Judith Nicolai - Die Töchter der Sturminsel

  • Kurzmeinung

    claudi-1963
    Ein bewegender Roman um die Wirren der 2. Weltkriegs und das Leben auf der Kanalinsel Guernsey.

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  • "Wollen wir in Frieden leben, muss der Friede aus uns selbst kommen." (Jean-Jacques Rousseau)

    Deutsche Truppen besetzen 1942 die Kanalinsel Guernsey, viele der Soldaten werden in privaten Unterkünften untergebracht. So auch Florian und seine Kameraden, die vor Kurzem mit dem Schiff angekommen ist. Mit ihnen war dort ebenfalls Friederike, die Frau des Wehrmachtsoffiziers. Die beiden haben sich erst kurz vor dem Krieg vermählt, sodass sie keine Gelegenheit hatten, sich kennenzulernen. Friederikes Leben auf Guernsey könnte so schön sein, doch ihr Mann hat kaum Zeit für sie. Mit Henry Durant, der ihr im Garten hilft, lernt sie Freundschaft und die Schattenseiten der Insel kennen. Den die Deutschen bauen hier mit Zwangsarbeitern den Atlantikwall und verminen die Strände, sodass sie die Insel immer mehr für sich einnehmen. Zusehends fühlt sich beide zueinander hingezogen, selbst da wissen, dass es nicht sein darf. Derweil verliebt sich Sanitäter Florian in die Hofbesitzerin Alice, deren Mann ebenfalls bei der Air Force im Krieg ist. Während sie den Hof bewirtschaftet und versucht, mit ihrer Tochter zu überleben.


    Meine Meinung:

    1942 die deutsche Besatzung nimmt die Kanalinseln ein. Einwohner werden verhaftet, deportiert oder reisten nach England aus. Dadurch war in vielen Häusern Platz, um deutsche Soldaten unterzubringen, die die letzten Einwohner in Schach hielten und wegen des Atlantikwalls rüsteten. Das wundervolle Cover mit dem Cottage und den felsigen Strand passt sehr gut zum Inhalt der Geschichte. Der Schreibstil ist unterhaltsam in zwei Handlungsstränge und mehrere Kapitel eingeteilt. Während es in der einen Handlung mehr um Friederike und Henry geht, betrifft es bei der anderen Florian und Alice. Es geht um zwei Liebesgeschichten, die es in Kriegszeiten eigentlich nicht geben dürfte, jedoch immer wieder vorkam. Henry, der Neffe ihrer Haushälterin Nan soll ihr im Garten helfen. Doch dadurch das Friederike sich von ihrem Ehemann vernachlässigt fühlt, entwickelt sich die Freundschaft von Henry immer mehr zur Liebe. Eigentlich hatte Henry mit dieser Freundschaft ja etwas ganz anderes im Sinn, nämlich spionieren. Den Friederikes Mann ist der Ingenieur, der die Bauten auf der Insel leitet. Dass er sich dann immer mehr in sie verliebt, war nicht geplant. In der zweiten Handlung geht es um den jungen Sanitäter Florian, der kurz vor seinem Medizinstudium eingezogen wurde. Eigentlich ist er froh, dass er auf der Kanalinsel statt in Russland sein darf. Jedoch entdeckt er eines Tages einen jungen, verwahrlosten russischen Zwangsarbeiter und er bekommt immer größeren Zweifel, ob dieser Krieg wirklich gut ist. Eine dumme Bemerkung bringt ihn dann in große Schwierigkeiten, bei dem ihm nur noch Alice und Henry helfen können. Die Autorin hat mit diesem interessanten Roman zugleich zwei Liebesgeschichten geschrieben, in Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Durch den Wechsel zwischen Liebe, Spannung und Historie nimmt die Geschichte immer mehr an Fahrt auf und so konnte ich das Buch schlussendlich kaum mehr beiseitelegen. Dabei haben mir besonders die Charaktere von Alice, der ehrgeizigen, selbstbewussten Hofbesitzerin und der sensible, sympathische und liebenswerte Florian gefallen. Sowie die fürsorgliche, naive Friederike und der selbstbewusste, eigenwillige Henry. Sie machen maßgeblich diese Geschichte zu einem Erlebnis der besonderen Art und ich konnte mich gut in ihre Ängste, Zweifel und Hoffnungen hineinversetzen. Ein Roman, bei dem ich mir wirklich gut vorstellen kann, dass er sich so ereignet hat. Ich habe mit jedem Einzelnen gelitten und mitgefiebert und am Ende gehofft, das es gut ausging. Man spürt sehr gut die Verzweiflung und den Mut der Bevölkerung, die das Kriegsende herbeisehnen. Von mir bekommt das Buch 5 von 5 Sterne und eine Leseempfehlung. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::applause::thumleft:

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