William Andrews - Das Schicksal der Drachentöchter / Daughters of the Dragon

  • Kurzmeinung

    Lucivarsadi
    Trostfrauen, die Zwangsprostituierten der Japaner und Aufarbeitung in Korea 1942 - heute. Gut vor allem bis in die 50er.

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  • William Andrews – Das Schicksal der Drachentöchter


    Inhalt (Quelle: Amazon)


    Die junge Anna Carlson macht sich in Korea auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter. Doch sie kommt zu spät, denn die Mutter lebt nicht mehr, und Annas Suche nach ihren Wurzeln scheint zu Ende, bevor sie richtig begonnen hat.


    Ein Hinweis führt Anna zu der eleganten Hong Jae-hee. Eine Begegnung, die ihr Leben für immer verändert, denn die Erzählungen der faszinierenden alten Dame führen tief hinein in die Zeit des Zweiten Weltkriegs und die Besatzung Koreas durch die Japaner. Über zweihunderttausend Koreanerinnen wurden damals gezwungen, den Soldaten als »Trostfrauen« zu dienen – ein schreckliches Stück koreanischer Geschichte, das mehr mit Annas Familie zu tun hat, als sie zunächst ahnt …


    Kommentar:


    Die Geschichte wird aus Sicht von Anna sowie von Hong Jae-hee erzählt. Dabei verwendet der Autor konsequent die personale Erzählperspektive für Anna sowie die Ich-Perspektive für die Erzählungen von Hong Jae-hee. Anna, die wohlbehütet und geliebt in den USA aufwächst, dient dem Autor als Vehikel für den unbedarften Leser, um über Frau Hongs Erzählungen einen kompakten geschichtlichen Abriss der Geschichte Koreas seit dem Zweiten Weltkrieg bis zur heutigen Zeit zu vermitteln. In diesen historischen Kontext wird das Thema der sogenannten „Trostfrauen“ eingebunden, wie die japanischen Besatzer junge koreanische Mädchen dazu zwangen, den Soldaten als Prostituierte zu dienen, wie „Trostfrauen“ in der Nachkriegszeit behandelt wurden und welcher Kampf um Entschädigung geführt wurde. Dem Autor gelingt es, bei der Beschreibung von Gewalt, sei es Vergewaltigung, Züchtigung, Bestrafung, Erniedrigung, Verfolgung oder Hilfeverweigerung, diese plastisch und eindringlich zu schildern, ohne dabei voyeuristisch zu sein. Ebenso kann er deutlich machen, was es für eine Frau, für einen Menschen überhaupt, bedeutet, von der Gesellschaft ausgegrenzt zu werden, weil diese nicht erinnert werden will, denn für einen Neuanfang muss man die Vergangenheit hinter sich lassen. So haben die Opfer selbst damit zu kämpfen, sich nicht schuldig zu fühlen und kämpfen darüber hinaus bis heute um echtes Schuldbekenntnis und Entschädigung seitens der ehemaligen Besatzer, seitens Japans. Im Nachwort geht der Autor kurz auf die Quellenlage sowie den aktuellen Stand der Entschädigungen ein, wodurch das Erzählte noch mehr Gewicht bekommt. Außerdem ist eine ausgewählte (englischsprachige) Bibliografie zum Thema „Trostfrauen“ sowie zur Geschichte Koreas angehängt.


    Über einen Kniff verbindet der Autor die beiden Schicksale von Anna Carlson und Hong Jae-hee, indem Anna von Frau Hong einen Elfenbeinkamm mit zwei Drachenköpfen erhält. Drachen sind in Asien Symbole für das Herrschergeschlecht. Und die Anzahl der abgebildeten Zehen einer Drachenpfote legt fest, ob es sich um die chinesische, die koreanische oder die japanische Herrscherfamilie handelt. Allgemein gilt die Faustregel, je weiter das Land im Osten liegt, desto weniger Zehen hat der abgebildete Drache an seiner Pfote. Ein chinesischer Drache wird mit fünf Zehen dargestellt, ein koreanischer mit vier Zehen und ein japanischer mit drei Zehen. Der Drachenkamm, den Anna erhalten hat, scheint für viele Mächtige interessant zu sein, die diesen Kamm auch in ihren Besitz bekommen wollen. Warum genau wird nicht deutlich. Am ehesten lässt sich vermuten, dass beide Seiten, sowohl Korea als auch Japan, Angst vor einem Erben, einem Nachfolger, der von den Japanern ermordeten koreanischen Herrscherfamilie, haben.


    Fazit:


    Für mich, der sich noch nie intensiver mit Korea und seiner Geschichte auseinander gesetzt hat, ist der historische Überblick, den die Erzählungen von Frau Hong bieten, ein gelungener Einstieg in das Thema. Kurz und knapp werden die Eckpunkte von Koreas Geschichte seit der Besetzung durch Japan 1910 bis heute angerissen, wobei mir die Darstellung der knapp fünfzehn Jahre von 1942 bis 1957 am besten gefallen hat, da diese den größten Teil des Romans ausmachen. Entsprechend wird das Thema „Trostfrauen“ in diesem Zeitraum auch am intensivsten dargeboten. Was mir die ersten zwei Drittel an Wertungspunkten gewonnen haben, büßt mir das letzte Drittel leider an Sympathiepunkten ein, wenn die Rolle der Anna dann zu sehr in den Geschichtsverlauf eingebunden wird. Und dies allein über das Erbe eines elfenbeinernen Drachenkamms. Das ist mir dann doch zu sehr aufgetragen. Selbst wenn es ein notwendiger Fingerzeig auf die Frage der Entschädigung und Wiedergutmachung ist. Daher von mir :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:


    Produktinformation


    Originaltitel: Daughters of the Dragon

    Taschenbuch: 426 Seiten

    ISBN-10: 2919800027

    ISBN-13: 978-2919800025

    Größe und/oder Gewicht: 12.6 x 2.54 x 18.59 cm

    Herausgeber: Tinte & Feder (10. April 2018)


    oder als eBook: 422 Seiten

    ASIN : B077YN72TP

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