Sorj Chalandon - Wilde Freude / Une joie féroce

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  • Berührend, mutgebend, aber auch Wut und Verzweiflung sind spürbar


    Inhalt:

    Als die Pariser Buchhändlerin Jeanne die Diagnose Brustkrebs

    bekommt, verlässt sie ihr Mann, weil er das Leid seiner Frau nicht erträgt. Den Rat ihrer Ärzte, sich Unterstützung zu suchen, setzt sie auf überraschende Weise um: Ihre engsten Verbündeten im Kampf gegen den Krebs werden Brigitte, Assia und Mélody, allesamt Frauen, denen das Schicksal nicht wohlgesinnt war. Und so zögert Jeanne nicht lang, als ihre Mithilfe gefragt ist bei einem gewagten Coup: Geplant ist ein Überfall auf den größten Juwelier der Stadt, im Herzen von Paris.

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    Es trifft Jeanne wie ein Hammerschlag. Die Diagnose Brustkrebs. Plötzlich liegt ihr Leben in Scherben. Da begegnet sie bei der Chemo Brigitte und mit ihr Assia und Melody. Die vier Frauen nehmen den Kampf auf. Jede auf ihre Art und doch gemeinsam.



    Sorj Chalandon zeigt gefühlvoll die Wut und Verzweiflung, die mit der Diagnose immer wieder einmal an die Oberfläche kommen, doch er lässt sie nicht gewinnen. Die Frauen kämpfen. Kämpfen um ihr Leben, um ihr Recht als Mensch gesehen zu werden. Sie erkämpfen sich Freude und Mut. Geben einander Halt und einen Grund zu leben.



    Obwohl das Thema mit vielen negativen und traurigen Attributen behaftet ist, entwickelt sich die Geschichte zu einer hoffnungsvollen Reise. Der Leser erlebt was es bedeutet nicht in der Hoffnungslosigkeit zu versinken, sondern in jeder Lebenssituation Freude empfinden zu können. Auch er beginnt Mut zu schöpfen, dass am Ende alles gut wird. Egal wie unrealistisch dies auch manchmal erscheinen mag.



    Der Schreibstil lässt keine Pausen entstehen. Ich habe ihn als angenehm und persönlich empfunden. Erzählt wird aus der Sicht von Jeanne. Aber immer wieder mit Rückblenden in die Leben der anderen dreien. So entsteht für den Leser nach und nach ein plastisches Bild wie jede der Frauen an den momentanen Punkt gekommen ist.



    Manche Entscheidungen der Figuren erscheinen auf den ersten Blick vielleicht verrückt zu sein. Doch immer wieder tauchte bei mir die Frage auf, wie ich in so einer Situation reagieren würde. Weiß ich das wirklich?



    Ich kann nicht sagen, dass das Buch immer lustig zu lesen ist, aber spannend, hoffnungsvoll, berührend und manchmal mit einem beißenden Witz zur Situation, allemal.

  • K.-G. Beck-Ewe

    Hat den Titel des Themas von „Wilde Freude“ zu „Sorj Chalandon - Wilde Freude / Une joie féroce“ geändert.
  • Mit wilder Freude gegen das K


    K wie Krebs steht auf der Krankenakte von Jeanne, einer sympathischen Buchhändlerin aus Paris. Plötzlich sitzt auch sie im Warteraum vor der Chemotherapie, voller Angst, Zweifel und Einsamkeit. Und gerade hier trifft sie auf die Frauen, die ihrem Leben in der Krankheit eine neue Richtung geben. Verlassen von ihrem Mann und bereits mit schwerem seelischen Gepäck auf dem Rücken macht Jeanne sich auf, um für das Leben zu kämpfen. Was sie schließlich dazu bringt, mit den drei anderen Frauen einen Überfall auf einen Juwelier zu planen, sei hier noch nicht verraten.
    Ein wirklich großartiges Buch hat Sorj Chalandon geschrieben. Das Thema Krebserkrankung wird aus der Sicht von Jeanne so unmittelbar geschildert, mit so vielen Empfindungen, Gedanken und Ängsten im Verlauf der Geschichte, dass ich nicht glauben konnte, dass hier ein männlicher Autor gewirkt hat.
    Mich haben die Geschichte und auch der Schreibstil sehr beeindruckt. Man leidet mit Jeanne und auch den anderen Frauen und muss sich doch fragen, wie man selbst reagiert, wenn das Thema Krebs plötzlich im Raum steht. Starrt man selbst eine Frau ohne Haare im Bus an oder sieht mitleidsvoll hinüber? Trotz aller Traurigkeit ist das Buch nicht traurig. Es verbreitet vielmehr eine Stimmung, um nach vorn zu schauen, weiterzumachen, dem Leben entgegen zu schwimmen.
    Die Geschichte lebt von der Handlung und den Gesprächen. Hier verwendet der Autor oft anstelle der wörtlichen, die indirekte Rede. Er läßt Jeanne im Konjunktiv erzählen, was die anderen gesagt haben. So fallen viele Anführungszeichen und Begleitsätze (Er sagte:) weg, das erleichtert das Lesen. Außerdem wird durch die indirekte Rede noch eine Art Filter über die Sätze gelegt, denn dies alles kommt nun aus Jeannes Mund, die es zuerst gehört hat und es nun wiedergibt. Es gibt wenige lange Sätze oder gar verschachtelte, meist sind es kürzere Sätze. Klare Sätze, ohne Schnickschnack.
    Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es ist emotional, einfühlsam und erzählt eine aussergewöhnliche Geschichte, die stellenweise Krimielemente bietet. Es liest sich leicht, trotz des schweren Grundthemas und vermittelt, dass es sich lohnt, sich sein Schicksal wieder zurückzuholen.
    Ich vergebe fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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