Emily Gunnis - Die verlorene Frau / The Lost Child

Cover zum Buch Die verlorene Frau

Titel: Die verlorene Frau

, (Übersetzer)

4 von 5 Sternen bei 11 Bewertungen

79,1% Zufriedenheit

Verlag: Heyne

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 384

ISBN: 9783453425514

Termin: Juni 2021

Aktion

  • Kurzmeinung

    Pasghetti
    Die Figuren sind mir sehr fremd geblieben. Spannung kam hier und da auf.
  • Kurzmeinung

    Marie
    Drama ... Drama ... Drama ... noch mehr Drama ... alle die verlorenen / vermissten / verschwundenen Baby-Töchter!!!
  • Cover zum Buch Das Haus der Verlassenen Cover zum Buch Die vergessenen Kinder Cover zum Buch Das Geheimnis des Mädchens
  • Dramatische Aufarbeitung eines Familiengeheimnisses

    Was für ein Tag, der 19. November 2014. An diesem Tag spielt sich die gesamte Handlung ab: Die junge Jessie und ihre neugeborene Tochter verschwinden aus dem Krankenhaus. Die Suche nach den beiden arbeitet gleichzeitig die Vergangenheit der Eltern und Großeltern Schritt für Schritt auf. Was geschah wirklich in jener Nacht, als Harriet und Jacob starben? Jessies Mutter Rebecca steht selbst 55 Jahre später noch unter dem Einfluss dieser Nacht. Mehr soll im Detail gar nicht über den Inhalt gesagt werden. Rezensionen, die wesentlich mehr vom Geschehen preisgeben als der Klappentext, finde ich irgendwie egoistisch.

    Der Klappentext reduziert das Buch allerdings auf die Krimielemente: verschwundene Mutter mit Kind, gewaltsamer Tod der Großeltern, Schwester ist Journalistin und sucht die Vermissten.

    Das wird dem Roman einerseits nicht gerecht und täuscht auch etwas. Um einen Krimi handelt es sich hier nur am Rande. Das Buch trägt zwar die Bezeichnung Roman, aber tatsächlich hatte ich mir aufgrund der Beschreibung eine andere Ausrichtung der Handlung vorgestellt.

    Dennoch hat mich das Buch sofort in den Bann gezogen. Es handelt sich um eine tragische Familiengeschichte, in dessen Zentrum nicht der gewaltsame Tod steht, sondern die Aufarbeitung seiner Auswirkungen und seiner Vorgeschichte.

    Der Roman ist neben Prolog und Epilog in 38 Kapitel unterteilt. Dabei spielt ein großer Teil der Handlung kurz vor Kriegsende 1945 und in den ersten Nachkriegsjahren. Diese Kapitel wechseln sich mit den Ereignissen vom 19. November 2014 ab. Da ich das Buch in zwei Tagen durchgelesen habe, fiel es mir nur ganz zu Beginn schwer, die verschiedenen Zeiten und Personen auseinander zu halten und in die richtige Reihenfolge und Beziehung zu bringen. Jedes Kapitel trägt ein Datum und eine Person als Überschrift, dennoch muss man zunächst etwas aufpassen.

    Die handelnden Personen sind keine einfachen Sympathieträger, dafür sind nahezu alle durch die Vergangenheit zu sehr "geschädigt". Einzig Iris ist in meinen Augen wirklich sympathisch. Die anderen Charaktere sind aber sehr stimmig und in ihren Handlungen nachvollziehbar gezeichnet.

    Die Autorin versteht es, Atmosphäre zu schaffen. Nahezu durchweg bedrohlich auf der Vergangenheitsebene; immer steht die zukünftige "Todesnacht", das Unvermeidliche, unheilvoll über allem.

    Insgesamt eine Geschichte, die einen starken Sog ausübt. Eine Familiengeschichte, die sich auch der Aufarbeitung der Nachwirkungen des 2. Weltkrieges annimmt und der Stellung der Frau in dieser Zeit.

    Ich kann das Buch nur empfehlen und vergebe fünf Sterne.

  • K.-G. Beck-Ewe 14. Juni 2020 um 00:39

    Hat den Titel des Themas von „Emily Gunnis - Die verlorene Frau“ zu „Emily Gunnis - Die verlorene Frau / The Lost Child“ geändert.
  • Dramatische Frauenschicksale

    1960 wird die dreizehnjährige Rebecca Waterhouse über Nacht zur Vollwaise, nachdem ihre Eltern nach einem heftigen Streit und den Gewaltausbrüchen des vom Krieg traumatisierten Vaters sterben. 54 Jahre später entbindet Rebeccas Tochter Jessica 2014 ihre schwerkranke Tochter Elisabeth zur Welt. Jessie ist völlig verängstigt und weiß nicht, was sie tun soll. Sie schnappt sich ihr Neugeborenes und verschwindet aus dem Krankenhaus. Die Suche nach ihr wird zum Wettlauf gegen die Zeit, und alle Hoffnung ruht auf Jessicas Halbschwester Iris, gemeinsam mit Jessicas Ehemann Harvey die junge Mutter und ihr krankes Baby rechtzeitig zu finden…


    Emily Gunnis hat mit „Die verlorene Frau“ einen sehr spannenden und gefühlvollen Roman vorgelegt, der einmal mehr aufzeigt, dass Totschweigen innerhalb einer Familie die Wiederholung von gewissen Dingen fast vorprogrammiert. Der flüssige, emotionale und bildhafte Erzählstil der Autorin nimmt den Leser sofort mit in die Handlung hinein, wo er sich gleich zu Beginn einem recht aufreibendem Prolog stellen muss, der für den weiteren Verlauf der Geschichte von großer Bedeutung sein wird. Mit wechselnden Perspektiven, Tagebucheinträgen und unterschiedlichen Zeitebenen bringt die Autorin ihre Geschichte dem Leser nahe, lässt Einblicke in die Vergangenheit zu und verwandelt die Gegenwart in ein spannendes Psychodrama. Stück für Stück entblättert der Leser alte Familiengeheimnisse und dramatische Ereignisse und setzt diese nach und nach zu einem Gesamtbild zusammen. Gunnis spiegelt auch die schwierigen Beziehungen unter den einzelnen Familienmitgliedern wieder, die ebenfalls ihren Beitrag zu Auflösung der Geheimnisse beitragen. In ihrer Geschichte bietet die Autorin dem Leser eine große Themenvielfalt an, so geht es neben häuslicher Gewalt um Kriegstraumata, Vergewaltigung, unterschiedliche Pychotherapieformen bis zu Kindbettdepressionen und Frauen, die von ihren Männern immer wieder unterdrückt werden. Der Spannungslevel wurde schon mit dem Prolog sehr hoch angelegt, doch die Autorin weiß ihn mit ihrer Erzählweise immer weiter zu steigern bis zum finalen Schluss, so dass der Leser das Buch kaum aus der Hand legen kann.


    Die Charaktere sind sehr differenziert angelegt, lebendig ausgestaltet und authentisch. Ihre unterschiedlichen menschlichen Eigenschaften wirken überzeugend, so dass der Leser ihnen gerne folgt und mit ihnen leiden und hoffen kann. Rebecca hat schon als junges Mädchen ein schweres Trauma erlebt, dass sich durch ihr ganzes Leben zieht. Das Verhältnis zu ihrer Tochter Jessica ist schwierig, auch mit den Männern in ihrem Leben hatte sie bisher kein Glück. Aber sie besitzt so viel Wärme und Einfühlungsvermögen, dass man sie nur bewundern kann. Ihre eigene Mutter Harriet wurde ebenfalls vom Schicksal gebeutelt, was einem als Leser schwer an die Nieren geht. Jessica benimmt sich oftmals wie eine kleine Göre, die ständig rumnörgelt und jammert, weshalb man ihr zu Beginn eher mit Skepsis begegnet. Iris ist Rebeccas jüngste Tochter und Jessicas Halbschwester, sie durchlebt gerade die Scheidung von Ehemann James. Iris hat als Reporterin den richtigen Biss, um Dinge an die Oberfläche zu bringen, die lange verschüttet waren. Harvey Roberts ist Rebeccas Jugendfreund und erster Ehemann, der Vater von Jessica.


    „Die verlorene Frau“ ist eine sehr berührende, tiefgründige Familiengeschichte voller verschütteter Geheimnisse und alten Schicksalsschlägen, die mit viel Spannung und Gefühl erzählt wird. Am Ende ist der Leser sprachlos und emotional gebeutelt, aber einmal mehr begeistert. Eine Geschichte, die man nicht so schnell vergisst. Absolute Leseempfehlung!

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)

    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein

    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
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    gelesene Bücher 2020: 432 / 169960 Seiten

  • Konnte mich nicht überzeugen

    1960: Die dreizehnjährige Rebecca lebt mit ihrer Mutter und dem gewalttätigen Vater, der noch unter den Nachwirkungen des Krieges leidet, im Seaview Cottage. In einer stürmischen Nacht glaubt Rebecca einen Besucher an die Tür klopfen zu hören. Wenig später sind ihre Eltern tot und die genauen Umstände wurden nie aufgeklärt.

    2014: Kurz nach der Entbindung verschwindet Rebeccas Tochter Jessie mit ihrer schwerkranken Baby aus dem Krankenhaus. Jessies Schwester Iris ist Journalistin und soll sie so schnell wie möglich finden. Sie bittet ihre Mutter, ihr endlich von der schicksalhaften Nacht vor über 50 Jahren zu erzählen, da sie ahnt, dass sie Jessie nur finden kann, wenn sie die ganze Wahrheit kennt.

    Der Einstieg in die Geschichte war holprig, da ich Schwierigkeiten hatte, die Personen überhaupt alle auseinander zu halten, was auch daran lag, dass die Geschichte in gleich drei Zeitebenen spielt, zwischen denen in relativ kurzen Abständen hin und her gesprungen wird. Da haben wir einmal natürlich die Jahre 1960 und 2014, dann kommt aber auch noch die Zeit um 1945 dazu, in der die Geschichte von Rebeccas Eltern, Harriett und Jacob, erzählt wird. Hier wäre es aus gestalterischer Sicht vielleicht schöner gewesen, die Geschichte zwischen den Jahren 1945 und 1960 chronologisch aufzubauen, um besser folgen zu können.

    Ebenso hätte ich mir an manchen Stellen Absätze gewünscht, da die Handlung dann von einem zum anderen Ereignis etwas gesprungen ist und man sich gefragt hat, ob man was überlesen hat, z.B. gibt es eine Szene, in der Rebeccas Vater in ihrer Wohnung auf dem Bett sitzt und im nächsten Moment sitzt er mit den Polizisten im Auto.

    Dazu kommen noch Tagebucheinträge von Rebeccas Mutter Harriett, die sich auch gerne durch eine andere Schriftart noch mehr von der restlichen Geschichte absetzen dürften. Mit kleinen gestalterischen Änderungen könnte man die ganze Geschichte hier wahrscheinlich schon etwas spannender und übersichtlicher gestalten.

    An Spannung hat es mir in diesem Buch auch etwas gemangelt und ich fand es auch unlogisch, dass erst bei der Hälfte des Buches seitens der Polizisten die Frage aufkam, ob es einen Ort gibt, der Jessie etwas bedeutet und wo sie sich versteckt haben könnte. Das sollte doch eigentlich eine der ersten Fragen sein, die man sich auch als Angehöriger sofort stellt.

    Auf den letzten 100 Seiten wurde die Geschichte dann zwar nochmal besser, aber das Ende wurde mir dann auch wieder etwas zu schnell herbeigeführt. Mit den Protagonisten bin ich leider auch die ganze Zeit über nicht wirklich warm geworden.

    Aufgrund all der sehr guten Bewertungen, habe ich mir von der Geschichte deutlich mehr erwartet.

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