Matthias Politycki - Das kann uns keiner nehmen

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  • 5 Sterne


    Zwei Geschichten über das Leben


    "Das kann uns keiner nehmen" hat einen eigentümlichen Schreibstil, der einen zu Beginn etwas ausbremsen kann. Aber nach einigen Seiten hat man sich daran gewöhnt und kann das Buch schnell und flüssig lesen. Der Erzählstil passt perfekt zur Geschichte und schafft eine ganz besondere Atmosphäre. Dazu trägt auch der bayerische Dialekt von Tscharli bei, der der Geschichte mehr Authentizität verleiht.


    Matthias Politycki erzählt eine großartige Geschichte über Hans und Tscharli und über Afrika. Darüber hinaus erzählt er noch viel mehr: über das Leben, Freundschaft, besondere Momente, das Scheitern, das Weitermachen, über Unterschiede, über Gemeinsamkeiten, über Vorurteile.



    Fazit:


    Das Buch zieht einen mit seinem außergewöhnlichen Schreibstil, seiner einzigartigen Atmosphäre und den beiden verschiedenen Charakteren in seinen Bann, sodass man liest und liest und nicht aufhören kann, bis das Buch zu Ende ist.

  • Worum geht es in diesem Buch?


    Inhalt:


    "Eine ganz und gar unwahrscheinliche Freundschaft, jede Menge Ärger und ein großes Abenteuer


    Am Gipfel des Kilimandscharo: Hans, ein so zurückhaltender wie weltoffener Hamburger, ist endlich da, wo er schon ein halbes Leben lang hinwollte. Hier, auf dem Dach von Afrika, will er endlich mit seiner Vergangenheit ins Reine kommen. Doch am Grunde des Kraters steht bereits ein Zelt, und in diesem Zelt hockt der Tscharli, ein Ur-Bayer – respektlos, ohne Benimm und mit unerträglichen Ansichten.


    In der Nacht bricht ein Schneesturm herein und schweißt die beiden wider Willen zusammen. Es beginnt eine gemeinsame Reise, unglaublich rasant und authentisch erzählt, wie das nur Politycki kann, gespickt mit absurden und aberwitzigen Abenteuern. Als sich die beiden schließlich die Geschichte ihrer großen Liebe anvertrauen, erkennen sie, dass sie mit dem Leben noch eine Rechnung offen haben. Doch der Tod fährt in Afrika immer mit, und nur einer der beiden wird die Heimreise antreten.


    Dieser grandiose Roman über zwei sehr gegensätzliche Weggefährten, jeder auf seine Weise von der Liebe gezeichnet, verhandelt zugleich ein großes gesellschaftspolitisches Thema: Wie findet zusammen, was nicht zusammen passt – auch über einen tiefen Graben hinweg."


    Quelle: Amazon.de

  • Matthias Politycki, einer der gefeiertsten und vielseitigsten Autoren der Gegenwartsliteratur, erzählt hier von einer ganz und gar unwahrscheinlichen Freundschaft.


    Der Hamburger Hans erfüllt sich einen langgehegten Traum: das Dach von Afrika zu besteigen. Endlich angekommen, steht aber bereits ein Zelt am Grund des Kraters. Der Ur-Bayer Tscharli, respektlos, rassistisch und auch sonst ohne Benimm, hockt in seinem Zelt. Ein Schneesturm zieht in der Nacht herein und wider Willen schweißt dieser die beiden ungleichen Männer zusammen. Es beginnt eine gemeinsame Reise mit unglaublichen Abenteuern.


    Mit diesem rasanten und authentischen Roman hat Matthias Politycki eine emotionale und grandiose Geschichte geschrieben. Man kann sich wunderbat mit dem Ich-Erzähler Hans identifizieren, der zu einem unfreiwilligen Reisegefährten von dem Tscharli wird. Und wie sich aus seinem Widerwillen langsam Zuneigung und Freundschaft entwickelt. Einfach wunderbar geschrieben und flüssig zu lesen. Ich hatte das Gefühl, bei dieser Reise durch Afrika direkt dabei zu sein. Eine unglaublich schöne und bewegende Lektüre, die ich unbedingt weiter empfehlen kann.

  • Freundschaft auf den zweiten Blick



    Der sensible, zurückhaltende und vermeintlich tolerante und weltoffene Hans macht sich auf, den Kilimandscharos zu besteigen. Dort will er aber nicht nur den Gipfel erreichen, sondern auch noch im Krater die Nacht verbringen. Mit dieser Reise will er mit sich und seiner Vergangenheit endlich ins Reine kommen. Offenbar hat er mit dem Berg, oder sogar mit ganz Afrika, noch eine persönliche Rechnung offen.


    Doch obwohl normalerweise niemand im Krater nächtigt, steht dort bereits ein Zelt, und mit ihm ,,der Tscharli", ein von sich selbst eingenommener, lauter und aufdringlicher Ur-Bayer. Für Hans ein Alptraum! Doch der Schneesturm in der Nacht, der auch den Trägern und Reisebegleitern unheimlich ist, bringt die beiden zusammen , wenn auch von Hans Seite aus nur äußerst widerwillig. Doch so unsympathisch, respektlos und abstoßend Tscharli auch zunächst wirkt, so schafft er es doch, die Menschen um ihn herum in seinen Bann zu ziehen. Mit seinem Bayrisch-Phantasie-Suahelie hat er immer die Lacher auf seiner Seite, bekommt das, was er will und setzt sich, auch in Konfliktsituationen, durch. Und er kann das Leben in vollen Zügen genießen, alles Dinge, die Hans bisher im Leben nicht gelernt hat. Als dieser merkt, dass Tscharlie schwer krank ist und nur noch einmal richtig Spaß haben will, bevor es zu Ende geht, schließt Hans sich ihm auf eine abenteuerliche gemeinsame Reise an, die auch ihm ganz neue Horizonte eröffnet.


    Die Geschichte einer Freundschaft auf den zweiten Blick ist berührend, traurig und witzig zugleich, allerdings nicht immer angenehm und unterhaltsam zu lesen. Tscharlies Redewendungen, die Hans allmählich übernimmt, nerven, auch wenn sich in ihnen eine gewisse Lebensweisheit manifestiert. Tscharlies Verhalten wirkt, auch nachdem Hans ihm einen gewissen Respekt zollt, nicht weniger unsympathisch bis teils sogar ekelhaft.


    ,,Das kann uns keiner nehmen" ist eine interessante Geschichte über Lebenslügen und Lebensweisheiten, Liebe und Freundschaft, die kein klischeehaftes Bild von Afrika zeigt, sondern eher das alltägliche Leben in verschiedenen Facetten.

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Falscher Klappentext


    Für die Lektüre dieses Buches habe ich ungebührlich lange gebraucht – ganz gegen meine Gewohnheit. Von der reinen Seitenzahl her ist das sicher nicht zu rechtfertigen. Es war eher so, dass das Buch fast vollständig an meinen Erwartungen vorbei ging – und ich keinen der Protagonisten wirklich sympathisch fand, eher das Gegenteil. Nun muss man Romanhelden zwar nicht lieben – aber Charaktere, die derart im Ungefähren und Widersprüchlichen verbleiben, erleichtern die Sache auch nicht gerade. Ich gebe zu – wäre es kein Rezensionsexemplar gewesen, hätte ich es abgebrochen. Weil ich irgendwann nur noch zum Ende kommen wollte.


    Noch dazu finde ich, dass der Klappen- und Umschlagtext (bewusst?) falsche Erwartungen schürt. Ich hatte den Eindruck, es handele sich um ein Bergsteigerdrama mit fatalem Ausgang. Doch weit gefehlt. Um das Bergsteigen geht es nur in den allerersten Kapiteln. Danach mutiert die Geschichte zu einem Roadmovie mit offenem Ausgang. Und bekommt im letzten Drittel auch noch eine Lebensbeichte aufgedrückt, die der Gesamtgemengelage nicht gut getan hat. Das Buch lässt sich nicht wirklich klassifizieren. Und in der Mitte hat es arge Längen. All dies hat mir den Lektüregenuss erheblich erschwert. Hinzu kommt, dass das Buch keine Kapitel hat – nur Absätze. Das machte es für mich zäh.


    Auf einer Urlaubsreise in Tansania trifft der etwas steife Hans auf den Bayer Tscharli – ausgerechnet am Gipfel des Kilimandscharo. Durch einen Schneesturm bedingt, müssen sich die beiden zusammenraufen. An den Fuß des Berges zurückgekehrt, überredet der vorgeblich schwer kranke Tscharli den Hans, ihn auf einer „letzten Reise“ zu begleiten, die durch diverse Nachbarländer und bis nach Sansibar führt. Am Ende bleibt Tscharli im Krankenhaus, und Hans fliegt heim.


    Ich konnte diesen Tscharli leider auf den Tod nicht leiden – inwieweit das vom Autor bewusst geschürt ist, vermag ich nicht zu sagen. Jedenfalls ging mir dieser falsche Bayer gründlich auf die Nerven, mit seinen unerträglich platten Zoten, seiner Einstellung zu den Afrikanern (zu den Frauen insbesondere!), seinem Imponiergehabe. Ich habe überhaupt nicht verstanden, warum Hans, der ihn zuerst ebenso wenig mochte, überhaupt mit ihm auf diese Reise geht. Ihn sogar zum Schluss ins Krankenhaus begleitet.


    An dieser Widersprüchlichkeit krankt meiner Meinung nach das ganze Buch. Der Autor/ Erzähler nimmt zu den Geschehnissen einfach keine klare Haltung ein. Erst recht nicht will mir einleuchten, warum er dem Tscharli ganz zum Schluss noch seine schmerzhafte Lebensgeschichte erzählt – das hätte ich nur bei einem sehr guten Freund getan. Und ob der Tscharli für ihn einer war, wird nicht wirklich klar.


    Erst hinterher fiel mir auf, dass es für das Rezensionsexemplar ein Vorwort gab – worin beschrieben ist, dass das Buch auf wahren Erlebnissen aufbaut. Was die Reisen und die Krankheiten betrifft. Der Tscharli als Person ist wohl hinzuerfunden – und genau das war für mich das Quäntchen zu viel. Dann hätte der Autor meiner Meinung nach lieber einen Reisebericht „seines“ Helden verfasst, und die Beichte mit eingearbeitet, vielleicht in Rückblicken, wie man das heute so macht. So hat sich das Buch leider unnötig gezogen – immer wieder dieselben Szenen, dieselben Kneipen, der Tscharli ordert Bier, flirtet mit den Afrikanerinnen, der Hans schämt sich, und am nächsten Tag alles von vorn.


    Dass der Autor Schreibtalent hat, sei unbestritten. Die Sprache zeugt schon von Können – wenngleich gerade im letzten Drittel die „gehobene Grammatik“ oft fehl am Platz war. Mir war der Autor allerdings vorher unbekannt, und ich bin nicht sicher, ob ich ihn weiter kennenlernen möchte. Für mich ein klassischer Fall von „leider nichts für mich“.

    "Ein Mensch, der Ideale hat/
    Der hüte sich, sie zu erreichen!/
    Sonst wird er eines Tags anstatt/
    Sich selber andern Menschen gleichen."
    (Erich Kästner) :):)

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