Linda Winterberg - Aufbruch in ein neues Leben

  • Inhaltsangabe:


    Im Sommer 1917 wird in der Frauenklinik Neukölln eine Hebammenschule eröffnet. Innerhalb von 18 Monaten können junge Frauen dort diesen Beruf erlernen und danach als staatlich geprüfte Hebamme selbstständig arbeiten.


    Luise, Margot und Edith treffen fast zeitlich in der Schule ein und werden Freundinnen fürs Leben. Luise, Vollwaise, hat bei ihrer Großmutter in Preußen bereits als Hebamme gearbeitet. Aber um selbstständig arbeiten zu dürfen, benötigt sie „den Schein“, der sie als staatlich geprüfte Hebamme auszeichnet. Ihre Erfahrung in diesem Bereich beeindruckt die Ausbilder, ganz besonders ein Arzt hat sein Auge auf sie geworfen: Günter.


    Margot stammt aus Neukölln und ihre Familie ist von Armut gekennzeichnet. Ihr Vater ist im Krieg gefallen und die Mutter muss in einer der Fabriken arbeiten, um die ganze Kinderschar zu ernähren. Eigentlich fehlt Margot an allen Ecken und Enden, aber sie hat ein Stipendium bekommen und kann nach dem Abschluss viel mehr Geld verdienen als in der Fabrik. Doch immer wieder wird klar, dass ihre Familie sie braucht.


    Edith stammt aus gutem Haus. Ihre Eltern, jüdische Kaufmannsleute, hatten sich eigentlich einen anderen Lebensweg für ihre Tochter ausgedacht: einen gutsituierten Mann heiraten und Kinder kriegen. Edith jedoch ist es absolut zuwider, so völlig nutzlos zu sein. Mit 21 Jahren hat sie die Volljährigkeit erreicht und mit Hilfe ihres Bruders, der in Amerika lebt, kann sie auch ohne die Einwilligung ihrer Eltern zur Hebammenschule gehen. Es gibt einen furchtbaren Streit, der bis zur Leugnung der Tochter führt.


    Werden die jungen Frauen ihren Aufbruch in ein neues Leben gut meistern?


    Mein Fazit:


    Linda Winterberg hat ein wunderbares Buch geschrieben, welches die Atmosphäre der damaligen Zeit wunderbar eingefangen hat. Man spürt immer wieder ihre Liebe zum Detail, ihre Hingabe für die Genauigkeit und authentische Figuren.


    Die drei jungen Frauen –Margot, Luise und Edith- stehen sinnbildlich für viele, die damals unter widrigen Umständen ihre Ausbildung zur Hebamme gemacht haben. Mit Doppelschichten, schönen und weniger schönen Erlebnissen und der herzlichen Fürsorge für ihre Mitmenschen, vor allen Dingen Frauen.


    Viele kleinere und größere Geschichten begleiteten sie durch die Zeit des Umbruchs. Der Krieg wütet noch in Europa, aber es mehren sich die Stimmen, die ein Ende des Krieges wollen, die sich für Demokratie und für soziales Engagement einsetzen. Kein Wunder, viele Familien lebten in bitterer Armut, konnten sich eigentlich keine Kinder leisten und doch kamen sie, die kleinen süßen Würmer, die oftmals die ersten Wochen nicht oder nur sehr schwer überlebt haben. Schicksale, eines beklemmender als das andere, lassen einen nicht unberührt.


    Trotz aller düsteren Zeiten gibt es auch immer wieder kleinere und größere Happy Ends und das finde ich auch glaubwürdig. Es ist eine sehr gute Milieustudie, die ein plastisches Bild der damaligen Zeit wiedergibt. Die Vorleserin Eva Gosciejewicz hat es mit ihrer sanften Stimme und eigentümlichen Betonung sehr gut transportiert. Schon in „Solange die Hoffnung uns gehört“ hat sie es sehr gut und zuweilen eindringlich gemacht, bei dieser Geschichte ist es nicht anders.


    Diese Geschichte ist bewegend und berührend, von Eva Gosciejewicz wunderbar vorgelesen, mit fünf Sternen kann ich es wärmstens empfehlen. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

    LG, Elke :wink:

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