Andreas Kohn - Todeszone Berlin

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  • Dystopien haben nach wie vor Hochkonjunktur. Nun mag man hinter dem Verlangen des Menschen nach dystopischen Geschichten vermuten was man will, aber in der momentanen Situation (während ich dies verfasse tobt Covid 19 über den gesamten Planeten) kann diese Art von Weltenflucht auch genau das sein, was man zur Ablenkung braucht.


    Andreas Kohn hat mit seiner „Zombiecalypse“ ja bereits bewiesen, dass er sich in apokalyptischen Gefilden bestens auskennt. Mit „Todeszone: Berlin“ erweitert er sein Portfolio diesbezüglich um eine neue Spielart des Genres.


    Diesmal sind es keine Zombies, welche die menschliche Gesellschaftsordnung durcheinanderwirbeln, es sind lebende und fühlende Wesen, welche aber dennoch nicht mehr wirklich zur Spezies Mensch zu rechnen sind.


    Die Widersacher der Protagonisten verhalten sich wie die „Monster“ aus „28 Days Later“, ohne jedoch den Wunsch nach Menschenfleisch ihr Eigen zu nennen. Um nicht zu viel zu verraten, möchte ich nicht wirklich zu extrem in Detail gehen.


    Wer sich in der dystopischen Literatur auskennt, kann schon relativ schnell erahnen, was der Auslöser für die Veränderung der Berliner gewesen ist. Die Hinweise sind mehr als deutlich, wenn man den Protagonisten genau zusieht, was sie denn alles vor der ganzen Misere angestellt haben.


    Wie gewohnt lässt sich Andreas Kohn nicht viel Zeit mit einer zu ausführlichen Vorstellung von Land und Leuten und Gegebenheiten, sondern geht sofort in die Vollen. Die gewohnten Hintergrundinformationen bekommt man, wie ebenfalls von ihm gewohnt, stückchenweise im Laufe der Geschichte präsentiert.


    Die Charaktere sind vielschichtig und verhalten sich nicht nach Schema F, sondern können einem gestandenen Kohnisten wie mir noch das ein oder andere Überraschungsmoment abringen. Man bekommt hier zusätzlich noch einen Blick in die Gedankenwelt der „Monster“ präsentiert, welche bei einem Zombieroman nur wenig Sinn ergeben würden.


    Die Mischung zwischen Action und den Momenten, in denen mehr die Geschichte an sich vorangetrieben wird, ist ausgewogen und ich hatte nie das Gefühl mich bei den Erklärungen und Vorstellungen zu langweilen. Was mich nach wie vor zu dem Punkt bringt, warum Andraes Kohn nicht schon längst von einem der größeren Verlage entdeckt und veröffentlicht wurde.


    Die „Todeszone: Berlin“ erfindet das endzeitliche Rad nicht neu, aber versteht es kurzweilig zu unterhalten. Das Ende ist zwar eines, aber es ist offen wie ein Scheunentor, durch das ein zweiter Teil problemlos hindurchpassen würde.

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