David Finch - BATMAN The Dark Knight: Dunkle Dämmerung

  • DC Premium #79


    BATMAN – The Dark Knight: Dunkle Dämmerung


    von David Finch und Jason Fabok


    Inhalt: Als das bekannte Charity-Girl Golden Dawn als vermisst gemeldet wird, beginnt für Batman ein sehr persönlicher Kriminalfall, denn das jetzige „It-Girl“ war früher eine Kindheitsfreundin und war die erste Liebe von Bruce Wayne. Es entsteht, durch die Besonderheit der Umstände, eine erbitterte Suche nach der Frau. Und was zunächst wie ein normaler Vermisstenfall beginnt, entwickelt sich zu einem, im wahrsten Sinne des Wortes, höllischen Drama…


    Ich muss zugeben: ich bin beim Kauf dieser Lektüre von falschen Voraussetzungen ausgegangen, denn bei dem Label „DC Premium“ hatte ich erwartet, eine in sich abgeschlossene Geschichte der Miniserie „The Dark Knight #1 - #5 zu lesen. Doch offenbar war diese Serie bei Erscheinen im Januar 2011 als langfristige Serie geplant gewesen, und wurde dann ein gutes Jahr später kurzfristig mit dem DC-Relaunch nach der Ausgabe #5 nochmals mit einer Nummer #1 neu gestartet. So ist diese Story wohl eher als Prolog zu dem Neustart zu werten, und lässt am Ende leider einige offene Handlungsfäden liegen, die wohl erst in der neuen Serie „The Dark Knight“ wieder aufgenommen werden.


    Bis dahin wird eine nicht unspannende Jagd des Dunklen Ritters nach der Kindheitsfreundin des heranwachsenden Bruce Wayne geschildert. Damit verkörpert diese Frau für ihn einen der wenigen letzten Anker in eine Zeit, als für Bruce Wayne die Welt noch in Ordnung war, als seine Eltern noch lebten und sein Leben noch nicht diese schrecklich Wendung genommen hatte. Entsprechend verbittert beginnt Batman mit seinen Ermittlungen, um am Ende mit der galligen Erkenntnis leben zu müssen, dass nichts so war, wie es damals für ihn schien. Erinnerungen an Kindheiten sind oftmals verklärt, und verbergen das, was man vielleicht nicht sehen konnte, oder wollte.


    Das ist mithin ein interessantes Thema, das bedauerlicherweise aber zu wenig von Autor und Zeichner David Finch vertieft wird. Stattdessen werden zahlreiche Handlungsfäden aufgenommen und zu viele Gegenspieler (Ragman, Etrigan, Blaze, Pinguin, Joker, Killer Croc) ins Spiel gebracht. Zu viele Köche verderben da mitunter den Brei. Weniger wäre da sicher mehr gewesen, um mehr Raum für den hochinteressanten Hauptplot zu schaffen, und damit auch den Erzählrhythmus etwas optimaler zu gestalten. Bleibt zu hoffen, dass durch den im Zuge des Neustarts verpflichteten englischen Autor Paul Jenkins ein etwas weniger holperiges Storytelling eintritt.


    Die Zeichnungen sind zumindest nach meinem Geschmack über alle Kritik erhaben. Das Zeichenwerk der kanadischen Teams David Finch und Jason Fabok ist filigran und gleichzeitig stimmungsvoll, eine Kombination von zwei Attributen, die in anderen Veröffentlichungen durchaus schon in die Hosen gegangen ist, hier aber verdammt gut funktioniert. Hier soll aber die ausgezeichnete Farbgebung, laut den Credits ein Team aus gleich fünf Künstlern, nicht unterwähnt bleiben.


    Fazit: Eine durchschnittliche Mitternachtsstory mit einigen Schlaglöchern in der Erzählung und mit einem wirklich hervorragenden Artwork.

    Das Amt des Dichters ist nicht das Zeigen der Wege, sondern vor allem das Wecken der Sehnsucht.



    H.H.