Christoph Scheuring - Sturm

  • Die Mischung macht’s! Nachdenklichkeit trifft auf spannende Figuren und Dramatik



    Klappentext


    „Eigentlich haben Nora und Johan nichts gemein außer einer gegenseitigen tiefen Verachtung. Sie ist eine militante Klima- und Tierschützerin aus Deutschland, die bereit ist, zum Schutz der Lebewesen sogar Gesetze zu brechen und ins Gefängnis zu gehen. Und er ist ein junger, wortkarger Fischer an der kanadischen Küste, der jeden Tag Tiere tötet und sich auch gar nichts anderes vorstellen kann. Als ein Gericht Nora zu Sozialstunden auf seinem Schiff verurteilt, beginnen stürmische Zeiten. Zuerst nur zwischen den beiden. Dann aber gerät das Schiff weit draußen auf dem Atlantik in den schlimmsten Hurrikan seit Menschengedenken. Dieser Sturm verändert alles. Auch ihre Sicht aufeinander.“



    Gestaltung


    Ich finde den Retrolook des Covers unglaublich ansprechend, denn das Motiv wirkt leicht verwaschen und alt. Die Farbkombination aus Braun-Beigetönen und dem Blau am unteren Bildrand passt auch ziemlich gut, denn das Blau bringt etwas Frische in das Covermotiv, während die Beigetöne das altertümliche Aussehen unterstützen. Mir gefällt besonders gut die Zeichnung des wilden Wassers, denn einerseits erkennt man, dass es gezeichnet wurde, andererseits sieht das Wasser aber unglaublich realistisch aus.



    Meine Meinung


    Christoph Scheuring hat mich bereits mit seinem Buch „Absolute Gewinner“ gut unterhalten und ich muss ehrlich gestehen, dass mich der Klappentext zu „Sturm“ komplett begeistert und neugierig gemacht hat, denn die Geschichte klingt einfach so verdammt gut. In dem Buch geht es um die Klima- und Tieraktivistin Nora, die ihre Sozialstunden bei Johan auf dem Schiff ableisten muss, denn er ist ein Fischer, der sein Geld mit dem Töten von Tieren verdient. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die beiden gegensätzlichen Parteien zunächst gar nicht grün miteinander sind. Jedoch geraten sie mit dem Schiff auf dem Atlantik in einen schlimmen Sturm und dieser verändert alles zwischen ihnen…



    Protagonistin Nora fand ich eine sehr interessante Protagonistin. In meinen Augen greift Autor Christoph Scheuring mit ihr den Geist der Zeit auf, denn Nora sind die Umwelt und Tiere wichtiger als andere Menschen. Sie lässt sich Aktionen einfallen, um auf Missstände hinzuweisen und sie aktiviert andere Jugendliche. Ich fühlte mich ein wenig an Greta Thunberg erinnert. Nora versprüht dabei auch eine gewisse Wut, die ich als Leser durch die Seiten hinweg spüren konnte. Ich fand diese Gefühlslage von ihr aber auch nachvollziehbar angesichts ihrer Familiengeschichte. Besonders beeindruckend fand ich diesbezüglich Noras Wandlung bzw. Entwicklung, denn sobald sie auf dem Schiff ist, wird sie ruhiger und nachdenklicher.



    Zudem ist der Zusammenprall zwischen Nora und Johan auf dem Schiff ziemlich interessant, da hier zwei anscheinend gegensätzliche Sichtweisen auf engem Raum zusammen kommen. Die Dynamik zwischen den beiden fand ich äußerst gelungen und auch sehr greifbar dargestellt, denn die Luft knistert geradezu, wenn beide aufeinandertreffen…Außerdem ist Johan trotz seiner eher stillen Art ein schöner Gegenpol zu Nora, der ihre wütende, leicht aggressive Art ausgleichen kann. Dies hat in meinen Augen das Lesen harmonisch gemacht, denn beide Charaktere gleichen sich einfach aus und sind dennoch unglaublich interessant – jeder für sich genommen.



    Sobald es zu dem Sturm kommt, wird die Handlung dann auch noch echt dramatisch und fesselnd. Hier müssen Nora und Johan sich aufeinander verlassen und das obwohl sie aus verschiedenen „Welten“ kommen. Hier zeigt sich auch die Stärke der beiden Charaktere, denn es geht ums Überleben. Hier fieberte ich mit den beiden Figuren mit, die ich zuvor in mein Herz geschlossen hatte und bangte um sie, denn der Sturm ist gefährlich. Lebensgefährlich.



    Ich liebe die Mischung, die dieses Buch beinhaltet, denn es geht um ernste Themen wie Familie und Gewalt. Aber auch Umwelt- und Tierschutz sind Themen, die das Buch aufgreift. Genauso wie Liebe und Gefahr. Hier kommt einiges zusammen, das sich wunderbar ergänzt und ein stimmiges Ganzes ergibt, denn zuerst lernte ich die Figuren kennen und lieben und dann bot sich mir ein brenzliges Abenteuer, bei dem mir mehr als einmal das Herz stehen blieb.



    Fazit


    „Sturm“ von Christoph Scheuring hat für mich die perfekte Mischung aus ernsthaften Themen, gutem Charakterbuilding und dramatischem Abenteuer. Ich fand es klasse, dass es hier um genauso um Dinge ging, die zum Nachdenken anregen, wie auch um eine gefährliche Lage aus der sich die Hauptfiguren befreien müssen. So mischt der Autor das Beste aus beiden Welten: das gefühlvolle Nachdenken mit rasanter Action und Gefahr. Ich bin wirklich begeistert und überzeugt von diesem Roman, denn er versorgte mich mit allem was ich liebe: Nachdenklichkeit, Tiefgründigkeit, interessanten Charakteren, Hintergrundgeschichten, wichtigen Themen wie Umweltschutz oder Gewalt und abenteuerlichem, rasantem Tempo.


    5 von 5 Sternen!



    Reihen-Infos


    Einzelband

  • Aufwühlend und Aufklärend zugleich

    Als Ausgleich für ihr zerrüttetes Elternhaus engagiert sich Nora für Tier- und Umweltschutz. Als sie es bei einer spontanen Demonstration gegen die grausamen Maßnahmen im ortsansässigen Schlachthof etwas übertreibt, wird sie zur Ableistung von Sozialstunden verurteilt. Der Zufall will es, dass sie diese Stunden auf dem Fischerschiff von Johan ableisten muss. Beide sind nicht gerade begeistert davon. Bereits auf der ersten gemeinsamen Fahrt gerät das Schiff in einen schweren Sturm und geht unter. Nora und Johan können sich in einem kleinen Boot retten, treiben jedoch tagelang im Sturm auf offener See. Auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen, um zu überleben, kommen sich die beiden allmählich näher und beginnen die Einstellung des jeweils anderen zu überdenken und zu verstehen.
    Christoph Scheuring hat hier in einem sehr angenehmen Schreibstil ein Buch für Jugendlich ab vierzehn Jahren geschrieben. Es geht hier nicht nur um die manchmal leise, dann wieder chaotische Annäherung von Nora und Johan. Es geht auch um das Verständnis und den Respekt gegenüber anderen Menschen, Lebewesen und der Natur. Der Sprache merkt man die Leidenschaft und das Engagement des Autors für die Belange von Natur und Umwelt deutlich an. Dies macht das Buch so glaubhaft, interessant und auch spannend.
    Obwohl vom Verlag als Jugendbuch ab vierzehn Jahren beschrieben, dürften sicher auch viele Erwachsene dieses Buch mit Interesse lesen. Von mir bekommt es jedenfalls für alle Altersklassen eine eindeutige Leseempfehlung. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: