Hanna Caspian - Goldsturm

  • Kurzmeinung

    Rapunzel
    Fortsetzung besser als gedacht. Die Geschichte und die Figuren entwickeln sich weiter. Großes Thema ist die Inflation.
  • Die Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs, die Folgen der Misswirtschaft sowie die Hyperinflation sind im ganzen Land zu spüren, auch das Pommersche Gut Greifenau bleibt davon nicht verschont. Rebecca und ihr Ehemann Konstantin haben alle Hände voll zu tun, um sich und ihre Lieben durch diese unsicheren Zeiten zu bringen und stehen immer mit einem Bein am finanziellen Abgrund, was sie mit Julius‘ Hilfe immer wieder kurzfristig durch Landverkäufe abwenden können. Gleichzeitig ist ein Erbe nötig, um das Gut in der Familie zu halten, doch die eigene Verwandtschaft stellt sich als besonders intrigant heraus, will sie dies doch unbedingt verhindern. Währenddessen lebt Katharina mit Julius Urban recht komfortabel, doch Katharina hat ihren Traum von einem Medizinstudium noch nicht aufgegeben, auch wenn sie bald Mutter wird…


    Hanna Caspian hat die Gebete ihrer Leserschaft erhört und mit „Goldsturm“ den vierten Band ihrer historischen Gut Greifenau-Reihe vorgelegt, der in punkto Spannung, Drama und Familienintrigen den drei Vorgänger das Wasser reichen kann und den Leser wieder in das vergangene Jahrhundert entführt, der sich sofort wieder gern als alter Bekannter unter die Familie und Dienstboten mischt, um den weiteren Verlauf hautnah mitzuerleben. Es ist geradezu wie ein „Nachhause kommen“, denn die Charaktere sind einem inzwischen ans Herz gewachsen und so teilt man ihre Sorgen und Nöte mit ihnen und verfolgt, wie sie angesichts schwerer Zeiten zurechtkommen. Die Autorin lässt mit ihrem flüssigen, bildhaften und fesselnden Schreibstil wieder wunderbar das Kopfkino des Lesers anspringen, so erlebt er die harten und entbehrungsreichen Zeiten auf dem Gut mit, ist bei so mancher Intrige dabei und sieht die verzweifelten Versuche der Bewohner, diese schwierigen Zeiten irgendwie durchzustehen. Das außerordentliche Geschick der Autorin, ihre fiktiven Geschichte mit sehr guter historischer Hintergrundrecherche zu bereichern, macht den Roman geradezu prädestiniert für Geschichtsstunden, denn die eingebrachten Informationen wie z.B. über die Hyperinflation und deren Folgen sind sehr lehrreich. Der Spannungsbogen ist auch in diesem Roman wieder bis aufs Äußerste gedehnt, der Leser fiebert mit jeder Zeile mit und kann das Buch nicht aus der Hand legen.


    Die liebevoll lebendig erschaffenen Charaktere haben einen weiteren Entwicklungssprung hinter sich, bleiben dabei sehr authentisch und glaubwürdig, so fällt es dem Leser nicht schwer, an ihrer Seite zu kleben, um mit ihnen gemeinsam die schwere Zeit mitzuerleben und zu –leiden. Rebecca ist an ihren Aufgaben gewachsen, lässt sich nicht mehr so schnell einschüchtern und gibt auch mal Paroli. Sie bildet mit Konstantin eine Einheit, die sich gerade in schweren Zeiten bewährt. Ihre Stärke, Schicksalsschläge einzustecken, ist bewundernswert. Katharina hat eigentlich ein sorgenloses Leben, denn Julius bietet ihr alles auf einem Silbertablett. Doch ihren größten Wunsch will er nicht unterstützen und bringt ihre Ehe damit in Gefahr. Feodora ist eine Hexe, die sich nur wohlfühlt, wenn sie andere gegeneinander ausspielen kann und reibt sich am Ende die Hände, wenn es geklappt hat. Aber auch Albert, Ida, Frau Schott, Alexander oder Caspar sind unverzichtbar in dieser Geschichte und drücken der Handlung ihren besonderen Stempel auf.


    Mit „Goldsturm“ hat Hanna Caspian einmal mehr bewiesen, welches Erzähltalent sie besitzt, um ihre Leser in den Bann zu schlagen. Das besondere dieser Reihe ist nicht nur der historische Hintergrund und die Geschichte an sich, vor allem sind es die lebendigen Protagonisten, die einem ans Herz gewachsen sind und mit denen man das Leben teilt. Wieder einmal perfekt in Szene gesetzt und mit einer absoluten Leseempfehlung ausgestattet! Chapeau – besser geht es nicht!


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
    _____________________________________________


    SUB: ca. 1.800 / gelesen 2019: 367/ 143788 Seiten

  • dreamworx Bitte lass die Reihentitel aus der Titelzeile raus. Danke :wink:

    viele Grüße vom Squirrel

    :study: Kurt Vonnegut Jr. - Slaughterhouse-Five


  • Squirrel

    Hat den Titel des Themas von „Hanna Caspian - Gut Greifenau: Goldsturm“ zu „Hanna Caspian - Goldsturm“ geändert.
  • Schwere Zeiten in Deutschland ab 1919, hautnah mitzuerleben auf Gut Greifenau

    Der Kampf ums nackte Überleben ab 1919 - noch nie so realistisch, deutlich, spannend aber auch berührend geschildert.


    Und wieder einmal ist es Hanna Caspian gelungen, einem wichtigen Kapitel deutscher Geschichte mit Hilfe der Grafenfamilie auf Gut Greifenau und ihren - vor allem im Haus und auf dem Gut - Beschäftigten ein gutes Jahrhundert später wirkliches Leben einzuhauchen.


    Auf der einen Seite, Konstantin, der älteste Sohn der Grafenfamilie, der nach Beendigung des Ersten Weltkriegs die außerordentlich schwierige Aufgabe übernommen hat, das Gut wieder aufzubauen und seine bürgerliche Ehefrau Rebecca, die ehemalige adlige Gepflogenheiten- völlig zu Recht - als nicht mehr zeitgemäß ansieht und in ständigem Konflikt mit ihrer der alten Zeiten nachtrauernden Schwiegermutter Feodora steht.


    Es erstaunt in keinster Weise, dass Nikolaus, der ältere der beiden jüngeren Brüder, mit der gleichen Einstellung zu den gesellschaftlichen Veränderungen nach Kriegsende wie seine Mutter, lässt Konstantin deutlich spüren, was er von ihm als alleinigen Erben des Guts hält. Auf Grund seines Standesdünkels und der damit verbundenen Erwartungshaltung sind handfeste Auseinandersetzungen, mit zum Teil krimineller Energie vorprogrammiert.


    Katharina, die jüngste Tochter und mit dem Sohn (und einzigem Kind) eines sehr betuchten Industriellen, genießt zunächst die mit dem Wohlstand ihres Schwiegervaters verbundenen Annehmlichkeiten, auch nach Kriegsende. Allerdings muss sie eines Tages feststellen, dass dieser goldene Käfig seinen Preis hat und sie letztendlich eine Entscheidung treffen muss, die ihr eher abgepresst wird als dass sie sich frei entscheiden kann.


    Gut Greifenau gibt aber auch vielen Menschen Arbeit und Brot. Und auch hier gibt es so manche Entwicklung, die auf die mit dem Krieg verbundenen Entbehrungen und Sorgen zurückzuführen sind.


    Mamsell Schott, die Hausdame, trägt sich mit dem Gedanken eines Umzugs nach Schweden und muss tatenlos mit ansehen, wie ihr erspartes Geld immer mehr an Wert verliert.


    Casper, dienstältester Hausdiener mit einer unrühmlichen Vergangenheit, kann den neuen Zeiten aber durchaus erfreuliche Seiten abgewinnen, da er ein unbekanntes, aber durchaus erfreuliches, finanzielles Gespür bei sich entdeckt.


    Eugen, dessen Herz schon lange für Wiebke, Stubenmädchen im Gutshaus, trägt sich mit dem Gedanken, Gut Greifenau zu verlassen. Auch wenn Konstantin ihm deutlich zu verstehen gibt, wie er zu diesen Plänen steht, hängt letztendlich alles von Wiebke ab.


    Neben diesen und auch noch einigen anderen Familienmitgliedern und Bediensteten spielt die Zeit der s.g. Weimarer Republik eine sehr wichtige Rolle. Der Autorin ist es auf eine unnachahmliche Weise die damalige Politik in das Alltagsgeschehen auf und um Gut Greifenau einzubinden. Nie war mir die nach dem Ersten Weltkrieg herrschende Armut, der Hunger, die Perspektivlosigkeit und auch die Ohnmacht der Bevölkerung so deutlich vor Augen wie in diesem Roman. Aber auch die Besetzung des Rheinlands durch Frankreich und die damit verbundenen Repressalien gegenüber der Bevölkerung waren mir zum einen nicht bekannt und wurden so einfühlsam in der Romanhandlung geschildert, dass das Ausmaß und die Dimension dieser Zeit hautnah spürbar und miterlebt wird.


    Einmal mehr ein Roman, der schwierigen politischen und geschichtlichen Hintergrund sehr gekonnt und verständlich in eine fesselnde Romanhandlung eingebettet wurde. Auch wenn es bereits 3 vorhergehende Romane über die Zeit auf Gut Greifenau gibt, so kann der vierte Band durchaus ohne Kenntnis der anderen Romane gelesen werden. Denn wichtige Ereignisse auf Gut Greifenau vor 1919 werden sehr dezent und informativ mit in die laufende Geschichte integriert.


    Von der ersten Seite an war ich gefesselt. Und es kam mir vor, als würde ich altbekannte Freunde wiedertreffen. Zwar etwas älter geworden, aber ihren Charakterzügen treu geblieben.


    In meinen Augen ist die Greifenau-Serie ein wirkliches Kleinod unter den deutschen historischen Romanen. Ich bin und bleibe begeistert!!!!

  • Das Leben auf Gut Greifenau geht weiter


    Inhaltsangabe:

    Gut Greifenau 1919 - 1923

    Der erste Weltkrieg ist vorbei, aber politisch und wirtschaftlich wird es nicht besser. Die Hyperinflation ist im ganzen Land zu spüren und davon bleibt auch das Gut Greifenau nicht verschont. Egal was Konstantin auch anfasst, es reicht gerade so, um seine Familie und Dienstboten zu versorgen. Damit er nicht noch mehr in die Miesen gerät, verkauft er einige Ländereien an seinen Schwager Julius. Was dieser dankend annimmt, denn er und seine Frau Katherina haben keine finanziellen Engpässe. Eher das Gegenteil ist der Fall. Was Katherina allerdings nicht davon abhält, von einer beruflichen Unabhängigkeit zu träumen. Sie möchte gerne Medizin studieren. Wird sie es, trotz Schwangerschaft, schaffen oder sind ihre Träume endgültig geplatzt? Werden Konstantin und Rebecca es schaffen, ihr Gut zu retten?


    Gut Greifenau „Goldrausch“ geht mit diesem Band in die Verlängerung. Eigentlich sollte nach Roman Gut Greifebau „Morgenröte“ diese Trilogie beendet sein, aber die Fans wollten noch mehr von Familie Auwitz – Aarhyn und über das Gutsleben erfahren. Die Autorin Hanna Caspian ließ sich nicht zweimal bitten und schrieb an einer Fortsetzung, der jetzt erschienen ist. Der Klapptext versprach mir wieder eine sehr emotionale und spannende Zeitreise zu werden und ich wurde auch diesmal nicht enttäuscht.


    Wie schon in den vorherigen Bänden ist der Schreibstil flüssig und leicht und lässt den Leser sofort wieder in die Geschichte ein und abtauchen. Ab der ersten Seite zog sie mich in ihren Bann und es war wie eine Art nach Hause kommen. Die Wiedersehensfreude war groß, denn auf mich warteten alte Bekannte, die mir, seit unserem ersten Kennenlernen ans Herz gewachsen sind. Ich mag die Charaktere von Hanna Caspian. Sie haucht ihnen nicht nur Leben ein, sie dürfen sich weiterentwickeln und dadurch wirken sie nicht nur authentisch, sondern auch glaubwürdig.

    Was mir an diesem Band besonders gut gefallen hat, dass Rebecca zu einer starken Persönlichkeit wachsen durfte und dies wünsche ich mir von Katherina auch. Ich hoffe, dass sie eines Tages ihren Weg gehen wird. Tja, Feodora hat sich nicht geändert. Sie stichelt wo sie nur kann und wenn sie auch noch ihren Willen bekommt, dann ist sie am glücklichsten. Selbst die Dienstboten (Ida, Albert, Caspar oder Wiebke) haben ihren festen Platz und bereichern durch ihre Geschichten diesen Roman. Ich freue mich, wenn ich Teil ihres Lebens sein darf.

    Aber nicht nur die Charaktere sind fabelhaft gezeichnet, auch die detaillierte Kulisse wurde perfekt eingefangen.

    Dass die Gut Greifenau – Reihe ein Herzensprojekt der Autorin ist merkt man immer wieder. In akribischer Kleinstarbeit trägt sie geschichtliche Informationen und Fakten über die Nachkriegszeit zusammen, um sie später in ihre fiktive Geschichte brillant einzuweben. Geschichte muss nicht immer langweilig sein, sie kann auch sehr informativ und Spaß machen.

    Zudem weiß Hanna Caspian was ihre Leser wünschen und dank ihres bildhaften Erzählstils schafft sie es immer wieder aufs Neue, ihre Leserschaft zu begeistern. Sie erzählt nicht nur ihre Geschichten, sie lässt den Leser daran teilhaben. Sie nimmt sie mit auf Reisen und genau das ist dieses Buch. Eine Zeitreise, die über eine Familie erzählt, die nicht nur mit den politischen Auswirkungen zu kämpfen hat, sondern, sie muss sich auch mit ihrer Familie und deren Intrigen auseinandersetzten. Ein Machtkampf an allen Fronten. Hier fiebert, lacht und weint mit den Personen. Jeder Schicksalsschlag, jeder freudige Augenblick wird zum eigenen persönlichen Moment.

    Das Ende hat einen kleinen Cliffhanger und macht neugierig auf den fünften Band dieser Reihe


    Auch wenn man bei ungeplanten Fortsetzungen immer vorsichtig sein sollte, aber hier ist die Sorge völlig unbegründet. Der vierte Band, der sich mit den vorherigen Bänden absolut messen kann. Emotional und spannend.

    5 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung oben drauf!

  • Goldsturm ist der 4. Band der wunderschönen „Gut Greifenau“-Reihe von Hanna Caspian. Dieser Band schließt sich nahtlos an den Vorgängerband an. Diesmal befinden wir uns der Zeit von 1919-1923. Die Bewohner kämpfen nicht nur mit den Folgen die Misswirtschaft und Krieg auf dem Pommerschen Gut hinterlassen haben, sondern auch mit schweren persönlichen Schicksalen und vielen fiesen Intrigen, die jedem Einzelnen zu schaffen machen.

    Ich kann nur immer wieder betonen, wie sehr ich diese Reihe liebe. Und da macht dieser Band in keiner Weise eine Ausnahme. Mit Spannung, Tragödien und Drama kann dieses Buch locker mit den Vorgängern mithalten. Hanna Caspian hat einfach einen wundervollen Schreibstil, der mich in ihren Bann zieht. Man bekommt das Gefühl, man ist mitten drin in der Geschichte und begibt sich auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Jeder einzelne Charakter ist mir über die 4 Teile immer mehr vertraut geworden und ans Herz gewachsen. Man leidet, fiebert und freut sich mit ihnen auf jeder Seite. Und obwohl es wirklich viele Charaktere sind, die wir hier begleiten, verliert man trotzdem nie den Überblick oder hat das Gefühl das einer zu kurz kommt.

    Was mir auch wieder besonders gefällt, ist die gute historische Recherche, die die Autorin wieder betrieben hat. Und diese Recherche so toll mit fiktiven Charakteren zu verbinden, ist grandios gelungen. Nichts fühlt sich erzwungen oder unglaubwürdig an. Auch was die Entwicklung der Charaktere betrifft, wird es an keiner Stelle lächerlich, geschweige denn langweilig.


    Ich bin jedenfalls sehr froh, dass Hanna Caspian sich entschlossen hat, die Reihe nach Band 3 weiterzuerzählen und warte jetzt sehnsüchtig auf Band 5. Denn das Ende hier war schon sehr gemein.

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    SuB Anfang 2020/aktuell: 890/828
    gelesene Bücher/Seiten 2020: 30 / 11 953 S.

    :study: Verity - Colleen Hoover


    Hier kommt ihr zu meinem Bookstagram Account . :D Schaut gerne vorbei. :love:

  • Fällt gegenüber den Vorgängern etwas ab


    Buchmeinung zu Hanna Caspian – Gut Greifenau - Goldsturm


    „Gut Greifenau - Goldsturm“ ist ein historischer Roman von Hanna Caspian, der 2020 bei Knaur TB erschienen ist. Dies ist der vierte Band der Serie um Gut Greifenau.


    Zum Autor:
    Hanna Caspian, geb. 1964, studierte Literaturwissenschaften, Politikwissenschaft und Sprachen in Aachen und arbeitete danach lange Jahre im PR- und Marketingbereich. Mit ihrem Mann lebt sie heute als freie Autorin in Köln, wenn sie nicht gerade durch die Weltgeschichte reist.


    Inhalt:
    Hinterpommern 1919: Der Kaiser ist gestürzt und die Novemberrevolution ist abgewendet. Alle hatten gehofft, dass nach dem Kriegsende endlich Ruhe und Normalität einkehrt. Doch von einer Idylle auf Greifenau kann keine Rede sein. „Goldsturm“, der 4. Band der Gut-Greifenau-Reihe, führt durch die Höhen und Tiefen der blutjungen demokratischen Republik. Die geliebten und gehassten Figuren erleben einen fulminanten Ritt mitten rein in die Hyperinflation.


    Meine Meinung:
    Mit hohen Erwartungen bin ich in dieses Buch eingestiegen und in weiten Teilen sind diese auch erfüllt worden. Die Geschichte beginnt im Oktober 1919 und endet im September 1923. Der Schreibstil der Autorin ist eindringlich und recht gefühlsbetont und lässt sich flüssig lesen. Wie in den Vorgängerbänden gibt es viele Erzählperspektiven, die die Ereignisse aus allerlei Sichten beleuchten. Dabei gelingt es der Autorin, die einzelnen Erzähler glaubhaft und lebensnah zu beschreiben. Ich bin auf viele Bekannte getroffen, manche auch in einer anderen Rolle als zuvor. Meist sind es wieder Geschichten und Geschichtchen im Umfeld des Gutes, aber auch der Familie Urban wird mehr Raum gewidmet. Generell ist der Grundton etwas dunkler als in den Vorgängerbänden, was vor allem den Folgen der Inflation und einigen heftigen Schicksalsschlägen zuzuschreiben ist. Viele der Figuren stehen auf der Verliererseite, nur wenige profitieren von der aktuellen Lage, allen voran reiche Industrielle. Man merkt der Erzählung die umfassende Recherche an und folgt den historischen Ereignissen von gescheiterten Regierungen, dem Kapp-Putsch, der Besetzung des Ruhrgebietes, diversen politischen Attentaten und streikenden Arbeitern, die meist nur in Nebenhandlungen eine Rolle spielen. Die Inflation führt zu Hungersnöten und auch auf Gut Greifenau merkt man die Auswirkungen. Gut Greifenau steht auch für eine Struktur aus Herrschaften, Dienstpersonal und Pächtern, die zunehmend unter Druck gerät. Besonders hier und bei den Großindustriellen wird der Werteverfall deutlich. Und doch hat mir dieser Band nicht so gut gefallen wie die Vorgänger, weil manche Punkte wiederholt thematisiert wurden und sich das Mitfiebern mit den Beteiligten nicht so einstellte wie gewohnt.


    Fazit:
    Der Roman erreicht nicht ganz das Niveau der Vorgänger, bietet aber weiterhin gute Unterhaltung. Von mir gibt es vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und eine klare Leseempfehlung.

    :Hörbuch P. D. James - Drei Fälle für Adam Dalgliesh

    :Hörbuch Graham Norton - Ein irischer Dorfpolizist

    :lesend Ulrike Renk - Tage des Lichts

    :lesend Lorenz Stassen - Opferfluss

  • Die Familiensaga geht weiter


    Der Krieg ist vorbei und das Leben muss weitergehen, irgendwie. Aber nichts ist mehr so, wie es vorher war. Der Adel wird abgeschafft und Konstantin weiß nicht, wie es wirklich mit Gut Greifenau weitergehen soll. Er und seine Geschwister müssen gemeinsam eine Lösung finden, jedenfalls, solange Konstantin noch keinen Erben vorweisen kann. Die Kluft zwischen den Geschwistern könnte nicht größer sein. Seine Frau Rebecca wird immer noch nicht anerkannt, dabei gibt sie alles, um das Gut und seine Menschen am Leben zu halten. Besser hat es da die jüngere Schwester Katharina getroffen. Sie ist verheiratet und die Familie ihres Mannes lebt im Luxus und Überfluss. Verliert die ehemalige Komtess ihre früheren Ziele jetzt aus den Augen? Macht der Reichtum sie gleichgültig und abgestumpft? Auch die Dienstboten des Gutes haben ihr Schicksal zu meistern. Ida und Albert könnten glücklich sein, wären da nicht noch ein paar Geheimnisse, die ungesagt geblieben sind. Und auch die anderen Menschen auf dem Gut haben ihre Probleme zu bewältigen.


    „Goldsturm“ ist der vierte Teil über das fiktive Gut Greifenau, welches in Pommern angesiedelt ist. Dieser Teil schließt zwar nahtlos an die Vorgänger an, könnte aber durchaus auch einzeln gelesen werden. Einige Rückblenden sorgen dafür, dass man alles Wichtige erfährt. Erzählt werden die Jahre 1919-1923. Natürlich ist der Lesespaß größer, liest man zunächst die Vorgänger und hält sich an die Reihenfolge.


    Hanna Caspian schildert jetzt die Ereignisse der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Mit Katharina und der Familie ihres Mannes schildert sie den Luxus, der die Menschen dieser Klasse umgab. Die Familie Urban setzt alles daran, ihren Reichtum zu erhalten und zu mehren. Eindrucksvoll erzählt Caspian was dazu nötig war. Gleichzeitig erzählt sie aber auch die andere Seite. Den Kampf, den Konstantin ausfechten muss, um den Familienbesitz zu erhalten.


    Die Armut und den Hunger der Menschen. Davon wie problematisch es war Essen zu bekommen oder überhaupt Leben zu können. Die politische Situation hat sie gekonnt in ihre fiktive Handlung um Konstantin, Rebecca und ihre Familien gewoben. Sie gibt dabei gleichzeitig einen eindrucksvollen Eindruck davon wieder, wie das Leben in diesen Jahren gewesen sein könnte. Der Geldverlust dieser Jahre bestimmt das Leben der Menschen. Die Politik sucht nach Lösungen und neuen Zielen und gleichzeitig sind die Menschen traumatisiert von dem langen Krieg, der hinter ihnen liegt. All das hat die Autorin eingefangen und zu einer Geschichte verwoben, die sich angenehm lesen lässt.


    Fazit:


    Ich gebe zu, am Anfang fand ich die Handlung etwas langatmig. Es waren irgendwie nur aneinander gereihte Episoden aus dem Leben gegriffen und nicht wirklich zusammenhängend. Aber je weiter ich im Buch vorankam, umso mehr war ich dann doch wieder gefangen in der Geschichte rund um das Gut in Pommern. Am Ende hätte ich dann doch einfach gern weitergelesen. Auch wenn die Handlung nicht die spannendste Geschichte ist, ist sie trotzdem schön zu lesen. Ich habe mich dann doch wieder wohlgefühlt, bei den Charakteren auf Gut Greifenau. Jetzt warte ich auf den nächsten Teil und bin gespannt, wie die Geschichte von Konstantin und Rebecca, wie die von Ida und Albert und ja auch, wie Katharina ihr Leben weitergeht. Was werden sie noch durchzustehen haben und finden sie ein wenig Glück und Zufriedenheit?


    Band 1 Gut Greifenau - Abendglanz

    Band 2 Gut Greifenau - Nachtfeuer

    Band 3 Gut Greifenau - Morgenröte

    Band 4 Gut Greifenau - Goldsturm


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: