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Veronika Lackerbauer - U wie Utopia

U wie Utopia

5 von 5 Sternen bei 1 Bewertung

Verlag: Verlag OHNEOHREN

Bindung: E-Book

Seitenzahl: 432

eISBN: 9783903296190

Termin: Oktober 2019

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  • Klappentext:

    Utopia – eine schöne neue Welt wie aus dem Bilderbuch. Nachdem die Erde, wie wir sie kennen, zerstört wurde, lebt ein kleiner Teil der Menschheit unter einer Klimakuppel, fern von allem Unheil. Jondis und ihre Freunde suchen in der von hehren Idealen geprägten Gesellschaft ihren Platz.

    Doch wo die glänzenden Fassaden Utopias mit Jondis‘ Lächeln um die Wette strahlen, ist kein Platz für unbequeme Fragen. Wo Klimakatastrophen gegen die schützende Kuppel branden und sich Türen öffnen, die besser verschlossen geblieben wären, bröckelt ein System.

    Ein System, das nichts kennt als das Streben nach Perfektion.

    Und das für diese Perfektion über Leichen geht …


    Eigene Meinung

    Dieser Roman zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie politisch Phantastik sein kann. Denn er nimmt sich eine ganze Reihe an gesellschaftskritischer Themen vor, die unsere heutige Welt ganz real bewegen: der Klimawandel und seine Folgen. Flüchtlinge, die im Meer ertrinken, die Abschottung gegen diese bzw. generell der Umgang mit ihnen. Genmanipulation und andere medizinische und wissenschaftliche Errungenschaften, die von einem ethischen Standpunkt her höchst fragwürdig sind. Optimierungswahn und Konkurrenzkampf in der Arbeitswelt. Manches wird überzeichnet, aber Ansätze bzw. Möglichkeiten dazu gibt es tatsächlich: Beispielsweise Kontrolle und Überwachung durch den Staat, mithilfe modernster Technologie.

    Das Utopia, das hier von der Autorin mit sehr vielen gut überlegten Einzelheiten entworfen wird, ist weit entfernt von einem Paradies. Hinter seinen schönen, glänzenden Fassade ist es ein Albtraum. Warum das so, das finden wir Lesende und die Protagonistin Jondis, aus deren Sicht die gesamte Handlung geschildert wird, erst im Laufe der Zeit heraus und mehr möchte ich an dieser Stelle auch gar nicht verraten, zumal es auch zu einem sehr interessanten Plottwist kommt. Ich weise allerdings darauf hin, dass es einiges an Gewalt gibt und einige harte Szenen, die sich nicht leicht lesen lassen. Es ist außerdem empfehlenswert, das Nachwort zu lesen.

    Mein einziger Kritikpunkt: Der Schreibstil wirkt auf mich teilweise etwas distanziert in Bezug auf die Protagonistin Jondis. Das hängt hier und da auch mit den vielen „Info-Blöcken” über das utopische System und andere Dinge zusammen, die überall in die Handlung eingestreut werden. Das muss natürlich auch sein, um den Weltenbau des Romans zu begreifen, aber an einigen Stellen geht aus meiner Sicht dadurch der Fokus auf Jondis etwas verloren.

    Eigentlich ist dieser nüchterne Stil sehr passend, um das geradezu klinisch sterile Utopia zu beschreiben. Aber bei den besonders dramatischen Szenen wird hier ein bisschen Potential verschenkt, weil ich als Leserin nicht unmittelbar an Jondis‘ Gefühlen und Emotionen teilhaben konnte. Meinen Gesamteindruck konnte das dennoch nicht schmälern, ich finde diese Dystopie sehr lesenswert.

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