Richard Friedenthal-Luther

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  • Dieses Buch schildert das Leben des Reformators in chronologischer Form,von der frühen Jugend an und im jeweils historischen wie theologischen Kontext.

    Dabei hält sich der Autor an kein starres Gerüst,sondern seine Einschübe und Extempore beschäftigen sich ausführlich mit der Reichspolitik und der Politik der päpstlichen Curie,wie auch den Zeitläuften im sechzehnten Jahrhundert im Römischen Reich Deutscher Nation.

    Luthers persönliches familiäres Umfeld nimmt dabei einen grossen Raum ein.

    Auch auf seinen Werdegang und der Entstehung der Differenzen des Augustiners Luther mit der Amtskirche und seinem Orden wird in Extenso eingegangen.

    "Wie finde ich einen gnädigen Gott?" war dabei Luthers zentraler Denkansatz,wie gelangt der Mensch in den Stand der Gnade?Treten dabei eigene Werke in den Vordergrund,oder Reue und Ergebenheit im persönlichen Gespräch mit Gott,dem Gebet?

    Das sowohl gekonnte wie auch aufreibende Lavieren Luthers zwischen den Mächtigen des Reichs,dem Kaiser,der Kirche und den weltlichen Reichsfürsten nimmt jedoch den zentralen Teil dieser Biografie ein.

    Auch die für die Möglichkeiten der Zeit ungewöhnlich gut ausgeprägte Vernetzung Luthers mit den politischen und geistigen Grössen Europas wird eingehend beleuchtet.

    Das reiche Leben und Schaffen des Reformators wird ausführlich erzählt,auch die Gefährdungen,Gewissensängste und die stets belastete Gesundheit werden anhand schriftlicher Zeugnisse belegt.


    Kritik:

    Friedenthal war ein Münchner Literatur -und Kunsthistoriker und hat in zahlreichen Publikationen,am prominentesten ist wohl seine Goethe-Biografie ,Massstäbe gesetzt .

    Sein Wissen ist breit gefächert,was der Abrundung dieses Werkes zugute kommt.

    Es gelang in Anbetracht des umfangreichen Themas,den Gegenstand zu fassen und zu einer klaren,grösstenteils abgewogenen Einschätzung zu kommen.

    Der Autor erzählt gern und viel,was die Lesbarkeit durchaus erhöht,oft aber in unergründliche Detailvielfalt hineinirrt.

    Diese notwendigerweise sehr kursorischen Betrachtungen werden aber weder der Reichspolitik aus deutscher Sicht,noch der ultramontanen Sicht,noch derjenigen des von Spanien aus regierenden Habsburgers Karl V. gerecht.

    Friedenthal ist kein Freund der föderalistischen Fürstengewalt im deutschen Reich,das kann er auch nicht verbergen.Teilweise geisselt er den "Flickenteppich" als allzu hinterwäldlerisch,ohne aber die Chancen zu erwähnen für die kulturelle und geistige Vielfalt.Wäre das Phänomen Luther ohne Letzteres überhaupt möglich gewesen?

    Friedenthals Sprache ist klar und präzise,er schreibt nicht für den Historiker,sondern richtet sich an jeden Interessierten.Dennoch ist die Quellenlage zufriedenstellend dokumentiert.

    Etwas zu oft rutscht der Autor dabei allerdings ins Feuillton ab,beginnt manchmal auch zu schwadronieren,eine straffere Linienführung wäre zu wünschen.

    Insgesamt aber ist die Biografie eine überzeugende Leistung.

    Ein wichtiges Buch unter den gut lesbaren Vertretern einer kaum noch überschaubaren Lutherliteratur.

    Vier Sterne. H.


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