Clive Cussler - Kaperfahrt/Corsair

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  • Von außen betrachtet wirkt die "Oregon" wie ein uralter, heruntergekommener Frachter, der es kaum heil nach Hause schaffen wird, im Inneren aber verbergen sich ein innovativer Antrieb, technische Ausstattung vom Allerfeinsten und eine Crew, die unter der Leitung des erprobten Kämpfers Juan Cabrillo allen Eventualitäten trotzt. Denn das Schiff gehört der "Corporation", einer privaten Sicherheitsfirma, die im Auftrag der US-Regierung als "schnelle Eingreiftruppe" unterwegs ist, so wie jetzt gerade in den Gewässern vor der afrikanischen Küste, die von modernen Piraten heimgesucht werden.


    Da erreicht die "Oregon" ein Hilfeschrei: das Flugzeug, das die US-Außenministerin zu einer Nahost-Friedenskonferenz bringen sollte, ist über der libyschen Wüste abgestürzt, und man vermutet, dass das Unglück absichtlich herbeigeführt wurde, um die Verhandlungen zu verhindern. Gleichzeitig sucht ein Archäologenteam nach den Spuren eines Schlachtschiffs aus dem 18. Jahrhundert, an dessen Bord sich ein Dokument befunden haben soll, das in der aktuellen Auseinandersetzungen im Nahen Osten wichtiger sein könnte denn je.


    Das Buch gehört zu einer ganzen Serie von Romanen um Juan Cabrillo und sein "Team für alle Fälle", die ich jedoch nicht gelesen habe. Dem Verständnis tat das hier keinen Abbruch, womöglich hätte ich aber eher eine Beziehung zu den Figuren herstellen können.


    So war für mich Cabrillo der einzige, der ein bisschen Profil hatte, auch wenn das im wesentlichen in seinen unglaublichen Nahkampffähigkeiten besteht und in der Tatsache, dass ihn eine Unterschenkelprothese kein bisschen daran hindert, aus praktisch jedem Kampf fast ungeschoren davonzukommen und Situationen zu überstehen, die selbst einem Menschen mit zwei Beinen alles abverlangen würden. Im Gegenteil, das Ding hat ein Geheimfach, in dem sich Waffen und andere Dinge verbergen lassen, und man kann damit sogar schießen. Genau das, was James Bond tragen würde, sollte er mal ein Bein verlieren.


    Auch sonst erinnert der Roman extrem an schnelle, anspruchslose Hollywood-Actionthriller. Ständig fliegt etwas spektakulär in die Luft, gibt es halsbrecherische Verfolgungsjagden, werden im wahrsten Sinne des Wortes schwere Geschütze aufgefahren - sämtliche verwendeten Waffen (nicht gerade wenige, wie man sich denken kann) werden mindestens mit dem Herstellernamen und der Typbezeichnung aufgeführt (was irgendwann unglaublich öde wurde). Nicht einmal fliegendes Obst fehlt (allerdings nicht die in Actionfilmen üblichen auseinanderkullernden Melonenstapel, sondern nur eine zerquetschte Orange)!


    Anfangs war das noch ganz amüsant, aber mit der Zeit ging mir das ständige Krach-Bumm-Peng und die schier übermenschlichen Fähigkeiten der Jungs und Mädels von der Corporation immer mehr auf den Geist, so dass ich immer wieder ganze Passagen quergelesen habe, nur um endlich zu erfahren, was es mit dem mysteriösen Flugzeugabsturz und dem heiklen Dokument des Suleiman Al-Jama auf sich hatte.


    Schade, dass die gute Grundidee unter viel zu viel Action-Schrott begraben wird, der teilweise schon fast lächerliche Formen annimmt. Mit halb so viel Haudrauf wäre es immer noch spannend gewesen - wahrscheinlich sogar spannender.

  • Voll einverstanden!Auch mich erinnern die Cussler-Romane zunehmend an eine technische Leistungsschau der maritimen Rüstungsindustrie.Ich denke,es geht langsam die Luft aus,die frühen Romane waren engagierter und besser.Aber für sein maritimes Flair verzeiht man ihm ja so Einiges.:wink:

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