Wilhelm Genazino - Aus der Ferne. Auf der Kippe: Bilder und Texte

  • Kurzmeinung

    tom leo
    Manchmal etwas zu konstruierte Gedanken über Postkarten und Bilder, aber dennoch sehr anregend!

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  • Original : Deutsch, in dieser verlinkten Zusammenstellung 2012, als Einzelausgaben für den ersten Teil 1993, und für den zweiten Teil 2000


    INHALT :

    Bei Streifzügen über Flohmärkte und durch Trödelläden fand Wilhelm Genazino Fotos und Postkarten, die aus den unterschiedlichsten Gründen sein Interesse weckten. Sie regten ihn zu eigenen Reflexionen an. Entstanden sind scharfsinnige, bisweilen verblüffende Legenden zu nur scheinbar wertlosen Aufnahmen. Das Strandgut der Zeit wird bei Genazino zur Kunst.


    BEMERKUNGEN :

    Die knapp gehaltene Inhaltsangabe sagt dennoch schon sehr treffend den Rahmen des schönen verlinkten, großzügigen Bandes. Wir finden auf der einen Seite ein Photo, eine Ansichtskarte, und auf der anderen Seite einen Text von Genazino. Das ist keinesfalls eine absolut genügende pure Beschreibung, Analyse, sondern hier geht der Autor wie einem Gedankenanstoß nach. Etwas hatte ihn angesprochen, und unsererseits hätte das durchaus was ganz anderes sein können. Doch lassen wir uns einfach mal mitnehmen auf diese kleinen Reisen und Ausflüge, und schon wird solch ein Buch zu einer Möglichkeit nachzudenken, ja – würde ich gerne hinzufügen – zu meditieren. Sicher, nicht alle Gedankengänge wecken dasselbe Interesse bei verschiedenen Lesern, aber irgendwas wird schon dabei sein. Und ich für meinen Teil sage mal : das war viel ! Man kann sich durchaus vorstellen, nach dem Lesen einer Seite das Buch aufgeschlagen auf einem Lesepult verweilen zu lassen.


    Beispiel :

    Unsere Einbildungskraft weiß mit Undeutlichkeit immer mehr anzufangen als mit Deutlichkeit. Die fertige Totalität eines Bildes entmutigt uns, während das Detail, der Ausschnitt, die eigenen Kräfte anstachelt. Genauigkeit können wir zur Kenntnis nehmen, sicher auch bewundern, aber Ungenauigkeit weckt unsere Phantasie.


    Ich fühlte mich meinerseits an eine Aussage aus dem wikipediaartikel erinnert über Charakteristika der Werke des Autors (da spricht man zwar von den Romanen, aber es stimmt wohl auch umgesetzt für dieses Buch) :


    Typisch für alle Romane Genazinos ist die hochdifferenzierte Beobachtungsgabe der Personen, die immer wieder zu sehr ausführlichen Beschreibungen scheinbarer Banalitäten führt, die dann aber in eigenwillige, teils skurril erscheinende Einsichten münden. Diese unterstreichen seinen impliziten Anspruch, das Besondere im Allgemeinen zu sehen, die Absurdität des Alltags, wie sie von durchschnittlichen Bewohnern durchschnittlicher Städte im Hier und Jetzt erlebt wird. Obwohl die detailliert beschriebenen Gedankengänge ein gewisses Bildungsniveau und vor allem Interesse an der Gesellschaft erkennbar machen, gibt es keinerlei explizite Hinweise auf kulturelle, politische oder wissenschaftliche Hintergründe oder Einflüsse.


    AUTOR :

    Wilhelm Genazino (* 22. Januar 1943 in Mannheim; † 12. Dezember 2018 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Schriftsteller. 2004 wurde er mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Er wuchs in einfachen Verhältnissen in Mannheim auf. Er war bis 1971 Redakteur bei der Frankfurter Satire-Zeitschrift Pardon und von 1980 bis 1986 Mitherausgeber der Zeitschrift Lesezeichen. Ab Anfang der 1970er Jahre konnte er von seinem Einkommen als freiberuflicher Schriftsteller leben. Nach dem Abitur, das er erst im Alter von fast 40 Jahren machte, und einem Volontariat bei der Rhein-Neckar-Zeitung studierte Genazino Germanistik, Philosophie und Soziologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Nach seinem Studienabschluss arbeitete er als freier Journalist und Redakteur.

    Von 1970 bis 1998 lebte er in Frankfurt am Main. Vom 30. August 1996 bis 29. August 1997 war er Stadtschreiber von Bergen. 1997/98 hatte Genazino die Gastdozentur für Schriftstellerinnen und Schriftsteller an der Universität Paderborn inne. Ab 1998 lebte er in Heidelberg, bevor er 2004 nach Frankfurt zurückkehrte. 2004 erhielt er den bedeutendsten deutschen Literaturpreis, den damals mit 40.000 Euro dotierten Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt, in der er ab 1990 Mitglied war. Im Wintersemester 2005/06 hielt er an der Frankfurter Universität die Frankfurter Poetik-Vorlesungen unter dem Titel Die Belebung der toten Winkel. Im Sommersemester 2009 hielt er eine „Poetikprofessur“ genannte kleine Vorlesungsreihe an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. 2011 wurde er in die Berliner Akademie der Künste gewählt. Sein Roman Wenn wir Tiere wären wurde für den Deutschen Buchpreis 2011 nominiert.

    Genazino wurde in den späten 1970er Jahren bekannt durch seine Abschaffel-Trilogie über das Innenleben eines isoliert lebenden kleinen Angestellten. Diese wurde 2011 zur gemeinsamen Lektüre im Rahmen der Veranstaltungsreihe Frankfurt liest ein Buch ausgewählt.

    Er starb im Dezember 2018 im Alter von 75 Jahren nach kurzer Krankheit in Frankfurt am Main. Er wohnte in Frankfurt-Westend, hatte zwei Kinder und drei Arbeitszimmer, aber weder Auto noch Fernseher. Sein Grab befindet sich auf dem Frankfurter Hauptfriedhof.


    Taschenbuch : 136 Seiten

    ISBN-10 : 3423141263

    ISBN-13 : 978-3423141260

    Abmessungen : 21 x 1.3 x 24 cm

    Herausgeber : dtv Verlagsgesellschaft (1. Juli 2012)

    Sprache: : Deutsch

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