Christophe Chabouté - The Park Bench

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  • Beim Spaziergang durch den Park komme ich regelmäßig an einer verwitterten Parkbank vorbei. Sie ist an einer Stelle grob mit schwarzem Edding beschrieben, hat kleine Mosaike aus Aufkleberfetzen und natürlich wurden auch Liebesschwüre eingeritzt. Vermutlich von Paaren, die heute längst keine mehr sind. Einem solcher Art gewachsenem Denkmal aus Holz und Stahl widmet der französische Zeichner Christophe Chabouté eine Graphic Novel: The Park Bench.


    Es ist Chaboutés erste Graphic Novel, die nicht zuerst in französischer, sondern in englischer Sprache veröffentlicht wurde. Da in dem ganzen über dreihundertzwanzig Seiten starken Buch aber gerade einmal an die zwanzig englischen Wörter vorkommen, möchte ich die Sprache eher international nennen, denn die Bilderschrift ist älteste Schrift der Menschheit.


    Die vielen schwarzweiß gezeichneten Episoden erzählen unter anderem von Jugendlichen, die sich die Parkbank als Treffpunkt ausgesucht haben, von Menschen, die sich auf ein wohliges Alleinsein mit ihrem Buch im Park freuen bis hin zu einem Mann, für den diese Bank ein Bett bedeutet. Chabouté ist es gelungen die Geschichten all dieser Menschen miteinander zu verknüpfen - und das fast ohne Worte - was ich zeichnerisch arg herausfordernd finde. Er hat die Parkbank aus allen Blickwinkeln und in allen Jahreszeiten gezeichnet, was sie mal klein und einsam und mal vereinnahmend und belebt erschienen ließ. Mit diesen Darstellungstechniken hat er seiner statischen und stillen Protagonistin Parkbank Seele eingehaucht: Mir wurde ihr Schicksal wichtig. Das halte ich für eine zeichnerisch-erzählerische Großleistung. Chabouté ist zwar Franzose, aber sein Blick auf seine Landsleute ist, wie in all seinen Werken, nicht gerade romantisch und darin liegt eine Menge Witz.


    Chaboutés rauen Schwarzweißzeichenstil mag ich gern, allerdings wünschte ich mir mehr Nasen - und Frisurenvielfalt.


    Dieses Buch empfehle ich allen, die mit dem Genre Graphic Novel noch nichts zu tun hatten, aber mal hineinschnuppern möchten und außerdem gebe ich eine klare Kaufempfehlung an alle, die einen Parkgänger beschenken möchten. Das Buch macht für seinen Preis von ungefähr zwölf Euro ordentlich was her und bietet eine gezeichnete Geschichte übers Weiterentwickeln und Altern. Am besten liest/betrachtet man The Park Bench natürlich auf (s)einer Parkbank.

  • Squirrel

    Hat den Titel des Themas von „Chabouté - The Park Bench“ zu „Christophe Chabouté - The Park Bench“ geändert.

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