Sofie Berg - Mit dem Mut des Herzens

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  • Klappentext:


    "November 1945. Im norwegischen Trondheim wirft die frühere deutsche Besatzung und die daraus resultierende Abneigung gegen alles Deutsche ihren Schatten auf das Leben und die Beziehungen der Familie Bakken. Unterdessen ist in Hamburg Ingrid Reimers, geborene Bakken, nicht nur der Ablehnung durch ihre deutsche Schwiegermutter ausgesetzt, sondern muss sich, zusammen mit Mann und Tochter, dem täglichen Kampf ums Überleben stellen. Dabei geht es auch um die Frage, wie weit man dabei gehen will und darf."


    Quelle: Amazon

  • Leider viel schwächer als Band eins


    Nach "Schicksalstage am Fjord" wird die Geschichte von Ingrid und ihrer Familie weitererzählt. Sie geht mit ihrem deutschen Mann und ihrer Tochter nach Deutschland, ihre Eltern und Geschwister bleiben in der norwegischen Heimat zurück. Doch noch immer ist die Kluft in der Familie tief, Ingrid - außer von ihrer Mutter - geächtet. Auch in Deutschland hat sie es als Fremde nicht leicht. Noch dazu ist das Leben kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges immer noch von Mangel und Leid geprägt.


    Der erste Band hat mir sehr gut gefallen, deshalb war ich sehr gespannt, wie es Ingrid weiter ergehen wird. Die schwierige Lage in Deutschland wird sehr eindrücklich und realitätsnah geschildert. Man kann die Wohnungsnot, Mangel an Lebensmitteln, Heizmaterial und Medikamenten gut nachvollziehen. Aus der Not heraus geht man auf den Schwarzmarkt oder klaut Kohle von fahrenden Zügen. Noch immer steckt der Hass auf jeden Nicht-Deutschen in den Köpfen der Menschen. Auch nach Ende des Krieges ist das Leid noch lange nicht überstanden.


    Allerdings passiert auf den vierhundert Seiten immer wieder dasselbe. Die Handlung wiederholt sich. Oft geschieht wenig, dafür erfährt man sehr ausführlich die Gedanken von Ingrid und ihrer Schwägerin Erika, welche die Hauptpersonen in diesem Buch sind. Durch diese zwei Punkte ist die Geschichte langatmig und ermüdend. Das Buch ist von der eigenen Familiengeschichte der Autorin inspiriert, weshalb die Zeit realitätsgetreu geschildert ist, aber doch sehr deprimierend und monoton. Ein paar kleine Lichtblicke wären schön gewesen. Erst am Ende kommt Bewegung in die Geschichte, die ich mir schon eher gewünscht hätte.


    Fazit:


    Ich war gespannt zu erfahren, wie es Ingrid in einem für sie fremden Land ergehen wird. Findet sie ein neues Zuhause? Auch wenn die Geschichte die Realität wiedergibt, ist sie mir für ein Buch zu monoton. Das ist der einzige große Kritikpunkt, denn die Situation direkt nach dem Krieg ist von Sofie Berg eindrücklich und anschaulich dargestellt. Mehrmals machte sich in mir ein beklemmendes Gefühl bereit und ich hätte nicht mit Ingrid tauschen wollen.

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Die Geächtete

    1945. Ingrid Baken verlässt ihre Heimat Norwegen, um mit ihrem deutschen Ehemann Georg Reimers und der gemeinsamen Tochter nach Deutschland zu gehen. Aufgrund ihrer Beziehung zu einem Deutschen war das Leben für Ingrid und ihre Familie nahezu ein Spießrutenlauf, weshalb sich ihre Familie bis auf ihre Mutter auch von ihr lossagt. Nun hofft sie auf einen Neuanfang in Hamburg. Die Nachkriegsjahre in Deutschland sind allerdings alles andere als ein Zuckerschlecken, denn neben der unbarmherzigen Winterkälte und dem Mangel an Lebensmitteln sieht sich Ingrid auch in Hamburg Ablehnung gegenüber, nicht nur ihre Schwiegereltern machen ihr als Ausländerin das Leben schwer. Der Neustart in Deutschland ist für Ingrid und ihre Lieben einmal mehr ein schwerer Kampf…


    Sofie Berg hat mit „Mit dem Mut des Herzens“ einen unterhaltsamen historischen Roman vorgelegt, der vor allem herausstellt, wie Ausländer in der Nachkriegszeit in Deutschland behandelt wurden und im Familienverbund mit einem deutschen Ehepartner auch in ihren Heimatländern geächtet wurden. Das Buch ist eine Fortsetzung des Romans „Schicksalstage am Fjord“, kann aber durchaus eigenständig gelesen werden. Mit flüssigem und bildhaftem Erzählstil lässt die Autorin den Leser in der Zeit zurückreisen, um die schwierige Zeit nach dem Krieg zusammen mit Ingrid und ihrer Familie zu erleben, die sie anhand ihrer eigenen Familiengeschichte verfasst hat. Die Schilderungen über die Not der Menschen, denen es neben Lebensmitteln und Heizkohle auch an medizinischer Versorgung mangelt, sind plastisch beschrieben und lassen dem Leser immer wieder Gänsehaut über den Rücken laufen. Ebenso wird der blühende Schwarzmarkt ausführlich und detailliert beschrieben, auf dem zwar fast alles zu bekommen ist, jedoch immer mit der Angst vor Entdeckung im Nacken oder weil man vielleicht nichts Adäquates zum Tausch anbieten kann. Die ablehnenden und teils sogar hasserfüllten Vorbehalte gegenüber Ausländern wird auch gut dargestellt, allerdings verliert sich die Autorin immer wieder in zu detaillierte und eintönige Beschreibungen und vergisst dabei Spannungselemente mit einzubauen, um den Leser zu fesseln, so dass die Geschichte auf Dauer sehr langatmig und langweilig wird.


    Die Charaktere wurden leider nur sehr oberflächlich ausgestaltet, so dass der Leser kaum Nähe zu ihnen aufbauen kann und daher die Geschichte aus der Distanz betrachtet. Ingrid hat es wahrlich nicht leicht, denn als „Deutschenliebchen“ ist sie sowohl in ihrer eigenen als auch in der Familie ihres Mannes eine persona non grata. Sie wirkt durchweg resigniert und wenig kraftvoll. Ehemann Georg hat es einfacher, da die Ablehnung seiner Familie sich nicht auf ihn bezieht und er nur mit den schwierigen Umständen der Nachkriegszeit zu kämpfen hat. Die Stärkung seiner Frau kommt in der Geschichte viel zu kurz. Seine Schwester Erika ist eine Frau ohne Profil, die ihre Entscheidungen im Hinblick auf die allgemeine Meinung abwägt.


    „Mit dem Mut des Herzens“ ist durchaus eine interessante Geschichte, der es allerdings neben lebendigen Charakteren vor allem an Spannungselementen fehlt und so in langweilige Monotonie abrutscht. Kein Buch, das im Gedächtnis bleibt, schade!


    :bewertung1von5::bewertung1von5:

    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
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    gelesene Bücher 2020: 432 / 169960 Seiten

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