Jasmin Schreiber - Marianengraben

  • Kurzmeinung

    MiriamM35
    Nichts besonderes, da habe ich mir mehr erhofft
  • Kurzmeinung

    Gaymax
    Leben und Sterben auf 250 Seiten humorvoll und ernst zugleich geschrieben. Sehr stark.
  • Autorin: Jasmin Schreiber

    Titel: Marianengraben

    Seiten: 254

    ISBN: 978-3-8479-0024-9

    Verlag: eichborn


    Autorin:

    Jasmin Schreiber wurde 1988 geboren und ist studierte Biologin, arbeitet als Kommunikationsexepertin und Autorin. 2018 wurde sie als Bloggerin des Jahres ausgezeichnet. Sie arbeitet ehrenamtlich als Sterbebegleiterin und Sternenkinder-Fotografin. Die Autorin lebt in Frankfurt/Main.


    Inhalt:

    Paula braucht nicht viel zum Leben: ihre Wohnung, ein bisschen Geld für Essen und ihren kleinen Bruder Tim, den sie mehr liebt als alles andere auf der Welt. Doch dann geschieht ein schrecklicher Unfall, der sie in eine tiefe Depression stürzt. Erst die merkwürdige Begegnung mit Helmut, einem schrulligen alten Herrn, erweckt wieder einen Funken Lebenswillen in ihr. Und schließlich begibt Paula sich zusammen mit Helmut auf eine abenteuerliche Reise, die sie Beide zu sich selbst zurückbringt – auf die eine oder andere Weise. (Klappentext)


    Rezension:

    Es passiert eigentlich nicht viel im neuesten Roman von Jasmin Schreiber und doch eine ganze Menge, lesen so einen wunderbar schmerzhaften, bedrückenden und dennoch lebensbejahenden Roman. Wie das zusammenpasst? Zu Beginn steht die Trauer der Hauptprotagonistin, der ein Leser sofort in sein Herz schließen wird. Die Studentin Paula hat vor ein paar Jahren ihren kleinen Bruder durch das Meer verloren und ist seit dem tief gefallen. Im übertragenen Sinne bis an den Grund des Marianengrabens, des tiefsten Punkt der Ozeane. Nur ist es hier Lethargie und Depression, unverarbeiteter Schmerz, der die Oberhand hat.


    Aus ihrer Perspektive erlebt man nun einen Roadtrip und damit auch ein Auftauchen, beschwerliches Ankämpfen gegen die Schuldgefühle. Gegenpol bildet der zweite Hauptprotagonist. Helmut, ein älterer Herr, der ebenso eine Geschichte zu erzählen hat. Auf diese zwei Figuren ist die Geschichte reduziert. Völlig ausreichend ist das. Feinfühlig beschreibt die Autorin diesen schmerzhaften Verarbeitungsprozess. Gebannt wird man in die Geschichte eingesogen. Manch kalter Schauer wird einem bei diesen Zeilen über den Rücken laufen, nur um dann wieder grinsen, manchmal laut auflachen zu müssen.


    Diese Kontraste zu schaffen, ist Jasmin Schreiber hervorragend gelungen. Dies lässt in der Geschichte die Protagonisten durchhalten, ebenso fordert dies die Leser dieses gelungen Werks.


    Auf Trauer folgt Verarbeitung. Diesen Prozess begleiten die Leser, die nach und nach die Puzzleteile der Geschichten beider Protagonisten erfahren, wenn Paula und Helmut so langsam aus dem sprichwörtlichen Meer auftauchen. Interessant dazu auch die Titelüberschriften. Jasmin Schreiber hat nicht nur ihr Biologie-Studium der Protagonistin „umgehängt“. Viel steckt von der Autorin in Paula. Jede Zeile so gemeint. Jede Zeile ehrlich. Dies alles ist die große Stärke von „Marianengraben“. Definitiv ein Highlight für alle, die ihn lesen werden und eine Mahnung, Menschen mit Depression die Hand zu reichen, niemals allein zu lassen, im übertragenen und wörtlichen Sinne, schwimmen zu lernen.

  • Die ersten beiden Kapitel des Buches haben mich wahnsinnig tief berührt. Der intensive Stil der Autorin hat mich sofort für sich eingenommen. Sie verwendet wundervolle Metaphern, formt Wörter zu fast schon poetischen Sätzen und reißt mit ihrer Intensität und Feinfühligkeit mit. Ab dem dritten Kapitel kommt die Handlung des Buches so richtig in Gang, als die beiden Protagonisten aufeinander treffen. Das Buch wird nun lebendiger, lebhafter, etwas verrückt, situations-komisch und abenteuerlustig, gleichzeitig melancholisch und auch ein bisschen traurig. Wahrhaftig ein Wechselbad der Gefühle. Teilweise war mir die Handlung etwas zu skurril. Und ich hätte gern noch mehr berührende und intensive Sätze gelesen, das hat mir ab Kapitel 3 etwas gefehlt. Insgesamt hat mich das Buch aber sehr berührt und eine Geschichte wie diese habe ich vorher nicht gelesen.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    "Hab Vertrauen in den, der dich wirft, denn er liebt dich und wird vollkommen unerwartet auch der Fänger sein."
    Hape Kerkeling


    "Jemanden zu lieben bedeutet, ihn freizulassen. Denn wer liebt, kehrt zurück."
    Bettina Belitz - Scherbenmond


    http://www.lektorat-sprachgefuehl.de

  • Inhalt:

    Paula hat ihren kleine Bruder Tim bei einem Badeunfall verloren. Es fällt ihr sehr schwer, mit dem Verlust umzugehen oder ihn auch nur auf dem Friedhof zu besuchen. Als sie bei einer Psychologin Hilfe sucht, rät diese ihr, den Friedhof bei Nacht zu besuchen, wenn sie voraussichtlich alle dort ist. Nach einigem Zögern setzt Paula diesen Plan um, doch sie muss feststellen, das es noch andere, nächtliche Besucher auf dem Friedhof gibt. Helmut nutzt der Schutz der Nacht, um die Urne seiner verstorbenen Lebenspartnerin Helga auszugraben. In dieser etwas bizarren Situation lernen sich Paula und Helmut kennen. Als Paula erfährt, dass Helmut plant mit der Urne nach Südtirol zu fahren, schließt sie sich ihm an und so bildet sich eine recht ungewöhnliche Reisegesellschaft.



    Meine Meinung:

    Diese Geschichte ist ungewöhnlich und ich hatte mich mehrmals gefragt, ob sie realistisch ist. Auch wenn sie wahrscheinlich etwas überzogen ist, so hat sie mich doch sehr gerührt. In diesem Buch spielt die Trauer um verstorbenen geliebte Menschen eine zentrale Rolle. Kein leichtes Thema und so sind auf Paula und Helmut von ihrem Verlust tief gezeichnet. Aber dadurch, dass sie beiden sich in einer ähnlichen Situation befinden, tut ihnen das Zusammensein sehr gut, auch wenn sie viele Lebensjahre trennt. Im Laufe den Buches merkt man, wie Paula anfängt, den Tod ihres Bruders zu verarbeiten und neuen Lebensmut zu schöpfen.

    Der Marianengrabe, der tiefste Meeresgraben der Erde, versinnbildlicht die tiefe Trauer von Helmut und Paula. Tim war sehr interessiert am Leben im Meer und so passt dieser Vergleich mit dem Marianengraben.

    Auch wenn die Geschichte zum Teil sehr ungewöhnlich ist, so ist sie doch gezeichnet von einem gefühlvollen Umgang mit dem Tod von lieben Menschen. Ein Buch, das auf seine Art Mut macht. Viele Szenen sind sogar zum Lachen, so dass die Stimmung nicht zu traurig wird.



    Ein Buch das zum Nachdenken anregt, sicherlich nicht immer leichte Kost, aber auf seine Art einfach nur schön.

  • Tim, der kleine Bruder von Paula, ist tot. Schon zwei Jahre ist der Unfall auf Mallorca her, doch noch immer ist die Doktorandin in ihrer Trauer gefangen. Sie ist depressiv und nimmt die Hilfe eines Therapeuten in Anspruch – bisher mit mäßigem Erfolg. Auf dem Friedhof trifft die junge Frau zufällig den 83-jährigen Helmut, der dort gerade die Urne seiner Freundin Helga ausgraben möchte, um die Asche woanders hinzubringen. Der Rentner plant eine abenteuerliche Reise und Paula besteht darauf mitkommen zu dürfen…


    „Marianengraben“ ist der Debütroman von Jasmin Schreiber.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus einigen Kapiteln mit einer angenehmen Länge. Sie sind jeweils mit einer stetig kleiner werdenden Zahl überschrieben – von 11.000, der Tiefe des Marianengrabens, bis 0. Eine originelle Idee. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Paula, wobei die Erzählerin immer wieder direkt den toten Bruder anspricht. Dieser Aufbau gefällt mir sehr gut.


    Auch sprachlich finde ich das Buch gelungen. Der Stil des Romans ist geprägt von vielen Metaphern und sonstigen Bildern, von Wortspielen und von kreativen Formulierungen. Viele Dialoge lassen ihn zudem lebhaft erscheinen. Die Geschichte nimmt erst im dritten Kapitel so richtig Fahrt auf. Dennoch hat mich der Einstieg überzeugt.


    Mit Paula und Helmut stehen zwei ungleiche Protagonisten im Vordergrund, die ich beide sympathisch finde – nicht nur wegen ihrer Ecken und Kanten, sondern gerade deswegen. Beide Charaktere wirken authentisch und sind reizvoll gestaltet.


    Inhaltlich geht es um Verlust und Trauer, die beide Protagonisten betreffen. Bei Paula kommt die Depression hinzu. Diese Themen bringen traurige Komponenten in die Geschichte. Die Gefühle werden eindringlich geschildert, was die Lektüre sehr berührend, aber nicht kitschig macht. Gleichzeitig ist der Roman sehr humorvoll und bittersüß, sodass eine ausgewogene Mischung entsteht.


    Auf rund 250 Seiten kommt keine Langeweile auf. Einige Einfälle sorgen für genügend Abwechslung. Zwar ist die Handlung stellenweise ein wenig skurril, aber nicht in übertriebener Weise.


    Der prägnante, ungewöhnliche Buchtitel greift ein wiederkehrendes Bild auf und passt daher sehr gut zum Roman. Damit harmoniert die ansprechende Gestaltung des Covers perfekt.


    Mein Fazit:

    „Marianengraben“ von Jasmin Schreiber ist ein anrührender, tiefgründiger und unterhaltsamer Roman, der eine ernste Thematik gekonnt mit Humor kombiniert. Eine besonders empfehlenswerte Lektüre.


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  • Klappentext:

    Paula braucht nicht viel zum Leben: ihre Wohnung, ein bisschen Geld für Essen und ihren kleinen Bruder Tim, den sie mehr liebt als alles auf der Welt. Doch dann geschieht ein schrecklicher Unfall, der sie in eine tiefe Depression stürzt. Erst die Begegnung mit Helmut, einem schrulligen alten Herrn, erweckt wieder Lebenswillen in ihr. Und schließlich begibt Paula sich zusammen mit Helmut auf eine abenteuerliche Reise, die sie beide zu sich selbst zurückbringt - auf die eine oder andere Weise.


    Autorin:

    Jasmin Schreiber, geboren 1988, ist studierte Biologin und arbeitet als Kommunikationsexpertin und Autorin. 2018 gewann sie den Digital Female Leader Award und wurde als Bloggerin des Jahres ausgezeichnet. Sie arbeitet ehrenamtlich als Sterbebegleiterin und Sternenkinder-Fotografin. Das Internet macht sie auf Twitter unter @LaVieVagabonde unsicher. Jasmin Schreiber lebt in Frankfurt am Main.


    Allgemeines:

    Erscheinungsdatum: 28.Februar 2020

    Seitenanzahl: 256

    Verlag: Eichborn


    Eigene Meinung:

    Mit diesem Buch habe ich das, beziehungsweise ein Jahreshighlight 2020 entdeckt. Die Geschichte erzählt von Verlust und dem Umgang damit und zwar bis in die Tiefen des Marianengrabens und wieder zurück.

    Doch es ist kein Ratgeber oder hat mahnende oder fürsorgliche Zeigefinger, die sich darin verstecken.

    Die ganze Geschichte um die Schwester, die ihren Bruder verloren hat, ist so gefühlvoll und emotional geschrieben. Und aufgrund der Erzählweise, die ganz viele tolle Zitate verbirgt, ist man dem Roman sofort verfallen. Natürlich gibt es traurige Szenen, wie könnte es die beim Thema tot nicht geben, doch Jasmin Schreiber geht da so toll mit um, so dass selbst diese Momente einem das Herz erwärmen. Teilweise muss man sogar lachen, da der Humor auch nicht zu kurz kommt.

    Dabei kommt das Buch vollkommen ohne Kitsch oder Klischees aus!

    Die Charaktere sind etwas schräg und vielleicht liegt es daran und an der Feinfühligkeit der Autorin, dass ich von ihr in jedem Fall noch mehr lesen möchte!



    Fazit: Herzerwärmend! :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::love:

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  • Nach dem Tod ihres kleinen Bruders Tim stürzt Protagonistin Paula in die Depression. Wie im 11.000 Meter tiefen Marianengraben, so fühlt sie sich, wo jeder Kubikzentimeter unter enormem Druck steht. Und so besucht sie, auf Anraten ihres Therapeuten, zum ersten Mal Tims Grab - nachts, um sich vor all den Blicken zu schützen. In dieser seltsamen Situation trifft sie auf Rentner Herbert, der auf ganz eigener Mission im Schutze der Dunkelheit auf dem Friedhof unterwegs ist. Und so starten die beiden ungleichen Charaktere auf einen skurrilen Roadtrip, begleitet von einem Hund, einem Huhn und mit jeder Menge seelischem Balast im Gepäck.


    "Marianengraben" wird aus Paulas Sicht erzählt. Oft wendet sie sich dabei direkt an Tim oder denkt an gemeinsame Erlebnisse. Die Geschwister verband vor allem die Liebe zur Unterwasserwelt - umso bitterer ist es, dass Paulas kleiner Bruder ausgerechnet ertrinken musste. Sie fragt sich immer wieder, woran er wohl gedacht haben mag in seinen letzten Augenblicken und hofft, dass es nicht sie selbst war. Denn wie grausam wäre das bitte, wo sie doch nicht da war, um ihn zu retten?


    Die Kapitel sind mit Zahlen überschrieben und starten bei 11000, der Tiefe des Marianengrabens - ein kleines, aber wirkungsvolles schriftstellerisches Detail. Von dort unten wird Paula im Laufe des Romans auftauchen, um wieder ins Leben zurückzufinden: ein anderes Leben, ohne Tim, aber immerhin eines, das sich zu leben lohnt. Wer nun aber glaubt, Jasmin Schreibers Roman sei einfach nur ein Buch übers Sterben, der irrt sich. Denn viel mehr ist es eine Ode an Beziehungen, vor allem eine an Bruder und Schwester. Tim, sehr aufgeweckt, neugierig und achtsam, Paula eher still, grüblerisch, tollpatschig - und dennoch beide ein Herz und eine Seele. Auf ihrer Reise mit Herbert wird Paula lernen, dass so viel Trauer in ihr auch gleichzeitig bedeutet, dass unglaublich viel Liebe vorhanden ist.


    Für einen Roman, in dem oft über den Tod gesprochen wird, ist "Marianengraben" an vielen Stellen sehr witzig. Paulas tollpatschige Art, Herberts trockener Humor, Erlebnisse mit Hund und Huhn - das alles lädt zum Schmunzeln und Lachen ein. Damit ist der Autorin der Spagat zwischen Unterhaltung und Ernsthaftigkeit wunderbar gelungen. Ein Buch, das schon jetzt zu meinen Jahreshighlights gehört und mich sicher lange nicht loslassen wird. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::love:

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  • Trauer um einen geliebten Menschen kann so tief sein wie der Marianengraben. Auch Paula ist sehr deprimiert, weil ihr Bruder Tim bei einem Schwimmunfall gestorben ist und sie gibt sich die Schuld daran. Ihre Gedanken kreisen seit zwei Jahren ständig um das Vorgefallene. Sie kann das Grab von Tim tagsüber einfach nicht besuchen, weil sie niemandem begegnen will, daher versucht sie es auf Anraten ihres Therapeuten nachts. Dabei begegnet sie dem alten schrulligen Helmut, der die Urne seiner Gefährtin aus dem Grab holen will. Durch Helmut fasst Paula wieder Lebenswillen und dann machen sich die beiden auf eine Reise in die Alpen. Die Gespräche mit Helmut verändern Paulas Leben.


    Es ist eine sehr emotionale Geschichte. Sie ist traurig und mutmachend; sie bringt einen zum Weinen, aber auch zum Lachen.


    Die Charaktere sind wirklich liebevoll und glaubhaft gezeichnet. Man kann gut mit Paula und Helmut mitfühlen. Ihre Reise läuft nicht immer glatt. Obwohl die beiden vom Alter her sehr unterschiedlich sind, haben sie auch Gemeinsamkeiten. Die beiden tun einander gut.


    Ich habe diese berührende Geschichte sehr gerne gelesen.

  • Meine Meinung:


    Uff was für ein Buch … so klein (ca. 250 Seiten) und doch so viel Inhalt. In dieser Geschichte verwebt die Autorin mit viel trockenem Humor und Fingerspitzengefühl sehr gekonnt die Themen: Depression, Suizid, Tod, sterben, Verlust und Schuld. Eine junge Frau und ein alter brummiger Mann auf einem Roadtrip, welcher die Leben für beide verändert. Viel mehr lässt sich eigentlich nicht mehr sagen, außer das man dieses Büchlein lesen sollte. Für mich ein echt tolles Buch. :thumleft:


    Fazit:


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

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    SUB: 679

  • Traurig


    Marianengraben, Roman von Jasmin Schreiber, 256 Seiten erschienen im Eichborn-Verlag


    Über die Trauer, Depressionen, über die Bewältigung des Verlusts eines geliebten Menschen.


    Paula hat der Tod ihres geliebten kleinen Bruders in tiefe Depressionen gestürzt. Ihr Therapeut rät ihr das Grab ihres Bruders zu besuchen, um ganz alleine dort zu sein beschließt sie es bei Nacht zu tun. Sie begegnet Helmut, der gerade die Urne seiner verstorbenen Lebensgefährtin ausgräbt. In dieser skurrilen Situation nähern sich die beiden einander an und beschließen, sich zusammen auf einen Roadtrip zu begeben, der sie beide zu sich selbst zurückbringt - auf die eine oder andere Weise.
    Das Buch ist in überschaubare Kapitel aufgeteilt die mit Zahlen überschrieben sind, beginnend bei 11000 bis 0, 11000 m Tiefe, so tief wie der Marianengraben, der tiefste Punkt der Erde. So viel, wie Paula ihren Bruder Tim liebgehabt hat. So tief wie ihre Trauer, ihr Kummer und ihr Schmerz gehen und mit jedem Kapitel, mit jeder Reiseetappe und mit jedem Gespräch der beiden Charaktere, verringert sich die Zahl, was für eine gelungene Metapher. Jasmin Schreiber, die ehrenamtlich als Sterbebegleiterin arbeitet, weiß wovon sie schreibt und das merkt man diesem Roman in jedem einzelnen Wort an. Sie hat als Erzählstil die Ich-Form aus der Sicht von Paula gewählt. Immer wieder sind ihre Gedanken auch direkt an Tim gerichtet. Äußerst bildhaft ist die Geschichte erzählt. Sätze die mich zum Lachen aber auch zum Weinen gebracht haben, z.B. „An meinem Kühlschrank hängt bis heute ein Graph auf dem man sieht, wie ein menschliches Herz zerbricht". Manchmal musste ich das Buch aus der Hand legen, weil mich die Erzählung so berührt hat, dass ich nicht weiterlesen konnte. Für mich auch ein schmerzhaftes Buch, denn ich kann eine Parallele zu den Erlebnissen in meinem eigenen Leben ziehen. Paulas Gedanken habe ich des Öfteren auch gedacht in der Vergangenheit. Die beiden Protagonisten Paula, wie auch Helmut sind etwas komisch, bzw. kauzig. Aber je näher man sie kennenlernt, desto mehr kann man sie ins Herz schließen, umso sympathischer sind sie mir geworden. Die Frage nach dem - wie lebt man weiter, wenn ein geliebter Mensch stirbt – ist hier sehr gefühlvoll beantwortet, finde ich.

    Es ist ein Buch, das ich jedem empfehlen möchte, nicht nur den Trauernden. Traurig, schmerzhaft und wunderschön.

    Eine meiner Lieblingsszenen im Buch: Ein Dialog zwischen Paula und Tim, bei der Tim zu seiner Schwester spricht: Und wenn dann einer von uns tot ist, dann muss der andere weiter liebhaben, dann geht das schon. Von mir 5 Punkte

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    :study::musik::montag:


    Und wenn mir alle Königskronen für meine Bücher und meine Freude am Lesen angeboten wären: Ich würde sie ausschlagen.
    François Fénelon