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Kate Atkinson - Glorreiche Zeiten/A God in Ruins

Glorreiche Zeiten

4.5 von 5 Sternen bei 2 Bewertungen

Band 2 der

Verlag: Droemer TB

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 512

ISBN: 9783426304594

Termin: Dezember 2016

Klappentext / Inhaltsangabe: Kate Atkinsons großer Roman über das Drama des 20. Jahrhunderts – Platz 1 der Times-Bestsellerliste. Was bleibt von einem Menschen und seinen Möglichkeiten? Zwischen den Weltkriegen erlebt Teddy Todd, geboren 1914, eine idyllische ländliche Jugend auf dem Anwesen seiner Familie nahe London. Mag sein, dass er, der charmante Naturfreund und Möchtegern-Poet, mit seiner Sandkastenliebe Nancy einst eine Tochter haben wird (die er nicht versteht und die ihn nicht versteht). Und vielleicht wird die Tochter ihm eine Enkelin schenken, die alle Enttäuschungen wettmacht. Zuvor aber kommt der Krieg ins Spiel, und Teddy Todd hat als todesmutiger Kampfpilot fast tagtäglich die Städte Hitler-Deutschlands zu bombardieren … Ein Roman über den heroischen Alltag eines wunderbar normalen Mannes; ein Buch voll hintergründigem Witz, das sich anfühlt wie vier Generationen gelebtes Leben. „Für mich ist diese feinsinnige, dramatische und bewegende Familiensaga aus England eines der besten Bücher des Jahres.“ Brigitte
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  • Schon als Kind ist Teddy so naturverbunden wie vernarrt in Sprache und Literatur und bleibt diesen Vorlieben auch als erwachsener Mann ebenso treu wie den Werten, an die er glaubt wie Integrität, Sparsamkeit und harte Arbeit. Doch was sein langes Leben am stärksten prägen wird, ist seine Zeit als Bomberpilot im Zweiten Weltkrieg, eine Tätigkeit, die so gar nicht zu dem stillen Mann zu passen scheint, der lieber Vögel beobachtet als auf die Jagd geht und sich nicht gerne in den Vordergrund spielt.


    Seine Ehe mit Nancy, der Nachbarstochter seiner Kindheit, endet leider mit deren frühem Tod, zu seiner zunächst nur unkonventionell-freigeistigen und später ganz schön verbissenen und arroganten Tochter Viola hat er nie ein enges Verhältnis aufzubauen vermocht, weder zu ihrer Zeit als Hippiebraut noch später, als sie Karriere als Schriftstellerin macht (was schon an Ironie grenzt, weil er es nie geschafft hat, ihr seine Leidenschaft für Poesie und Sprache zu vermitteln). Zu seiner Enkelin wiederum knüpft er eine tiefe Verbindung, fast ist sie ihm die Tochter, die er so nie hatte.


    Zusammengefasst wirkt die Handlung dieses Romans gar nicht sonderlich aufsehenerregend, aber Kate Atkinson macht Teddys Lebensgeschichte lesenswert, indem sie sie nicht chronologisch linear erzählt, sondern langsam ein Puzzleteil nach dem anderen aus verschiedenen Zeitebenen vor den Lesern auslegt, bis sich alles zu einem großen Ganzen zusammenfügt und man manches neu bewerten muss und anderes plötzlich zu verstehen beginnt. Sie erzählt dabei nicht nur aus Teddys Perspektive, sondern schlüpft auch mit großem Einfühlungsvermögen in die Rollen von Viola, Nancy und seiner Enkelin Bertie, so dass wir Teddy sowohl in der Innenschau als auch mit den Blicken der anderen kennenlernen.


    Gleichzeitig ist das Buch ein schönes Zeitdokument über den Wandel, den die Welt zwischen Teddys Geburt zu Beginn des 20. und seinem Tod Anfang des 21. Jahrhunderts durchlaufen hat, eine Veränderung, die Teddy nicht immer nachvollziehen konnte, blieb er doch ein stückweit immer dem 2. Weltkrieg verhaftet, nicht zuletzt, weil ihn das Dilemma, mit seinen Bomberflügen Tod und Zerstörung auch über viele Zivilisten gebracht zu haben, nie ganz losgelassen hat. Gut recherchierte und geradezu detailverliebte Szenen aus dem Einsatz stehen in starkem Kontrast zu Teddys Liebes- und Familienleben, fast ist es, als sei er auf dem Pilotensitz ein ganz anderer Mensch, in einer Welt, zu dem seine Angehörigen keinen Zugang haben.


    Leser*innen, die "Die Unvollendete"/"Life After Life" kennen, werden dieses Buch mit besonderem Augenmerk auf Teddys Schwester Ursula lesen und immer wieder kleine Anspielungen darauf erkennen - den Schluss dieses Romans eingeschlossen.


    Ein ebenso schönes Buch wie "Die Unvollendete", das ich sehr gerne weiterempfehle.

    Why say 'tree' when you can say 'sycamore'?
    (Leonard Cohen)