Rebecca Martin - Das Kind der Wellen

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  • Inhalt

    Zwei Frauen befinden sich an der Nordsee im emotionalen Ausnahmezustand, weil sie ein Kind verlieren. Die Umstände sind jeweils unterschiedlich und zwischen beiden Ereignissen liegen 100 Jahre: 1920 wird die aus einer wohlhabenden Mainzer Kaufmannsfamilie stammende 17jährige Vicky ungewollt schwanger und fürchtet, dass man ihr das Kind nach der Geburt wegnimmt, um den Fehltritt zu vertuschen. Lisas dreijährige Tochter ist 2019 ertrunken, was ihre Mutter in Schockstarre und Verzweiflung allein zurücklässt. Und doch sind beide Schicksale in ihrem Bemühen um Selbstbestimmung, ihrer Suche nach einem Weg aus der Passivität, ihrem Ringen mit dem Verlust und ihrer Hoffnung auf Liebe durch denselben Ort, einige Zeichnungen und ein Märchen von einer Meerjungfrau miteinander verknüpft.


    Meinung
    Rebecca Martin gelingt es gekonnt, diese beiden Geschichten ineinander zu verweben. Lisa bemüht sich ausgehend von den gefundenen Zeichnungen, die Geschichte um Vicky nach und nach aufzudecken. Als Leser erfährt man deutlich mehr Details und Zusammenhänge über die frühere Zeitebene als sich innerhalb der später angesiedelten Handlung rekonstruieren lassen, was die Spannung deutlich erhöht. Schließlich wachsen sich die Ereignisse 1920 gar zu einer richtigen Intrigen- und Krimihandlung aus, bei der die Befindlichkeiten und emotionalen Verletzungen einer Nebenfigur zum entscheidenden Faktor werden. Insbesondere die Figurenschilderung hat mir gut gefallen. Alle handelnden Personen haben von der Erzählerin ihre eigene Vorgeschichte und ihre Eigenheiten mitgegeben bekommen, die ihr Handeln psychologisch und emotional komplett nachvollziehbar machen. Die Details zur historischen Situation in Mainz nach dem ersten Weltkrieg wirken gut recherchiert und waren für mich besonders interessant und informativ. Auch das Leben an der Nordsee, die sozialen Umstände und die Mentalitäten sind für beide Zeitebenen schön getroffen. Sehr gut gefallen hat mir, dass man als Leser über das weitere Schicksal der Personen aus der historischen Ebene mehr erfährt als sich Lisa im Rahmen der Handlung erschließt. Die zentrale Liebesgeschichte um Lisa war mir selbst dadurch gar nicht mehr so bedeutsam, mag aber für andere Leser*innen durchaus wichtig und angenehm sein.
    Lediglich am Ende hatte ich den Eindruck, die Erkenntnis über die Zusammenhänge der Vergangenheit erschließen sich Lisa, Jonas und Frau Peters, die gemeinsame Nachforschungen angestellt haben, zu plötzlich und leicht, dagegen verpufft die Reaktion darauf ein wenig. Aber das ist ein minimaler Kritikpunkt.

    Fazit

    Freunde von emotionalen Frauenschicksalen, Liebesgeschichten und historischen Verschränkungen werden dieses Buch genauso gerne lesen wie Nordsee-Liebhaber.
    Ich vergebe dafür vier Sterne. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    :study: Theater Theater 29. Hg. v. Carstensen, Uwe B. u. a.

    :study: Kermani, Navid: Morgen ist da


    2020 gelesen: 8 Bücher/1789 Seiten


    Challenges 2019:
    Buch-Challenge 2/12, Monats-Challenge 1/12, Weltreise-Challenge 3/12, Klassiker-Challenge 1/7, BINGO-Challenge: 8/100, Punkte-Challenge 12,89


    "Lasse, Bosse und Ole saßen neben Fräulein Lundgrens Bücherregal und lasen die ganze Zeit,
    denn Jungen tun ja nie etwas Nützliches."
    (Lindgren, Astrid: Wir Kinder aus Bullerbü, S. 91)

  • "Meistens belehrt erst der Verlust uns über den Wert der Dinge." (A. Schopenhauer)

    Während eines Urlaubsaufenthaltes ertrinkt die dreijährige Millie bei einem Badeunfall in der Nordsee, was ihre Mutter Lisa völlig verzweifeln und deren Ehe zu einer Belastungsprobe werden lässt. Schließlich verlässt sie ihren Mann und ihre beiden Söhne. Um ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen und alles zu verdauen, zieht Lisa drei Jahre nach Millies Tod zurück in das Ferienhaus an der Nordsee. Dieses ist durch einen Wasserschaden renovierungsbedürftig, so dass Lisa den Schreiner Lars und dessen Sohn Jonas engagiert, Reparaturarbeiten durchzuführen. Dabei finden sie alte Zeichnungen vom Strand und Notizen zu einer Geschichte über ein verlorenes Kind. Der Fund geht Lisa ziemlich nahe, sie möchte unbedingt mehr darüber herausfinden, vor allem über den Verfasser. Mit Hilfe von Jonas stößt sie auf das Schicksal von Victoria Schwayer, die selbst nach dem Ersten Weltkrieg 1919 in dem Haus gewohnt hat…


    Rebecca Martin hat mit „Das Kind der Wellen“ einen wunderbaren Roman vorgelegt, der nicht nur durch seine sehr gut miteinander verknüpften zwei Zeitebenen besticht, sondern mit auch einer spannenden und atmosphärischen Geschichte überzeugt. Der flüssige, bildreiche und anrührende Erzählstil katapultiert den Leser sofort in die Handlung hinein. Durch geschickt angelegte Handlungsstränge lernt der Leser zum einen in der Gegenwart Lisas trauriges Schicksal kennen und schließt sich ihr beim Aufspüren der Vergangenheit an. Auf der anderen Seite taucht er ab ins vergangene Jahrhundert, um Victoria kennenzulernen, deren Lebenslauf ebenso ergreifend und berührend ist wie das von Lisa. Victoria ist ein Opfer von Standesdünkel, denn sie lässt sich nicht nur mit dem Feind ein, sondern bekommt auch noch ein uneheliches Kind von ihm, was ihr schlussendlich die Verbannung vom elterlichen Haus in Mainz an die Nordsee einbringt und das Schicksal seinen Lauf nimmt. Die Parallelen zwischen den beiden Hauptprotagonistinnen werden nach und nach gleich einem Puzzle mit einiger Spannung entblättert. Der Wermutstropfen in der Gegenwartsgeschichte ist Lisas Verhalten gegenüber ihrer restlichen Familie. Ihre große Trauer um die verlorene Tochter ist absolut verständlich. Dass sie jedoch ihren Ehemann und ihre beiden Söhne dann einfach allein lässt, zeigt auch einen Egoismus, der wenig nachvollziehbar ist, schließlich trauern auch sie und im Familienverbund kann man sich viel mehr unterstützen nach solch einer Tragödie. Mit farbenprächtigen Beschreibungen zaubert Martin dem Leser während der Lektüre ein schönes Kopfkino, dass ihn an die windumtoste Nordsee führt mit seinen Sandstränden und dem weiten Meerblick.


    Die Charaktere sind liebevoll und detailliert mit glaubhaften menschlichen Eigenschaften ausgestaltet. Lebendig und authentisch nehmen sie den Leser schnell für sich ein, so dass dieser ihnen bei ihren Unternehmungen immer sehr nahe kommt. Lisa ist eine gebrochene Frau, die mit sich selbst nicht mehr zurechtkommt, zu sehr nagen Schuldgefühle und Trauer an ihr. Sie hat alle Gefühle in sich verschlossen, weshalb sie auch ihrer Familie nichts mehr geben kann. Lars und Jonas sind zwei hilfsbereite und freundliche Kerle, die Lisa unterstützen und sich dabei im Hintergrund halten. Victoria ist eine sympathische und liebevolle junge Frau, die zum Opfer der damaligen Gesellschaft wird. Sie hat Träume und ist verliebt, doch bezahlt sie einen hohen Preis. Aber auch Jamal, Victorias Tante und das Stubenmädchen Ilse bringen viel Farbe ins Geschehen.


    „Das Kind der Wellen“ fesselt ab der ersten Seite mit einer berührenden Geschichte, einem gelungenen Mix aus Gegenwart und Vergangenheit sowie mit historischem Hintergrundwissen, das gut in der Handlung verankert ist. Emotional und spannend erzählt, geht dieser Roman sehr zu Herzen. Verdiente Leseempfehlung für gefühlvolle und unterhaltsame Lesestunden!


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
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    gelesene Bücher 2020: 432 / 169960 Seiten

  • Inhalt:

    2019: Beim Urlaubsaufenthalt an der Nordseeküste ertrinkt Lisas dreijährige Tochter Millie, ab diesem Zeitpunkt ändert sich für Lisa ihr Leben schlagartig. Ihr Mann und ihre zwei Söhne entfernen sich immer weiter von Lisa, weil Lisa sich mit heftigen Selbstvorwürfen über

    den Tod ihrer Tochter plagt. Zeitgleich erfahren wir etwas über das Jahr 1920 in dem Victoria die Hauptrolle spielt.


    Meinung: Das Cover des Buches gefällt mir richtig gut und sticht auch sehr aus der
    Masse heraus. Der Schreibstil des Buches war angenehm zu lesen, da das Buch in zwei Perspektiven also einmal im Jahr 1920 bei Victoria spielt und im Jahr 2019 bei Lisa war das Buch umso spannender, denn die Handlungsstränge waren gut miteinander verknüpft, dass ich
    immer weitergelesen habe. Was mir sehr gefallen hat war die positive Entwicklung von Lisa im Buch.


    Fazit: Ein sehr bewegendes Buch für mich, das volle 5 Sterne mehr als verdient hat.

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