Valérie Perrin - Unter den hundertjährigen Linden / Changer l'eau des fleurs

  • Die Friedhofswärterin Violett Toussaint ist in den 50ern und wacht nicht nur über die Toten, die seit 20 Jahren ihre Familie geworden sind. Sie nimmt auch Anteil an den Lebenden, die den Friedhof frequentieren, um ihre verstorbenen Liebsten zu besuchen, und um in der Nähe ihrer schmerzlich vermissten Tochter zu sein, die dort seit ihrem 7. Lebensjahr begraben ist. Die zurückhaltende Violette bleibt immer für sich, bis plötzlich der Polizist Julien Seul in ihr Leben tritt und dieses mit einer Bitte aus dem Takt bringt. Er möchte den letzten Willen seiner verstorbenen Mutter erfüllen und sie neben einem ihm völlig unbekannten Mann bestatten lassen. Welche Bedeutung dieser Mann im Leben seiner Mutter gehabt hat, möchte Julian unbedingt herausfinden. Mit Violettes Hilfe geht er im Tagebuch seiner Mutter auf Spurensuche, was ihr beider Leben verändern wird…


    Valérie Perrin hat mit „Unter den hundertjährigen Linden“ einen wunderschönen und gefühlvollen Roman vorgelegt, der dem Leser direkt ans Herz greift. Der Erzählstil ist flüssig, poetisch-melancholisch und vor allem tiefgründig, der Leser hat von Anfang an das Gefühl, bald schon in ein Geheimnis eingeweiht zu werden und taucht regelrecht in die Geschichte sowie in Violettes Leben ein. Geschickt lässt Perrin den Leser durch Rückblenden und alte Erinnerungen Violette und ihr Schicksal nach für nach kennenlernen, aber sie verbindet auch auf charmante Art durch verschiedene Episoden Violettes Dasein mit denen der Friedhofsbesucher. Schon bald hat man als Leser das Gefühl, die Gemeinschaft der Lebenden und Toten höchstpersönlich zu kennen, so familiär geht es auf dem Friedhof zu und schaffen eine Nähe, die man selten in Romanen findet. Die Autorin weiß hervorragend auf der gesamten Klaviatur des Gefühlsbarometers zu spielen und lässt den Leser eine wahre Achterbahn erleben, mal Trauer, mal Wut, mal Herzschmerz, mal Einsamkeit, mal Verzweiflung, aber auch Hoffnung, tiefe Liebe und Überraschung.


    Die Charaktere sind lebendig gezeichnet und schleichen sich mit ihren individuellen Eigenschaften schnell ins Herz des Lesers. Er fühlt sich ihnen schnell verbunden, taucht in ihr Leben ein und erlebt mit ihnen Schicksalsschläge sowie unvergesslich magische Momente. Violette ist eine zurückhaltende Frau, die in ihrem Leben schon so einiges durchgemacht hat, die aber eine gewisse Strahlkraft, Ruhe und Sanftheit in sich trägt, die ihr die Herzen der Friedhofsbesucher öffnen. Julien Seul ist ein selbstbewusster Mann, der durch die Bitte seiner Mutter und deren Geheimnis verunsichert wird. Er hat den Kopf voller Fragen und fürchtet sich insgeheim vor den Antworten. Ebenso sind die weiteren Protagonisten für die Handlung von großer Bedeutung, verleihen sie der gesamten Geschichte doch eine gewisse Magie, die sich während der Lektüre auf den Leser überträgt und sich als Teil von ihnen fühlt.


    „Unter den hundertjährigen Linden“ ist ein wunderbarer Roman über Schicksale, die Lebenden und die Toten, über Hoffnungen, Verlust, Träume und die Liebe, zauberhaft verwoben zu einer ganz besonderen Geschichte. Für alle, die die leisen und zarten Töne lieben, eine absolute Leseempfehlung!


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    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


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    Albert Einstein


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    SUB: ca. 1.800 / gelesen 2019: 367/ 143788 Seiten

  • K.-G. Beck-Ewe

    Hat den Titel des Themas von „Valérie Perrin - Unter den hundertjährigen Linden“ zu „Valérie Perrin - Unter den hundertjährigen Linden / Changer l'eau des fleurs“ geändert.