Sophie Oliver - Der Beginn einer neuen Zeit

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  • Abschied von den Schwarzenbergs

    1928. Die goldenen Zwanziger Jahre bescheren den Schwarzenbergs in Bad Reichhall durch die Seilbahn auf den Predigtstuhl einen steten Zustrom von Gästen, wodurch sie bald zu den einflussreichsten Hoteliers der Stadt gehören. Anna hat sich endlich wieder hochgerappelt und neuen Lebensmut gefasst, nachdem das Schicksal sie kräftig gebeutelt hat. Sohn Karl setzt seinen Traum von einem Berghotel am Predigtstuhl in die Tat um, wo er schon bald die ersten Gäste begrüßen darf. Als ihn dann auch noch der Liebespfeil trifft, scheint sein Glück vollkommen. Doch Anna ist mit seiner Verlobten so gar nicht einverstanden, was schnell Unfrieden mit sich bringt und einen Keil zwischen Karl und seine Mutter treibt. Auch politisch wird die Situation in Deutschland immer bedrohlicher, denn die Nationalsozialisten beherrschen immer mehr das öffentliche Bild und greift mit ihrer menschenverachtenden Art in das Leben der Menschen ein. Dann bricht der Krieg aus…


    Sophie Oliver hat mit „Grandhotel Schwarzenberg-Der Beginn einer neuen Zeit“ den Abschlussband ihrer Hotel-Trilogie vorgelegt, die den beiden Vorgängern an Unterhaltungswert in nichts nachsteht. Der flüssig-leichte und farbenfrohe Schreibstil legt mit wenigen Worten im Kopf des Lesers einen Schalter um und katapultiert ihn ins vergangene Jahrhundert, wo er sich erneut im Hotel einnistet, um die Geschicke der Familie Schwarzenberg zu verfolgen. Geschickt verbindet die Autorin ihre fiktive Handlung mit gut recherchierten historischen Fakten, so bestehen die Seilbahn, die Spielbank, die Therme sowie das Berghotel tatsächlich. Neben den gesellschaftlichen Gepflogenheiten der damaligen Bevölkerung wird auch die Rolle der Frau gut dargestellt. Auch der Einfluss des Nationalsozialismus ist gut eingebettet in den Handlungsverlauf. Da gehören unscheinbare Protagonisten auf einmal der Herrenrasse an und sind mit Befugnissen ausgestattet, deren sie sich auf Gutdünken und mit einem Gefühl der Macht bedienen. Das Familienleben der Schwarzenbergs wird wieder auf eine harte Probe gestellt und auch die von Feils müssen so einiges einstecken. Die detaillierten Landschaftsbeschreibungen lassen die Kurstadt Bad Reichenhall vor dem inneren Auge des Lesers lebendig werden, während er die dortigen Geschehnisse verfolgt. Auch der Spannungsbogen ist gut gelegt, wenn auch nicht so hoch wie bei den Vorgängern.


    Die Charaktere sind liebevoll und realistisch ausgearbeitet, bestechen mit authentischen, menschlichen Eigenschaften, die glaubwürdig und lebensnah wirken. Der Leser fühlt sich schnell mit ihnen verbunden und kann so Anteil an ihrem jeweiligen Schicksal nehmen. Anna ist eine sympathische Frau, die schon so manchen Schicksalsschlag ertragen musste. Doch mit Stärke und Mut hat sie sich immer wieder nach oben gekämpft. Michael ist ein fleißiger, liebevoller und fürsorglicher Mann, der seine Familie mit allen Mitteln beschützt. Karl ist ein tatkräftiger junger Mann, der an seine Träume glaubt und sie in die Tat umsetzt. Aber auch die von Feils spielen in diesem Band wieder eine tragende Rolle, die maßgeblich zum Unterhaltungswert der Handlung beiträgt.


    Mit „Grandhotel Schwarzenberg-Der Beginn einer neuen Zeit“ endet ein spannender und unterhaltsamer Besuch in Bad Reichenhall. Die Geschichte kann nicht nur mit seinem gut recherchierten historischen Hintergrund überzeugen, sondern auch mit einer interessanten Familiengeschichte, in denen Liebe, Leid, Intrigen und Tragödien nahe beieinander liegen. Schön und kurzweilig erzählt, dass man dabei die Zeit vergisst. Verdiente Leseempfehlung!


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    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
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    SUB: ca. 1.800 / gelesen 2019: 367/ 143788 Seiten

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