Norbert Heinrich Holl - Bretonische Tage

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  • Roland reist in die Bretagne, weil er das Haus seines verstorbenen Großonkels geerbt hat. Sein Plan ist, die Immobilie rasch loszuwerden, Material für den Bretagne-Reiseführer zu sammeln, den sein Chef von ihm erwartet, und so bald wie möglich nach Hause zurückzukehren.


    Doch erst einmal in Plouarec angekommen, entwickelt der rauhe Charme der Gegend eine unerwartete Anziehungskraft, er beginnt sich auf seltsame Art fast heimisch zu fühlen, obwohl das Haus ziemlich heruntergekommen ist und sich auch noch juristische Schwierigkeiten auftun. Roland wird klar, dass er nur wenig Lust hat, für den nächsten Reiseführer Textbausteine zusammenzufügen, die er schon für ägyptische Kultstätten und thailändische Tempel benutzt hat. Er freundet sich mit einem kauzigen älteren Herrn an, der ihm gerne Geschichten über sein bewegtes Leben erzählt (wobei deren Wahrheitsgehalt nie gänzlich klar wird), und findet nach und nach heraus, dass das kleine Häuschen wohl auch einige Geheimnisse hütet, von denen er nie etwas geahnt hat.


    Und dann ist da noch Virginie, die Frau mit dem ungewöhnlichen Gesicht, die ihn sehr fasziniert ...


    Die Handlung klingt wie einer der üblichen Familiengeheimnisromane vor schöner Kulisse, doch "Bretonische Tage" ist deutlich anders. Der Erzählton klingt häufig ein wenig zynisch und desillusioniert, kann aber auch sehr poetisch werden, wenn er die Schönheit der Landschaft schildert. Die Sprache balanciert oft hart an der Grenze zwischen ausgefeilt-ungewöhnlich und überkandidelt. Ziemlich genervt hat mich die Beschreibung der meisten Frauenfiguren, vor allem der ewige Vergleich von Virginies "schmalem Kopf" :rollen: mit ägyptischen Königinnen und dergleichen.


    Die Andeutungen diverser Geheimnisse in Vergangenheit und Gegenwart machen neugierig auf den weiteren Verlauf, doch leider wird es irgendwann dann ziemlich wirr, so dass ich nicht so recht nachvollziehen konnte, warum etwa die Polizei, die später ins Spiel kommt, so grob mit Roland umgeht oder was sich nun tatsächlich während und kurz nach dem 2. Weltkrieg rund um Rolands Onkel abgespielt hat. Auch Rolands enorme Faszination mit Virginie hat sich mir nicht völlig erschlossen.


    Selbst mit Bretagne-Bonus kommt das Buch deshalb leider über eine durchschnittliche Bewertung nicht hinaus.

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