Sarah Moss - Zwischen den Meeren / Signs for Lost Children

  • Buchdetails

    Titel: Zwischen den Meeren


    Verlag: Mare Verlag

    Bindung: Gebundene Ausgabe

    Seitenzahl: 416

    ISBN: 9783866482579

    Termin: August 2016

  • Bewertung

    4.5 von 5 Sternen bei 2 Bewertungen

  • Inhaltsangabe zu "Zwischen den Meeren"

    Nur wenige Wochen nach der Hochzeit muss ein junges Paar sich wieder trennen – für ein ganzes halbes Jahr. Tom Cavendish fährt nach Japan, um Leuchttürme zu bauen; Ally, seine Frau, bleibt in Cornwall, wo sie ihren lang gehegten Traum erfüllt und ihre erste Stelle als Ärztin antritt. Der neue Status beschert ihr ungekannte Freiheit, doch während sie sich immer tiefer in die Arbeit stürzt und Tom versucht, sich an die fremde Kultur Japans zu gewöhnen, wird die Entfernung zwischen beiden immer größer und das Fundament ihrer jungen Ehe brüchig. Mit ihrer unvergleichlichen Mischung aus psychologischer Einfühlung und intellektueller Tiefe spannt Sarah Moss einen Bogen von Cornwall bis Japan und zeigt zwei Menschen voller beruflicher Entschlossenheit und innerer Einsamkeit, verbunden durch dieselbe Sehnsucht, die Sehnsucht nach dem jeweils anderen.
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  • Ally und Tom sind frisch verheiratet und gerade nach Cornwall gezogen, wo Ally, eine der ersten weiblichen Ärztinnen Großbritanniens, bald eine Stelle in einer Nervenklinik antreten wird. Dem jungen Ehepaar steht auch gleich die erste längere Trennung bevor, denn Tom ist Spezialist für den Bau von Leuchttürmen und soll nach Japan reisen, wo man Lösungen für erdbebensicheren Leuchtturmbau sucht, und überdies für einen eifrigen Sammler japanische Alltags- und Kunstgegenstände mitbringen.


    Und so gehen die beiden gezwungenermaßen schon getrennte Wege, bevor sich auch nur ansatzweise eine Alltagsroutine einstellen und sie sich aneinander gewöhnen konnten.


    Ally fällt es schwer, sich in ihre neue Arbeit einzufinden, vor allem, weil die Pflegerinnen ihren Schützlingen nur wenig Respekt entgegenbringen und mit fragwürdigen Methoden arbeiten. Und über allem hängt immer der Schatten ihrer puritanisch strengen Mutter, die Ally kein Fünkchen Liebe und Wärme entgegengebracht, sie brutal gezüchtigt und immer nur kritisiert und niedergemacht hat. Kein Wunder, dass Ally bald an sich selbst und ihrer Eignung für den Beruf zweifelt.


    Tom hingegen ist hingerissen von Japan. Im Gegensatz zu seinem gierigen Auftraggeber, dem es nur ums Anhäufen möglichst exotischer Schätze geht, interessiert er sich mehr und mehr für die japanische Lebensweise, für die Traditionen und Gebräuche und ist fasziniert von der Schlichtheit und Ruhe, die er bei seinem Aufenthalt außerhalb großer Städte erlebt.


    Wie schon im ersten Buch, das sich mit Allys Kindheit und Jugend befasst hat, besticht Sarah Moss von der ersten Seite an mit ihrer wunderschönen, einfachen und dabei immer sehr treffenden Sprache und den tiefen Einblicken in die Seele ihrer Protagonisten, die sie uns verschafft, ohne sich in langatmigen Gedankenschilderungen zu verlieren. Es ist auch ein gelungenes Bild der Zeit Ende des 19. Jahrhunderts, als einzelne Frauen aus ihren herkömmlichen Rollen auszubrechen begannen, die breite Masse dafür aber noch wenig Verständnis aufbrachte.


    Ally ist in ihrem Denken einerseits ihrer Zeit weit voraus, eine Vorreiterin im Umgang mit psychisch kranken Frauen, die in ihren Patientinnen keine Irren sieht, die man wegsperren muss, sondern behandlungsbedürftige Menschen, die Respekt verdienen und mit etwas Glück auch irgendwann wieder in ein normales Leben entlassen werden können. Andererseits ist sie durch ihre fürchterliche Mutter zutiefst verunsichert, die ihr Selbstwertgefühl völlig kaputtgemacht hat, und ringt ständig mit deren übermächtiger Stimme in ihrem Kopf. Sich von diesem unguten Einfluss zu lösen ist ein langer, schmerzhafter und langsamer Prozess, den Sarah Moss einfühlsam und ohne zu werten begleitet.


    Toms Eintauchen in die japanische Kultur, in der er sich auf Anhieb wohlfühlt, obwohl er vieles nicht versteht, ist ebenfalls großartig geschildert. Mit oft nur wenigen Worten malt Sarah Moss wunderbare Bilder von Tempeln und Teezeremonien und Streifzügen durch die Natur, und es wird gut verständlich, weshalb es Tom am Ende schwerfällt, sich wieder auf die Heimreise zu begeben ins viktorianische England mit seinen überladenen Salons und seiner Engstirnigkeit.


    Es verwundert dann auch nicht, dass Ally und Tom beide fremdeln, als sie wieder zusammen sind, hat sich doch jeder auf seine Art während der monatelangen Trennung weiterentwickelt. Auch diesem Aspekt widmet sich Moss mit scharfem Blick und viel psychologischem Verständnis.


    Erneut ein richtiger Lesegenuss aus der Feder einer Autorin, die viel von Menschen und der gesamten Palette ihrer Empfindungen versteht und dies in wunderschöne Worte zu kleiden versteht, die nie kitschig werden und immer ins Schwarze treffen. Sarah Moss ist eine echte Entdeckung.

    Why say 'tree' when you can say 'sycamore'?
    (Leonard Cohen)

  • Ich habe das englischsprachige Original gelesen und würde das auch allen ans Herz legen, die entsprechende Englischkenntnisse haben. Die Sprache ist einfach wunderschön.

    Why say 'tree' when you can say 'sycamore'?
    (Leonard Cohen)

  • Vielen Dank für Deine tolle Rezi:D! Das Buch klingt so, als ob ich es unbedingt lesen müsste. Ich kenne diese Autorin noch gar nicht, das sollte ich wohl bald mal ändern.

    Wie schon im ersten Buch, das sich mit Allys Kindheit und Jugend befasst hat

    Welches ist denn das erste Buch? Ist es dann besser, dieses zuerst zu lesen?

  • Welches ist denn das erste Buch? Ist es dann besser, dieses zuerst zu lesen?

    "Wo Licht ist" ("Bodies of Light") ist der erste Teil, den ich auch zuerst zu lesen empfehlen würde.


    Verständlich ist das Buch zwar auch ohne dessen Kenntnis, aber auch "Bodies of Light" ist ein großartiges Buch, das nicht zu lesen schade wäre.

    Why say 'tree' when you can say 'sycamore'?
    (Leonard Cohen)

  • Mario

    Hat den Titel des Themas von „Sarah Moss - Zwischen den Meeren/Signs for Lost Children“ zu „Sarah Moss - Zwischen den Meeren / Signs for Lost Children“ geändert.