Anne Stern - Schatten und Licht

  • Kurzmeinung

    wampy
    Das Berlin der zwanziger Jahre wird lebendig
  • Kurzmeinung

    Gartenfee
    Unterhaltsames Hörbuch, gut vorgetragen. Die Geschichte um Hulda ist sehr interessant.

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  • Im Berlin der zwanziger Jahre sind die Auswirkungen des großen Krieges noch zu spüren und die politische Lage ist alles andere als stabil. Im Viertel um den Winterfeldtplatz arbeitet die Hebamme Hulda Gold. Sie liebt ihren Job und tut für die Frauen mehr als sie müsste. Bei der Betreuung einer Schwangeren im Elendsviertel Bülowbogen erfährt sie von dem tragischen Tod der fixen Rita, die eine Nachbarin der Schwangeren war. Kriminalkommissar Karl North ermittelt in diesem Fall, doch er scheint von Selbstmord auszugehen und kein großes Interesse an der Klärung zu haben. Doch Hulda geht der Fall nicht aus dem Kopf und sie geht auf eigene Faust der Sache nach und bringt sich damit in Gefahr.


    Schon das Cover hat mich angezogen, denn ich mag solch schwarz-weiße Bilder sehr gerne. Aber auch die Geschichte ist interessant und spannend und Schreibstil ungemein packend.


    In Berlin liegen Licht und Schatten eng beieinander. Während die einen das bunte Leben in der Stadt genießen, leiden die anderen große Not. Die ein Dach über dem Kopf haben, können sich noch glücklich schätzen, denn viele müssen sehen, wo sie unterkommen.


    Die sympathische 26-jährige Hulda ist eigentlich ein spätes Mädchen. Doch sie liebt ihre Unabhängigkeit, auch wenn die Angst mitspielt, denn sie hat das Bild ihrer Mutter vor Augen. Das hindert sie auch, sich an Felix zu binden, der ihrer Meinung nach zu gut für sie ist. Hulda geht mit offenen Augen durch die Welt und sieht die Not in ihrem Viertel. Sie hat ein großes Herz und hilft oft. Daher kann sie auch den Fall von Rita nicht einfach beiseitelassen. Die Herangehensweise von North ärgert sie, so dass sie Risiken eingeht, um die Sache aufzuklären. Allerdings geistert North ständig durch ihre Gedanken. Karl North verhält sich sehr seltsam, was mit seiner Vergangenheit zu tun hat, die ihn einfach nicht loslässt und ihn im Fall Rita besonders belastet. Gut gefallen hat mir auch Bert, der Mann aus dem Kiosk, der viel weiß, sich aber nicht aufdrängt, doch Hulda bekommt schon mal ungefragt Ratschläge.


    Im Laufe der Geschichte lernen wir Ritas Schicksal kennen. Es ist wirklich tragisch, was diese Frau erleben musste. Tragisch und unendlich grausam ist aber auch das Schicksal der Menschen, die als Irre oder Siechen weggesperrt und therapiert werden.


    Die Charaktere in dieser Geschichte sind lebendig und authentisch dargestellt. Genauso authentisch aber zeigt sich das Leben im Berlin zwischen großer Not und schillerndem Nachtleben.


    Mich hat dieses Buch wirklich gefesselt und ich bin gespannt, wie es weitergeht mit Hulda.

  • Unterwegs mit Hulda im Berlin der Goldenen 20er

    1922 Berlin. Die 26-jährige unverheiratete Hilda Gold arbeitet als Hebamme im heruntergekommenen Schöneberger Bülowbogen am Winterfeldplatz und ist im Viertel gern gesehen. Ihre engagierte und einfühlsame Art öffnet ihr die Tür in die Häuser der ärmlichsten Bevölkerungsschichten, um sich besonders um die Frauen zu kümmern. Die Nachwirkungen des Krieges sind noch überall spürbar, denn die Armut ist groß unter der Bevölkerung, so dass auch Hulda mit ihrem Beruf am Rande des Existenzminimums lebt. Als Hulda sich um die schwangere Lilo kümmert und davon hört, dass deren Nachbarin Rita tot aus dem Landwehrkanal geborgen wurde, ist ihre Neugier geweckt. Hilda beginnt mit eigenen Nachforschungen und trifft dabei auf Kriminalkommissar Karl North, dem ihre eigenmächtige Spurensuche ein Dorn im Auge ist. Aber nicht nur ihm, wie sich bald herausstellen soll…


    Anne Stern hat mit „Fräulein Gold-Schatten und Licht“ den ersten Band ihrer neuen historischen Trilogie vorgelegt, der nicht nur die Goldenen 20er Jahre in Berlin als Hintergrundkulisse hat, sondern auch mit einer eindrucksvollen Hauptprotagonistin sowie einem Kriminalfall punkten kann. Der flüssige, mitreißende, farbenfrohe und gefühlvolle Erzählstil der Autorin kann den Leser einmal mehr sofort überzeugen und lässt ihn wie von selbst ins vergangene Jahrhundert abtauchen, um dort an der Seite von Hulda nicht nur im Armenviertel die Schwangeren zu betreuen, sondern auch den Umbruch mitzuerleben und bei der Auflösung eines spannenden Kriminalfalls mitzuwirken. Stern lässt die alte Metropole mit farbenprächtigen Bildern im Glanz der Goldenen 20er Jahre erstrahlen, wo ausschweifende Party und Absinth an der Tagesordnung waren, aber auch die unter Armut leidende Bevölkerung regelrecht greifbar sind. Als Leser bekommt man einen guten Eindruck von Huldas Arbeit als Hebamme, aber auch die sich prostituierenden Frauen, die sich so ihren Lebensunterhalt verdienen, die polizeilichen Ermittlungen sowie der langsame Aufstieg der Nationalsozialisten aufgrund der politischen Differenzen werden von der Autorin wunderbar in ihre Geschichte mit eingewoben. Aber auch so manches Geheimnis schlummert innerhalb der Handlung und warte auf Auflösung. Der Spannungsbogen steigert sich während der Geschichte immer weiter in die Höhe und lässt den Leser regelrecht an den Seiten kleben, bis alle Puzzlestücke aufgedeckt sind. Dazu tragen auch die eingepflegten Tagebucheintragungen bei, die von der toten Rita stammen.


    Die Charaktere sind lebendig und authentisch inszeniert, mit ihren glaubwürdigen Ecken und Kanten wirken sie realistisch und spiegeln das Bild ihrer Zeit, was den Leser von Beginn an begeistert und Nähe schafft, so dass ein Mitfiebern und –fühlen leicht gemacht wird. Hulda ist eine unkonventionelle, engagierte und mutige Frau, die ihren Beruf liebt. Sie ist hilfsbereit, selbstbewusst und hat ihren eigenen Kopf, der sie manchmal in Schwierigkeiten bringt. Insgeheim leidet sie noch immer unter einer kaputten Beziehung und vor allem unter Albträumen in Bezug auf ihre Mutter. Aber sie versprüht auch Hoffnung und Optimismus, so dass man sie einfach lieben muss. Kommissar Karl North ist ein Mann, den ein Geheimnis umgibt. Er wirkt undurchsichtig und unnahbar, ist lieber für sich und leidet unter einer lieblosen Kindheit, die Gedanken daran treiben ihn immer wieder um. Ebenso wichtig für die Handlung sind Lilo, die verstorbene Rita, Bert, Frau Wunderlich und einige andere Nebendarsteller.


    Mit „Fräulein Gold-Schatten und Licht“ hat Anne Stern einen wirklich atemberaubenden Start in ihre Trilogie hingelegt. Mit einer exzellenten historischen Hintergrundrecherche, lebhaften Charakteren und einer Handlung, in der sich neben einem Kriminalfall auch persönliche Schicksale wiederfinden, unterhält die facettenreiche Geschichte von Beginn an. Ein wunderbarer Pageturner, der Lust auf mehr macht. Absolute Leseempfehlung für ein Jahreshighlight!


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
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    SUB: ca. 1.800 / gelesen 2019: 367/ 143788 Seiten

  • Kurzbeschreibung

    Hulda Gold – nah am Leben, nah am Tod Berlin, 1922. Hulda Gold ist Hebamme, clever, unerschrocken und im Viertel

    äußerst beliebt. Das Schicksal der Frauen liegt ihr besonders am Herzen. Zumal sie bei ihrer Arbeit nicht nur neuem Leben begegnet,
    sondern auch dem Tod. Im berüchtigten Bülowbogen, einem der vielen Elendsviertel der Stadt, kümmert sich Hulda um eine Schwangere. Die junge Frau ist erschüttert, weil man ihre Nachbarin tot im Landwehrkanal gefunden hat. Angeblich ein tragischer Unfall. Aber
    wieso interessiert sich der undurchsichtige Kriminalkommissar Karl North für den Fall? Und weshalb fühlt sich Hulda von ihm so
    angezogen? Sie stellt Nachforschungen an und gerät dabei immer tiefer in die Abgründe einer Stadt, in der Schatten und Licht dicht
    beieinander liegen.




    Autorin

    Anne Stern wurde in Berlin geboren, wo sie auch heute mit ihrer Familie lebt. Nach dem Studium der Geschichte und Germanistik promovierte sie in deutscher Literaturwissenschaft und arbeitete als Lehrerin und in der Lehrerbildung. Sie hat als Selfpublisherin bereits erfolgreich historische Saga-Stoffe veröffentlicht.




    Meine Meinung

    Schauplatz Berlin in den goldenen 20er Jahren


    Aus dem Landwehrkanal wird die tote Prostituierte Rita gezogen. War es Suizid oder Mord?


    Die 26-jährige Hulda Gold steht als Hebamme im Mittelpunkt dieses Romans. Sie ist in ihrem Bezirk rund um den Bülowbogen bekannt und
    beliebt, denn sie steht den Frauen bei der Geburt vertrauensvoll zur Seite ohne Rücksicht auf die Uhrzeit und die Bezahlung. Als eine Schwangere von ihrer toten Nachbarin Rita berichtet, hört sie interessiert zu. Seltsamerweise begegnen ihr in kürzester Zeit immer wieder Menschen, die Rita und ihre besondere Lebensgeschichte kannten. Hulda macht es sich nun zur Aufgabe, Ritas Leben und ihr Ende unter die Lupe zu nehmen und kommt zu dem Ergebnis, daß sie nicht einfach ins Wasser gegangen ist, sie wurde ermordet. Hulda ermittelt auf eigene Faust. Sie begibt sich dabei unerschrocken, risikobereit und von sich selbst überzeugt in gefährliche Situationen. In diesem Zusammenhang lernt sie den ermittelnden Kriminalkommissar Karl North kennen. Er ist ein Einzelgänger, der nicht alles offen legt. Bei seinen Ermittlungen handelt er nicht immer korrekt, weil er im Innersten ganz spezielle Vermutungen im Hinblick auf Rita hegt. Er ist sehr sensibel, durch seine Kindheit im Waisenhaus geprägt und auf der Suche nach den eigenen Wurzeln. Die beiden sind sich nicht gleich sympathisch, die Annäherung erfolgt langsam und es könnte durchaus mehr daraus werden. Hulda hat aber in Sachen Liebe mit ihrem Ex-Freund, dem Cafehausbesitzer Felix Winter, noch nicht ganz abgeschlossen.



    Für mich war es das erste Buch der Autorin. Authentisch und bildhaft schildert sie die Atmosphäre dieser goldenen 20er Jahre in Berlin,
    aber auch die Lebensumstände der Armen - wie der Titel sagt, zwischen Licht und Schatten. Realistisch beschreibt sie auch den
    Verfall des Geldes, die harte Nachkriegszeit, die den Menschen viel abverlangt und die politische Situation. In diesem ersten Band lernt
    der Leser die sympathische und quirlige Hulda kennen. Sie möchte in ihrem Beruf gerne noch mehr den Frauen helfen, aber durch die
    Ärzteschaft sind ihr die Hände gebunden. Karl, Felix und Bert, sie alle werden mit ihren Ecken und Kanten sehr gut charakterisiert.
    Schwer verdaulich und mehr als bewegend waren für mich die Notizbucheinschübe von Rita aus ihrer Zeit in Dalldorf.



    Wer unterhaltsame, spannende, aber auch berührende und entspannte Lesestunden vor einem historischem Hintergrund sucht, ist hier gut
    beraten. Es ist nicht nur die Geschichte einer Hebamme, nein es sind auch ein Kriminalfall und eine Liebesgeschichte darin verknüpft. Ich
    bin gespannt, was die Autorin weiter mit Hulda und eventuell Karl plant, ich bin beim nächsten Band der Trilogie bestimmt wieder dabei.

  • Ich liebe die Geschichten der frühen 1920er. Deutschland leckt noch immer seine Kriegswunden, Inflation, Kriegsgeschädigte und der Wiederaufbau. All dieses hat Deutschland stark gemacht und besonders Berlin hatte hier Rückgrad und Enthusiasmus bewiesen.


    In diesem Reihenauftakt lernen wir eine junge Dame, Hulda, kennen. Sie ist die Titelgeberin dieses ersten Bandes. Knielanger Rock, graue Bluse und eine rote Filzkappe auf dem Bubikopf. Durch den ausdrucksvollen und bildhaften Schreibstil, entführt die Autorin ihrer Leser in das Leben und Leiden der jungen Hebamme. Jeden Tag sieht die Hebamme das Elend, obdachlose Kinder die in den Straßen herumlungern, zerstörte Häuser die notdürftig zusammengeflickt wurden, und Menschen, die vom Schicksal gezeichnet sind.


    Schnell konnte ich mich in die Geschichte einfinden. Es war fast schon wie ein Sog, der mich ins Berlin der 20er Jahre versetzte, der Geruch von gekochtem Kohl im Treppenhaus, die Armut, Dreck, all dieses war durchgängig präsent. Aber leider gab es auch den einen oder anderen Hänger, der so ein bisschen Langatmigkeit in die Geschichte brachte. Die Autorin war jedoch immer wieder bemüht, den Plot am Leben zu erhalten, aber hin und wieder zeigten sich doch so kleine Schwachstellen.


    Abschließend möchte ich jedoch sagen, dass ich mich schon sehr auf die Fortsetzung freue und hoffe, dass sie die Protagonisten ein bisschen weiter entwicke

  • „Fräulein Gold – Schatten und Licht“ ist der 1. Band der neuen Saga von Anne Stern.


    Mit diesem Auftakt hat mich die Autorin sehr überrascht. Denn ich hatte angenommen mich erwartet hier ein „typischer“ historischer Roman, bei dem wir Fräulein Gold in ihrem Alltag als Hebamme in Berlin in den 20iger Jahren begleiten. Aber was man hier bekommt ist so viel mehr. Und das im absolut positiven Sinne. Denn uns als Leser erwartet hier ein spannender Genremix, in dem historischer Roman und Krimi eine gute Kombination ergeben.


    Unsere Protagonistin Hulda Gold ist Mitte 20, alleinstehend und arbeitet als Hebamme in Berlin. Sie liebt ihren Beruf und vor allem ihre Unabhängigkeit. Kein Mann bestimmt, ob sie arbeiten darf oder nicht.

    Aufopferungsvoll kümmert sie sich um die werdenden Mütter in den Elendsvierteln Berlins. Denn gerade die Schicksale dieser Frauen liegen Hulda besonders am Herzen. So arbeitet sie auch sehr viel ohne Honorar und ist sehr beliebt aufgrund ihres großzügigen Herzens. Bei einem ihrer Hausbesuche erfährt sie von einer Frau, die tot im Landwehrkanal gefunden wurde. War es ein Unfall? Selbstmord? Oder doch Mord? Hulda lässt das ungeklärte Schicksal dieser Frau nicht los und fängt an Nachforschungen zu betreiben. Dabei begibt sie sich aber selbst in Gefahr und gerät in die tiefen Abgründe der Stadt.


    Hulda Gold hat mir als Charakter richtig gut gefallen. Sie wirkt durch ihre, eigenwillige sympathische Art und mit ihren Ecken und Kanten sehr authentisch und vielschichtig. Zudem nimmt sie absolut kein Blatt vor den Mund und spricht einfach drauf los was sie denkt. Ihr Gegenpart, der ermittelnde Kommissar Karl North, ist auch eine interessante Figur. Als Waisenjunge groß geworden, hatte er es auch nicht immer leicht in seinem Leben. Trotzdem hat er es geschafft sich eine gute Existenz aufzubauen. Daher gefällt es ihm natürlich überhaupt nicht, dass Hulda sich in seine Arbeit einmischt.


    Anne Stern hat es geschafft, die Atmosphäre des damaligen Berlins sehr gut zu transportieren. Denn gerade das Elend und das Leid ist auf jeder Seite spürbar. Der Schreibstil ist leicht und flüssig und durch unterschiedliche Perspektiven wird es auch nicht langweilig. Das einzige was mich im Lesefluss ein wenig gestört hat, war der Berliner Dialekt, den hier einige Nebencharaktere verpasst bekommen haben. Einerseits wirkt es natürlich so authentisch und passt auch im Grunde zu den Charakteren. Aber ich bin beim lesen immer wieder drüber gestolpert und musste meist zwei oder dreimal lesen um zu verstehen, was da stand.
    Zudem fand ich leider auch, dass die Tätigkeit als Hebamme sehr in den Hintergrund gerückt ist und der Fall um die tote Frau zu sehr im Vordergrund stand. Ich hätte mir da noch ein wenig mehr Ausgeglichenheit gewünscht.


    Ansonsten war es aber ein sehr guter Auftakt der Reihe, der mir schöne Lesestunden beschert hat und der mich jetzt sehr gespannt auf den nächsten Band hinfiebern lässt.

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    SuB Anfang 2020/aktuell: 890/828
    gelesene Bücher 2020: 107

    :study:


    Hier kommt ihr zu meinem Bookstagram Account . :D Schaut gerne vorbei. :love:

  • Ich liebe die Geschichten der frühen 1920er. Deutschland leckt noch immer seine Kriegswunden, Inflation, Kriegsgeschädigte und der Wiederaufbau. All dieses hat Deutschland stark gemacht und besonders Berlin hatte hier Rückgrad und Enthusiasmus bewiesen.


    In diesem Reihenauftakt lernen wir eine junge Dame, Hulda, kennen. Sie ist die Titelgeberin dieses ersten Bandes. Knielanger Rock, graue Bluse und eine rote Filzkappe auf dem Bubikopf. Durch den ausdrucksvollen und bildhaften Schreibstil, entführt die Autorin ihrer Leser in das Leben und Leiden der jungen Hebamme. Jeden Tag sieht die Hebamme das Elend, obdachlose Kinder die in den Straßen herumlungern, zerstörte Häuser die notdürftig zusammengeflickt wurden, und Menschen, die vom Schicksal gezeichnet sind.


    Schnell konnte ich mich in die Geschichte einfinden. Es war fast schon wie ein Sog, der mich ins Berlin der 20er Jahre versetzte, der Geruch von gekochtem Kohl im Treppenhaus, die Armut, Dreck, all dieses war durchgängig präsent. Aber leider gab es auch den einen oder anderen Hänger, der so ein bisschen Langatmigkeit in die Geschichte brachte. Die Autorin war jedoch immer wieder bemüht, den Plot am Leben zu erhalten, aber hin und wieder zeigten sich doch so kleine Schwachstellen.


    Abschließend möchte ich jedoch sagen, dass ich mich schon sehr auf die Fortsetzung freue und hoffe, dass sie die Protagonisten ein bisschen weiter entwickelt haben.

  • Mario

    Meine Rezi hatte ich schon am 07.06.2020 gepostet, die ist allerdings nicht mehr auffindbar. Wie kann das sein?

    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


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  • Meine Rezi hatte ich schon am 07.06.2020 gepostet, die ist allerdings nicht mehr auffindbar. Wie kann das sein?

    Es wurden zwei Threads angelegt. Ich habe sie nun zusammengefügt. Oben ist deine Rezension. Den Doppelpost habe ich gelöscht.

    Vielen Dank, ich war schon etwas verwirrt... - die Hitze...

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  • Ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen möchte


    Sofort war ich vom besonderen Schreibstil begeistert. Sehr anschaulich mit vielen bildhaften und außergewöhnlichen Vergleichen schafft es Anne Stern, den Leser mit der Geschichte um die Hebamme Hulda Gold zu begeistern. Sie begleitet ihre Patienten vor, während und nach der Geburt. Durch Zufall erfährt sie vom Tod einer Bekannten einer ihrer Patientinnen und fängt an, Nachforschungen anzustellen, da ihr Schicksal sie nicht mehr loslässt. Dabei gerät sie immer wieder an den Kommissar Karl North, der von ihrem Einmischen nicht begeistert ist.


    Durch Huldas Perspektive erfährt man viel von ihrer Arbeit und ihrem Leben. Man taucht völlig in ihre Welt und in das Berlin rund um den Winterfeldplatz ein. Als alleinstehende Frau in Berlin 1922 geht sie gewissenhaft und mit viel Herz ihrer Arbeit nach, interessiert sich für das Schicksal ihrer Mitmenschen und muss sich manchmal von ihrer neugierigen Wirtin ausfragen lassen. Hulda ist eine starke Persönlichkeit mit viel Engagement und Positivität, wodurch sie leicht ausgenutzt oder auch mal in Gefahr geraten kann. Trotzdem behauptet sie sich im Leben und gegenüber anderen.


    Ergänzt wird Huldas Sichtweise mit der des Ermittlers Karl North im Fall der ertrunkenen Frau namens Rita im Landwehrkanal. Neben der Ermittlungsarbeit bekommt man auch einiges über ihn persönlich erzählt. Er ist ein Mann, der seinen Platz im Leben bereits gefunden hat, aber dennoch mit seiner Vergangenheit hadert und oft grübelt. Er könnte ein wenig selbstbewusster sein, ist aber durchaus sympathisch.

    Abgerundet werden die beiden gegensätzlichen Perspektiven mit Auszügen aus Ritas Tagebuch. Dies steigert die Spannung im Kriminalfall und ermöglicht Einblicke in ihr Leben und was zu ihrem Tod geführt hat.


    Der Fokus der Geschichte liegt auf den Ermittlungen im Todesfall, lässt aber auch sehr viel Raum, um das Leben in Berlin in Huldas Viertel lebendig werden zu lassen. Vor allem wird einem bewusst, wie es den armen Menschen dieser Zeit ergangen ist und jenen, die auf der Straße lebten. Neben Hulda sind auch ihr Freund aus Kindertagen und der Zeitungsverkäufer Bert dreidimensional gezeichnete Figuren, die eine große Bedeutung für Hulda haben. Ihre Tätigkeiten als Hebamme stehen etwas im Hintergrund, dennoch ist Huldas Leben anschaulich und realtitätsnah mitzuverfolgen. Es ist sehr spannend und aufregend, sodass ich das Buch kaum weglegen konnte und gerne wissen wollte, was als nächstes passiert. Am liebsten würde ich sofort den zweiten Band um Hulda Gold Scheunenkinder (Band 3 Der Himmel über der Stadt) beginnen.


    Fazit:


    Eine packende Handlung und ein außergewöhnlicher Schreibstil mit bildhaften Vergleichen, der das Berlin im Jahr 1922 lebendig werden lässt, machen dieses Buch zu einem gelungenen Auftakt der Reihe um die Hebamme Hulda Gold. Vor allem das Leben der Armen und Obdachlosen im Elendsviertel begegnen der sympathischen Hebamme, die unerschrocken dem Tod der Nachbarin einer ihrer schwangeren Frauen auf den Grund geht und dabei auch mal mit dem Kommissar aneckt. Ich vergebe fünf Sterne.

  • Über die Autorin (Amazon)

    Anne Stern wurde in Berlin geboren, wo sie auch heute mit ihrer Familie lebt. Nach dem Studium der Geschichte und Germanistik promovierte sie in deutscher Literaturwissenschaft und arbeitete als Lehrerin und in der Lehrerbildung. Sie hat als Selfpublisherin bereits erfolgreich historische Saga-Stoffe veröffentlicht.


    Produktinformation (Amazon)

    Dateigröße : 3043 KB

    Seitenzahl der Print-Ausgabe : 400 Seiten

    Herausgeber : Rowohlt E-Book; 1. Auflage (1. Juni 2020)

    Sprache: : Deutsch

    ASIN : B0859TR326


    Hulda und der Kommissar

    Berlin 1922. Die gewitzte und unerschrockene Hebamme Hulda Gold ist äußerst beliebt und begegnet durch ihre Tätigkeit als Hebamme den unterschiedlichsten Menschen. Das Schicksal der Frauen liegt ihr besonders am Herzen. Es ist noch nicht lange her, dass der Große Krieg zu Ende gegangen ist, und die junge Republik ist immer noch von bitterer Armut geprägt. Hulda ist sehr engagiert und bringt sich dadurch oft selbst in Schwierigkeiten, denn sie begegnet nicht nur neuem Leben, sondern auch dem Tod. In einem der vielen Elendsviertel der Stadt, dem Bülowbogen, kümmert sie sich um eine Schwangere. Man hat die Nachbarin einer ihrer Schützlinge tot im Landwehrkanal aufgefunden. Ein Unfall? Aber wieso stellt dann der undurchsichtige Kriminalkommissar Karl North Ermittlungen an. Hulda forscht selbst nach und gerät dabei sogar in Lebensgefahr, denn in dieser Stadt liegen Licht und Schatten dicht zusammen.


    Meine Meinung

    Es ist das erst Buch, das ich von dieser Autorin gelesen habe und es hat mich gefesselt. Es ist nicht ein einfacher historischer Roman, nein es hat einen relativ großen kriminalistischen Einschlag, denn es geht um die Tote aus dem Landwehrkanal. Hulda Gold erfährt durch puren Zufall von ihr, da die Schwangere zu deren Betreuung sie in das Haus gekommen ist, ihre Nachbarin ist. Und die junge Frau ist überzeugt, dass es kein Unfall war. Hulda Gold wird neugierig und… Ja was und? Das verrate ich hier natürlich nicht. Nur so viel, dass ich sehr gut in die Geschichte hineingekommen bin und diese sich durch den unkomplizierten Schreibstil - keine Unklarheiten im Text – leicht und flüssig lesen ließ. Ich konnte Hulda verstehen, dass sie neugierig wurde als sie von dem Tod der Nachbarin erfuhr. Ich konnte mich auch etwas in den ermittelnden Kommissar hineinversetzen, doch was veranlasste ihn, etwas zu tun, was er eigentlich nicht tun durfte? Was dies war, ja das muss der geneigte Leser natürlich selbst lesen. Mich hat dieses Buch gefesselt vom Anfang bis zum Ende. Es hat mir sehr gut gefallen, mich gut unterhalten und die Spannung war immer da. Daher empfehle ich es gerne weiter und vergebe vier von fünf Sternen bzw. acht von zehn Punkten.

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    Edit: ich habe das Gefühl hier scheiden sich mal wieder die Geister. Welches Genre: Historisch oder Krimi? Ich wäre eigentlich fürs HIstorische gewesen, aber da die Rezis im Genre Krimi stehen, habe ich meine eben auch hier gepostet.

    Liebe Grüße
    Lerchie



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    nur wer aufgibt, hat schon verloren

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