Oyinkan Braithwaite - Meine Schwester, die Serienmörderin / My Sister, the Serial Killer

  • Kurzmeinung

    serjena
    Scharf, ironisch, frech wer Thriller Noir mag, wird begeistert sein
  • Kurzmeinung

    Cordi
    Eine völlig andere Art von Geschichte, wie erwartet. Ich weiß nicht ob’s daran liegt, aber bin leider nicht überzeugt.
  • Man ist gleich in der Geschichte drin, Korede hilft ihrer Schwester Ayoola die Leiche und die Spuren nach der dritten Tat zu beseitigen. Sie hat ihren Freund Femi angeblich in Notwehr getötet, wiedermal ein toter Freund...


    Eines Tages geschieht das, was Korede immer vermeiden wollte, Ayoola kommt sie unangekündigt in die Klinik auf der Arbeit besuchen und trifft auf den jungen Arzt, für den Korede schon seit einem Jahr vergeblich schwärmt.


    Doch dann wird hinter Femis Sofa ein blutiges Tuch gefunden...


    Korede hat sich angewöhnt, sich bei dem bewusstlosen Koma Patienten Muhtar auszusprechen. Zur Krönung muss sie ihrer Schwester auch noch immerzu bestätigen, dass sie nicht böse auf sie ist und weiter an die Notwehrversionen glaubt. Ayoola war schon immer die schöne, beliebte und bevorzugte Schwester.


    Keine Ahnung wie, aber Ayoola schafft es immer wieder, dass die anderen als schuldige Monster dastehen, die Unrecht haben.


    Durch eingestreute Kapitel mit Rückblicken erfährt man mehr über die schwere Kindheit der beiden Schwestern mit dem untreuen, gewalttätigen Vater, der vor 10 Jahren verstorben ist.


    Dieser Thriller ist recht nüchtern und zynisch, aber auch kurzweilig. Korede ist eine sympathische, nachvollziehbare Protagonistin. Man fiebert dem Ende entgegen.


    5 von 5 Punkten

  • Klappentext

    Zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Ayoola ist das Lieblingskind, unglaublich schön -- und sie hat die Angewohnheit, ihre Männer umzubringen.

    Korede ist eher praktisch veranlagt und dafür zuständig hinter ihrer Schwester aufzuräumen: die Krankenschwester kennt die besten Tricks, um Blut zu entfernen, und ihr Kofferraum ist groß genug für eine Leiche. Dann verknallt sich natürlich auch Tade, der hübsche Arzt aus dem Krankenhaus, in Ayoola, der doch eigentlich für Korede bestimmt ist. Jetzt muss die sich fragen, wie gefährlich ihr Schwester wirklich ist -- und wen sie hier eigentlich vor wem beschützt.

    Meinung

    Es ist nicht unbedingt schwarzer Humor der den Leser in diesem Buch erwartet, denn das Schicksal meint es nicht gut mit den Schwestern. Die Eine weiß sich nur mit einem Messer gegen echte und eingebildete Bedrohungen zu wehren und die Andere beschützt sie und räumt hinter ihr auf. Der Versuch aus diesem Dilemma aus zu brechen scheitert, es bleibt bei dem gewohnten Verhaltensmuster, das uns Lesern in Rückblenden erklärt wird.

    Dies alles wird in einem kurzen,knappen Schreibstil erzählt, wobei vieles ungesagt bleibt und nur zwischen den Zeilen steht.

  • Zur Autorin:

    Oyinkan Braithwaite hat Kreatives Schreiben und Jura in Kingston studiert, in einem nigerianischen Verlag und in einer Produktionsfirma gearbeitet. Heute ist sie als freie Autorin tätig. Sie war nominiert für den Commenwealth Short Story Preis und ihr Debütroman "Meine Schwester, die Serienkillerin" war ein fulminanter Erfolg in der englischsprachigen Welt und hat den Los Angeles Times Book Prize gewonnen. Sie lebt in Lagos, Nigeria. - Amazon

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • Squirrel

    Hat den Titel des Themas von „Oyinkan Braithwaite - Meine Schwester, die Serienmörderin“ zu „Oyinkan Braithwaite - Meine Schwester, die Serienmörderin / My Sister, the Serial Killer“ geändert.
  • Ist Blut dicker als Wasser? Das könnte man annehmen, wenn man die Schwestern Korede und Ayoola betrachtet. Korede ist Krankenschwester und macht äußerlich nicht so viel her. Ayoola dagegen ist sehr schön. Die Schwester könnten also unterschiedlicher nicht sein, aber sie können nicht ohne die andere. Die praktisch veranlage Korede muss daher auch hin und wieder hinter Ayoola „aufräumen“, wenn diese mal wieder ihren Freund getötet hat. Das wird allerdings problematisch, als sich der Arzt Tade in Ayoola verleibt, den doch eigentlich Kerede für sich wollte.

    Der Schreibstil der Autorin Oyinkan Braithwaite ist recht nüchtern. In Rückblenden erfahren wir mehr über die Kindheit der Protagonistinnen, die nicht einfach war.

    Die Charaktere sind gut gezeichnet. Die Schwestern halten zusammen. Korede räumt auf, wenn ihre Schwester sich mit dem Messer gegen Bedrohungen gewehrt hat. Aber unterschwellig ist die Beziehung doch weitaus komplizierter. Korede erscheint als die Gute und wird von niemandem beachtet, auch nicht von den Eltern. Ayoola wurde stets vorgezogen und nimmt sich, was sie mag und wenn sie nicht mehr mag, liegen Leichen am Wegesrand. Ihr scheint nie bewusst zu sein, was sie anstellt. Korede ist für ihre Schwester da und tut, was sie tun muss. Aber sie muss ihre Nöte auch manchmal teilen; das tut sie bei einem Komapatienten in ihrem Krankenhaus.

    Das Ende ist schlüssig, aber nicht überraschend, denn am Ende musss man sich entscheiden.

    Eine unterhaltsame und etwas böse Geschichte.

  • Ich habe "Meine Schwester, die Serienmörderin" in anderthalb Tagen weginhaliert und fand das Buch bis auf das für mich zu abrupte Ende großartig. Allerdings kann ich es auch nachvollziehen, dass nicht jede/r Leser/in die hier eingesetzte Art von schrägem bis schwarzem Humor witzig findet - dementsprechend unterschiedlich fallen die Bewertungen aus, wobei man auf amazon noch eine viel größere Bandbreite beobachten kann.


    Zum Inhalt wurde in den Beiträgen oben schon genug geschrieben. Wenn man es schafft, sich auf die männermordende Schönheit und ihre unscheinbare, praktische Schwester, die hinter ihr aufräumt, einzulassen, kann man viel Spaß mit dieser Geschichte haben. :D Aber das Buch ist sicher nicht jedermanns und jederfraus Sache.


    Braithwaite erzählt temporeich, ohne Schnörkel und bleibt zwar nah an ihren Figuren, lässt aber zumindest Korede auch eine ironische oder gar sarkastische Distanz zu sich selbst einnehmen; Ayoola wäre dazu nicht fähig. Aus beidem heraus entwickelt sich oft eine Situationskomik, bei der einem schon im nächsten Moment das Lachen im Halse stecken bleiben kann. Ich persönlich mochte diesen schrägen Humor sehr. Vielleicht hatte mich die Bezeichnung "Thrillerkomödie", die ich irgendwo gelesen hatte, schon in die passende Spur gesetzt. Natürlich sind einige Teile der Handlung absurd, grotesk, überzeichnet - aber über viele Strecken wird das Tun und Lassen der Hauptfiguren auch psychologisch schlüssig und raffiniert entwickelt, sodass klar wird, dass sie (vielleicht?) gar nicht anders können. Rückblenden zu ihrem familiären Hintergrund, v.a. der Kindheit und Jugend, geben passend Aufschluss über das Wesen der Figuren und machen ihre Entwicklungen durchaus nachvollziehbar.


    In einer Rezi (ich glaube, auf amazon) wurde kritisiert, dass der spezielle nigerianische Hintergrund nicht explizit genug in die Geschichte eingewoben wurde. Dazu muss ich sagen, dass mir gerade das an dem Roman gefallen hat. Es kann doch nicht die Aufgabe von afrikanischen AutorInnen sein, westlichen LeserInnen ständig ihr jeweiliges Land zu erklären, historische Hintergründe darzulegen oder eine grundlegende Sozialdebatte über Reich und Arm zu führen. Braithwaite versucht das erfreulicherweise gar nicht erst. Die Reibungspunkte und Bruchstellen zwischen traditionellen und modernen Werten / Rollenvorstellungen usw. fließen ganz von selbst mit ein, ohne dass die Autorin diese immer breit entfalten müsste. Und wenn man als europäische LeserIn irritiert ist, weil die beiden Schwestern mit ihrer Mutter in Lagos völlig selbstverständlich ein komfortables Haus mit Klimaanlagen bewohnen, jeweils ihr eigenes Auto fahren und Ayoola ständig Fotos ihrer Mahlzeiten auf Instagram postet oder ihre youtube-Fangemeinde bespaßt, muss man wohl eher mal das eigene Afrikabild modifizieren... :lol:


    Fazit: Eine sehr unterhaltsame, aber auch nachdenklich stimmende Thrillerkomödie. Leider kam das Ende des Buches viel zu schnell. Ich hoffe, mehr von dieser Autorin zu lesen.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

    Lg Sarange :cat:


    :study: Annie Proulx - Aus hartem Holz

    :study: Joann Sfar - Die Katze des Rabbiners (div. Rereads)

  • :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    Dieses Buch lief mir allerorten über den Weg, und wurde von vielen hochgelobt. Das machte mich ebenfalls neugierig auf dieses Buch aus Nigeria.


    Die Einblicke in die Lebenswelt der gehobenen Mittelschicht in Laos fand ich auch dann auch am interessantesten, darüber wusste ich zuvor nämlich gar nichts und hatte auch nicht einen der westlichen Welt so ähnlichen Lifestyle erwartet.


    Die Geschichte hat mit der Liebhaber tötenden Schwester einen ungewöhnlichen Aufhänger (lässt an Patricia Highsmith und Ingrid Noll erinnern), hat mich aber nicht unbedingt vom Hocker gerissen. Gefehlt hat mir hier zum Beispiel ein Einblick in das Seelenleben von Ayoola. Die Erzählerin - also die große Schwester - baut zwar Rückblicke in ihre Kindheit mit ihrem gewalttätigen Vater ein, aber das als Erklärung allein war mir zu wenig.


    Jedoch hat mir der Schreibstil des Buches sehr gut gefallen, weshalb ich es am Ende doch mit sehr guten 4 Sternen bewerte.