Jason Reynolds - Long way down/Long way down

Long way down

4 von 5 Sternen bei 2 Bewertungen

Verlag: dtv

Bindung: Broschiert

Seitenzahl: 320

ISBN: 9783423650311

Termin: August 2019

  • Long way down - Jason Reynolds


    Dtv Verlagsgesellschaft

    320 Seiten

    Poetisches Drama

    Einzelband

    23. August 2019


    Inhalt:


    Will ist entschlossen, den Mörder seines Bruders zu erschießen.

    Er steigt in den Fahrstuhl, die Waffe im Hosenbund.

    Er ahnt noch nicht, dass die Fahrt ins Erdgeschoss sein Leben verändern wird.

    Er denkt an Menschen aus seiner Vergangenheit, und was er mit ihnen erlebt hat.
    Es sind Erinnerungen und Geschichten voller Gewalt, Hass, Ohnmacht und Rache. All diese Menschen sind tot.

    Und Will muss sich fragen, was das für sein Leben bedeutet.

    Als er im Erdgeschoss ankommt, ist er sich nicht mehr sicher, ob er seinen Bruder tatsächlich rächen wird, weil es »die Regeln« so wollen. Oder kann er den Teufelskreis der Gewalt durchbrechen?


    Meinung:


    In einem Fahrstuhl kann viel passieren.

    Sieben Stockwerke gefüllt mit sechs Leben.

    Sieben, wenn man den Protagonisten Will mit dazu zählt.

    Verwirkte Leben, Vergangenheit trifft auf Gegenwart trifft auf Zukunft.

    Und immer die Frage nach dem Wieso, Weshalb, Warum.

    Warum sollte Will die Regeln befolgen? Weiß er, was er tut?

    Was gibt es ihm, wenn er den Schuss durchzieht?

    Was, wenn es den Falschen trifft? Und was, wenn nicht?


    „Long way down“ ist in vielerlei Hinsicht einzigartig.

    Den Anfang macht die Kürze der Geschichte, obwohl das Buch selbst 320 Seiten hat.

    Denn es geht einzig und allein um Mord, Rache und eine Fahrstuhlfahrt. Das ist nicht mal der Bruchteil eines Lebens. Sondern nur ein Auszug. Vielleicht 10 Minuten. Minuten, in denen so viel passieren kann.

    Desweiteren ist da der Schreibstil. Es gibt irgendwie keine Kapitel und die Seiten sind nicht ausgefüllt, sondern mit Gedanken, Worten und Poesie bestückt. Wer nicht viel mit gedichtartigen Schreibformen anfangen kann, der sollte hier direkt die Finger davon lassen.


    Will lebt mit seiner Mutter und seinem Bruder in einer Art... Ghetto.

    So, wie man das aus Filmen kennt, bei denen Gangs die Straßen beherrschen und an jeder Ecke mit irgendwelchen Waren gedealt wird. Er ist 15, als sein Bruder Shawn getötet wird und die unausgesprochenen Regeln der Bevölkerung in Kraft treten. Nicht weinen, nicht verpfeifen, Rache nehmen.

    Und das will er. Mit der Pistole seines Bruders. Will tritt die längste Fahrstuhlfahrt seines Lebens an.


    Ich will ehrlich sein. Irgendwie habe ich mir mehr erwartet.

    Zu Beginn sind die Worte des Autors noch direkt in mein Herz eingeschlagen.

    Ich fühlte, was Will fühlte. Seine Trauer, seine Wut, sein Bedürfnis nach Rache.

    Doch je tiefer der Fahrstuhl kam, desto weniger fühlte ich mich mit ihm verbunden.
    Die Worte, so schön sie auch gewählt waren und so kraftvoll sie auch aus den Seiten sprangen, diese Worte erreichten mich nicht mehr.
    Alles verpuffte in Rauch und Zigarettenqualm, irgendwie.

    Was schade ist, denn dieses Buch hätte so so so emotional sein können.

    Und die Geschichte selbst ist es auch. Wobei ich mir echt eine Auflösung der Situation gewünscht hätte.
    Der Autor lässt den Leser am Ende in der Luft hängen und sowas mag ich leider absolut gar nicht.

    Das war wie ein Todesstoß für restliche, übrig gebliebene Sympathien.


    Bei der poetischen Ausdrucksweise - die sich fast nicht reimt, dafür aber enorme Wirkung hat, wenn man sich ein wenig damit beschäftigt - kann man eigentlich nicht von Spannung sprechen.

    Es ist vielmehr ein „Davongetragenwerden“. Wie auf einer Welle ging es durch die Seiten, man fliegt irgendwann über die Worte hinweg und hofft, dass der Fahrstuhl heil unten ankommt. Andersartig. Schön. Aber zu wenig.


    Fazit:


    Eine Fahrstuhlfahrt. Viel Poesie. Potenzial für Emotionen.

    Erst genutzt, dann schnell verbraucht. Wills kleine Erlebniswelt steckt voller Wahrheiten, voller Fragen und moralischen Dilemmas. Es ist eine Geschichte zum Nachdenken, zum Köpfchen anstrengen, wenn man das mag und irgendeinen Sinn in ausdrucksstarken Texten sieht.

    Für mich war es allerdings zu wenig. Zu wenig Gefühl. Zu wenig Lösung.

    Und mit dem abrupten Ende kann ich leider fast nicht umgehen.

    Nichtsdestotrotz gibt es bestimmt Menschen, die diese Art von Buch lieben werden. Weil es mal etwas Anderes ist.
    Ein Durchbruch des monotonen Ablaufs.


    Bewertung:


    ⭐️⭐️⭐️ (3/5)