Pamela Hart - Desert Nurse / The Desert Nurse

  • 1911 Sydney/Australien. Der Traum der 21-jährigen Evelyn Northey war es schon immer, Ärztin zu werden, um den Menschen zu helfen. Doch ihr Wunsch findet vor den Augen ihres Vaters keine Gnade. Da sie keinen anderen Ausweg sieht, sich ihren Traum doch noch zu erfüllen, meldet sie sich bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges freiwillig bei der australischen Armee als Krankenschwester, ohne es ihrer Familie mitzuteilen. Sie wird vom Corps nach Ägypten entsandt, um in einem Lazarett die Kriegsversehrten zu versorgen. Dort lernt sie den leitenden Arzt Dr. William Brent kennen, der mit aller Kraft für jeden einzelnen Verletzten kämpft. Evelyn und William arbeiten auf engstem Raum miteinander, und schon bald spürt Evelyn, dass sie für den Mann immer mehr empfindet. Aber wird er ihr bei ihrem Traum im Wege stehen oder wird er sie unterstützen?


    Pamela Hart hat mit „Desert Nurse – Eine Krankenschwester folgt ihrem Herzen“ einen unterhaltsamen und historisch angehauchten Roman vor der exotischen Kulisse Ägyptens vorgelegt, dessen Geschichte über einen Zeitraum von sieben Jahren von 1911 bis 1918 spannt. Der Erzählstil ist locker-flüssig, gefühlvoll und bildhaft, so dass der Leser nicht nur eine Zeitreise ins vergangene Jahrhundert antritt, sondern auch mitten ins Kriegsgeschehen hineinkatapultiert wird, um die damaligen medizinischen Behandlungsweisen unter widrigsten Bedingungen kennenzulernen. Der kurzweilige Schreibstil und die kurzgehaltenen Kapitel animieren dazu, an den Seiten zu kleben und die Geschichte regelrecht zu inhalieren, obwohl die Handlung nicht sehr anspruchsvoll ist und die Autorin auch nicht viel historische Informationen in sie hineinfließen lässt. Evelyn ist die für die damalige Zeit typische Protagonistin, die als Frau gegen Windmühlen kämpfen muss, um vielleicht ihr Ziel zu erreichen. Frauen konnten damals noch nicht so ohne weiteres studieren, ein Beruf in einer Männerdomäne blieb ihnen meist verschlossen. Auch der Spannungslevel liegt in dieser Geschichte nicht sehr hoch und bewegt sich eher im unteren Mittelfeld.


    Die Charaktere bleiben leider eher blass, hier hätte man das Potential besser ausschöpfen müssen, sie mit mehr Gefühl und Wärme ausstatten können, so dass der Leser sich eher an sie bindet und sowohl ihre Gedanken- und Gefühlswelt gerne mitträgt. So ist es eher eine Beziehung auf Abstand, der Leser steht auf Beobachtungsposten und verfolgt das Geschehen. Evelyn hat ihren Traum klar vor Augen und rebelliert gegen ihren Vater, indem sie mutig die Weichen dafür stellt und eine weite Reise ins Unbekannte antritt. Sie ist einfühlsam und hilfsbereit, doch fehlt es ihr irgendwie an Durchsetzungsvermögen und Glaubwürdigkeit. William lebt für seinen Beruf und kämpft für jedes Leben rund um die Uhr mit beschränkten Mitteln. Allerdings ist er auch ein Mann seiner Zeit, obwohl Ansätze vorhanden sind, die etwas anderes versprechen.


    „Desert Nurse – Eine Krankenschwester folgt ihrem Herzen“ ist ein netter Roman für zwischendurch, der eine Liebesgeschichte vor exotischer Kulisse inmitten von Kriegswirren präsentiert. Wenn man nicht zu viel an historischem Hintergrund und ausgereifteren Charakteren erwartet, ist er ganz unterhaltsam zu lesen. Eingeschränkte Leseempfehlung!


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    1. Desert Nurse

      (Ø)

      Verlag: Piper Taschenbuch


    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
    _____________________________________________


    SUB: ca. 1.800 / gelesen 2019: 367/ 143788 Seiten

  • K.-G. Beck-Ewe

    Hat den Titel des Themas von „Pamela Hart - Desert Nurse“ zu „Pamela Hart - Desert Nurse / The Desert Nurse“ geändert.
  • ein netter Roman für zwischendurch, der eine Liebesgeschichte vor exotischer Kulisse inmitten von Kriegswirren präsentiert

    Wegen dieser Begründung habe ich den Thread zu den Romanen verschoben. Das reicht einfach nicht, um die Geschichte wirklich als historischen Roman einzuordnen. :wink:

    viele Grüße vom Squirrel

    :study: Rafik Schami - Ich wollte nur Geschichten erzählen

    :study: Irène Némirovsky - Meistererzählungen


  • Das Buch beginnt mit dem 29. Oktober 1911. Der 19-jährige Harry spielt seiner älteren Schwester Evelyn ein übermütiges Ständchen zum 21. Geburtstag. Sie sieht es als den Tag ihrer Befreiung, da sie nun endlich die Volljährigkeit erreicht hat. Nach dem Tod ihrer Mutter mit 14 hatte der Vater entschieden, dass sie nicht zurück zur Schule durfte, sondern den Haushalt zu führen hatte. Doch da es damit nicht genug Beschäftigung für sie gab und er sie vom eigenständigen weiteren Lernen abhalten wollte, musste sie ihm von da an in seiner Arztpraxis zur Hand gehen. Allerdings bestärkte sie das nur in ihrem Ziel selbst Ärztin zu werden. So hatte sie angenommen mit 18 das Studium beginnen zu können, doch er lehnte es absolut ab, da er eine Frau als Arzt für ein Unding hält. Doch jetzt kann sie endlich das Erbe ihrer Mutter antreten, dass er treuhänderisch verwaltet und die Eingangsprüfung ablegen. Aber nun eröffnet er ihr plötzlich, dass er ihr das Erbe erst zu ihrer Hochzeit oder wenn sie 30 wird überlassen will. Was soll sie nun in diesen 9 Jahren tun? Sie will auf keinen Fall bleiben und weiter als billige Arbeitskraft für ihren Vater dienen. Sie beschließt heimlich hinter seinen Rücken wenigstens den Abschluss einer Krankenschwester zu machen, der ihren Befähigungen entspricht.


    Die Autorin hat 2 sympathische, glaubhafte Hauptfiguren erschaffen, die für ihren Einsatz und ihr Streben bewundernswert sind. Sie wollen ein nützliches Leben führen, anderen Menschen helfen. Evelyn strebt nach Selbstbestimmung und William nach Anerkennung und Gleichbehandlung. Die Geschichte zeigt, wie lang und schwierig für manche Menschen der Weg zur Erfüllung ihrer Träume und zur großen Liebe sein kann. Der Roman spielt zu einer interessanten historischen Phase im Ägypten des 1. Weltkriegs. Es ist ein anderer als die gewohnten Schauplätze. Die Greul des Krieges und der unermüdliche teils hoffnungslose Kampf der Ärzte und Pfleger wird eindringlich und drastisch dargestellt. Das Buch weist auch eine beeindruckende weibliche Ärztin als Nebenfigur auf, die Evelyn zum Vorbild wird. Aber damals schienen Liebe und Ehe unvereinbar mit dem Beruf der Ärztin.


    Evelyns Zukunft bekommt zur Mitte des Buches einen schweren Dämpfer, es besteht kaum noch Anlass zur Hoffnung.


    Streckenweise ist es eine herzzerreißende Erzählung, aber dann auch wieder herzerfüllend. Eine Achterbahn der Gefühle. Am Ende kommt es zu einem großen Angebot und dann führt ein Vertrauensbeweis endlich zum Durchbruch.


    Eine Geschichte, die man nicht so leicht wieder vergisst.


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