David Szalay - Turbulenzen / Turbulence

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  • Flüchtige Oberflächlichkeit in einer schnelllebigen Zeit

    Flüchtige Begegnungen rund um den Erdball, dass ist das was den Leser in diesen kurzen Roman erwartet. Flüchtig deshalb, weil die einzelnen Kurzgeschichten, wirklich nur Episoden sind, in denen kurz und oberflächlich das Zusammentreffen zweier Menschen erzählt wird. Man lernt also eine Reihe von Menschen kennen, die scheinbar auf den ersten Blick nicht viel mit einander zu tun haben, außen das ihre Welt gerade sehr turbulent ist. Erst im Laufe des Romans wird klar, dass die Rahmenhandlung quasi von einer Familie bestimmt wird.



    Der Autor legt zwar einen leichten und flüssigen Schreibstil an den Tag, jedoch bleibt er in den Betrachtungen über das Leben, der von ihm ausgewählten Menschen rund um den Erdball doch sehr oberflächlich. Er legt ein ums andere Mal den Finger in eine offene Wunde, sei es die Rolle der Frau in der Gesellschaft, Krebs, der Begriff der Familie in der modernen globalen Welt, prekäre Arbeitsverhältnisse. Alles betrachtet er eher unbeteiligt, hält dem Leser den Spiegel hin und springt dann weiter.



    Ganz allgemein finde ich sämtliche Episoden bzw. Kurzgeschichten schlicht und einfach oberflächlich. Klar als Leser macht man sich einen Kopf, wie geht es mit den Personen weiter. Aber wenn man als Leser etwas mehr tiefer gehende Informationen möchte geht man hier ganz klar leer aus. Denn da alles nur angerissen wird und alles nur oberflächlich betrachtet und nur kurz der Schorf einer alten Wunde abgekratzt wird sieht man eben nicht, was da noch ist.



    Natürlich gibt es Figuren, die man mag und andere ja mit denen liegt man gleich über Kreuz. Aber ich denke genau das ist das was der Autor wollte. Zum Nachdenken anregen. Jedoch denke ich auch, dass er sich es nicht nur bei der Handlung sondern auch bei den Figuren doch sehr einfach gemacht hat. Das Warum oder Wieso wird wenn überhaupt nur oberflächlich angedeutet. Als Leser ist man dann nur am rumrätseln und fragt sich dann auch, meine Güte warum erzählt er denn hier nicht weiter und gibt hier und da nicht noch diese wirklich wichtige Erläuterung, aber nein. Nichts. Daher wirken nicht nur die Figuren sondern auch die Handlung eher rudimentär als gut ausgearbeitet.



    Fazit: Eine flotte Reise rund um den Erdball. Man erhält kurze oberflächliche Einblicke in das Leben anderer Menschen. Und Oberflächlichkeit ist genau das große Manko dieses Romans. Denn nicht nur die Handlung sondern auch die Figuren sind sehr oberflächlich ausgearbeitet. Diesem Roman hätte ein wenig mehr Tiefe wirklich gut gestanden. Eine kurze Lektüre für Zwischendurch, welche keine Begeisterungsstürme auslöst.

    :bewertung1von5::bewertung1von5:

    1. Turbulenzen

      (Ø)

      Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG


  • Hallo Sommerkindt! Danke für Deine Rezi!


    Trotz Deiner eher negativen Bewertung spricht mich hier irgendwas an. Könnte es zutreffen, dass die unstete Form und ungenaue, nicht tiefgehende Beschreibung, die Du mit "oberflächlich" beschreibst, dem entspricht, ws die Hauptfiguren widerspiegeln? Und insofern diese gewählte Flüchtigkeit dem Inhalt entspricht???

    MLR Christoph Ransmayr - Die Schrecken des Eises und der Finsternis

    Serguei Dovlatov - La filiale

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    Indigenous Australia: Enduring Civilisation - Gaye Sculthorpe, Lissant Bolton, John Carty


    (Un-)Gelesenes: https://www.buechertreff.de/user/2161-tom-leo/#library

  • K.-G. Beck-Ewe

    Hat den Titel des Themas von „David Szalay Turbulenzen - Turbulence“ zu „David Szalay - Turbulenzen / Turbulence“ geändert.

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