Turmschatten - Seiten 146-292

  • Kurzmeinung

    Mojoh
    Spannender Thriller mit tollen Charakteren, wirklich gut erzählt.
  • Kurzmeinung

    Gaymax
    Die Geschichte, das Setting und der Inhalt sind top und zu empfehlen
  • Kurzmeinung

    Hirilvorgul
    Spannender Thriller um die rechte Szene in Deutschland. Das Ende wäre leider fast eines Fitzeks würdig. Schade drum.
  • Der Turm (S. 146-158)

    Jetzt steigt die Spannung: Welche Dateien hat Zamir erhalten? Von wem? Warum steht der Absender in Zamirs Schuld? Woher kennt Zamir Karls Vergangenheit? Vielleicht stehen die Informationen in den Dateien. Hat er erst jetzt die Informationen gesucht oder schon vor längerer Zeit? Ist er vielleicht sogar wegen Karl und den anderen in den Turm gezogen?

    Überrascht hat mich auch Zamirs technische Ausstattung.

    Thielen (S. 159-177)

    Dass Thielen für sein Manöver gelobt wird, bei dem ein ihm Untergebener Erfrierungen erleidet und Zehen verliert, ist schockierend.

    Karl (S. 184-193)

    Zamir macht Marie ein schlechtes Gewissen. Ob das fair ist, kann man sicherlich kontrovers diskutieren.

    Steiner (S. 194-211)

    Nun efahren wir die Vergangenheit von Gottfried Wegener.

    Aufgefallen ist mir der letzte Satz:

    Zitat

    Das war jedoch die geringste aller Sorgen, die Zamir gerade umtrieb, denn er war bestens vorbereitet.

    Hat er sich in der kurzen Zeit nach dem Überfall vorbereitet? Dafür wäre die Zeit sehr knapp gewesen. Hat Zamir schon länger eine solche oder eine ähnliche Aktion geplant?

  • bis Seite 158

    Also Ephraim war ja im letzten Kapitel des alten Abschnitts schon heftigst in seiner Reaktion, aber das war ja eher im Rahmen von Selbstverteidigung voller Adrenalin.

    Jetzt strahlt er eine gefährlich, berechnende Kälte aus.

    Mir fiel als erste der Spruch ein: Rache schmeckt am besten, wenn sie kalt genossen wird. Ich glaube, jetzt, nach Esthers Tod sind bei ihm alle Sicherungen durchgebrannt und jedes zarte Pflänzchen von Vergebung und Milde sind im Keim erstickt.

    Karl versucht die Lage so ruhig wie möglich zu analysieren, die wenigen Informationen, die er bekommen kann zu einem Bild zusammen zu fügen, während Udo panisch und hysterisch reagiert.

    Wie klingt es doch von Ephraim durch: Er lässt sich Karl bis zum Schluss über, weil der offenbar etwas auf dem Kasten hat.

    Ich vermute, dass Udo das erste Opfer von Ephraims Rache wird ... was mit Steiner ist, weiß man nicht, ich glaube, der ist von den dreien am schlimmsten verletzt und noch nicht wieder bei sich.

    "Die wahrhaft menschliche Qualität besteht nicht aus Intelligenz, sondern aus Phantasie." - Terry Pratchett


    :study:

    Vikas Swarup - Rupien!Rupien!


    :bewertung1von5: 2020: 15 :bewertung1von5:

  • Steiner (S. 194-211)

    Nun efahren wir die Vergangenheit von Gottfried Wegener.

    Aufgefallen ist mir der letzte Satz:

    Zitat

    Das war jedoch die geringste aller Sorgen, die Zamir gerade umtrieb, denn er war bestens vorbereitet.

    Hat er sich in der kurzen Zeit nach dem Überfall vorbereitet? Dafür wäre die Zeit sehr knapp gewesen. Hat Zamir schon länger eine solche oder eine ähnliche Aktion geplant?

    Angenommen eine extrem humanitäre Katastrophe würde ausbrechen, neben der der Corona-Virus wie ein Lappalie wirken würde. 99,9% der Menschen würde so eine Katastrophe unvorbereitet treffen (da würde dann auch kein Hamsterkauf mehr helfen). Zamir wäre einer jener 0,1% die dafür gewappnet wären.

  • Seiten 146-292

    Fiktion-Realität-Dilemma: Fiktion gibt dem Autor völlige Freiheit für das Script, gemäß dem Motto: „Personen und Handlung sind frei erfunden und Ähnlichkeiten mit lebenden Personen weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.“ Es gibt für den Leser nicht den geringsten Grund den Inhalt des Romans zu kritisieren. Es ist, wie es geschrieben ist. Eine Handlung mit Realitätsbezug lässt sich vom Leser genau recherchieren und kontrollieren, der Autor hat keine schriftstellerische Freiheit und muss sich an die Fakten halten. Es ist, wie es geschehen ist. In Richtung Sachbuch mit Quellenverzeichnis.


    Bemerkung zur Leserunde

    In dieser LR gibt es Teilnehmer, die sehr wenige Rezensionen geschrieben haben, aber dafür ein Vielfaches an Beträgen geschrieben haben. Das ist ein eindeutiges Indiz dafür, "ich möchte mich mit anderen Lesern (zu irgendeinem Thema) austauschen." Für mich steht im Vordergrund die Auseinandersetzung mit dem Buch, sprich die Rezension. Ich habe es einmal versucht, mir zu jeder Seite Notizen zu machen und der LR mitzuteilen und bin mir vorgekommen wie ein Besserwisser, der nur sein Mitteilungsbedürfnis befriedigen will. Dabei geht der Lesegenuss verloren. Wenn dann andere eine andere Meinung zum Buch haben, dann ist es so, ich will nicht bekehren, bin kein Missionar.

    Für die ersten 145 Seiten 9 Seiten (und ein Ende ist nicht abzusehen) an Beiträgen und ein Autor, der antwortet, das ist phänomenal. Es ist sehr zeitaufwendig, manchmal verwirrend, alle Beiträge zu lesen. Wollte man wirklich durchgehend alle Beiträge aller 10 Teilnehmer lesen, könnte man am Ende die Argumentationslinie der einzelnen Teilnehmer erkennen.

  • ich glaube er war allgemein vorbereitet, bei seiner Geschichte kein Wunder, wenn er eine solche Aktion geplant hätte wäre Esther nicht dagewesen, er hätte sie nie bei sich aufgenommen vor allem weil er auch eine Beziehung zu ihr aufgebaut hat

  • bis Seite 177 (Kapitel Thielen)

    Sehr interessantes Kapitel - die Vergangenheit von Wilhelm Thielen wird ein wenig beleuchtet. Er entwickelt sich offenbar zum Oberkotzbrocken. Es wird mir für immer unverständlich sein, wie Menschen, die auf der einen Seite so menschenverachtend, karrieresüchtig, eiskalt sein können und auf der anderen Seite so charismatisch auf andere wirken, dass sie als Anführertyp beschrieben werden. MIr ist klar, dass es das gibt - die Parallele zu Hitler beispielsweise ist deutlich zu spüren, aber ich kann es einfach nicht nachvollziehen.

    Ich muß auch nochmal etwas zu Karl sagen, was an dieser Stelle auch für Thielen gilt: Ich habe früher erwähnt, dass ich ihn mag. Um es nochmal ganz deutlich zu sagen, das bedeutet NICHT, dass er mir sympathisch ist. Ich mochte auch den Charakter in "Er ist wieder da" als Charakter, nicht als Sympathieträger.

    Charaktere mag ich dann, wenn an ihnen etwas deutlich wird, wenn sie sich entwicklen, wenn sie treffend für bestimmte Personengruppen stehen, wenn sie ironisch überzeichnet sind. Personen, auch fiktive, mag ich, wenn sie meine Ansichten teilen, wenn sie sich im selben oder ähnlichen moralischen Kontext bewegen wie ich, wenn sie ähnliche Interessen haben wie ich usw. Ich hoffe, es ist deutlich geworden, wo für mich der Unterschied liegt.

    Das Ende des Kapitels ist wieder ein richtiger Cliffhanger, es fällt mir immer schwerer, entsprechend Pausen zu machen, es wird spannender und spannender. :lechz:

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  • Kleinfeld (S. 212-223)

    Gefragt habe ich mich bei der Lektüre, ob es Absicht ist, dass einer der Entführer des Busses auch Karl(-Jürgen) heißt. Oder ist diese Doppelung durch die Umbenennung von Hans in Karl entstanden?

    Deutlich beschrieben wird die Sensationsgier der Presse.

    Koch (S. 224-246)

    Zitat

    Später würden sie immer wieder beteuern und zu Protokoll geben, dass sie nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hatten. (S. 226)

    Diese Textstelle lese ich als Vorausdeutung auf einen Polizeieinsatz, der schlecht verläuft.

    Mit Koch ist jemand für den Einsatz verantwortlich, der wegen des Todes seines Sohnes psychisch instabil und selbstmordgefährdet ist. Sympathisch ist mir allerdings an ihm, dass er sich für Fakten und für Maries Informationen interessiert, während Danner sie weggeschickt hat.

    Oben habe ich erwähnt, dass Zamir auffällig gut vorbereitet wirkt. Auch die Tatsache, dass die IP-Adressen nicht ermittelbar sind, deutet für mich auf eine längere Vorbereitung hin.


    An diesen beiden Kapiteln haben mich erstmals die vielen Fehler wirklich gestört. Bisher konnte ich einiges einfach überlesen, aber hier folgen für meinen Geschmack eindeutig zu viele Fehler aufeinander. Für einen Verlag mit professionellem Lektorat ist das keine Glanzleistung.

  • Personen, auch fiktive, mag ich, wenn sie meine Ansichten teilen, wenn sie sich im selben oder ähnlichen moralischen Kontext bewegen wie ich, wenn sie ähnliche Interessen haben wie ich usw. Ich hoffe, es ist deutlich geworden, wo für mich der Unterschied liegt.:lechz:

    Hier meinst du dann, dass sie dir sympathisch sind in diesem Fall, oder? (Ich gehe mal davon aus dass du dich vertippt hast.)

    Generell aber eine sehr interessante und verständliche Einstellung. :)

    bis Seite 177 (inklusive Infos aus Buchbeschreibung und Klappentext)

    Es ist schon krass dass Zamir auf eine solche Situation, obwohl sie nie geplant war, so gut vorbereitet ist. Aber wenn man den Umbau des Turmes bedenkt und seine Vergangenheit, die ja in der Buchbeschreibung schon erwähnt wird, dann ist es wohl nicht verwunderlich dass er zu den Menschen zählt die auf sämtliche Eventualitäten vorbereitet sind. Das Geld dazu dürfte er ja haben (woher, wissen wir noch nicht). Somit hat er auch die Kontakte die er braucht um an die Informationen bezüglich der drei Neonazis in seinem Keller zu kommen. Ich denke mal die hat er von seinem Kontakt bekommen und musste nur noch durch die Bilder herausfinden wer die drei sind, ehe er dann ihre Biografien genauer angesehen hat.

    Um schon zu der moralischen Frage zu kommen, die sich dann vermutlich bald stellen wird: Um Karl wäre es schade, denn bisher wirkt es zumindest noch so als würde er sich ändern können. Den beiden anderen würde ich keine Träne nachweinen wenn Zamir beschließen sollte sie loszuwerden. Verdient hätten sie es irgendwie, auch wenn ich es dennoch nicht befürworten würde und sie eher an die Polizei übergeben würde.


    Thielens Vergangenheit ist schon recht heftig. Da ich selbst erst 1984 geboren worden bin, habe ich nun nicht wirklich im Kopf wie es da um die politische Lage in Deutschland bestellt war (von dem was man gelernt hat und weiteren Informationen natürlich abgesehen - aber mir fehlt das persönliche, direkte Wissen). Trotzdem finde ich es schon krass wie berechnend er mit seinen Leuten umgegangen ist. Und auch da merkt man schon seine Gesinnung wenn er beim Namen seines Soldaten anmerkt, dass es kein deutscher Name ist.

    Mal schauen wie er sich verhält wenn Zamirs Livestream losgeht.


    Angenommen eine extrem humanitäre Katastrophe würde ausbrechen, neben der der Corona-Virus wie ein Lappalie wirken würde. 99,9% der Menschen würde so eine Katastrophe unvorbereitet treffen (da würde dann auch kein Hamsterkauf mehr helfen). Zamir wäre einer jener 0,1% die dafür gewappnet wären.

    Das kann ich mir bei ihm sehr gut vorstellen. Er bräuchte sicher auch keine Hamsterkäufe weil er bereits vorher schon alles Nötige eingelagert hat. Platz sollte im Turm ja ausreichend vorhanden sein.



    Bemerkung zur Leserunde

    In dieser LR gibt es Teilnehmer, die sehr wenige Rezensionen geschrieben haben, aber dafür ein Vielfaches an Beträgen geschrieben haben. Das ist ein eindeutiges Indiz dafür, "ich möchte mich mit anderen Lesern (zu irgendeinem Thema) austauschen." Für mich steht im Vordergrund die Auseinandersetzung mit dem Buch, sprich die Rezension. Ich habe es einmal versucht, mir zu jeder Seite Notizen zu machen und der LR mitzuteilen und bin mir vorgekommen wie ein Besserwisser, der nur sein Mitteilungsbedürfnis befriedigen will. Dabei geht der Lesegenuss verloren. Wenn dann andere eine andere Meinung zum Buch haben, dann ist es so, ich will nicht bekehren, bin kein Missionar.

    Für die ersten 145 Seiten 9 Seiten (und ein Ende ist nicht abzusehen) an Beiträgen und ein Autor, der antwortet, das ist phänomenal. Es ist sehr zeitaufwendig, manchmal verwirrend, alle Beiträge zu lesen. Wollte man wirklich durchgehend alle Beiträge aller 10 Teilnehmer lesen, könnte man am Ende die Argumentationslinie der einzelnen Teilnehmer erkennen.

    Da du vermutlich u.a. mich damit meinst, da ich in Leserunden normalerweise viel schreibe, man hier im Forum aber wenig Rezensionen von mir finden wird: Nur als kleine Erklärung: Das bedeutet nicht, dass ich keine Rezensionen schreibe. Für die Leserunden sind sie keine Voraussetzung, sondern die aktive Teilnahme ist eine Voraussetzung (die ich erfülle). Rezensionen schreibe ich meist lieber direkt auf Plattformen wie Amazon, weil ich denke dass sie dem Autor dort eventuell mehr bringen. Und manchmal möchte ich auch nicht unbedingt, dass jeder von hier weiß, welches genau meine Rezension ist. Ist eine Macke von mir, aber es ist nunmal so. Nur weil es hier also keine zu einem bestimmten Buch gibt, bedeutet es nicht, dass ich nie eine geschrieben habe. :wink: Ich bin auch nicht darauf angewiesen, dass bestimmte Zähler besonders hoch ausfallen.

    Und zu deinem weiteren Text: Ich sehe das ganz anders als du. Mit Besserwisserei hat das nichts zu tun, wenn man (oder ich schreibe hier besser aus meiner Sicht, manche mögen es vielleicht anders sehen) viel zu einer Leserunde schreibt. Ja, ich tausche mich gerne aus und bei Thrillern und Krimis, bei denen es möglich ist, spekuliere ich gerne alle paar Seiten oder Kapitel darüber was neue Erkenntnisse dieser Kapitel mir sagen könnten. Wer also zB sich am Ende als Mörder herausstellen wird oder dergleichen. Turmschatten gehört allerdings nicht zu diesen Thrillern, weil hier die Voraussetzungen ganz andere sind und man durch den Klappentext ja eigentlich schon weiß worum es eigentlich geht (und keinen Mord vorgesetzt bekommt bei dem bis zum Ende unklar ist, wer der Mörder ist). Hier kann man eher über moralische Eindrücke oder dergleichen diskutieren, was ich ebenfalls interessant finde. Allerdings ist es schon richtig, dass man in diesem Buch nicht nach jeder gelesenen Seite etwas kommentieren muss, schließlich gibt es nicht permanent neue Erkenntnisse, zumindest keine die mit einem Täter oder dergleichen zu tun haben. Wieviel man darüber sonst reden mag, ist jedem selbst überlassen.

    Es geht jedenfalls in Leserunden nicht ums "Mitteilungsbedürfnis", sondern darum sich über etwas auszutauschen und eventuell verschiedene Ansichten über etwas zu entdecken (dabei muss man gar nicht bekehren, man kann die abweichenden Meinungen der anderen schließlich einfach akzeptieren) oder eben über bestimmte Hergänge im Buch zu spekulieren und zu raten wie es am Ende ausgehen mag (das natürlich nur bei bestimmten Krimis/Thrillern - bei anderen Genres funktioniert es anders).

    Und ja, es ist toll dass viel diskutiert wird und man auch viele Antworten von Tyrell bekommt. :thumleft: Gerade das macht ja eine gute LR aus. Dabei bringt es aber nichts nur die Beiträge eines einzelnen zu lesen, sondern einfach das große Ganze zu sehen.

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  • Personen, auch fiktive, mag ich, wenn sie meine Ansichten teilen, wenn sie sich im selben oder ähnlichen moralischen Kontext bewegen wie ich, wenn sie ähnliche Interessen haben wie ich usw. Ich hoffe, es ist deutlich geworden, wo für mich der Unterschied liegt.:lechz:

    Hier meinst du dann, dass sie dir sympathisch sind in diesem Fall, oder? (Ich gehe mal davon aus dass du dich vertippt hast.)

    Generell aber eine sehr interessante und verständliche Einstellung. :)

    Genau so. :thumleft: Charaktere mögen bedeutet das erstere, Personen mögen heißt, dass sie mir sympathisch sind.


    mapefue Ich mag Leserunden auch wegen des Austausches mit den Mitlesenden und natürlich dem Autor. Aber ich kann nachvollziehen, was du sagst, in Bezug auf Statements, die nicht auf andere eingehen. Aber wichtig ist immer, dass man andere Meinungen stehen lassen kann, da bin ich ganz bei dir. Das sind so Argumente aus verstaubtem Deutschunterricht, es gäbe nur eine möglich Deutung und eine absolute Wahrheit. Gerade bei Musik, Kunst und Literatur ist die individuelle Wirkung so berechtigt und vielfältig.

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    :bewertung1von5: 2020: 15 :bewertung1von5:

  • 146-211


    Ephraim hat die drei Braunen echt auf Schachmatt gesetzt und nun sitzen sie gefesselt im Stuhl mit Leinensäcken über dem Kopf .Im Gegensatz zu Udo und Gottfried zeigt Karl Panik.


    Marie wird nun dank Ephraims Fund der Visitenkarte mit reingezogen.

    Sie hat eh schon mit sich zu kämpfen wegen dem Gespräch mit Karl,nun bekommt sie den Anruf im Restaurant und wird mit zum Opfer. Und das alles nur,weil sie Karl abgewiesen hat.

    Das ist das erste mal,dass ich Ephraims Handlung gar nicht verstehe.

    Er hat hier den kompletten Tunnelblick.


    Auch über Udos und Gottfrieds Vergangenheit habe ich mehr erfahren. Unglaubliche Menschen.


    Die Live-Übertragung ist im vollen Gange,Ephraims Ausrüstung ist erschreckend,Ich kann mir nicht vorstellen,dass er das alles ganz spontan eingerichtet hat.

    Ich glaube,er hat sich beim Einzug in den Turm darauf eingerichtet. Hier merkt man sehr deutlich sein Expertenwissen.


    Ephraims Kindheit mit seinem Bruder fand ich sehr mitreissend geschrieben.

    Ich bin nicht für Ephraims Aktion,aber Mitleid habe ich keins.

  • Thielens Vergangenheit ist schon recht heftig. Da ich selbst erst 1984 geboren worden bin, habe ich nun nicht wirklich im Kopf wie es da um die politische Lage in Deutschland bestellt war (von dem was man gelernt hat und weiteren Informationen natürlich abgesehen - aber mir fehlt das persönliche, direkte Wissen). Trotzdem finde ich es schon krass wie berechnend er mit seinen Leuten umgegangen ist. Und auch da merkt man schon seine Gesinnung wenn er beim Namen seines Soldaten anmerkt, dass es kein deutscher Name ist.

    Mal schauen wie er sich verhält wenn Zamirs Livestream losgeht. Canach


    Ja ,Thielen ist für mich momentan auch der schlimmste Protagonist bis jetzt.

  • Fiktion-Realität-Dilemma: Fiktion gibt dem Autor völlige Freiheit für das Script, gemäß dem Motto: „Personen und Handlung sind frei erfunden und Ähnlichkeiten mit lebenden Personen weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.“ Es gibt für den Leser nicht den geringsten Grund den Inhalt des Romans zu kritisieren. Es ist, wie es geschrieben ist. Eine Handlung mit Realitätsbezug lässt sich vom Leser genau recherchieren und kontrollieren, der Autor hat keine schriftstellerische Freiheit und muss sich an die Fakten halten. Es ist, wie es geschehen ist. In Richtung Sachbuch mit Quellenverzeichnis.

    Ich verstehe nicht so ganz, was du uns damit sagen willst. Natürlich kann ich auch einen fiktiven Roman kritisieren, wenn mir die Handlung unlogisch erscheint. Das geht sogar noch viel leichter, als wenn ich mich mit gut recherchierten Fakten auseinander setzen muss, die ich dann ja erstmal widerlegen müsste.

    In dieser LR gibt es Teilnehmer, die sehr wenige Rezensionen geschrieben haben, aber dafür ein Vielfaches an Beträgen geschrieben haben. Das ist ein eindeutiges Indiz dafür, "ich möchte mich mit anderen Lesern (zu irgendeinem Thema) austauschen." Für mich steht im Vordergrund die Auseinandersetzung mit dem Buch, sprich die Rezension.

    Der Austausch mit anderen Lesern und im Idealfall wie hier mit dem Autor ist doch der Sinn von Leserunden. Eine Rezension kann ich zu jedem Buch schreiben, das ich lese. Das gemeinsame Lesen ist aber immer nochmal eine ganz andere Erfahrung. Und es gibt eben auch Leser, denen das Rezensionen schreiben einfach nicht so liegt. Umso besser für ein Forum wie unseres, wenn sie sich dann in den Leserunden einbringen.

    Ich habe es einmal versucht, mir zu jeder Seite Notizen zu machen und der LR mitzuteilen und bin mir vorgekommen wie ein Besserwisser, der nur sein Mitteilungsbedürfnis befriedigen will. Dabei geht der Lesegenuss verloren. Wenn dann andere eine andere Meinung zum Buch haben, dann ist es so, ich will nicht bekehren, bin kein Missionar.

    Aber wir wollen doch deine Meinung hören. Dass sie nicht alle teilen, ist natürlich möglich. Doch das ist ja gerade der Reiz in Leserunden - andere Meinungen öffnen neue Blickwinkel und verändern somit das Leseerlebnis. Also bitte: lass uns an deinen Gedanken teilhaben.

    Für die ersten 145 Seiten 9 Seiten (und ein Ende ist nicht abzusehen) an Beiträgen und ein Autor, der antwortet, das ist phänomenal. Es ist sehr zeitaufwendig, manchmal verwirrend, alle Beiträge zu lesen. Wollte man wirklich durchgehend alle Beiträge aller 10 Teilnehmer lesen, könnte man am Ende die Argumentationslinie der einzelnen Teilnehmer erkennen.

    Ja, das könnte man wohl. Und ja, Leserunden sind zeitaufwendig. Darauf wird aber auch immer schon vor der Anmeldung hingewiesen :wink: Und wenn man die Argumentationslinien verfolgen würde, könnte man wahrscheinlich - unter Berücksichtigung der Argumente der anderen Teilnehmer - auch den ein oder anderen Knick in der Argumentation erkennen, oder anders gesagt: einen neuen Blickwinkel, ein Umdenken.


    Sorry, dass ich deinen Beitrag jetzt hier so ein bisschen zerpflückt habe, aber mich interessieren deine Gedanken und Meinungen zum Buch wirklich sehr.

    Gelesen in 2020: 7 - Gehört in 2020: 9 - SUB: 437


    "Wenn der Schnee fällt und die weißen Winde wehen, stirbt der einsame Wolf, doch das Rudel überlebt." Ned Stark

  • ich glaube alle haben einen Tunnelblick, die Neonazis ihre politische Einstellung, Epraim als Opfer schlechthin, Marie durch ihren Beruf helfen ja aber zu ihren Bedingungen,

  • Bis Seite 194 (Ephraim III und Karl III)

    Furchtbares Kapitel über Ephraim - das Grauen des Holocaust ist immer wieder erschütternd. Obwohl es einem immer bewusst ist, was für schreckliche Verbrechen damals begangen wurden, mit jeder Schilderung eines konkreten Falles und mit jedem einzelnen Schicksal, das man kennenlernt wächst die Sprachlosigkeit und Erschütterung über soviel Unmenschlichkeit.

    Sehr geschickt setzt Tyrell der Beschreibung des Schreckens den Ephraim als Kind erlebt die unfaire Anschuldigung seinerseits Marie gegenüber entgegen. Bei allem Verständnis für seinen unversöhnlichen Hass auf alles und jeden, der nationalsozialistische Gesinnung vertritt ist er doch auch blind für objektive Bewertung menschlichen Verhaltens gegenüber, konkret nämlich MAries Abweisen von Karls Hilfegesuch am Vorabend. Wie hätte sie wissen sollen, dass es KArl Ernst war mit der BItte um Hilfe, dass sie möglicherweise - noch nicht einmal zu 100% - ein unschuldiges Menschenleben hätte retten können.

    Eine interessante Parallele übrigens zu der nach dem zweiten Weltkrieg gestellten universellen Verleugnungsfrage vieler Deutscher, die den Nationalsozialismus still erduldet haben, die teils scheinheilig fragten: Wir haben das alles ja nicht wissen können ...

    Damit will ich ausdrücklich nicht MAries Verhalten scheinheilig nennen - ich bin der Meinung, dass sie nicht wirklich einen Fehler gemacht hat, ganz anders als Ephraim und bedauerlicher- aber auch verständlicherweise offenbar sie selbst auch. Sie hat natürlich ein schlechtes Gewissen, jetzt wo sie erfährt was Karl und seine Komplizen zu verantworten haben. Aus meiner Sicht trägt sie allerdings keine Mitschuld.


    ich glaube alle haben einen Tunnelblick, die Neonazis ihre politische Einstellung, Epraim als Opfer schlechthin, Marie durch ihren Beruf helfen ja aber zu ihren Bedingungen,

    Während ich noch meinen Beitrag schrieb, hast du es mit diesem Satz sehr treffend zusammengefasst. :thumleft:

    "Die wahrhaft menschliche Qualität besteht nicht aus Intelligenz, sondern aus Phantasie." - Terry Pratchett


    :study:

    Vikas Swarup - Rupien!Rupien!


    :bewertung1von5: 2020: 15 :bewertung1von5:

  • Seiten 146-292

    Fiktion-Realität-Dilemma: Fiktion gibt dem Autor völlige Freiheit für das Script, gemäß dem Motto: „Personen und Handlung sind frei erfunden und Ähnlichkeiten mit lebenden Personen weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.“ Es gibt für den Leser nicht den geringsten Grund den Inhalt des Romans zu kritisieren. Es ist, wie es geschrieben ist. Eine Handlung mit Realitätsbezug lässt sich vom Leser genau recherchieren und kontrollieren, der Autor hat keine schriftstellerische Freiheit und muss sich an die Fakten halten. Es ist, wie es geschehen ist. In Richtung Sachbuch mit Quellenverzeichnis.

    Ich stelle mir die Kategorien Fiktion und Realität als Kontinuum vor. Auf der einen Seite steht reine Fiktionalität, bei der alles erfunden ist, auf der anderen Seite das Sachbuch, das nur Fakten ohne jegliche Wertung vorstellt. Dazwischen gibt es viele Abstufungen.

    Für mich liegt „Turmschatten“ irgendwo zwischen den Extrema. Denn viele Hintergrundinformationen sind recherchiert, aber Details sind fiktiv, zum Beispiel einzelne Dialoge. Das Werk ist kein Sachbuch, sondern ein literarisches Werk, das auf Fakten beruht.

    Ich verstehe nicht so ganz, was du uns damit sagen willst. Natürlich kann ich auch einen fiktiven Roman kritisieren, wenn mir die Handlung unlogisch erscheint. Das geht sogar noch viel leichter, als wenn ich mich mit gut recherchierten Fakten auseinander setzen muss, die ich dann ja erstmal widerlegen müsste.

    Kritisieren kann ich sowohl fiktive als auch realistische Werke. Bei rein fiktiven Werken muss die dargestellte Welt in sich stimmig sein, nicht „unlogisch“, wie Hirilvorgul schreibt.

  • wenn ein realistisches Buch nur eine aneinander Reihung von Fakten ist, sage ich dann auch schon das hätte man etwas lockerer machen können, es gibt gerade bei Biographien immer im Leben eine Begebenheit die lustig oder spannend war die der Autor die Autorin unterbringen kann und in den meisten Fällen auch macht, dadurch ist es kein trockner Stoff sondern mit Leben gefüllt.

    Beispiel: in der neuesten Biographie über Viktoria von England steht in den ersten Kapiteln das ihre Tochter den Nachlass sortiert hat und einige Briefe auch unterschlagen hat weil es das Ansehen ihrer Mutter schaden könnte. lch war dadurch natürlich sehr neugierig auf diese Briefe die in der heutigen Zeit natürlich harmlos waren und für damalige Umstände vielleicht ein anderes Bild auf die Königin geworfen hätte.

    ich unterscheide ein Sachbuch auch noch darin ob ich etwas lernen will/muss oder mich informieren möchte

    1. Fall ist eindeutig

    2. Fall darf ruhig locker sein z. B.: in einem Buch über Hygiene schrieb der Wissenschaftler, einige von uns tauschen ihr Auto alle zwei Jahre aus um immer das neueste Modell zu haben bei erheblichen Kosten aber einen Spülschwamm für 99 Cent knausern wir und der Austausch kann lebenswichtig sein.

  • Bis Seite 194 (Ephraim III und Karl III)

    Furchtbares Kapitel über Ephraim - das Grauen des Holocaust ist immer wieder erschütternd. Obwohl es einem immer bewusst ist, was für schreckliche Verbrechen damals begangen wurden, mit jeder Schilderung eines konkreten Falles und mit jedem einzelnen Schicksal, das man kennenlernt wächst die Sprachlosigkeit und Erschütterung über soviel Unmenschlichkeit.

    Ich habe mich mit der Shoa seit Jahren intensiv auseinandergesetzt. Lange bevor ich mit TURMSCHATTEN begonnen habe. Und trotzdem erschüttern einen die Erkenntnisse immer wieder. Vor allem gibt es keine schlüssige Antwort auf die Frage "Warum hat sich fast eine ganze Nation so fehl leiten lassen?" Ursprünglich wollte ich das Buch mit dem Kapitel Ephraim III beginnen - um eine zeitliche Chronologie zu schaffen. Meine ersten Testleserinnen sind dann aber der Reihe nach bereits bei diesem Kapitel wieder ausgestiegen, weil sie den Schrecken nicht ertragen konnten. Um Ephraim III glaubwürdig schreiben zu können, nutze ich die Lektüre "Wir weinten tränenlos" von Gideon Greif.

  • Ursprünglich wollte ich das Buch mit dem Kapitel Ephraim III beginnen - um eine zeitliche Chronologie zu schaffen. Meine ersten Testleserinnen sind dann aber der Reihe nach bereits bei diesem Kapitel wieder ausgestiegen, weil sie den Schrecken nicht ertragen konnten.

    Mir gefällt, dass du nicht chronologisch vorgehst, sondern die Vorgeschichte nach und nach erzählst. Dadurch ändert sich an manchen Stellen auch meine Sicht auf bestimmte Figuren, nicht im Sinne einer Entschuldigung ihres Handelns. Aber ich verstehe teilweise besser, warum sie so geworden sind, wie sie sind.

  • Ursprünglich wollte ich das Buch mit dem Kapitel Ephraim III beginnen - um eine zeitliche Chronologie zu schaffen. Meine ersten Testleserinnen sind dann aber der Reihe nach bereits bei diesem Kapitel wieder ausgestiegen, weil sie den Schrecken nicht ertragen konnten.

    Mir gefällt, dass du nicht chronologisch vorgehst, sondern die Vorgeschichte nach und nach erzählst. Dadurch ändert sich an manchen Stellen auch meine Sicht auf bestimmte Figuren, nicht im Sinne einer Entschuldigung ihres Handelns. Aber ich verstehe teilweise besser, warum sie so geworden sind, wie sie sind.

    Ja, das finde ich so auch besser. Man bekommt die Figuren vorgestellt und dann einen besseren Einblick über die Beweggründe so dass man zumindest irgendwie besser nachvollziehen kann warum sie so sind wie sie sind.

    "I'm one with the force, the force is with me..." - Chirrut Imwe (Star Wars: Rogue One)

    俺は、お前を裏切らない - Ich werde dich nicht verraten