Angie Kim - Miracle Creek

  • Schnitzeljagd, Puzzle, Labyrinth

    Toll gemacht, auch wenn die Ausgangsidee nicht neu ist: ein Ereignis integriert jedes beteiligte Individuum in ein unsagbar kompliziertes Geflecht von Beziehungen.
    Involviertheit, Abhängigkeit, Schuld, nur drei Determinanten, die den Leser atemlos in diesen Mikrokosmos einer amerikanischen Kleinstadt eintauchen lassen.
    Von Kapitel zu Kapitel, jedesmal aus einem anderen Blickwinkel dem Geschehen folgend, zwingt die Lektüre beständig, als wahr erachtete Positionen zu revidieren. Jedes Mosaiksteinchen verändert kontinuierlich das Bild der Kleinstadtidylle, die für immer zerstört ist.
    Dieses literarische Debüt wird in dem Genre des Gerichtsromans einen ehrenvollen Platz einnehmen: ein ausgefeilter Plot, eine beständig sich steigernde Spannung, eine Charakterzeichnung, die nicht eindeutig die Figuren nach gut und böse sortiert, sondern oszillierende Portraits schwankender, getriebener, dem Schicksal ausgelieferter Menschen bietet, sorgen für ein ausgesprochenes Lesevergnügen, bei dem der Leser begeistert an der literarischen Schnitzeljagd teilnimmt, das Puzzle zu vervollständigen sucht, seinen Weg durch das Labyrinth zu finden hofft!

  • Darum gehts:

    In der Kleinstadt Miracle Creek in Virginia geht ein Sauerstofftank in Flammen auf. Zwei Menschen sterben – Kitt, die eine Familie mit fünf Kindern zurücklässt, und Henry, ein achtjähriger Junge. Im Prozess wegen Brandstiftung und Mord sitzt Henrys Mutter Elizabeth auf der Anklagebank. Und die Beweise sind erdrückend. Hat sie ihren eigenen Sohn ermordet? Während ihre Freunde, Verwandten und Bekannten gegen sie aussagen, wird klar: In Miracle Creek hat jeder etwas zu verbergen. - Amazon

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • Fatale Verkettung von Kausalitäten

    Familie Yoo ist von Südkorea in die Vereinigten Staaten ausgewandert. Ihre Tochter Mary soll eine bessere Zukunft haben, als ihr dies in Südkorea möglich wäre. Vater Pak hat bereits in seiner Heimat Erfahrungen mit der Sauerstofftherapie für autistische Kinder gesammelt und investiert in einen entsprechenden Sauerstofftank. Als der Tank explodiert, kommen zwei der Patienten in den Flammen ums Leben, weitere Personen werden schwer verletzt. War es ein tragisches Unglück oder Brandstiftung? Haben womöglich die Demonstrantinnen ihre Hände im Spiel, die just an diesem Tag auf dem Gelände gegen diese Art der Behandlung demonstrierten?


    In dem Buch erleben wir die einzelnen Verhandlungstage und die Vernehmung der Angeklagten und Zeugen. Hauptangeklagte ist die alleinerziehende Elizabeth, deren kleiner Sohn eines der Todesopfer ist. Kann es wirklich sein, dass sie den psychischen Belastungen nicht mehr standgehalten hat und sie ihren Sohn loswerden wollte? Oder ging es doch um Versicherungsbetrug?


    Nach und nach kommen immer weitere Details ans Licht und es stellt sich heraus, dass jeder etwas zu verbergen hat. Kleine Unwahrheiten bringen ganze Lawinen ins Rollen und lösen eine fatale Verkettung von Kausalitäten aus. Nichts ist, wie es zunächst scheint.


    Mir hat Miracle Creek gut gefallen, allerdings empfand ich es streckenweise als ermüdend, dass immer wieder die gleichen Situationen, wenn auch aus anderen Perspektiven, erzählt wurden und die Wahrheit in winzigen Häppchen ans Licht kam. Es ist aber auf jeden Fall ein lesenswertes Buch, in dem es nicht nur darum geht, den Schuldigen zu finden, sondern unter anderem auch die Themen Autismus und Fremdenfeindlichkeit zur Sprache kommen.

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  • Inhaltsangabe:
    In der Kleinstadt Miracle Creek in Virginia geht ein Sauerstofftank in Flammen auf. Zwei Menschen sterben – Kitt, die eine Familie mit fünf Kindern zurücklässt, und Henry, ein achtjähriger Junge. Im Prozess wegen Brandstiftung und Mord sitzt Henrys Mutter Elizabeth auf der Anklagebank. Und die Beweise sind erdrückend. Hat sie ihren eigenen Sohn ermordet? Während ihre Freunde, Verwandten und Bekannten gegen sie aussagen, wird klar: In Miracle Creek hat jeder etwas zu verbergen.
    (© hanserblau Verlag)


    Meine Meinung:

    "Miracle Creek" ist das Debüt der koreanisch stämmigen, inzwischen in den USA lebenden Autorin Angie Kim, das im vergangenen Jahr viel Aufmerksamkeit bekommen hat und von mehreren Bestsellerlisten als "Bestes Buch des Jahres" bezeichnet wurde. Grund genug für mich, dass es mein Interesse wecken konnte und ich die deutsche Übersetzung sehnlichst erwartet habe.


    Miracle Creek ist nicht nur der Titel des Buches, sondern auch der Handlungsort der Geschichte. In der Kleinstadt hat es vor einiger Zeit einen schrecklichen Vorfall gegeben, bei dem ein achtjähriges Kind und eine Mutter ihr Leben verloren haben. Was zunächst nach einem Unfall ausgesehen hat, hat sich kurze Zeit später als ein absichtlicher Akt der Brandstiftung herausgestellt. Und als wäre das noch nicht genug, wird ausgerechnet die Mutter des verstorbenen Kindes als Täterin verdächtigt.


    Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen. Einerseits wird die aktuelle Gerichtsverhandlung in der Gegenwart geschildert, andererseits werden auch vergangene Erlebnisse näher beleuchtet, die direkt oder indirekt mit dem Vorfall zusammenhingen. Dabei zeigt sich sukzessive, dass nicht nur die offizielle Verdächtigte Elizabeth als Täterin infrage kommt, sondern mehrere Charaktere ein Motiv dafür gehabt hätten, die Tat zu verüben. Nach und nach kommen während der Verhandlung neue Indizien ans Licht, die den*die Leser*in vor die Frage stellen: Wer hat das Feuer wirklich gelegt und damit zwei Menschenleben auf dem Gewissen?


    Was durch die Beschreibung vielleicht wie ein spannender Mystery Thriller klingt, war im Endeffekt eher eine faszinierende Charakterstudie über die Menschen, die als potenzielle Täter*in infrage gekommen sind. Die Autorin hat ein Händchen dafür bewiesen, interessante und vielschichtige Charaktere zu schaffen, die einem aufzeigen, dass es manchmal gar nicht so einfach ist, die Grenze zwischen richtig und falsch zu ziehen. Dabei punktet die Autorin vor allem mit ihrem Schreibstil und ihrem Jura-Fachwissen und zeichnet eine sehr authentische Gerichtsverhandlung, an der wir als Leser*innen teilhaben dürfen.


    Der Fall an sich war aber letzten Endes nicht ganz so packend, wie ich es mir erhofft habe. Bei mir hat sich leider bis zuletzt nicht das Gefühl eingestellt, dass ich so gefesselt von dem Buch wäre, um es nicht mehr aus der Hand legen zu können. Die Handlung an sich hat für mich zu wenig Spannung aufgebaut, sodass auch die Enthüllung des wahren Täters oder der wahren Täterin im letzten Drittel des Buches kein richtiges Schockerlebnis für mich dargestellt hat. Aber darum ging es vermutlich auch gar nicht. Denn wie die Autorin über 500 Seiten lang aufzeigt, hätte nahezu jeder Charakter aus dem Buch der*die Täter*in sein können.

    Insgesamt war mir das Buch ein bisschen zu lange und die Schriftgrösse durch die vielen Seiten eher klein gewählt (um das Buch vermutlich nicht noch dicker zu machen), was das Lesen für mich manchmal ein bisschen anstrengend gemacht hat. Man hat jedoch gemerkt, dass die Autorin viel Recherche für ihr Buch betrieben hat und ihr angeeignetes Wissen sehr ausführlich dargestellt. Das Buch hat meines Wissens nach auch autobiografische Züge, die unter anderem durch die Darstellung der Kultur einer koreanischen Familie zum Tragen kommt. Weiter werden Themen wie Autismus, Unfruchtbarkeit, verbotene Beziehungen, Geldprobleme, Familiengeheimnisse und Therapiemethoden ausgiebig behandelt. Für mich war die Menge der Themen etwas zu viel des Guten. Ich hätte es besser gefunden, wenn die Autorin sich auf weniger unterschiedliche Themen fokussiert hätte und dafür die Handlung etwas spannender erzählt hätte. Man hat aber gemerkt, dass viel Arbeit in diesem Debütroman steckt.


    Fazit:

    "Miracle Creek" ist nicht nur der Titel des Buches, sondern auch der Schauplatz der Handlung. In dieser Kleinstadt hat sich vor einiger Zeit ein schrecklicher Vorfall ereignet, bei dem zwei Menschen ums Leben gekommen sind - eines davon ein Kind, dessen Mutter im Hier und Jetzt ausgerechnet als Täterin vor Gericht gestellt wurde. Nach viel Recherche begibt sich die Autorin in verschiedene Bereiche des menschlichen Lebens und schafft vielschichtige, interessante Protagonist*innen mit Ecken und Kanten, die vor ganz individuellen Problemen stehen. Das Buch ist weniger als spannender Mystery Thriller zu verstehen, sondern vielmehr als eine ausführliche Charakterstudie. Obwohl der Schreibstil zu überzeugen weiss, habe ich bei der Handlung ein bisschen die Spannung vermisst. Dennoch ein solider Debütroman, hinter dem viel Arbeit steckt. Von mir gibt es dafür 3,5 Sterne.

  • Schmerzliches Drama über Mutterliebe, Lügen und Träume - sehr lesenswert


    Wenn man das verwunschene Cover von „Miracle Creek“ anschaut, ist nicht klar, um was für eine Art Geschichte es sich hier handelt; von Liebesgeschichte bis Highschool-Drama könnte es alles sein. Es ist tatsächlich ein bewegendes Drama, eine tragische Familiengeschichte und ein aufrüttelnder Gerichtskrimi.

    Miracle Creek ist eine kleine, unbedeutende Stadt in der Nähe Washingtons. Dort verdient die aus Südkorea stammende Familie Yoo ihr Geld mit Überdruckbehandlungen. Eines Tages explodiert durch ein Feuer einer der Sauerstofftanks, der an die Überdruckkammer angeschlossen ist. Es gibt Tote und Verletzte. Ein Jahr später beginnt der Prozess und auf der Anklagebank sitzt die Mutter des kleinen Henry, der bei der Explosion starb. Aber hat Elizabeth das Feuer wirklich gelegt, um sich von ihrem autistischen Sohn zu „befreien“?

    Angie Kims Debütroman beginnt mit der Explosion, die aus der Sicht von Young Yoo, der Ehefrau des Betreibers geschildert wird. Der einzige Abschnitt, der in der Ich-Perspektive verfasst ist. Die folgenden Kapitel sind auf vier Prozesstage verteilt, die im August 2009 stattfinden. An diesen vier Tagen kommen alle Beteiligten mehrfach zu Wort. Die Abschnitte tragen jeweils den Namen der Person, die gerade im Fokus steht. Nicht nur deren Aussagen vor Gericht, auch Rückblenden werden den Lesern durch einen personalen Erzähler vermittelt. So kommen nach und nach die Geschehnisse ans Licht, die Verflechtungen untereinander, aber auch die Lügen. Und davon gibt es eine ganze Menge.
    Unkonventionell ist das Stilmittel, Schaubilder, die vor Gericht verwendet werden, auch als entsprechendes Bild abzudrucken. Das hilft, als Leser einen besseren Überblick zu erhalten. Eine gute Idee.

    Die Geschichte über eine südkoreanische Familie, die eine Überdruckkammer betreibt, um vor allem autistische Kinder zu behandeln, hat mich gerade wegen dieses ungewöhnlichen Inhalts angesprochen.
    Das Buch ist sehr ergreifend, traurig und schmerzlich. Alle Personen wollen das Richtige tun und doch geschehen schlimme Dinge. Kim bringt Themen mit viel Konfliktpotenzial zusammen und macht daraus eine stimmige Geschichte: Mutterliebe, Autismus, familiäre Traditionen, kulturelle Unterschiede und rebellierende Teenager.
    Young Yoo ist der Hauptcharakter. Ihr Schicksal und das der anderen wichtigen Personen hat mich tief bewegt. Die Autorin versteht es großartig, alle Figuren mit Leben zu füllen und uns ihr Handeln nahezubringen. Sie läßt uns ganz tief in das Innerste schauen, zeigt uns ihre Träume und Wünsche, ihre Ängste und Zweifel.

    Ich kann das Buch daher nur empfehlen. Es ist hervorragend geschrieben und wirkt noch lange nach. Allerdings verspricht der Klappentext einen Gerichtsthriller, den es so nicht gibt. Das Buch ist spannend und vor Gericht gibt es Überraschungen und unvorhergesehene Entwicklungen, aber ein Thriller ist es nicht.

  • Die Kleinstadt Miracle Creek im US-Bundesstaat Virginia: Mit dem Umzug in die Vereinigten Staaten erhofft sich der koreanische Einwanderer Pak Yoo mit seiner Frau Young und seiner Tochter Mary ein neues Leben. Er bietet in einer Scheune eine Sauerstofftherapie an. Doch an einem Tag im August geht ein Tank plötzlich in Flammen auf. Menschen werden verletzt. Zwei Personen sterben sogar: Kitt Kozlowski und Henry, der achtjährige Sohn von Elizabeth Ward. Die Mutter wird angeklagt, die Beweise scheinen erdrückend. Ihr werden Brandstiftung, Körperverletzung, Mord und versuchter Mord vorgeworfen. War es ein tragischer Unfall? Oder hat sie wirklich ihren eigenen Sohn umgebracht? Während des Prozesses, in dem verschiedene Zeugen aussagen, wird zunehmend klar: Jeder von ihnen etwas zu verbergen…


    „Miracle Creek“ ist der Debütroman von Angie Kim.


    Meine Meinung:

    Der Aufbau des Romans wirkt gut durchdacht und funktioniert hervorragend. Er besteht aus mehreren Teilen und beginnt mit dem „Vorfall“ am 26. August 2008, der in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Young erzählt wird. Dann gibt es einen Zeitsprung von einem Jahr und der Roman teilt sich auf vier Prozesstage auf, die aus der Sicht unterschiedlicher Personen erzählt werden. Zum Schluss gibt es mit „Danach“ eine Art Epilog, der im November 2009 spielt und wieder die Sicht von Young wiedergibt. Eingestreut sind zwischendurch mehrere Grafiken und Listen.


    Sprachlich ist der Roman zunächst nicht besonders auffällig. Dennoch ist der Schreibstil eindringlich. Detailreiche Beschreibungen machen den Roman anschaulich.


    Die Charaktere sind gleichzeitig interessant, vielschichtig und authentisch gestaltet. Die Protagonisten sind keine klassischen Sympathieträger, doch ihre Gedanken und Gefühle lassen sich sehr gut nachvollziehen. Trotz der Fülle an unterschiedlichen Personen fällt es nicht schwer, den Überblick zu behalten.


    Auf fast 500 Seiten ist das Tempo – trotz mehrerer Wendungen – zwar nicht durchgängig hoch. Dennoch kommt keine Langeweile auf, denn es ist spannend, die Charaktere zu ergründen und ihren Lügen und Geheimnissen auf die Spur zu kommen.


    Inhaltlich ist der Roman sehr facettenreich und komplex, denn es geht um weitaus mehr als nur ein Gerichtsdrama. Ich fand es interessant, etwas über die hyperbare Oxygenierung zu erfahren, die vorab erklärt wird und die ich bisher nicht kannte. Mit den Geheimnissen und Problemen der verschiedenen Protagonisten sowie ihre Schicksalen kommt darüber hinaus eine Vielfalt an Themen in die Geschichte, die mich emotional berühren konnte und mich immer wieder zum Nachdenken angeregt hat.


    Das atmosphärisch starke Cover mit dem Feuerschein gefällt mir außerordentlich gut. Positiv anzumerken ist, dass nicht nur die Optik der amerikanischen Originalausgabe übernommen wurde, sondern auch der passende Titel.


    Mein Fazit:

    Mit „Miracle Creek“ ist Angie Kim ein beeindruckender Debütroman gelungen, der mich sowohl bewegen als auch fesseln konnte. Eine Lektüre, die ich wärmstens empfehlen kann.


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  • Spannung von der ersten bis zur letzten Seite!


    Das Cover wirkt mysteriös und macht neugierig. Auch der Titel verleiht dem Ganzen etwas Geheimnisvolles. Das beschreibt auch ganz gut die Empfindungen, die man beim Lesen der Geschichte hat. Allein durch das Cover wird einem nicht bewusst, was einem erwartet. Doch zusammen mit der Leseprobe wird einem dann auch die Bedeutung des Covers deutlich: die Abbildung des Waldes mit dem Licht und den Funken des Feuers in der Nacht des Unglückes.

    Nachdem der Leser einen Einblick in die verhängnisvolle Nacht bekommt, findet er sich ein Jahr später im Gerichtssaal wieder. Dort werden uns nach und nach die Bewohner nähergebracht. Man erfährt von ihren Gefühlen und Gedanken, man lernt ihre Geheimnisse kennen und die Gründe ihrer Handlung. Dabei entwickelt man Sympathie, aber auch Abneigung. Doch wird dem Leser nicht alles auf einmal offenbart, sodass man nicht weiß, was die Person noch zu verbergen hat oder ob sie vielleicht lügen. Dadurch weiß man nie auf wessen Seite man steht, denn Lügen, Behauptungen und Verdächtigungen sind allgegenwärtig. Es bleibt vom Anfang bis zum Ende spannend und mysteriös.

    Hinzukommt ihr unglaublicher Schreibstil, bei welchem sie zwischen den Charakteren gekonnt wechselt und dabei während der Verhandlung auch immer wieder in die Vergangenheit zurückgeht, um dem Leser an die Wahrheit und all den Geheimnissen heranzuführen. Und es scheint, als sei keiner der Beteiligten frei von Schuld, was diese besondere Nacht angeht. Dabei schafft die Autorin es auch einen zum Nachdenken anzuregen, seine eigene Meinung zu überdenken und dadurch eine neue Sichtweise auf die von ihr aufgegriffenen Themen zu erlangen, beginnend bei Vorurteilen und Migration hin zu Vertrauen und Verrat, von Freunden und Familie und Autismus.

    Fazit:

    Eine gelungene Geschichte, die den Leser von Beginn an an die Geschichte fesselt. Keiner der Bewohner scheint frei von Schuld zu sein, keiner scheint die ganze Wahrheit zu sagen. Der Leser wird dadurch einer Achterbahnfahrt der Emotionen ausgesetzt, nicht wissend was als Nächstes kommt. Dabei werden auch viele Themen gesellschaftskritisch aufgreift, welche den Leser nachdenklich stimmen.

    Ein gelungenes und wirklich außergewöhnliches Debüt. Absolut lesenswert!

  • Das Richtige zu tun, ist nicht nichts


    “Roman” steht auf dem Cover und doch ist dieses wunderbare Buch zum Teil ein wahrer Gerichts- und Gerechtigkeits-Krimi. Wenn Menschen ums Leben kommen und die Umstände nicht ganz eindeutig sind, sind wir es gewohnt, den oder die Schuldige oder die Schuldigen zu suchen, zu finden und zu verurteilen.


    Metaphorisch wie auch rechtlich. Angie Kim, die in diesem Buch ihr Wissen als ehemalige Anwältin einfließen lässt, zeigt auf, dass das nicht immer so einfach ist. Was, wenn spezielle Umstände zum Unglück geführt haben? Wenn die Verkettung dieser so stark, so unaufhaltsam war, dass niemand das Ergebnis kommen sah?


    In “Miracle Creek” wird zwar offiziell nur einer Person der Prozess gemacht, aber als Leser erfährt man aus mehreren Perspektiven, von mehreren Beteiligten wie sie den Schicksalstag erlebt haben und auch die Tage davor. Plötzlich scheint jeder verdächtig, denn jeder verbirgt seinen Teil der Wahrheit und versucht, sich undurchsichtig zu geben um nur ja heil aus der Sache herauszukommen.


    Menschliche Abgründe und Eitelkeiten, die psychischen Qualen die jeder für sich erleidet, werden schonungslos offengelegt (nur nicht dem Gericht gegenüber). Wird am Ende aber doch noch jemand das Richtige tun?


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