Hans Erich Nossack - Der Untergang. Hamburg 1943

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  • Mit Fotos von Erich Andres

    Geschrieben : im November 1943, in dieser Ausgabe mit Fotos, 1993


    INHALT :

    Im Jahre 1943, drei Monate nach dem - »Untergang Hamburgs«, hat Hans Erich Nossack Rechenschaft abgelegt über eine Katastrophe, deren Zeuge er war. »Das Schicksal hat es mir erspart, eine Einzelrolle dabei zu spielen... Für mich ging die Stadt als ein Ganzes unter, und meine Gefahr bestand darin, schauend und wissend durch Erleiden des Gesamtschicksals überwältigt zu werden.« Was unter dem Zwang des grauenvoll Erlebten niedergeschrieben wurde, ist ein Dokument - das Beweisstück, dennoch überlebt zu haben.

    (Klappentext Suhrkamp)


    BEMERKUNGEN :

    Wie «entdeckt » man nächste Lektüren ? Beim und im Lesen sich leiten lassen von der Intuition und Gehörtem. Und so hatte ich ein intensives Leseerlebnis, dem ich erstmalig (?) in einem « Ich-lese- gerade-Fred » ausgiebig Raum widmete. In W.G.Sebalds Campo Santo finden wir u.a. verschiedene Essays und einer handelte von den oft durch die deutschen Nachkriegsautoren ignorierten Thema der massiven und mörderischen Luftbombardierungen. Dabei spricht W.G.Sebald insbesondere auch von einem Buch (siehe : RE: W.G.Sebald – Campo Santo ), das ich mir damals notierte, kaufte, und nun las, bzw langsam betrachtete. Die unten verlinkte Ausgabe verbindet einen sehr eindringlichen, längeren Text von Nossack und Bilder des verheerenden Zustandes Hamburgs nach den Angriffen. Dabei sind es nicht so sehr Luftaufnahmen von allgemeiner Zerstörung, als vielmehr Detailaufnahmen auf Strassenfluchten und Fassaden. Dann wird deutlich, wie sehr hinter den Fassaden meist… nichts mehr stand. Und wie die Menschen alles verloren. Sie illustrieren Sätze Nossacks und werden durch diese untertitelt.


    Es ist schon schaudererregend, dass Nossack und seine Misi nach circa fünf Jahren Aufenthalt in den Stadtgrenzen Hamburgs ab 21.7.43 für einige Tage « Urlaub » in einer Hütte bei Maschen sind, ungefähr fünfzehn km südlich von Hamburg, dort gar nahezu ein Idyll erfahren. Dort werden sie vom kurz darauf vom unglaublichen Brummen der ca 1800 eineinhalb Stunden auf die Stadt zufliegenden Bomber geweckt und ferne Augenzeugen des brennenden, untergehenden Hamburgs. Nach den Tagen mehrer Angriffe sind sie frühstmöglichst auf dem Weg in die Stadt. Nossack macht sich zum Beobachter, Beschreiber, Zeugen des Gesehenen, Gehörten. Auch schon einige Überlegungen angesichts teils widersprüchlicher Realitäten : Ablehnung und doch auch unglaubliche Hilfsbereitschaft, Ohnmacht und dann sogar ein kaum beschreibbares Aufatmen (dass der Spuk ein Ende hat?), das Ende und doch auch eine Ahnung eines möglichen Neubeginns.


    Jedoch will und kann ich die Worte des Autors nicht einfach wiedergeben, aus Angst sie zu verzerren.Sie sprechen für sich.


    Es trifft sich ungewollt so, dass ich dieses Buch tatsächlich zuende brachte am gestrigen Heiligabendnachmittag. Ich zögere ein wenig, es an einem ersten Weihnachtstag einzustellen. Jedoch : Ist das nicht « weihnachtliche Realität », auch heute noch, für die Verfolgten und Kriegsopfer der Welt ? Ihnen zur Ehre...


    AUTOR :

    Hans Erich Nossack (* 30. Januar 1901 in Hamburg; † 2. November 1977 ebenda) war ein deutscher Schriftsteller, der zunächst als Lyriker und Dramatiker, später jedoch vor allem als Prosaautor in Erscheinung trat. Er entstammte einer wohlhabenden Hamburger Familie; sein Vater Eugen Nossack betrieb eine Handelsfirma (Kaffee und Rohkakao). 1919 machte er das Abitur am humanistischen Gymnasium Johanneum in Hamburg. Im Wintersemester 1919/20 immatrikulierte er sich an der erst 1919 gegründeten Hamburger Universität für die Fächer Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft. 1920 wechselte er an die Universität Jena, wo er ein Studium der Rechtswissenschaft sowie der Staats- und Volkswirtschaftskunde begann, das er 1922 abbrach. Im selben Jahr erklärte Nossack seinen Austritt aus dem Corps Thuringia Jena, der er vom Sommer 1920 bis zum Winter 1922 angehört hatte. Er verzichtete zugleich auf Unterstützung durch seine Familie und versuchte, sich als Hilfsarbeiter durchzuschlagen. Vorübergehend wurde er Mitglied der KPD.


    1923 kehrte Nossack nach Hamburg zurück und heiratete 1925 Gabriele Knierer (1896–1987), mit der er sein Leben lang trotz großer Schwierigkeiten verheiratet blieb. Er wurde Bankangestellter und absolvierte in den folgenden Jahren eine Ausbildung als Bankkaufmann. Neben dem Brotberuf verfasste er Gedichte und schrieb Dramen.


    1930 wurde er erneut KPD-Mitglied. 1933 zog er sich in die väterliche Firma zurück. Es kam zu Haussuchungen durch die SA und die Polizei, aber er wurde nicht verhaftet. Er übernahm bald darauf die Leitung der Importfirma. Seine ersten Veröffentlichungen erschienen ab 1947.


    1956 löste er mit Hilfe des Schweizer Industriellen Kurt Bösch die väterliche Firma auf und zog nach Aystetten bei Augsburg. Seitdem war er als freier Schriftsteller tätig.


    1962 zog er nach Darmstadt. Von 1964 bis 1968 war Nossack Vizepräsident der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur. 1965 zog er nach Frankfurt am Main, kehrte seiner Frau zuliebe im Dezember 1969 nach Hamburg zurück, wo er bis zu seinem Tode 1977 lebte und schrieb. Sein Nachlass befindet sich im Deutschen Literaturarchiv Marbach.

    (Quelle und mehr : wikipedia.de)


    Herausgeber : Ernst Kabel Verlag (1. Januar 1981)

    Sprache: : Deutsch

    ISBN-10 : 3921909708

    ISBN-13 : 978-3921909706

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