Andreas Zwengel - Der zweite Krieg der Welten

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  • „576 Seiten sind doch ein Klacks!“


    Wer so denkt, der hat nicht den „Zweiten Krieg der Welten“ gelesen, denn dieses Buch ist rein haptisch ein, wie ich so gerne zu sagen pflege, wahrer Backstein mit dem man problemlos jeden Marsianer zur Strecke bringen könnte.


    H.G. Wells „Krieg der Welten“ ist wohl neben der „Zeitmaschine“ und dem „Unsichtbaren“ das bekannteste Werk des Autors, welches einen nicht unerheblichem Einfluss auf die Science-Fiction Literatur gehabt hat. Mehrfach verfilmt, gab es auch in achtzigerjahren des vergangenen Jahrtausends eine TV-Serie, welche sich als Fortsetzung der Originalgeschichte verstand. Und auch als Buch gibt es bis dato ein paar Fortsetzungen, welche allerdings alle einen anderen Ansatz verfolgen.


    Der erste Krieg der Welten ist seit über 100 Jahren vorbei und die Erinnerung im Gedächtnis der Menschheit hat sich soweit zurückgezogen, das die meisten Menschen fast schon daran glauben, das alles niemals geschehen ist. Als sich die Anzeichen für eine zweite bevorstehenden Invasion durch die Marsianer häufen, nehmen nur wenig Menschen davon Notiz. Einzig eine kleine Behörde der britischen Regierung erkennt die Vorzeichen und versucht zu handeln, doch niemand scheint ihnen glauben zu wollen und so nimmt der erneute Versuch sich die Erde untertan zu machen seinen Lauf.


    Alles beginnt wie ein Agententhriller mit kinoreifer Kulisse und eigentlich liest sich das komplette Buch wie das Drehbuch eines Kinofilms oder einer TV-Serie. Die britische Behörde fühlt sich wie die COUNTER MEASURES aus dem DOCTOR WHO Universum an. Und somit vergehen die fast 600 Seiten Umfang fast wie im Fluge, denn es gibt keine langatmigen Strecken, die man eigentlich bei solch einem Umfang erwarten würde. Jedes der Kapitel hat seinen individuellen Reiz und selbst am Ende des Buches schafft es Autor Andreas Zwengel noch die ganzen Geschichte mit unerwarteten Dingen aufzupeppen, die nicht konstruiert wirken, sondern sich nahtlos und logisch in das Gesamtgefüge einpassen.


    Zwengel legt nebenbei auch sehr viel Wert auf nachfühlbare Charakterisierung, welche er selbst bei Protagonisten anwendet, die kurz nach ihrer Einführung bereits auf die eine oder andere unerfreuliche Art und Weise das Zeitliche segnen. Ebenfalls lässt er keine Fragen offen, was die Hintergründe der in der Jetztzeit agierenden Protagonisten betrifft.


    Auch die zahlreichen Nebenschauplätze lenken nicht von der Hauptinvasionsgeschichte ab, sie bereichern sie um den Aspekt dessen, was der Normalbürger während solch einer Invasion denn erleben und durchleben könnte.


    Ebenfalls erwartet den Leser nicht nur Military-Action. Die menschlichen Hinter- und Abgründe werden ebenso ausgeleuchtet, wie die martialische Verteidigung der Menschheit. „Der Mensch ist des Menschen Wolf!“ ist der wohl passende Satz für die Dinge, welche sich neben der Invasion durch die Tripods, Digger und Catcher ereignen.


    Auch wenn man die Geschichte von Wells eigentlich auswendig kennt und sofort klar ist um was es sich zu Beginn der ganzen Sache handelt, so gibt Andreas Zwengel allem trotzdem noch einen Sense of Wonder mit auf den Weg, welcher alles spannend bleiben lässt – selbst wenn man das Grundlagenbuch streckenweise aus dem Stegreif rezitieren könnte (welches ich bis auf die Einführungssätze nicht in der Lage bin).


    Für mich die bisher beste Fortführung der Geschichte, welche sich von den eher militärisch angehauchten Ansätzen ihrer Konkurrenten erfrischend wohltuend abhebt.

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