Sayaka Murata - Das Seidenraupenzimmer / Chikyu Seijin

Cover zum Buch Das Seidenraupenzimmer

Titel: Das Seidenraupenzimmer

, (Übersetzer)

3,6 von 5 Sternen bei 20 Bewertungen

72,5% Zufriedenheit

Verlag: Aufbau Taschenbuch

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 253

ISBN: 9783746638591

Termin: Dezember 2021

Aktion

  • Klappentext:
    Der neue Roman von Japans Erfolgsautorin Sayaka Murata erzählt die Geschichte zweier Außenseiter, Natsuki und ihr Cousin Yu, die sich jung verlieben und gemeinsam gegen eine Welt verbünden, die ihnen beileibe nicht nur Gutes will. Im alten Farmhaus der Familie, in dem früher die Seidenraupen ihren Dienst verrichteten, sind sie glücklich, denn sie sind beieinander. 20 Jahre später geht Natsuki an diesen Ort zurück ... Die Magie dieses Romans spinnt uns ein in einen irisierenden Kokon der Fremdheit und entlässt uns schließlich in eine Realität, in der alles möglich ist.

    Autorin:
    Sayaka Murata wurde 1979 in der Präfektur Chiba, Japan, geboren. Für ihre literarische Arbeit erhielt sie bereits mehrere Auszeichnungen. Ihr Roman »Die Ladenhüterin« gewann 2016 mit dem Akutagawa-Preis den renommiertesten Literaturpreis Japans und war in mehr als einem Dutzend Ländern ein großer Erfolg.


    Allgemeines:
    Erscheinungsdatum: 15. Juni 2020

    Seitenanzahl: 256

    Verlag: Aufbau Verlag


    Eigene Meinung:

    Mir hat Sayaka Muratas erstes Buch „Die Ladenhüterin“ wahnsinnig gut gefallen. Dementsprechend hoch waren dann auch die Erwartungen. Das Buch konnte sie allerdings nur teilweise erfüllen.

    Ich habe tatsächlich mehrmals mit dem Gedanken gespielt das Buch abzubrechen. Gerade die ersten Seiten zeigen schon, dass das Buch so gar nicht mit ihrem anderen Roman vergleichbar ist.

    Mir war das Ganze wirklich zu abgedreht, das Mädchen ein Magical Girl und der Junge ein Außerirdischer? Selbst wenn man davon ausgeht, dass die Kinder in einer Phantasiewelt leben, um ihren eigentlichen Problemen zu entkommen, hat mich das beim Lesen sehr gestört.

    Dann dachte ich mir allerdings, dass mich das Buch doch gar nicht so enttäuschen kann. Ich wollte das nicht glauben und zwang mich daher zum Weiterlesen.

    Und dann blitzten auch diese Schreibweisen der Autorin endlich durch, die mir so gefallen haben. Sie arbeitet mit Bildern, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt und mir lange noch nachgehen werden. Auch wenn dieses Thema hier noch um Einiges härter ist, als in ihrem vorigen Buch.

    Immerhin konnte mich die Geschichte so noch ein wenig vertrösten, dennoch muss ich sagen, dass das Buch für mich meilenweit vom Vorgänger entfernt ist. Was aber eben auch am Thema liegen kann. Sayaka Murata erzählt hier eine ganz andere Geschichte, die leider von der Sichtweise nicht ganz mein Fall war. :bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Squirrel 14. Juni 2020 um 22:06

    Hat den Titel des Themas von „Sayaka Murata - Das Seidenraupenzimmer“ zu „Sayaka Murata - Das Seidenraupenzimmer / Chikyu Seijin“ geändert.
  • Die Autorin

    (Quelle Literaturkrik.de/gekürzt)

    Sayaka Murata, geboren 1979 in der Präfektur Chiba, wurde international zum neuen Gesicht des literarischen Japans, spätestens seitdem die Übersetzung ihres in über einer Million Exemplaren verkauften Romans „Convenience Store Woman“ im anglophonen Raum Furore machte. Das erste beachtete Werk der Schriftstellerin ist Junyû (Stillen), für das sie 2003 den Gunzô-Newcomer-Preis erhielt. Im Jahr 2009 wurde sie mit dem Text Gin’iro no uta (Das silberne Lied) für den Mishima-Preis vorgeschlagen, erhielt jedoch zunächst den Noma-Preis für Newcomer. Auch in den Folgejahren 2010 und 2012 wurde sie für den Mishima-Preis nominiert, der dann 2013 für Shiroiro no machi no, sono hone no taion no (2013; Die weiße Stadt, die Temperatur ihrer Knochen) an sie verliehen wurde. …

    Gespräch mit Sayaka Murata

    Inhalt

    Die knapp 35-jährige Natsuki lebt mit ihrem Mann in einer ungewöhnlichen Beziehung, die beide in erster Linie vor Druck und Einmischungen der Eltern schützen soll. In der Ichform erzählt die junge Frau rückblickend vom Haus ihrer Großeltern in Akishima in der Provinz Nagano, in das ihre Familie jährlich zum Ahnenfest Obon reiste. Natsuki hatte ein knappes Dutzend Cousins, etwas weniger Cousinen und einen kinderlieben Onkel, den sie alle besonders liebten. Das Seidenraupenzimmer im großen Bauernhaus der Großeltern wurde früher tatsächlich zur Seidenraupenzucht genutzt und dient der Familie heute als Gästezimmer.


    Als Natsuki sich mit circa 11 Jahren in ihren Cousin Yu verliebt, erklärt er ihr überraschend, dass es für ihn völlig normal sei, eine Cousine mit Zauberkräften zu haben, die in Wirklichkeit ein Alien sei. Obwohl Natsukis ältere Schwester Kise das in der Schule gemobbte Problemkind war, dem beim Autofahren auf schmalen Gebirgsstraßen schlecht wurde, füllte die jüngere Schwester die Rolle des Familien-Sonderlings aus. Gemeinsam mit ihrer Plüschmaus Pyu beschützt sie nämlich durch Zauberkräfte die Erde. Mit Yu, den wiederum seine Mutter für einen „Alien“ hält, schwört sie sich ewige Treue und die Wahrung all ihrer Geheimnisse. Zugleich mit dem Einsetzen der Pubertät erlebt Natsuki etwas, das eine deutliche Triggerwarnung erhalten sollte und nach dem sie sich darauf fixiert, ihr Leben würde ihr nicht mehr gehören. Wo auf der Skala zwischen Pubertätskrise und durchgeknallt sich Natsuki befindet, ist Ansichtssache. Mit ihrer höchst eigenwilligen Sicht aus jugendlicher Perspektive konnte sie mich faszinieren; denn sie hält sich als Frau für wertlos und sieht sich allein als Werkzeug in einem Fabrikationsprozess. Es geht im Roman u. a. um das Verhältnis zum weiblichen Körper in der Pubertät, um stumpfen Gehorsam in einer überalterten Gesellschaft, sowie um Flucht aus gesellschaftlichen Zwängen und extrem starren Rollenbildern.


    Fazit

    Die Überraschungen, die der Roman bereithält, werden vermutlich wenige Leser/innen begeistern, sollten jedoch nicht ausgeplaudert werden.


    :bewertung1von5::bewertung1von5:

    :study: -- Lents - Diversität
    :study: -- Le Guin - Der Tag vor der Revolution
    :study: -- ‎ Walsh - Kala
    :musik: --

    "The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card!" E. L. Doctorow

    --> Merkzettel: Serie: Buchtitel (Originaltitel), Erscheinungsjahr d. Erstausg. d. Originaltitels, ISBN d. Übersetzung
    Buchseite betreffend: direkt auf d. BS melden

  • Puh ich habe das Buch gerade ausgelesen und habe tatsächlich :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: vergeben und hoffe nun wirklich, dass ich nicht der einzige Fan dieses Büchleins bin.

    Es war wie ein Unfall, eigentlich wollte ich zu dem Zeitpunkt, als der Lehrer im Geschehen auftaucht nicht mehr weiterlesen aber ich konnte nicht aufhören.

    Ich kann gut verstehen, wenn jemandem das Buch nicht gefällt. Dieses Gerede von den Außerirdischen finde ich auch etwas unnötig aber es passt am Ende doch ganz gut. Natsuki und Yu „müssen um jeden Preis überleben“ und können wohl nur mit ihren Erlebnissen zurechtkommen, indem sie sich von den übrigen Menschen gänzlich distanzieren.

    Die Themen sind teilweise schwer auszuhalten und machten mich auch etwas wütend. Denn das, was hier in einem Buch passiert, geschieht leider viel zu oft auch in der Realität.
    Die Sprache und die vielen verrückten Ideen, die in diesem dünnen Buch stecken, gefallen mir aber überaus gut.

    Das Seidenraupenzimmer ist wahrlich kein vorhersehbares Buch. Immer wieder konnte ich nur darüber staunen, was sich die Autorin ausgedacht hat und gerade das finde ich so gut an dem Buch.

    Man bekommt hier definitiv keine langweilige Geschichte. :thumleft:

  • Ich war anfangs ziemlich angetan von diesem Buch. In der ca ersten Hälfte scheint mir die "Logik" zwischen persönlicher Traumwelt, Familie und Schule zum Beispiel zu stimmen. Ja, so ungefähr könnten wir reagieren auf Extremsituationen. Worbei ich hier noch anmerken will, dass die Drohung ja nicht nur etwa extrafamiliär ist, sondern Natsuki in ihrer eigenen Familie mE mehr als schikaniert wird. Das wird auf den ersten Seiten klar und braucht also nicht gespoilert zu werden. Ja, die Ich-Erzählerin fühlt sich angesichts dessen wie der Familie garnicht zugehörig. Eben als "Ausserirdische"... Fand ich alles sehr interessant!

    Ab dann 3.Kapitel verschiebt sich die Zeitebene überwiegend auf die Erwachsenenwelt. Aber sind die erscheinenden drei Hauptprotagonisten erwachsen (geworden)? Da wird das Ganze für mich immer exzentrischer und unglaubwürdiger. Es gefiel mir einfach zunehmend nicht mehr, und ich gab dann als Endresultat nur 2 Sterne, was bei mir äusserst selten vorkommt.

  • Ich muss "Das Seidenraupenzimmer" unbedingt noch einmal lesen bzw. hören. Nach dem Hörbuch habe ich mir tatsächlich noch das Hardcover besorgt. Bedeutet, dass es mir gefallen hat :) .

    Kurz nach dem Lesen 2020 schrieb ich das hier:

    Natsuki und Yu, Cousine und Cousin, verstehen sich gut. Auf den jährlichen Familientreffen verbringen sie viel Zeit zusammen, und schwören sich sogar eines Tages ewige Liebe und Treue. Beide kommen aus Familien mit einer hübschen Fassade, doch dahinter sieht es schon nicht mehr so harmonisch aus. Yu ist seit dem Tod seines Vaters eine Stütze für seine Mutter, man munkelt sogar, dass es mehr ist als eine bloße Mutter-Sohn-Beziehung. Natsuki ist ein ungeliebtes und unbeachtetes Mädchen, welches das Interesse eines pädophilen Lehrers auf sich zieht. Außerdem haben beide Kinder ein Geheimnis: Yu hält sich für einen Außerirdischen, Natsuki hat Kontakt zu einem Außerirdischen, den nur sie hören kann und der sich als Plüschmaus tarnt.

    Nach einem Vorfall bei der Beerdigung des Großvaters werden Natsuki und Yu getrennt und sehen sich über 20 Jahre lang nicht.

    Inzwischen ist Natsuki verheiratet. Ihr Mann ist ein Außenseiter wie sie, und eines Tages äußert er den Wunsch, den Ort kennen zu lernen, von dem Natsuki ihm erzählt hat, den Ort, an dem sie mit Yu zusammen war. Yu wohnt jetzt dort, im Haus der verstorbenen Großeltern. Im Gegensatz zu Natsuki und ihrem Mann, die sich ihre Andersartigkeit bewahrt haben, hat Yu sich der Gesellschaft angepasst und will von seiner "außerirdischen" Vergangenheit nichts mehr hören.

    Wieder ein wunderbarer Roman von Sayaka Murata. Ganz anders als "Die Ladenhüterin", und doch jenem Buch ähnlich. Es geht wieder um Figuren, die nicht in die auf Perfektion und Nützlichkeit getrimmte japanische Gesellschaft passen. Doch während die Ladenhüterin Keiko weiter ihren Weg geht, zerbrechen Natsuki, Tomoobi und Yu an den Erwartungen und dem Druck der Gesellschaft.

    Mir hat das Buch trotz des surrealen Endes ausgesprochen gut gefallen. Der Schreibstil ist eine Wucht, anders kann ich es nicht beschreiben. Die für Europäer fremdartige japanische Welt entsteht ohne Probleme vor dem inneren Auge, man freut, leidet und fürchtet sich zusammen mit den Figuren.

    Die in "Das Seidenraupenzimmer" angesprochenen Themen sind nichts für Zartbesaitete, es geht um Ablehnung, Missbrauch, zerstörte Leben, aber auch um das verzweifelte Festhaltenwollen an der eigenen Identität, die in der realen Welt keine Chance aufs Überleben hat.

    Fazit: Süchtigmachend!

    ***

    Aeria

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