Siegfried Lenz - Der Abstecher

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  • Der Autor: (von der Verlagshomepage)
    Siegfried Lenz, 1926 im ostpreußischen Lyck geboren, gestorben 2014 in Hamburg, zählt zu den bedeutendsten und meistgelesenen Schriftstellern der Nachkriegsliteratur. Seit 1951 veröffentlichte er alle seine Romane, Erzählungen, Essays und Bühnenwerke im Hoffmann und Campe Verlag. Mit den masurischen Geschichten So zärtlich war Suleyken hatte er seinen ersten großen Erfolg, der sich 1968 mit der Deutschstunde zum Welterfolg ausweitete. Mit seiner Novelle Schweigeminute gelang ihm 2008 im hohen Alter abermals ein fulminanter Presse- und Publikumserfolg. Für seine Bücher wurde er mit vielen wichtigen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und mit dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte 2009.


    Siegfried Lenz ist einer meiner Lieblingsschriftsteller, und viele seiner hervorragenden Romane wurden auch hier im Büchertreff rezensiert. Nachdem ich einen der zahlreichen Bände mit Kurzgeschichten von ihm gelesen habe, möchte ich die Gelegenheit nutzen und die beste davon hier kurz vorstellen, um auch für seine kürzeren Texte Werbung zu machen. Für mich sind seine Kurzgeschichten häufig ebenso gut wie die gefühlt mehr beachteten Romane…


    Der Ich-Erzähler trifft auf der Fähre den Amerikaner Glen Muskie. Der Tourist sitzt etwas nachdenklich am Tisch, beginnt aber bereitwillig ein Gespräch über seinen Abstecher auf die Düppeler Schanzen, einer ehemaligen Wehranlage des deutsch-dänischen Kriegs im Jahre 1864. Seit Generationen wird mit gewissem Stolz eine Tapferkeitsmedaille als Familienerbstück weitergereicht. Einst bekam sie ein deutscher Vorfahre, der nach dem erwähnten Krieg nach Amerika gekommen ist. Doch mit der Zeit ist die Heldengeschichte in Vergessenheit geraten, und unklar, wofür der Urahn eigentlich ausgezeichnet wurde. Und da ist der Amerikaner nun, auf Tagesausflug in der dänischen Provinz, sucht vor Ort im Heimatmuseum nach Hinweisen, und erhält tatsächlich eine Antwort auf seine Fragen…


    Wie gesagt, eine Kurzgeschichte. Aber wie so viele gute Kurzgeschichten, hat sie einen spannenden Aufbau und eine überraschende Wendung. Die Einfachheit dabei hat mich besonders verblüfft. Und besonders gefällt mir auch, dass Lenz nicht bevormundet oder pazifistisch appelliert – nein, das moralische Dilemma wird dem Leser zum eigenen Entscheid überlassen.

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