägt, verläßt die junge Frau Knall auf Fall das Haus und kommt bei ihrer Freundin Marianne unter. Emmy ist ihr ganzes Leben auf der Suche nach einem sicheren Hafen für sich und ihre Lieben. Hier stellt sich der Bezug zum Titel her. Eigentlich sind damit die Walfänger, die Seeleute gemeint, die nach stürmischer See wieder heimkommen. Doch auch Emmy ist ein Sturmvogel! Sie sorgt für drei Kinder, zieht sie groß und betreut noch im hohen Alter eine Pflegetochter. Wie ihr das alles mit ihrer herzerfrischenden, schlagfertigen Art gelingt, machte mir eine riesige Lesefreude. Zumal sie mich in ihrer Warmherzigkeit und ihrem tollen Pragmatismus immer wieder an meine ebenfalls 1907 geborene Großmutter erinnerte. Emmy ist eine ganz starke, praktisch veranlagte Frau. Es ist einfach bewundernswert wie sie durch die schweren Zeiten zwischen den beiden Weltkriegen und danach kommt. Das hätte auch sehr gut bei der Vorgeschichte als riesiges Drama enden können. Die Frau ist fast nie um eine Antwort verlegen, geht nicht gibt es nicht bei Emmy. Sie findet im Leben immer eine gute, für alle zufriedenstellende Lösung.


    Manuela Golz hat die Geschichte sehr gewitzt angelegt. Sie beginnt mit dem letzten Sommer Emmys im Jahr 1994. Danach wechseln sich Vergangenheit und Gegenwart ab und so erlebt der Leser ganz authentisch den Entwicklungsweg mit. Die Autorin geht sogar zurück ins Jahr 1870, um zu verdeutlichen, wie lange ein schreckliches Ereignis in einer Familie nachwirken und Einfluß nehmen kann auf das Dasein der Nachgeborenen.

    Wir erleben am Ende des Buches eine taffe 87 jährige, die mit sich im reinen ist und auch ihr Erbe, ihr Vermächtnis, an die Nachwelt noch sehr verantwortungsbewußt und klug weitergibt.


    Ich empfehle dieses beeindruckende Frauenschicksal des 20. Jahrhunderts zu lesen. Von mir 5 Sterne! :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Eine starke Frau!


    Emmy Seidlitz ist 86 Jahre alt und schaut auf ein erfülltes Leben zurück. Hineingeboren als älteste Tochter in eine Familie, die einen Hof betreibt und der Vater als Walfänger arbeitet, wächst Emmy auf einer kleinen Nordseeinsel auf, die sie nach dem Tod der Eltern verlassen muss. Als Dienstmädchen in Berlin lernt sie Hauke kennen, heiratet ihn und bekommt drei Kinder. Hilde, Otto und Tessa, die kurz vor dem 86 Geburtstag ihrer Mutter im Keller einen mysteriösen Aktenordner entdecken. Was verheimlicht ihre Mutter seit Jahrzehnten?



    Sehr gefallen hat mir die Figur Emmy, die kein Blatt vor den Mund nimmt und sehr couragiert ist. Egal, ob sie sich im Jahre 1994 gegenüber einem Professor im Krankenhaus oder 1933 gegenüber ihrer zukünftigen Schwiegermutter behauptet. Sie sagt, was sie denkt und beschert uns Lesern so immer wieder ein Schmunzeln und ein Lächeln. Emmy wächst in ärmlichen Verhältnissen auf und wird von ihrem fortschrittlich denkenden Vater unterstützt und gefördert. Das 1911, als es nicht üblich ist, dass Mädchen eine Schulbildung durchlaufen oder selbst bestimmen, wen sie einmal heiraten.


    Die Geschichte wird auf verschiedenen Zeitebenen geführt. 1994, in der Gegenwart, als Emmy ihren 86. Geburtstag feiert. 1911, als sie geboren wird und weiter gibt es Kapitel, die mit 1870-1921, 1974 oder 1995 etc. betitelt sind. Eine chronologische Ordnung fehlt, den Zeitebenen fehlt es an einem System, noch sind die Kapitel logisch aufgebaut. So kann es sein, dass in einem Kapitel, im Jahre 1914, die kleine Emmy erstmals zur Schule geht. Ein paar Kapitel weiter lernen sich ihre Eltern Janne und Andreis erst kennen. Die Autorin hüpft ganz schön durch die Generationen und die Zeitebenen. Hier hätte ich mir eine gewisse chronologische Ordnung im Ablauf der Handlung gewünscht. Denn so musste ich mich bei einem neuen Kapitel immer wieder zuerst zurechtfinden und überlegen, wo die Geschichte denn nun genau steckt.


    Sehr gut gefallen hat mir, wie Manuela Golz die verschiedenen Zeitepochen ausgeschmückt hat. Gut eingesetzte Merkmale der jeweiligen Zeit sind nachvollziehbar und authentisch. So erfährt man einiges über den Dünkel der besseren Gesellschaft, gegenüber Dienstboten um 1933. Arrangierte Ehen unter der gehobenen Gesellschaft sind an der Tagesordnung. Geschichtliche Details wie der Krieg oder die Masernepidemie 1917 werden dezent eingeflochten und ergeben dadurch ein realistisches Bild der damaligen Zeit.


    Doch auch die Gegenwart um 1994 ist wirklichkeitsnah. Denn Emmy lebt selbstbestimmt in ihrer kleinen Wohnung in Berlin Tegel und versucht von der ältesten Tochter Hilde nicht überbehütet zu werden. Einerseits konnte ich Hilde verstehen, die sich Sorgen um ihre betagte Mutter macht. Andererseits musste ich oft lachen, denn Hilde ist oft eine Karikatur einer sich sorgenden Tochter. Die Figuren sind sehr überzeugend und ich empfand einige Situationen mitten aus dem Leben gegriffen. Die Verbindung zwischen Hilde, Otto und Tessa empfand ich sehr interessant und zeigt viele Aspekte einer Beziehung zwischen erwachsenen Geschwistern. Eifersucht, Abwägung, wer denn wie viel und warum für die betagte Mutter erledigt, sowie Konflikte … wie im realen Leben.


    Mir gefallen Bücher, in denen Lebensgeschichten erzählt werden grundsätzlich gut. Denn ich finde es sehr interessant, zu erleben, wie sich Figuren verändern und entwickeln, was sie erleben und wie sich ihr Lebensweg gestaltet. In „Sturmvögel“ war es zudem so, dass mich die Hauptfigur Emmy sehr gefesselt hat und so war ich gespannt ihren Lebensweg mitzuverfolgen. Meist ist es so, dass wir sind, wie wir sind, weil wir unseren persönlichen Weg mit der eigenen Ueberzeugung gehen, da ist Emmy das typische Beispiel.

    Vor allem der Punkt, dass sich Manuela Golz für dieses Buch vom Leben ihrer Grossmutter hat inspirieren lassen, hat mich berührt.


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  • Emmy Seidlitz ist 86 Jahre alt, als die Ärzte bei ihr Herzprobleme feststellen. Die Seniorin, die ansonsten noch ziemlich rüstig ist, kann auf ein aufregendes Leben zurückblicken. Und ihre Kinder müssen erkennen, dass die Mutter so ihre Geheimnisse hat...


    „Sturmvögel“ ist ein Roman von Manuela Golz.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus 27 Kapiteln mit einer angenehmen Länge. Erzählt wird vorwiegend aus der Sicht von Emmy, aber auch aus der weiterer Personen. Dabei gibt es zwei Stränge: Einerseits spielt die Handlung in der jüngeren Vergangenheit (1994 und 1995) und andererseits in ferneren Zeiten (ab 1911). Zeitangaben zu Beginn der Kapitel machen die Orientierung leicht.


    Der Schreibstil ist anschaulich und dank vieler Dialoge lebhaft, aber recht unspektakulär.


    Protagonistin Emmy ist eine selbstbewusste und resolute Persönlichkeit, die mit ihrer direkten Art schnell meine Sympathie gewonnen hat. Ihre Gedanken und Gefühle werden sehr gut deutlich. Leider sind nicht alle Charaktere vielschichtig angelegt.


    Der Roman basiert auf dem Leben der Großmutter der Autorin. Inhaltlich ist er abwechslungsreich. Die Schicksalsschläge und Erlebnisse, die Emmy widerfahren, machen die mehr als 300 Seiten umfassende Geschichte kurzweilig, facettenreich und unterhaltsam. Allerdings hatte ich mir eine etwas tiefgründigere und originellere Lektüre erhofft.


    Ein schöner Pluspunkt ist das angefügte Glossar, das sich am Ende des Buches versteckt. Auch das Interview zum Roman gehört zum interessanten Zusatzmaterial.


    Das moderne Cover gefällt mir gut. Der Titel ist passend.


    Mein Fazit:

    „Sturmvögel“ von Manuela Golz ist ein unterhaltsamer Roman, der mir schöne Lesestunden bereitet hat, aber das gewisse Extra vermissen lässt, um noch lange nachzuhallen.


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  • Bewegtes Leben einer alten Dame


    Das Cover allein hätte mich nicht gereizt, das Buch zu erwerben. Aber schon nach dem Anlesen des Buches hat mich die Geschichte in seinen Bann gezogen. Die inzwischen alte Dame, Emmy, ist mir auf Anhieb sympathisch. Sie hat ihr Herz auf dem rechten Fleck, hat sich ihre Ansichten zum Leben und insbesondere der Ausgestaltung ihres eigenen Lebens bewahrt. Bevormundung, auch von der eigenen Tochter, kann sie nicht leiden und so gefällt es ihr auch nicht, dass ihre Kinder im Keller herumstöbern und die Sachen und alte Akten durchforsten, auch wenn sie es gut meinen.

    Im Rückblicken wird Emmys Lebensgeschichte erzählt, wie sie ganz jung nach Berlin gelangt, sich dort verdingt, die Liebe erfährt. Das schwierige Verhältnis zu ihrer Schwiegermutter macht ihr das Leben nicht einfacher, ihr Mann unterstützt sie nicht wirklich. Man erfährt viel über Emmy, ihre Geheimnisse enthüllen sich nach und nach und man fühlt sich ihr schnell nahe. Derweil, in der Gegenwart, studieren ihre beiden ältesten Kinder Hilde und Otto die gefundenen Akten und versuchen, sich ein Bild von ihrer Mutter und dem möglich zu erwarteten Erbe machen. Ihre Tochter Tess und ihr Ziehkind Anni sind anders gestrickt, wollen davon nichts wissen und sind um Emmy sehr bemüht.

    Die Erzählweise, sei es vom Leben auf der Nordseeinsel oder auch im großen Berlin, ist ruhig und sehr anschaulich. Egal, ob es sich um die Schilderung der Charaktere und deren Beziehungen zueinander oder um die Lebenserfahrungen handelt, alles wird sehr glaubwürdig und fein moduliert dargeboten.

    Emmy hat sich bei allem Erlebten ihren Humor bewahrt. Wie sie mit den Situationen umgeht, verdient Respekt. Meine Sympathie hat sie bereits. Das Buch hat mir beim Lesen viel Freude bereitet, ich empfehle es unbedingt weiter und werde es nach einiger Zeit sicher erneut lesen.


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  • So richtig warm geworden bin ich mit dem Buch leider nicht. Ich konnte keine Beziehung zu den Charakteren aufbauen, da ich sie größtenteils unsympathisch fand. Am meisten überzeugen konnte mich Emmy, um deren Leben und deren Geschichte es in diesem Buch geht. Aber ganz schlimm fand ich ihre Kinder, die hoffen, nach Emmys Ableben reich zu erben. Vielleicht war es von der Autorin beabsichtigt, sie so unliebsam darzustellen. Letztlich hat auch ihr Erzählstil dazu beigetragen. Ich fand es leider übertrieben und in meinen Augen hat es der Geschichte nicht gedient.


    Die Handlung spielt auf mehreren Zeitebenen, springt dabei willkürlich hin und her. Es gibt keine chronologische Abfolge, sodass die Kapitel eher Episoden aus Emmys Leben gleichen. Zusammen ergeben sie das Bild einer toughen Frau, die früh erwachsen werden musste, zusammen mit ihrer Familie viel erlebt hat, viel gesehen und erfahren hat. Die Handlung, die in der Vergangenheit spielt, konnte mich mehr fesseln als die Gegenwart, die hauptsächlich von den bereits erwähnten Kindern von Emmy handelt. Leider geht alles sehr schnell, die Handlung bleibt eher oberflächlich, obwohl sie viel Potenzial für Tiefgang birgt. Dazu trägt auch der Erzählstil nicht dazu bei, dass das Buch besonders fesselt. Ich hatte mir mehr erhofft.


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    "Hab Vertrauen in den, der dich wirft, denn er liebt dich und wird vollkommen unerwartet auch der Fänger sein."
    Hape Kerkeling


    "Jemanden zu lieben bedeutet, ihn freizulassen. Denn wer liebt, kehrt zurück."
    Bettina Belitz - Scherbenmond


    http://www.lektorat-sprachgefuehl.de

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