Stephen King - Blutige Nachrichten / If It Bleeds

  • Eigenzitat aus amazon.de:


    Stephen King hat wieder zur Kurzform zurückgefunden – wobei man sich überlegen kann, ob man dies nun eine Novellen- oder eine Kurzgeschichtensammlung oder eine Mischung von beidem nennen sollte.


    Mr. Harrigans Phone


    Der junge Craig, der nur mit seinem Vater aufwächst, war ein früher Leser gewesen und deswegen hat er schon bald in den sonntäglichen Gottesdiensten seiner Gemeinde Lesungen gemacht, die auch sehr gut ankamen. Dadurch fiel er dem etwas exzentrischen Milliardär Mr. Harringan auf, der sich in der Gegend zur Ruhe gesetzt hatte und der ihm nun einen Job als Vorleser – und Blumengießer – in seinem Haushalt anbietet.


    Diese Arbeit ist für den jungen Mann sehr gewinnbringend und als Dank spendiert er seinem Arbeitgeber, der eher ein Technikfeind ist, zu dessen Geburtstag da erste iPhone, das je auf den Markt gekommen ist. Und schnell findet sich der alte Herr in die Arbeit mit diesem Gerät hinein.


    Als Mr. Harringan stirbt sorgt Craig dafür, dass das iPhone frisch aufgeladen und eingeschaltet in seiner Brusttasche steckt. Und ist sehr erschrocken, als er auf einen Anruf um die Stimme seines toten Freundes auf der Mailbox zu hören eine Antwort-SMS bekommt. Und auch sonst scheint der Tote weiter an Craigs Leben und seinen Problemen Anteil zu nehmen.


    Eine etwas andere Gespenstergeschichte – und quasi ein moderner Klassiker.


    The Life of Chuck


    Diese Geschichte beginnt mit dem dritten Kapitel und wird folglich rückwärts erzählt. In diesem dritten Kapitel treffen wir verschiedene Menschen, die erleben, wie die Welt um sie herum nach und nach zerfällt. Das Wetter ist grauenhaft, immer wieder fällt der Strom aus und schließlich auch das Internet. Die Küstengebiete der amerikanischen Küste rutschen nach und nach ins Meer und in Deutschland ist ein riesiger Vulkan ausgebrochen. Und auf einmal erscheinen überall Botschaften über einen gewissen Chuck Krantz, dem für 39 Jahre Leistungen gedankt wird und dazu das Bild eines unscheinbaren, aber nicht unsympathischen Bankangestellten.


    Die folgenden – bzw. vorlaufenden, aber rückläufig erzählten – Kapitel erzählen dann die Geschichte dieses vielgelobten Mannes, den eigentlich keiner in der untergehenden Welt zu kennen scheint. Sehr philosophisch und auch irgendwie berührend.


    If It Bleeds


    Diese Geschichte ist eigentlich schon eher ein Roman. Hierin begegnen wird Holly Gibney wieder, die immer noch Finders Keepers leitet und dabei ziemlich erfolgreich ist. Eines Tages sieht sie in den Nachrichten den Bericht über einen Sprengstoffanschlag auf eine Schule in einem anderen Bundesstaat und fühlt sich von diesem Ereignis mehr eingenommen als von einem der vielen anderen Anschläge, die es auf dem Boden der USA anscheinend immer wieder zu geben scheint. Schnell kommt sie zu der Überzeugung, dass ein weiterer Outsider dahinter stecken könnte und beginnt in dieser Richtung zu ermitteln. Und stößt dabei auf ein Paar von Mitstreitern, die die Outsider bereits seit einigen Jahrzehnten verfolgen.


    Neben der Krimi-Horror-Geschichte geht es in dieser weiteren Fortsetzung der Mr. Mercedes-Reihe auch um das Älterwerden, das Abschiednehmen und die Zuverlässigkeit von Erinnerungen. Spannend bis zur letzten Seite.


    Rat


    Drew Larson ist größtenteils glücklich verheiratet, hat zwei Kinder, ein Haus und unterrichtet Englisch – in erster Linie kreatives Schreiben. Außerdem hat er einige Kurzgeschichten veröffentlicht und sich dreimal an einem Roman versucht, was aber jedes Mal in fürchterlicher Art und Weise schiefgegangen ist. Einmal brannte fast das Haus ab und einmal fast sein Verstand aus.


    Da kann es nicht verwundern, dass seine Frau, als er ihr eines Morgens nach einer unerwarteten Inspiration fragt, ob er sich etwas eingefangen hätte oder am Ende eine Idee gehabt habe. Ja, Drew will einen Roman schreiben und diesmal in einer abgelegenen Hütte irgendwo im Nichts, wo seine Familie noch etwas Land besitzt. Seine Frau ist nicht begeistert, hofft aber, dass er dort nicht allzu viel anrichten kann.


    Und es geht gut los, aber schnell wird Drews Arbeitseifer durch eine Erkältung – er hatte sich zum richtigen Zeitpunkt die Hände NICHT gewaschen – arg ausgebremst wird. Als ihn dann auch noch ein fürchterlicher Sturm mit einem einhergehenden Stromausfall zwingt seine Arbeit beim Licht einer Laterne auf einer mechanischen Schreibmaschine fortzusetzen, scheint ihn sein altes Problem wieder einzuholen – bis ihm ein unerwarteter Gast ein sehr willkommenes Geschenk anbietet.


    Eine Variation eines alten Märchenthemas vermischt mit den Freuden und Leiden des Schreibens, die King ja nur allzu gut kennt – und, wie auch ein paar der anderen Geschichten, immer wieder mit Seitenhieben auf die aktuelle US-Regierung.


    Das Buch endet mit einigen Gedanken des Autoren zu den Hintergründen – bzw. deren Fehlen – zu den vier Geschichten. Mit diesem Nachwort und den neuen Novellen ist King wieder zu seiner vertrauten, wenn auch jetzt deutlich gereifteren, Stimme zurückgekehrt. Vier Geschichten, die ich mir auch wunderbar als Vorlesegeschichten vorstellen kann, wie das bei jeder gut erzählten Geschichte sein sollte. :thumleft::thumleft::study:

  • Squirrel

    Hat den Titel des Themas von „Stephen King - If It Bleeds“ zu „Stephen King - Blutige Nachrichten / If It Bleeds“ geändert.