Albrecht Sommerfeldt - Von Huren, Bettlern und Glunterschratzen

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  • „Von Huren, Bettlern und Glunterschratzen“ von Albrecht Sommerfeldt habe ich als ebook mit 256 Seiten gelesen, die in 32 Kapitel eingeteilt sind. Im Anhang befinden sich noch 4 Abschnitte mit Informationen zum Buch und eine Rotwelsche Worterklärung
    Es ist die Geschichte um Johann Gabelschlag, der um 1671 in Hamburg Gelegenheitsjobs übernimmt, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Meistens arbeitet er als Geldeintreiber für Juden-Jakob, die ganz gut bezahlt. Er lernt die Hure Klare kennen und denkt ernsthaft über eine feste Beziehung mit ihr nach, als diese verschwand und nicht mehr auftauchte. Er hört sich um und erfährt, dass schon einige Auswärtige verschwunden sind, die niemand vermisst. Durch seine Schnüffelei schreckt er Leute auf, die ihm an den Kragen wollen. Ständig wird er verprügelt, hat teils schlimme Verletzungen. Zum Glück sind der Bader und der Henker seine Freunde, sodass er gut versorgt wird, sogar in seiner Zelle in der Frohn hat er es recht angenehm. Er lernt die Weinhändlerin Magdalena Böttcher kennen, bei der Klara ab und zu gewohnt hat. Zusammen gehen sie auf Mördersuche.
    Johann ist ein knurriger aber ganz sympathischer Kauz mit einem guten Herzen, der sich durchs Leben schlagen und immer auf der Hut sein muss. Aber durch seine Art hat er viele Kontakte unter den Bettlern und Huren, die ihm so einige Informationen zutragen und ihm helfen.
    Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es strotzt vor bildhaften, ekelerregenden Beschreibungen, von Zuständigen, wie sie in der Zeit normal waren. Von Beginn an war ich mitten in der Geschichte, habe mitgefiebert und mitgelitten. Die Spannung steigerte sich im Laufe des Buches bis zum grandiosen Ende.
    Durch den guten Schreibstil konnte ich auch zügig lesen. Ab und zu störten die rohwelschen Ausdrücke etwas, aber daran kann man sich gewöhnen. Bei vielen konnte ich mir denken, was sie bedeuten. Ansonsten gibt es im Anhang die Übersetzung dazu. Wobei es bei einem ebook etwas ungünstig ist und ich nicht ständig ‚geblättert‘ habe.
    Das Cover ist sehr schön, aber harmlos im Gegensatz zum Inhalt.

  • K.-G. Beck-Ewe

    Hat den Titel des Themas von „Von Huren, Bettlern und Glunterschratzen - Albrecht Sommerfeldt“ zu „Albrecht Sommerfeldt - Von Huren, Bettlern und Glunterschratzen“ geändert.
  • Sicherlich nicht weichgespült


    Buchmeinung zu Albrecht Sommerfeldt – Von Huren, Bettlern und Glunterschratzen


    „Von Huren, Bettlern und Glunterschratzen“ ist ein historischer Kriminalroman von Albrecht Sommerfeldt, der 2020 im Eigenverlag erschienen ist.


    Zum Autor:
    Albrecht Sommerfeldtwurde 1974 in der Hansestadt Hamburg geboren und lebt dort. Nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre arbeitete er als Berater und Manager in der IT-Branche.
    Geschichtsbegeisterung und seine Liebe zur Stadt Hamburg führten ihn schließlich 2020 zu seinem ersten historischen Kriminalroman „Von Huren, Bettlern und Glunterschratzen“.
    Historisch fasziniert ihn vor allem die Epoche der frühen Neuzeit mit all ihren bedeutsamen Umbrüchen und ihrer oft absonderlichen Mischung aus Mittelalter und Moderne. Düstere Gassen, schmuddelige Charaktere und fragwürdige Moral sind dabei eher sein Zuhause als fürstliche Höfe und strahlendes Heldentum.


    Klappentext:
    Hamburg 1617, Kirchspiel um St. Jakobi.
    Dunkle, enge Twieten, die vor Unrat starrten. Ortsfremde Bettler, die aus Angst vor Staupenschlag und Vertreibung nur verstohlen ihre Schüssel aus den Schatten zur Straße hielten. Strichkatzen, die mit gehobenen Röcken versuchten Freier für ein schnelles Geschäft in eine Gasse zu locken. Ärmliche Kammern voll von Hungerleidern und Habenichtsen. ›Glunterschratzen‹, also Hurenkinder, wurden sie im Rotwelsch, der Geheimsprache der Vagabunden und Diebe, abfällig genannt.
    Abseits der großen Handelshäuser bot das Stadtviertel der ärmlichen Handwerker, Gauner und Landarbeiter nur wenig vom sonstigen Glanz der aufblühenden Hansestadt.
    Doch dieser Pfuhl aus Dreck und krummen Geschäften war das vertraute Zuhause des knorrigen Veteranen und Tagelöhners Johann Gabelschlag.
    Eigentlich gingen seine Geschäfte gerade gut genug, dass er sich kaum Sorgen um den anstehenden Winter machte. Wäre da nicht diese beunruhigende Geschichte gewesen, die von Tag zu Tag längere und düstere Schatten warf. Denn wahrlich nicht jeder, den die schmutzigen Gassen verschluckten, wurde vermisst oder gar betrauert.


    Meine Meinung:
    Dieses Buch hat mich in positiver Hinsicht extrem überrascht. Die Hauptfigur Johann Gabelschlag, aus deren Sicht die Dinge erzählt werden, hat mich fasziniert. Er ist ein Ex-Soldat, der sich meist als Geldeintreiber durchschlägt und der doch ein ausgeprägtes Rechtsempfinden besitzt. Er hat viele Grautöne und doch wirkt er sympathisch. Er lebt in ärmlichen Verhältnissen in einer der verrufenen Orte Hamburgs. Unauffällig bringt der Autor viele Informationen über die Stadt Hamburg und das Leben in ihr in die Geschichte ein. Die heruntergekommenen Gestalten werden zum Leben erweckt und der Leser riecht den Gestank der Stadt. Einige Passagen sind mit vielen Begriffen aus dem Rotwelsch gespickt, die leider erst im Anhang erklärt werden, was gerade bei einem E-Buch störend ist. Aber Figuren und Handlung gleichen das mehr als auch. Es gibt viele interessante Nebenfiguren und die Handlung bietet eine Reihe von unerwarteten Wendungen. Teilweise geht es rau zu, aber es passt zu den Figuren.


    Fazit:
    Ein wunderbarer historischer Roman, der mit rauen Figuren, harter Handlung und historischen Elementen fasziniert. Gerne vergebe ich die Höchstnote von fünf Sternen (100 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus, sofern man mit der reichlich vorhandenen Gewalt zurecht kommt.

    :study: James Lee Burke - Die Tote im Eisblock


    :musik: Hanna von Feilitzsch - Bittersüße Mandeln

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