Charly Blood - Der Schlächter von Simmering

Anzeige

  • Wien 1984. In der Gemeindebausiedlung Hasenleiten wird der grausam verstümmelte Leichnam der 17-jährigen Schülerin Andrea Reiter aufgefunden. Ganz Wien ist entsetzt über das Gewaltverbrechen. Doch bevor die Polizei den Mörder stellen kann, gibt es weitere grässlich zugerichtete Tote. Der Killer schlägt sogar in der übernatürlichen Bevölkerung der Stadt zu.

    Erst als Privatdetektiv Bernd Waidmann durch eine geheimnisvolle Klientin in den Fall hineingezogen wird, kommt Bewegung in die Ermittlungen. Schon bald wird klar, dass die ermordete Schülerin Geheimnisse hatte.

    Schnell geraten Bernd Waidmann und BASILISK zwischen die Fronten. Können sie sich gegen Unterweltganoven, Monster, Hexen, wilde Lust und Rockmusik behaupten und den Schlächter von Simmering aufhalten? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt... (Klappentext)


    ☠☠☠☠☠


    "Der Tod wohnt in Simmering. Die Wiener wissen genau: Irgendwann bist reif für den Holzpyjama und landest am Wiener Zentralfriedhof, praktischerweise mit der 71er-Linie direkt zu erreichen."

    (S. 33)


    Im 11. Bezirk von Wien geht in der Gemeindebausiedlung Hasenleiten die Angst um, denn ein Mörder streift durch die Straßen. Das erste Opfer war die 17-jährige Andrea Reiter. Diese war wahrlich kein Kind von Traurigkeit und hatte es faustdick hinter den Ohren, doch sie hat es nicht verdient so abgeschlachtet zu werden.

    Bald kursieren Gerüchte über eine wolfsähnliche Bestie in Wiens Straßen und da wird es für die Mitglieder der Geheimloge BASILISK Zeit dem Ganzen nachzugehen.

    Bernd, der nebenher noch als Privatdetektiv arbeitet, bekommt zudem Besuch von einer äußerst verführerischen Dame, welche den Mord an ihrem Liebsten aufgeklärt haben möchte. Auch dieser wurde auf bestialische Art ermordet ... und da waren es schon zwei Opfer.

    Die Zeit drängt, denn der Schlächter von Simmering scheint gerade erst so richtig warm zu laufen.


    Dies ist der 5. Band der MORBUS-Reihe und spielt zeitlich nach den Geschehnissen von Band 3. und 4.


    "Als Robert die Gartenschere sah, begann sein ganzer Körper panisch zu zittern. Fast liebevoll wurde sein rechter Mittelfinger angehoben, dann schlossen sich die scharfen Klingen der Schere bereits um ihn. Mehrmals. Glied für Glied. Finger für Finger."

    (S. 23)


    In diesem Band lernt man den 11. Bezirk Wiens kennen, wandert durch dessen Straßen, kehrt in das ein oder andere urwienerische Gasthaus und Cafè ein und besucht natürlich auch den Wiener Zentralfriedhof. Dabei lernt man nicht nur skurrile Gestalten kennen, sondern begegnet auch einem Ghul, einer Dame, welche aus dem Roger Rabbit-Film entsprungen zu sein scheint, begibt sich in die Punk-Rock-Szene und raucht mit einem Unterweltboss eine Zigarre. Alles natürlich mit herrlich wienerischem Lokalkolorit, inklusive viel Schmäh, trockenem Humor und Situationskomik.

    Bisher klingt das nach einem humorvollen und gemütlichen Schauerroman, doch das täuscht, denn hier wird verstümmelt und es spritzt ordentlich Blut. Für allzu schwache Nerven ist also auch dieser Band nur bedingt zu empfehlen.


    Die Story strotzt nur so vor überraschenden Wendungen, die Spannung ist allgegenwärtig und am Ende wartet ein zusätzlicher Twist, der einen überascht aufkeuchen lässt.

    Die Figuren sind, wie immer, fantastisch ausgearbeitet und, wie schon erwähnt, herrlich skurril. Im Grunde könnte sich hinter jedem/jeder der Schlächter verbergen und dann kommt doch alles anders als man vermutet und gerätselt hat.


    "Das schrille Aufheulen der Sirene irritierte das Wesen einen Augenblick. Bernd nützte den Moment und schoss auf den Verfolger. Das mordlüsterne Wesen zuckte zusammen, als die Kugel ins faulige Fleisch einschlug. Gräuliches Blut spritzte über die Fahrzeuge. Es stank auf einmal, als hätte man einen Güllesilo angezapft."

    (S. 61)


    Auch der Schreibstil ist gewohnt flüssig und die Erzählweise packend.

    Einzig das Korrektorat hat hier ordentlich geschlampt. Leider ist das Ausmaß so groß, sodass die vielen Rechtschreibfehler und grammatikalischen Schnitzer nicht mehr als bloße Schlampigkeitsfehler durchgehen. Wenn erstmal der Lesefluß dadurch ins Stottern gerät, ist es wirklich nicht mehr schön anzusehen, geschweige denn zu lesen. Das war schon fast gruseliger als die Story selbst.

    Aber nur fast, denn trotzdem habe ich das Buch inhaliert und mich am Ende zufrieden zurückgelehnt. Wenn ich jedoch bei jedem Schnitzer einen Kurzen gesoffen hätte, wäre ich wohl nicht über 20 Seiten hinaus gekommen.


    Im Anschluß erwartet einen noch eine detektivische Kurzgeschichte mit Bernd Waidmann und ein kleiner Auszug über die Geschichte der Jugendbewegung in den 70ern. Ein Dialektglossar darf auch hier natürlich nicht fehlen.

    Auch die ein oder andere Illustration ist wieder enthalten. Diesmal von Ronald Putzker und Synthe Sizer, meiner Favoritin unter den ComiczeichnerInnen und das nicht nur österreichweit. Das Cover hat diesmal Jörg Vogeltanz kreiert, der inzwischen sicher jedem der meinen Blog liest bekannt sein sollte.


    Fazit:

    Dieser Band enthält wieder eine Story ganz nach meinem Geschmack - Spannung, viele Wendungen, trockener und oft morbider Humor, viel Blut und schräge, wie auch unheimliche Figuren. Ich habe das Buch weggeatmet wie nix.

    Dem Korrektorat würde ich aber nur zu gerne anständig auf die Finger klopfen!

    Von der MORBUS-Reihe war ich, wie inzwischen so manche wissen, von Anfang an begeistert, doch mittlereweile gehört sie zu meinen absoluten Lieblingsreihen. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    © Pink Anemone (auf dem Blog mit Bildern, Leseprobe, Autoren- und Illustratoren-Info)

    1. (Ø)

      Verlag: myMorawa von Dataform Media GmbH


Anzeige