Stefan Slupetzky - Im Netz des Lemming

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  • Was passiert mit einer Gesellschaft, in der keine Tabus hinsichtlich des Sagbaren bestehen? Wo Menschen allein wegen Mutmaßungen im Internet geballten Hass abbekommen, wo jede_r andere auf übelste beschimpft und sich noch darüber freut, dafür Likes zu erhalten? Wo ein Beitrag in einem sozialen Netzwerk ganze Existenzen zerstören kann?

    Genau darum geht es in dem folgenden Buch von Stefan Slupetzky: Der Nachtwächter Lemming gerät in ein Netz aus medialen Hass und Verfolgung, als verbreitet wird, er hätte versucht, ein Kind zu missbrauchen, das vor seinen Augen in den Suizid getrieben wurde.

    Im Versuch, den eigenen Ruf zu retten und die wahren Täter_innen zu entlarven decken er und der entlassene Polizeiinspektor Polivka dabei auf, wie sehr Meinungen im Internet über sogenannte "Bots" verbreitet werden und wie die reine Sensationsgier den gesunden Menschenverstand sabotieren kann.

    Das Hörbuch wird sehr lebendig erzählt und lässt die Hörer_innen mit einem ungesunden Nachgeschmack zurück: Wie gehen wir selbst in sozialen Netzwerken mit unserer Sprache um? Wie schnell lassen wir uns vereinnahmen? Was tun wir in einer Notsituation? Die andere Person versuchen zu retten oder schnell ein Foto / ein Video machen um es dann zu posten?

    Auch wenn das Buch als Krimi angelegt ist, so ist es doch viel mehr: Eine Zustandsbeschreibung vieler so genannter moderner Gesellschaften, eine Abrechnung mit dem politisch medialen System in Österreich und auch ein Aufruf an jede_n Einzelnen. Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen und hoffe, dass es viele zum Nachdenken anregen kann.

  • Inhalt:

    Leopold Wallisch, genannt Lemming, begleitet Mario, den Freund seines Sohnes
    zur U-Bahn. Der Junge springt, nachdem er auf dem Handy eine Nachricht erhalten
    hat, direkt vor eine fahrende U-Bahn. Was hat Mario zu diesem schrecklichen
    Selbstmord getrieben.

    Meinung:

    Dieses ist der 6. Teil von Stefan Slupetzky Serie um den Lemming. Ich kannte
    die Vorgeschichte nicht und hatte daher anfangs etwas Schwierigkeiten mit dem
    Schreibstil und den typischen österreichischen Redewendungen.

    In dem Krimi geht es um aktuelle brisante Themen, die Flüchtlingskrise und
    die Folgen von Cybermobbing.

    Der Autor versteht es den Leser mit der Handlung und einem hohen Tempo bis
    zum Schluss zu fesseln. Die Protagonisten sind herrlich schräge Typen und haben
    hier tolle Ermittlungsarbeit geleistet.

    Bei der Auflösung des Falls fehlten mir zum Schluss ein bisschen die
    Hintergründe und die Auftraggeber. Da es sich aber um politisch angehauchte
    Aktivitäten handelte, wollte der Autor sich hier wohl nicht allzu deutlich äußern.

    Fazit:

    Ein absolut lesenswerter spannender Krimi. Mit einer großen Portion Komik
    regt er dennoch sehr zum Nachdenken an.

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