Robert McCammon - Die Suche nach einem Mörder / Boy´s Life

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  • Ein Roman, den man in kein Genre pressen kann - außergewöhnlich, in allem!


    Klappentext


    Es ist 1964 in dem kleinen idyllischen Städtchen Zephyr, wo die Bewohner entweder in der Papierfabrik am Tecumseh River oder in dem örtlichen Milch­betrieb arbeiten. Es ist ein einfaches Leben, aber doch voller Wunder für den zwölfjährigen Cory Mackenson.


    Eines Morgens werden er und sein Vater Zeuge, wie ein Auto vor ihnen von der Straße abkommt und in einem See versinkt. Am Steuer aber befand sich ein nackter, geschundener Körper, mit Handschellen an das Lenkrad gefesselt. Mit der Zeit vergessen oder verdrängen die Bewohner des Ortes den seltsamen Vorfall, doch Cory und sein Vater wollen dem Geheimnis auf die Spur kommen. Ihre Suche führt sie in eine Welt, wo Unschuld und Bosheit aufeinanderprallen und Magie und Fantasie mit der Realität zu verschmelzen scheinen …


    Meine Meinung



    Von Robert McCammon habe ich ja schon die ersten Bände der Matthew Corbett Reihe gelesen, die mich sehr begeistert haben und da jetzt auch dieses Buch von 1991 ein Revival erlebt, war ich natürlich sehr neugierig. Vor allem auch durch die überzeugende Rezension von Nicole auf ihrem Blog Zeit für neue Genres.


    "Die Suche nach einem Mörder" lautet der Untertitel und ja, es war tatsächlich eine Suche, aber nach so viel mehr! Der Mord bzw. die Verstrickung von Cory und seinem Vater mit dem Toten beeinflusst deren Leben auf fatale Weise, was aber meist eher eine nebensächliche Rolle spielt und nur manchmal wieder durchbricht. Natürlich wird dieser Mord am Ende auch aufgeklärt, aber vor allem geht es in dieser Geschichte um das Erwachsenwerden und den Verlust der kindlichen Magie, mit der die Welt noch voller Rätsel und ein zu entdeckendes Mysterium ist.


    Vielleicht war er verrückt. Vielleicht nennt man all diejenigen verrückt, in denen noch Magie steckt, wenn sie längst kein Kind mehr sind.

    Zitat Seite 17


    Schon im Vorwort hat mich der Autor völlig für sich eingenommen, denn welche Sicht auf die Welt er hier beschreibt, klingt so völlig mit meinem Bauchgefühl mit! Diese Sorglosigkeit und innere Freude, die manche als kindisch oder naiv abtun, ist so viel wert und sollte man sich unbedingt erhalten, denn das ist es, was das Leben so schön und lebenswert macht. Nicht alles kann (und muss) man erklären und man sollte den Zauber, der einem begegnet, wahrnehmen und nicht verdrängen.


    "Zaubertrank Zehn?", fragte Mom.

    "Ein Glas Milch mit ein bisschen Muskatnussaroma", sagte die Lady. "Amelia und ich haben eine ganze Liste von Zaubertränken für Leute, die ein bisschen extra Mut oder Selbstvertrauen oder dergleichen brauchen."

    Zitat Seite 131


    Es ist die Magie der Welt, in die mal als Kind verwoben ist und ist als Erwachsener meist völlig verloren hat - und so viele sind auf der Suche danach, ohne zu wissen, wie sie diese Leere füllen können.


    Die Leiche wird schon recht schnell zu Beginn entdeckt, aber es ist ein gemächliches Tempo, das der Autor anschlägt und mich völlig in den Bann dieser Zeit gezogen hat. Die Atmosphäre wirkt nie forciert, sondern spiegelt auf unglaublich intensive und unverfälschte Weise das Leben dar, wie es für den 12jährigen Cory in den 60er Jahren gewesen ist. Robert McCammon nimmt sich Zeit und macht den Schauplatz mit vielen Details lebendig.


    Cory ist ein toller Charakter, ein ehrlicher Junge, der seinen Spaß haben will, der Prügel einstecken muss von typischen "Mobbern" (ja, die gab es zu dieser Zeit auch schon zur Genüge), der loyal zu seinen Freunden hält, den eine innige Liebe zu seinen Eltern prägt und der versucht, die Welt um sich herum zu begreifen, während seine Fantasie ihm desöfteren immer noch Flügel verleiht.

    Aber auch die anderen Charakter sind markant und faszinieren auf unterschiedlichste Weise.


    "Es ist unrecht, wenn ein Lehrer ein Kind Dummkopf nennt. Jeder Mensch verdient Respekt, egal, wie alt oder jung er ist", sagte Dad zu mir.

    Zitat Seite 474


    Ich kann diese Geschichte in kein Raster pressen, denn hier passieren so vielfältige Dinge, wie das Leben eben so spielt, mitten in den gesellschaftlichen Veränderungen wie der Industralisierung, der Gegenwehr gegen den Rassenhass, und zeigt aber auch den Zusammenhalt der Gemeinde in dem Örtchen Zephyr in allen Facetten der Freude, dem Stolz, der Trauer und dem Schmerz.

    Ein großartiges Buch, das ich jedem ans Herz legen möchte, der die Magie der Kindheit nochmal aufleben lassen möchte!


    Mein Fazit: 5 Sterne


    Weltenwanderer

  • Squirrel

    Hat den Titel des Themas von „Robert McCammon - Boy´s Life / Boy´s Life“ zu „Robert McCammon - Die Suche nach einem Mörder / Boy´s Life“ geändert.

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