Wie klingen die ersten Seiten, die ich geschrieben habe?

  • Ich bin gerade dabei mein erstes Buch zu schreiben und habe gerade ca. die erste Hälfte des Prologs geschrieben. Ich bin sehr selbstkritisch und würde michdaher freuen, wenn ihr mir dazu eure Meinung sagt, gerne mit konkreten Verbesserungsvorschlägen. Es handelt sich um ein Fantasybuch.


    Die Auserwählte der Druiden


    Prolog (ca. erste Hälfte)


    Ein heftiger Wind wehte durch das Gebirge. Er wehte durch die weitläufigen Hochebenen, Berge
    bis über´s Flachland. Die kalte klare Luft wurde vom Wind aufgepeitscht und
    legte ihren Weg über die langen Seggen-Gräser, die sich in den Böen bogen, durch
    die bewaldete Berge zurück. Alles schien in Bewegung. Hier oben lebte niemand
    mehr. Die letzten bewohnten Siedlungen befanden sich weiter unter im tieferen
    Flachland. Die Natur wurde von den Winden aufgeweht. Doch es war kein normaler
    Wind. Hogh, der in seinem Jägerpfosten saß, packte seine Sachen zusammen, nahm
    die Felle von den Holzplanken, mit denen er den Boden und die kleine Holzbank
    gepolstert hatte und machte sich für den Aufbruch bereit. Er stand schon in der
    zweiten Hälfte seines Lebens und kannte die Natur hier wie seine Westentasche.
    So konnte er diesen Wind auch von einem gewöhnlichen Wind unterscheiden. Es lag
    ein Kribbeln in der Luft. Die raschelnden Blätter der Bäume und das hohe Gras
    schienen zu glitzern, die Luft wirkte von Kraft energetisiert. Die Sonne war gerade
    dabei unterzugehen und der Himmel war noch von einem sanften taubenblau und
    mildem orange. Doch die Sonne warf bereits ihre letzten Strahlen über das lange
    Gras und das Grünland lag bereits in tiefen Schatten. Kein Wunder, dachte er
    sich. Diese Zeit war typisch für dieses Phänomen. Dieser Wind. Das Kribbeln in
    der Luft. Und das Gefühl von aufgeladener Energie – eine Druidennacht bahnte sich an. Zeit seine
    Sachen zu packen und das Weite zu suchen. Keiner trieb sich bei einer
    aufkommenden Druidennacht draußen herum. Die Leute blieben zu hause, zogen die
    Vorhänge zu und verriegelten die Häuser bis der nächste Morgen graute. Bis nach
    unten in sein Dorf war es eine knappe Stunde , machbar für einen erfahrenen
    Naturgänger und Jäger, wie er es war. Doch er würde sich beeilen. Er lud
    bereits die letzten Sachen in seinen Karren und wollte sein Ziehferd bespannen,
    einen robusten Runtzid, da blickte er noch einmal empor. Weiter oben, wo das
    Land sich steiler nach oben bog und die bewaldeten Berge begannen, lagen die
    Bäume bereits fast im Dunkeln. Das Glitzern, welches ein Indiz von der Gefahr
    war, war dort besonders stark, es kam von dort. Und genau da, nur noch wenige
    Fußminuten entfernt, erblickte er einen braunen Haarschopf, der in dieser Zeit
    noch da draußen unterwegs war. Hogh nahm sein Fernglas und blickte hindurch.
    Der braune Haarschopf schien einem jungen Mann zu gehören. Und er lief genau
    auf den Wald zu. Was machte dieser Junge um diese Zeit hier in der Wildnis? Nur
    ein Verrückter spazierte an einer aufkommenden Druidennacht in der Wildnis
    herum. Jeder wusste, dass man zu diesen Zeiten in die Häuser zurückkehrte und sich
    nicht der Gefahr aussetzte. Doch dieser Mann lief genau auf das Verderben zu.
    Hogh seufzte. Er war schon beinahe 50 Winter alt und sah sich in der
    Verantwortung. Statt den Karren an seinen Runtzid zu spannen, stieg er in den
    Sattel, und ritt in Vollgalopp dem Mann entgegen. Die Zeit war knapp. Aber er
    würde diesen Jungen nicht seinem Schicksal überlassen.

    Der Wind
    peitschte ihm in´s Gesicht, während er dem Pferd immer weiter die Sporen gab.
    Die Sonne stand mittlerweile tief am Horizont, nur noch wenige goldene Streifen
    ihres Licht fielen auf das sich in den Winden wiegenden Grases. Die bewaldeten
    Berge, die sich vor ihm befanden, lagen bereits im Dunkeln – jene, auf die der
    junge Mann geradewegs zusteuerte. Was war nur in diesen Mann gefahren, dachte
    Hogh. Wusste er es nicht besser?

    Hogh fiel
    das Vorankommen schwer. Das hohe Gras behinderte den schnellen Galopp und
    obwohl der kräftige Runtzid mit voller Kraft voranpreschte, schnaufe er bereits
    schwer und Schweiß glänzte auf dem schwarzen Fell. Sie waren mittlerweile nur
    noch ein paar Minuten entfernt, Hogh erkannte, dass der Mann ohne weitere
    Hilfsmittel unterwegs war, er trug keinen Schulterbeutel und keinen Karren bei
    sich, doch an seiner Hüfte hing ein Schwert. Es musste ein gut betuchter Mann
    sein. Umso mehr wunderte es Hogh ihn hier anzutreffen. Der Mann sah sie
    mittlerweile und blieb stehen. Er wartete auf sie.

    Als Hogh ihn
    erreichte, zog er kräftig die Zügel und der Runtzid kam schnaubend zum Stehen.

    Der Mann,
    der vor ihm stand, befand sich in der Blütezeit des Lebens. Hogh schätzte ihn auf
    Anfang bis Mitte zwanzig.

    „Seid gegrüßt, werter Herr.“

    „Ich grüße
    euch, junger Bursche.“

    Der junge
    Mann verbeugte sich leicht in einer Darbietung der Höflichkeit, doch wirkte er sehr
    selbstbewusst. Blaue Augen sahen in aus einem wohl geformten Gesicht an. Er war
    wohl das, was viele als attraktiv bezeichnen würden. In einer lässigen Geste warf
    er das Haar seines braunen Schopfes zurück, welches ihm seitlich über ein Auge fiel. Hogh
    bemerkte, dass er die Kleidung eines Kriegers trug. Die eines wohlhabenden
    Kriegers. Das Leder seines Brustharnisches und des Waffenrockes wirkte weich
    und dennoch fest und hochwertig, er trug Stiefel aus Bronzehirschleder, welches
    sich nur die Wohlhabenden leisten konnten. Daraus schloss Hogh, dass er der
    Adligen- oder Kriegerkaste angehören musste, eventuell der Priesterkaste. Hogh
    warf einen Blick auf das Schwert. Es handelte sich um ein hochwertiges
    Breitschwert mit einem aus Metall gefertigtem Heft. Kunstvolle Runen waren im
    Griff eingraviert. Ein normaler Bauer besaß nicht solch ein Schwert. Es ruhte
    in einer weichen Lederscheide an seiner Hüfte.

    Der Jäger sah ihn an.

    „Ich bin
    Hogh, Jäger und Wildhüter hier in den Hochebenen von Tralsund. Sagt mir, wie
    ist euer Name, junger Bursche.“

    Hogh musste
    laut sprechen. Der Wind heulte und wehte ihm die dunklen Haare in´s Gesicht. Es
    wurde merklich dunkler, die Sonne war bereits halb untergegangen.

    „Cedric. Cedric Gwendor“

    „Nun Cedric,
    da könnt ihr euch glücklich Sschätzen, dass ich auf euch aufmerksam wurde. Ich
    bin gekommen um euch zu holen. Die Winde sind in Aufruhr, die Erde und die Luft
    stehen in Spannung. Es ist eine aufkommende Druidennacht. Ihr solltet euch zu
    solch einer Zeit in eurem Dorf im sicheren Heim aufhalten und nicht hier
    unterwegs sein. Kommt, steigt auf, wir haben nicht viel Zeit.“

    Doch der Mann
    blieb weiter stehen und lächelte ihn nur an.

    „Ich weiß
    eure Mühe zu schätzen. Ja, ihr habt Recht, es ist eine aufkommende
    Druidennacht. Aber vielleicht bin ich genau deswegen hier.“

    Der Wald vor
    ihnen lag nun komplett im Dunklen. Tiefe Schatten fielen nun auch auf das
    Grasland, auf dem sie standen.

    „Junge, mir
    scheint ihr begreift den Ernst der Lage nicht. Die Nacht bricht bald herein.
    Wenn ihr hier draußen bleibt, werdet ihr die Nacht nicht überleben. Ich weiß
    ihr seid jung, ihr tragt eine Waffe, die darauf schließen lässt, dass ihr eine
    gute Ausbildung im Kampf erhalten habt, aber seid nicht töricht aufgrund eures
    jugendlichen Leichtsinns. Der Wald liegt wenige Meter vor uns und von dort
    kommt die Gefahr.“

    „Genau dahin
    bin ich unterwegs. In den Wald.“ In lässiger Haltung stand er da, während er
    sprach.

    Hogh weitete
    die erst die Augen, war sich nicht sicher ob er richtig gehört hatte. Dann
    wurde er wütend: „Nun hört mir mal zu Bürschlein. Ihr könntet mein Sohn sein
    und ich als Wildhüter kann es nicht verantworten einen Jungen wie euch hier
    draußen seinem Schicksal zu überlassen. Euer nettes Schwert da wird euch da
    oben um die Ohren fliegen, ehe ihr gucken könnt. Ich begebe mich für euch gerade
    in Gefahr. Wir stehen schon viel zu lange hier herum. Es ist nun wirklich keine
    Zeit für Diskussionen. Was immer es ist, eine Mutprobe, ein Verlangen nach
    Anerkennung, das euch hierher treibt, lasst eure Torheit fallen und steigt auf.“

    Eine heftige
    Böe überkam ihn und er musste seine Beine fest in die Flanken seines Pferds
    drücken und die Zügel festhalten um nicht den Halt zu verlieren. Er sah zum
    Horizont, die Sonne war nun untergegangen, ein sanftes orangenes Glitzern war
    alles, was noch darauf deutete, dass dort eben noch eine Sonne war.

    „Schnell jetzt!“

    Cedric sah
    ihn nun ernst an.

    „Ich danke
    euch für eure Fürsorge. Doch ich lehne euer Angebot ab.“

    Hogh
    fluchte. Er zog kräftig an den Zügeln, dass sich der Runtzid aufbäumte und warf
    dem Mann namens Cedric dabei einen kleinen hölzernen Gegenstand zu.

    Geschickt
    fing er es auf. „Was ist das?“

    „Ein Glücksbringer.
    Es ist ein Geschenk meines Großvaters. Vielleicht bringt er euch ja Glück, wo
    euch sonst nichts mehr helfen kann.“

    Mit diesen
    Worten riss er sein Pferd herum und galoppierte in die dunkler werdende Dämmerung davon.

  • Nicht-Niedlich

    Hat den Titel des Themas von „Wie klingen die ersten Seiten, die ich geschrieben habe“ zu „Wie klingen die ersten Seiten, die ich geschrieben habe?“ geändert.
  • Der Text ist im Blocksatz leichter zu lesen, weil die Bewegung des Auges vom rechten Rand zurück zum linken Rand damit unterstützt wird.


    Benutze ein Korrekturprogramm, ehe du Probeleser suchst.


    Überlege, ob Adjektive an der jeweiligen Stelle ganz wegfallen können oder eine Beschreibung aussagekräftiger wäre. Willst du behaupten oder beschreiben?


    Redewendungen sollten in die Epoche deiner Figuren (für die du eine Art Wiki vorbereitet haben solltest) und ihre Lebensrealität passen. Wenn deine Figur evtl. selbst keine Westen kennt, kann sie nichts wie die eigene Westentasche kennen, eher wie die eigene Handfläche.


    Weshalb sollte er Sporen benutzen? Was hat er überhaupt für eine Beziehung zu seinem Pferd?


    ...

    :study: -- Milchmann

    :musik: -- Scythe 3


    "The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card.!" E. L. Doctorow


    --------------

    Reihen: dt. Titel später ergänzt:

    Kate Penrose
    Ben Kitto
    03. Kalt flüstern die Wellen (2019=Ersch.jahr d. Originals) Burnt Island--978-3596700011


  • Ich gebe zu, nur quer gelesen zu haben. Ich würde an Deiner Stelle sprachlich ein wenig nacharbeiten.


    Diesen Satz verstehe ich nicht:

    Hogh weitete
    die erst die Augen, war sich nicht sicher ob er richtig gehört hatte.

    Und hier ist eine grammatikalische Schwäche:

    Er zog kräftig an den Zügeln, dass sich der Runtzid aufbäumte und warf
    dem Mann namens Cedric dabei einen kleinen hölzernen Gegenstand zu.

    Geschickt
    fing er es auf.

  • Ich habe den Anfang der Probe gelesen und finde, dass es so weit für einen ersten Entwurf recht vielversprechend klingt. Es gibt aber auch - wie zu erwarten ist - einen Haufen Überarbeitungsbedarf. So lange du nur für dich selbst schreibst, kannst du das natürlich zurückstellen und erst angehen, wenn die Geschichte fertig ist, aber in Leseproben wäre es vorteilhafter, wenn du dich damit schon befasst hättest. Denn auch, wenn du deinen Gesamttext sicherlich nicht immer gleich überarbeiten willst, weil das den Schreibfluss stauen würde, solltest du bei Leseproben schon sicherstellen, dass sie in stilgeprüfter Form vorliegen, damit andere sie richtig würdigen können. Dann werden die Kritiken auch interessanter für dich, weil sie sich mehr auf deine Schwachpunkte beziehen und weniger auf etwas, das du vielleicht einfach nur noch nicht gemacht hast.

    Besonders aufgefallen sind mir:

    - Wortwiederholungen. Wind, Wind, Wind, wehte, wehte, wehte.

    - inhaltliche Wiederholungen.

    - unnötige Inhalte (z. B.

    Die letzten bewohnten Siedlungen befanden sich weiter unter im tieferen
    Flachland.

    ) Die Information wird da nicht benötigt, stört die Stimmung (und wird zudem später wiederholt).

    - zahlreiche Passivkonstruktionen mit "war".

    - Anflüge von "Adjektivitis". Fällt dir beispielsweise kein Wort ein, das allein für "heftiger Wind" steht?

    Schau dir am besten den Thread zur Manuskriptüberarbeitung hier im Autorenteil sehr ausführlich an.