Stephen King - Blutige Nachrichten / If It Bleeds

  • Buchdetails

    Titel: Blutige Nachrichten


    Kurzgeschichte der

    Verlag: Heyne

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 576

    ISBN: 9783453441392

    Termin: Neuerscheinung August 2021

  • Bewertung

    4.3 von 5 Sternen bei 26 Bewertungen

    85,4% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Blutige Nachrichten"

    In der Vorweihnachtszeit richtet eine Paketbombe an einer Schule nahe Pittsburgh ein Massaker an. Kinder sterben. Holly Gibney verfolgt die furchtbaren Nachrichten im Fernsehen. Der Reporter vor Ort erinnert sie an den gestaltwandlerischen Outsider, den sie glaubt vor nicht allzu langer Zeit zur Strecke gebracht zu haben. Ist jene monströse, sich von Furcht nährende Kreatur wiedererwacht? Die titelgebende Geschichte »Blutige Nachrichten« – eine Stand-alone-Fortsetzung des Bestsellers »Der Outsider« – ist nur einer von vier Kurzromanen in Stephen Kings neuer Kollektion, die uns an so fürchterliche wie faszinierende Orte entführt. Mit einem Nachwort des Autors zur Entstehung jeder einzelnen Geschichte.
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    Bridgeelke
    Ratte und Mr. Harringtons Telefon super, Böses Blut ganz gut, Chucks Leben sehr mäßig
  • Kurzmeinung

    Hirilvorgul
    King wie man ihn mag. Und vor allem Holly Gibney, wie man sie mag.

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  • Eigenzitat aus amazon.de:


    Stephen King hat wieder zur Kurzform zurückgefunden – wobei man sich überlegen kann, ob man dies nun eine Novellen- oder eine Kurzgeschichtensammlung oder eine Mischung von beidem nennen sollte.


    Mr. Harrigans Phone


    Der junge Craig, der nur mit seinem Vater aufwächst, war ein früher Leser gewesen und deswegen hat er schon bald in den sonntäglichen Gottesdiensten seiner Gemeinde Lesungen gemacht, die auch sehr gut ankamen. Dadurch fiel er dem etwas exzentrischen Milliardär Mr. Harringan auf, der sich in der Gegend zur Ruhe gesetzt hatte und der ihm nun einen Job als Vorleser – und Blumengießer – in seinem Haushalt anbietet.


    Diese Arbeit ist für den jungen Mann sehr gewinnbringend und als Dank spendiert er seinem Arbeitgeber, der eher ein Technikfeind ist, zu dessen Geburtstag da erste iPhone, das je auf den Markt gekommen ist. Und schnell findet sich der alte Herr in die Arbeit mit diesem Gerät hinein.


    Als Mr. Harringan stirbt sorgt Craig dafür, dass das iPhone frisch aufgeladen und eingeschaltet in seiner Brusttasche steckt. Und ist sehr erschrocken, als er auf einen Anruf um die Stimme seines toten Freundes auf der Mailbox zu hören eine Antwort-SMS bekommt. Und auch sonst scheint der Tote weiter an Craigs Leben und seinen Problemen Anteil zu nehmen.


    Eine etwas andere Gespenstergeschichte – und quasi ein moderner Klassiker.


    The Life of Chuck


    Diese Geschichte beginnt mit dem dritten Kapitel und wird folglich rückwärts erzählt. In diesem dritten Kapitel treffen wir verschiedene Menschen, die erleben, wie die Welt um sie herum nach und nach zerfällt. Das Wetter ist grauenhaft, immer wieder fällt der Strom aus und schließlich auch das Internet. Die Küstengebiete der amerikanischen Küste rutschen nach und nach ins Meer und in Deutschland ist ein riesiger Vulkan ausgebrochen. Und auf einmal erscheinen überall Botschaften über einen gewissen Chuck Krantz, dem für 39 Jahre Leistungen gedankt wird und dazu das Bild eines unscheinbaren, aber nicht unsympathischen Bankangestellten.


    Die folgenden – bzw. vorlaufenden, aber rückläufig erzählten – Kapitel erzählen dann die Geschichte dieses vielgelobten Mannes, den eigentlich keiner in der untergehenden Welt zu kennen scheint. Sehr philosophisch und auch irgendwie berührend.


    If It Bleeds


    Diese Geschichte ist eigentlich schon eher ein Roman. Hierin begegnen wird Holly Gibney wieder, die immer noch Finders Keepers leitet und dabei ziemlich erfolgreich ist. Eines Tages sieht sie in den Nachrichten den Bericht über einen Sprengstoffanschlag auf eine Schule in einem anderen Bundesstaat und fühlt sich von diesem Ereignis mehr eingenommen als von einem der vielen anderen Anschläge, die es auf dem Boden der USA anscheinend immer wieder zu geben scheint. Schnell kommt sie zu der Überzeugung, dass ein weiterer Outsider dahinter stecken könnte und beginnt in dieser Richtung zu ermitteln. Und stößt dabei auf ein Paar von Mitstreitern, die die Outsider bereits seit einigen Jahrzehnten verfolgen.


    Neben der Krimi-Horror-Geschichte geht es in dieser weiteren Fortsetzung der Mr. Mercedes-Reihe auch um das Älterwerden, das Abschiednehmen und die Zuverlässigkeit von Erinnerungen. Spannend bis zur letzten Seite.


    Rat


    Drew Larson ist größtenteils glücklich verheiratet, hat zwei Kinder, ein Haus und unterrichtet Englisch – in erster Linie kreatives Schreiben. Außerdem hat er einige Kurzgeschichten veröffentlicht und sich dreimal an einem Roman versucht, was aber jedes Mal in fürchterlicher Art und Weise schiefgegangen ist. Einmal brannte fast das Haus ab und einmal fast sein Verstand aus.


    Da kann es nicht verwundern, dass seine Frau, als er ihr eines Morgens nach einer unerwarteten Inspiration fragt, ob er sich etwas eingefangen hätte oder am Ende eine Idee gehabt habe. Ja, Drew will einen Roman schreiben und diesmal in einer abgelegenen Hütte irgendwo im Nichts, wo seine Familie noch etwas Land besitzt. Seine Frau ist nicht begeistert, hofft aber, dass er dort nicht allzu viel anrichten kann.


    Und es geht gut los, aber schnell wird Drews Arbeitseifer durch eine Erkältung – er hatte sich zum richtigen Zeitpunkt die Hände NICHT gewaschen – arg ausgebremst wird. Als ihn dann auch noch ein fürchterlicher Sturm mit einem einhergehenden Stromausfall zwingt seine Arbeit beim Licht einer Laterne auf einer mechanischen Schreibmaschine fortzusetzen, scheint ihn sein altes Problem wieder einzuholen – bis ihm ein unerwarteter Gast ein sehr willkommenes Geschenk anbietet.


    Eine Variation eines alten Märchenthemas vermischt mit den Freuden und Leiden des Schreibens, die King ja nur allzu gut kennt – und, wie auch ein paar der anderen Geschichten, immer wieder mit Seitenhieben auf die aktuelle US-Regierung.


    Das Buch endet mit einigen Gedanken des Autoren zu den Hintergründen – bzw. deren Fehlen – zu den vier Geschichten. Mit diesem Nachwort und den neuen Novellen ist King wieder zu seiner vertrauten, wenn auch jetzt deutlich gereifteren, Stimme zurückgekehrt. Vier Geschichten, die ich mir auch wunderbar als Vorlesegeschichten vorstellen kann, wie das bei jeder gut erzählten Geschichte sein sollte. :thumleft::thumleft::study:

  • Squirrel

    Hat den Titel des Themas von „Stephen King - If It Bleeds“ zu „Stephen King - Blutige Nachrichten / If It Bleeds“ geändert.
  • Ich fand "Blutige Nachrichten" absolut klasse und es ist nur knapp an der Höchstwertung vorbeigeschrammt. Früher hieß das mal Novelle bei Geschichten, die die 100 Seiten (teilweise deutlich) überschreiten, aber anscheinend hat man dieses Wort aus dem Kingschen Marketing gestrichen und nun ist von Kurzromanen die rede. Nun ja, egal. Die Geschichten jedenfalls waren allesamt fantastisch.


    Mr. Harrigans Telefon war eine richtige Old-School-King-Geschichte und hat mir super gefallen. Klassischen Grusel mit Technik zu verbinden hat er ja schon einige Male gemacht ("Puls" oder die Geschichte "Der Textcomputer der Götter") und auch hier ist es wieder eine tolle Story mit etwas Augenzwinkern geworden. Trotzdem noch die "schwächste" Geschichte der Sammlung, wenngleich ich bei dieser Qualität nicht von schwach sprechen möchte.


    Chucks Leben war völlig unvergleichlich und etwas derartiges habe ich bisher weder von King noch von einem anderen Autor gelesen. Manchmal möchte man sich am Kopf kratzen und fragt sich, was das soll. Bis einem plötzlich ein Licht aufgeht. Eine wunderbare und melancholische Geschichte mit einigen ganz tollen Szenen (Der Tanz auf der Straße:applause:). Außergewöhnlich.


    King scheint sich nicht von Holly Gibney trennen können. Anfangs war ich von ihr noch nicht so angetan, aber mittlerweile kommen wir beide eigentlich ganz gut klar. Blutige Nachrichten war dann auch die Geschichte mit ihr, die mir bisher am stärksten zusagt und ist das Herzstück dieser Novellensammlung. Es spielt in der Weihnachtszeit und hatte dadurch auch ein wenig eine feierliche Atmosphäre und die über 200 Seiten starke Schnitzeljagd hat mir super gefallen.


    Das Beste kommt wohl zum Schluss, denn Ratte reiht sich in die Top 10 seiner besten Kurzgeschichten und Novellen problemlos ein. Ein Schriftsteller, der sich an einen einsamen Ort zurückzieht um seiner Tätigkeit nachzugehen...ja das hat man von ihm schon das ein oder andere Mal gehört. Aber der Verlauf der Geschichte war dann gleichzeitig völlig typisch und auch irgendwo untypisch für den Schreckensmeister. Ich fand sie absolut fesselnd und die Atmosphäre in der Hütte als der Sturm kam war echt toll.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb: mit Tendenz nach oben und eine absolute Empfehlung.

  • Ich bin ja kein so großer Fan von Kurzgeschichten, aber ich mag Kings Ideen und auch hier konnte er mich überzeugen, mal mehr, mal etwas weniger ...


    Mr. Harrigans Telefon

    Hier steht der 12jährige Craig im Mittelpunkt. Ein liebenswerter, aufgeschlossener Junge, der sich ein paar Dollar verdient, indem er dem alten Mr. Harrigan aushilft und vorliest. Dass dieser vor seinem Ruhestand ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann war erfährt er erst später - und die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, haben außergewöhnliche Auswirkungen.

    Ich fand die Beziehung der beiden sehr schön, denn Craig mag den alten Herrn wirklich und verbringt seine Zeit gerne mit ihm. Das fehlt heutzutage irgendwie, oder ich kriege es einfach nicht mit ... dabei ist es für ältere Menschen so schön und wichtig, mit der jüngeren Generation Zeit zu verbringen und andersrum ebenso. Sie können so viel voneinander lernen.

    Es gibt (natürlich) einen mysteriösen Aspekt in der Geschichte, der jetzt für mich nicht so gruselig war, aber sehr typisch für King ist.

    Mehr herausgelesen hab ich hier aber den Einfluss der Technik, den Craig in Mr. Harrigans Leben bringt. Die kleinen philosophischen Gedanken zum Einfluss des Smartphones und damit des Internets (die Geschichte spielt im Jahr 2004) haben zum Nachdenken angeregt, auch wenn King es nur anschneidet.

    Fazit ✶✶✶✶



    Chucks Leben

    Diese Geschichte wird rückwärts in 3 Akten erzählt.

    Sie beginnt im also im 3. Akt und umreißt auf wenigen Seiten ein Weltuntergangsszenario, das mir tatsächlich Gänsehaut beschert hat! Internet- und Stromversorgungen sind nur noch unzureichend, Umweltkatastrophen haben große Landstriche verwüstet und die Menschen erreicht eine Weltuntergangsstimmung, auch wenn versucht wird, die Normalität aufrecht zu erhalten.

    Mitten drin Marty, der mysteriöses Phänomen beobachtet, das mit "Chuck" zu tun hat.

    Im zweiten Akt schlägt King dann den Bogen zu diesem "Chuck" und beschreibt uns eine Szene, einen Augenblick, der drei Menschen in einem Zufall verbindet und eine so besondere Situation entsteht, ein Glücksgefühl, ein Lebensgefühl zeigt, das mir wirklich das Herz aufgegangen ist.

    Im ersten Akt schließlich blickt man noch weiter zurück - und ich denke, der Grundgedanke hier ist einfach der, das Leben zu leben, wahrzunehmen, zu genießen. Sich nicht von Normen oder Anstandsregeln aufhalten zu lassen, wenn man etwas "verrücktes" tun möchte, etwas kindisches, lustiges oder verwegenes - denn gerade diese Augenblicke sind unvergesslich <3

    Fazit ✶✶✶✶✶



    Blutige Nachrichten

    Darauf hatte ich mich besonders gefreut, denn Holly Gibney ist hier wieder einem rätselhaften Fall auf der Spur. Viele haben geschrieben, dass man diese Geschichte ohne Vorwissen lesen kann - das kann durchaus sein. Ich möchte aber trotzdem dazu raten, vorher die Bill Hodges Trilogie und den Outsider zu lesen, da man sich hier sonst mega spoilert!

    Leider kommt diese Fortsetzung für mich nicht an die anderen Bücher heran. Auch wenn ich gerne erfahren habe, wie es Holly geht und wie sie mittlerweile mit ihrem Leben klarkommt (sie ist ein sehr "vorbelasteter" Charakter und mir sehr ans Herz gewachsen), aber die Spannung und der Thrill, wie ich ihn in der Trilogie bzw. im Outsider erfahren habe, kamen bei mir nicht so auf.

    Die Idee ist ähnlich, deshalb sehr vorhersehbar.

    Fazit ✶✶✶



    Ratte

    Die letzte Geschichte fand ich dagegen wieder sehr genial!

    Herr King schreibt ja gerne mal über Schriftsteller und auch hier ist ein Autor sehr im Fokus - nämlich einer, der zwar schon einige Kurzgeschichten geschrieben hat, aber immer wieder am Großprojekt "Roman" scheitert. Einmal im Leben möchte er eine lange Geschichte fertig bringen und die Idee, die plötzlich vor ihm auftaucht, scheint endlich den Durchbruch zu bringen.

    Er zieht sich dafür von Frau und Kindern zurück in eine einsame Hütte und was er hier erlebt bringt ihn an viele Grenzen und die Frage, was er alles für seinen Lebenstraum aus Spiel zu setzen wagt.

    Hier kam wieder Stephen King zutage wie ich ihn kenne und liebe. Trotz der Kürze hat er einen prägnanten Charakter erschaffen, eine tolle Atmosphäre und eine fesselnde Handlung der Entscheidungen, wieder mit einem übernatürlichen Aspekt. Hat mir super gut gefallen!

    Fazit ✶✶✶✶✶



    In einigen Rezensionen hab ich gelesen, dass sie den "typischen Horror" vermisst haben. Aber Horror ist eben nicht nur böse Monster, die unter der Treppe lauern oder blutspritzender Splatter - Horror kann sehr subtil sein und das hat er meiner Meinung nach hier wieder sehr gekonnt bewiesen.


    Weltenwanderer

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